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Ausgabe:

1902 Nr. 9

Spalte:

283-284

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gottschick, Johannes

Titel/Untertitel:

Abschiedspredigten an die aus der Predigeranstalt austretenden Kandidaten 1902

Rezensent:

Achelis, Ernst Christian

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283

Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 9.

284

hängt es wahrfcheinlich zufammen, dafs die Predigt nur
durch den Text, nicht immer durch die Sache felbft begrenzt
wird; und mit der Abneigung des Herrn Verf.s

heifsen. Ueberall wird der Begriff der Kirche als reli-
giöfer Gemeinfchaft betont; zum Dienffe an den und für
die gläubige Gemeinde find fie berufen, die inmitten der

gegen alle rhetorifche Kunft, wie mit feiner Vorliebe j juridifchen kirchlichen Gemeinfchaft mit ihren oft recht

für fchlichte, auch vor Vulgarismen nicht zurück
fchreckende Sprache, wird zufammenhangen, dafs eigentliche
Höhepunkte der Predigt fehlen. Die Beforgnifs
freilich, dafs folche ausdrücklich für den akademifchen
Gottesdienft gearbeitete Predigten über die Faffungskraft
der kirchlichen Gemeinde hinausgingen, ift der Gabe von
Loofs gegenüber unbegründet; alles ift nicht theologifch,
fondern religiös gedacht und empfunden; und feiten, wie
in der 15. Predigt, werden fpeculative Fragen berührt,
aber in derfelben Predigt (über das Gebet) fpricht fich
auch, wie fo oft, die fchlichtefte Frömmigkeit darin aus,
dafs all unfer Gebetsverhältnifs zu Gott durch menfch-
liche Analogieen, die der Verf. gern aus dem Familienleben
nimmt, verdeutlicht wird. Für geiftig fchwerfällige
Leute find allerdings die Predigten nicht; der Verf.
liebt einen rafchen Lauf; er wirft die Gedanken hin,
ohne bei ihnen zu verweilen, feine Schritte folgen einan-

der in fchnellftem Tempo; dazu ift das Auge nicht un- Die vorliegende kleine Schrift ift aus der Praxis entverwandt
auf das Zte der Rede gerichtet, es fchweift nach ftanden und flfr die Praxjs beftimmt Sie win durch eine

menfchlichen Gefetzen und Ordnungen lebt. Hier wird
dazu gemahnt, nicht nach hohen Dingen zu trachten,
fondern fich zu den Niedrigen zu halten, dort wird
(I. Kor. 2 1—5) vor Schönrednerei gewarnt u. f. w., alles
im Rahmen grofser und tiefer Gedanken des Evangeliums,
das mit feinem unerbittlichen Ernfte und feiner unerfind-
baren Seligkeit vor Augen geführt wird.— In dem kleinen
Hefte wird fo ein reicher Schatz paftoraler Weisheit dargeboten
, den man in der Hand und im Herzen aller evan-
gelifchen Candidaten wünfchen möchte.

Marburg. E. Chr. Achelis.

Doemming, Reg.-Rath A. von, Die Rechtsstellung des
Kirchenpatrons im Geltungsgebiete des Allgemeinen Landrechts
. Berlin 1901, C. Heymann's Verlag. (VI, 36 S.
gr. 8.) ' M. 2.—

rechts und links, um hier auf liebliche Blumen aufmerkfam
zu machen und dort Giftpflanzen zu verabfcheuen. So
kommt allerdings auch der Hörer nicht zur Ruhe, er wird
nicht nur angeregt, auch aufgeregt, und die zahlreichen
Eindrücke fammeln fich nicht zu einheitlichem Scopus.
Das Rheinen mir die Grenzen der Predigtgabe des Herrn
Verf.s zu fein; ihm gebührt jedoch Dank, dafs er mit

Darfteilung des geltenden Rechtszuftandes ein praktifches
Bedürfnifs befriedigen und den Patronen fowie den kirchlichen
Verwaltungsorganen im Geltungsbereiche des Allgemeinen
Landrechtes als nützlicher Rathgeber dienen.
Durch diefen Zweck ift die ganze Anlage des Werkchens
bedingt. Verf. verzichtet von vornherein auf eine Behandlung
der gefchichtlichen Entwickelung und auf Er-

femer Gabe unverdroffen der akademifchen Jugend dient ; örterung der zahlreichen Streitfragen und zieht dem
und diefen Dtenft durch die Drucklegung femer Predigten entfprechend auch die Literatur, abgefehen von einigen
auf weitere Kreife ausdehnt. | allgemeineren Werken, nicht heran. Vielmehr befchränkt

Marburg. E. Chr. Achelis.

Gottschick, Prof. D. J., Abschiedspredigten an die aus der
Predigeranstalt austretenden Kandidaten, gehalten in der
Tübinger Schlofskirche. Tübingen 1901, J. C. B.
Mohr. (IV, 110 S. gr. 8.) M. 2.—

In Tübingen befteht feit einigen Jahrzehnten die
fchöne Sitte, dafs die Studirenden, welche im letzten
Studienjahre der ,Predigeranftalt' (eine Art von homileti- j faranme^

r~i---____1 1——u~4.:r,.i—___ c--:___----ux..*- u„u— —A . . . o_ . - . to.

er fich darauf, auf der Grundlage des Allgemeinen Land-
rechtes und der einfchlagenden fpäteren ftaatlichen und
kirchlichen Gefetze die geltenden Rechtsgrundfätze über
die Rechtsftellung des Kirchenpatrons zu fchildern. Dabei
zieht er aber die Entfcheidungen der höchften Gerichtshöfe
und der Verwaltungspraxis heran, ohne im Uebrigen
in eine Kritik derfelben einzutreten. Wenn nach alledem
das Schriftchen einen Anfpruch auf fonderliche wiffen-
fchaftliche Bedeutung nicht erheben kann und wohl
auch nicht erhebt, fo ift es doch durch feine klare zuKiel
. Frantz.

Bibliographie

von Lic. theol. Paul Pape, Zehlendorf bei Berlin.
jDcutfcbe (Literatur.

fchem und katechetifchem Seminar) angehört haben und durcriaus geeignet, den Zweck, den es verfolgt, vollauf
in der Kürze dem theologifchen Examen fich unter- j zu erfüllen,
ziehen wollen, um nach diefem fofort als Vicare im
Kirchendienfte verwendet zu werden, von der Facultät
durch den Univerfitätsprediger in feierlichem Gottes-
dienfte verabfchiedet werden. Die in zehnjähriger Wirk-
famkeit gehaltenen zehn Predigten hat D. Gottfchick
in vorliegendem Hefte veröffentlicht. Der Hinweis auf
die Gröfse und Wichtigkeit des geiftlichen Amtes, auf
die wiffenfchaftliche und religiös-fittliche Ausrüftung, die
zu richtiger Führung des Amtes unerläfslich ift, das
Alles wiederholt fleh felbftverftändlich in jeder Predigt.
Aber die verfchiedenen Texte geben verfchiedene Ge-
fichtspunkte an die Hand, und in geiftvoller Mannigfaltigkeit
der Beleuchtung und in grofser Vielfeitigkeit
der Betrachtung werden alle Verhältnifse des geiftlichen
Amtes, foweit Tie religiös-fittlicher Art find, befprochen.
Zu 1. Kor. 4 1. 2 wird in meifterhafter homiletifcher Ausführung
dem Kleinmuthe der grofsen Aufgabe gegenüber
gewehrt durch Hinweis auf den Herrn, der fie zu feinem
Dienfte berufen hat. In den Schrempf'fchen Wirren 1893
wird an der Hand von Eph. 41—6 die fo viele beängfti-
gende Frage befprochen, ob der gläubige Jünger der
neueren Theologie mit gutem Gewiffen das Amt in der
Kirche verwalten könne. Alle menfchlichen Formen find
ja mangelhaft, und alle gemeinfamen r"ormen und Formeln
können nie das treue Abbild ausgeprägter individueller
Frömmigkeit fein; vom evangelifchen Begriffe des Glau

Delitzfch, F., Babel und Bibel. Ein Vortrag. Leipzig 1902, J. C. Hin-
richs' Verl. (52 S. m. 50 Abbildgn. gr. 8.) 2 —; geb. 2. 50

Dornftetter, P., Abraham. Studien üb. die Anfänge des hebr. Volkes.
(Biblifche Studien. Hrsg. v. O. Bardenhewer. VII. Bd. I.—3. Hft.J
Freiburg i. B. 1902, Herder. (XI, 279 S. gr. 8.) 6 —

Kaulen, F., Der biblifche Schöpfungsbericht (Gen. I, I bis 2, 3), erklärt
. Freiburg i. B. 1902, Herder. (III, 93 S. 8.) I —
Preilel, J., Die Baugefchichte des jüdifchen Heiligthums u. der Tempel
Salomons. Mit 7 Tafeln auf 2 Blätter. (Zur Kunftgefchichte des
Auslandes. VIII.) Strafsburg 1902, J. H. E. Heitz. (VIII, 56 S.
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(34 S. gr. 8.) — 80
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(51 S. gr. 8.) I. 80
Gregory, C. R., Textkritik des Neuen Teftamentes. 2. Bd. Die Cber-
fetzgn. — Die Schriftfleller. Gefchichte der Kritik. Leipzig 1902,

bens aus wird Klarheit, Beruhigung und Feftigkeit ver- J. C. Hinrichs'fche Buchh. (VII—X u. S. 479-993. gr. 8.) 12 —