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Ausgabe:

1902 Nr. 9

Spalte:

278-279

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schmidt, Josef

Titel/Untertitel:

Des Basilius aus Achrida, bisher unedirte Dialoge 1902

Rezensent:

Meyer, Philipp

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Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 9.

278

Barihold, W., Zur Geschichte des Christentums in Mittel- (#«ji yivoixo) aXX' Iva löy xa ixelos axiavxa yeyovöxa
Asien bis zur mongolischen Eroberung. Berichtigte und vxbrov Scox^qoq d-avpaöia (S. 25), wo fie drei Tage nach

vPrm»i,rf« a~ ,r 1, u^^,K»;t.,„^ n-_i< aam »,,rr,r/-Vior, I des Herrn Vorbild bleibt. Dann wird fie allen vollendeten
vermehrte deutlche Bearbeitung nach dem rulhlchen _ r , n ■ , r~ ^ n. n.. j ™ . • 1

Grofsen des Reiches Gottes vorgeftellt, den Patriarchen,

Propheten, Märtyrern, Asketen etc., endlich auch ihren

leiblichen Eltern. Einen Höhenpunkt auf diefer Reife

bildet die Vorftellung bei den Apofteln. Da wird näm-

Original, herausgegeben von Dr. Rudolf Stube. Tübingen
1901, J. C. B. Mohr. (VII, 74 S. gr. 8.) M. 1.40
Auch das ift ein Zeichen von der einfügen Macht

des orientalifchen Chriftenthums, dafs es einmal Ver- | üch der Apoftel vorgerufen,der in dem irdifchen Heimath-

fucht hat, Mittel- und Oftafien zu erobern. Es ift na
mentlich die neflorianifche Kirche, die, mehr oder
weniger bewufst, diefe Aufgabe fich gefleht hat. Den

lande der Seele zuerft das Evangelium gepredigt hat,
und Gott fendet durch Engel zwei Kränze, deren einen
der Apoftel, deren anderen die Seele auffetzen darf.

Wegen folgend,' auf denen überhaupt der Culturaus- 1 Endlich kommt die Seele auch zur (UftW xvqcov. die fie

taufch zwifchen Oft- und Weftafien fich vollzog, drang
das fyrifche Chriftenthum immer weiter nach Offen,
durch Perfien, Turkeftan bis nach China vor. Damit
hat es für diefe entlegenen Gebiete auch eine grofse
culturelle Bedeutung gehabt.

Mit Rückficht auf Centralafien haben über die Ent-
wickelung namentlich ruffifche Gelehrte weitergehende
Forfchungen angefleht. Zu diefen gehört auch Barthold
mit einem Artikel über ,das Chriftenthum in Turkeftan
in der vormongolifchen Periode', der zuerft in den ,Mittheilungen
der orientalifchen Abtheilung der Kaiferlich
ruffifchen archäologifchen Gefehfchaft'. Band VIII, St.
Petersburg 1894, erfchienen ift. Diefe Arbeit hat
Dr. Stübe in der vorliegenden Schrift deutfch herausgegeben
, doch nicht ohne diefelbe nach manchen
Richtungen hin zu ergänzen. Der Herausgeber hat
ganz Recht, wenn er fein Unternehmen damit begründet,
dafs die ruffifchen Gelehrten für die Kenntnifse des Orients
über ein reiches, uns kaum zugängliches Material verfügen.
Es ift darum jeder Verfuch anzuerkennen, das Werthvolle
der ruffifchen gelehrten Literatur über den Orient uns in
Ueberfetzung zugänglich zu machen.

In der Schrift des Dr. Stübe finden wir mehr als
der Titel fagt. Sie giebt nicht allein Beiträge zur Ge-
fchichte des Chriftenthums in Mittelafien, fondern auch
zur Profan- und Culturgefchichte. Die Darllellung beginnt
auch fchon mit der vorchriftlichen Zeit. Die Zeit der
mongolifchen Eroberung aber bildet darum den Ab-
fchlufs, weil mit diefer eine neue Periode artbricht.

dann zur xaxajtavOiq geleitet. Alle diefe Vorftellungen
haben den Zweck, dafs die Seele Segen oder Fürbitte
von den Vollendeten erhält. Diefer Abfchnitt geht bis
Cap. 48 und der Herausgeber, der fich überhaupt auf
eine fehr dürftige Eintheilung befchränkt, fcheint damit
die Rede für vollendet zu halten, während ich im Gegen-
theil meine, Capp. 49 und 50 krönen den Bau des Xöyog.
Hier fleckt die öirjyrjOiq fivöxixr] jzeqI xijq Q-elaq Xeixovq-
ylaq, von der die Ueberfchrift der Rede fpricht. Denn
hier will Verf. handeln ,jieqi de xb exixeXeIv vjieq xcbv
XEXoi/itjfiEVcov xa. xaxa ovvtjd-Eiav t]xoi XQixa tvvaxa xe
xai xi aaaqaxoöxa' (S. 39). Alfo auf eine Erklärung der
griechifchen drei Todtenfeiertage läuft die Sache hinaus.
Denn die Feier diefer Tage läfst Verf. begründet fein
durch das, was die wandernde Seele vom Todesaugenblicke
bis zum Eingange in die xaxänavoiq erlebt. Die
xolxa gedenken des dreitägigen Aufenthaltes der Seele
im Hades, bei den svvaxa vereinigen fich die auf Erden
Feiernden mit dem Gebete der Apoftel an jenem Ehrentage
, wo der Heimathsapoftel und die Seele fich mit
Kränzen fchmücken. Nach 40Tagen aber hat die Seele ihre
Reife beendet und alle Heiligen beten für fie, wenn fie
in die xaxctJiavoiq eingeht. Einen Mitklang diefes Gebets
in der irdifchen Heimath laffen die erklingen, die die
xtOouQaxoöxä feiern. Krumbacher hat in den Studien
zu den Legenden des H. Theodofius (München 1892)
S. 341 ff. auf andere Verfuche in der Literatur hinge-
wiefen, diefe Feiertage zu erklären. Es find die fpäteren
Verfuche, die die phyfiologifchen genannt werden können.

heilsgefchichtlichen betiteln möchte. In unferer Schrift
liegt nun eine dritte Art vor, die myftagogifche. In
diefer Hinficht ift die mit dem berühmten Namen des
Amphilochios von Ikonium gefchmückte Rede nicht
ohne Bedeutung.

Hannover. Ph. Meyer.

Als Quellen hat der Verf. namentlich die muslimifchen j Daneben erwähnt er andere Deutungen, die man die
Schriftfteller herangezogen, die bisher am wenigflen be- 1
nutzt waren. Die Ergebnifse der Arbeit find allerdings
nur Einzelheiten, da die Quellen nur Schlaglichter auf die
rafch wechfelnden und fenr verworrenen Verhältnifse der
Gefchichte Mittelafiens im Mittelalter werfen. Dennoch
laffen die anregenden Ausführungen die Fülle des
Lebens ahnen, das fich in diefen fernen Gegenden ab-
gefpielt hat. Schmidt, Jofef, Des Basilius aus Achrida, Erzbifchofs von

Hannover. Ph. Meyer. Theffalonich, bisher unedirte Dialoge. Ein Beitrag zur

Gefchichte des griechifchen Schismas. (Veröffentlichungen
aus dem Kirchenhiftorifchen Seminar München
. Nr. 7.) München 1901, J. J. Lentner. (VIII,
54 S. gr. 8.) M. 1.60

Verfaffer giebt zunächft eine Biographie des Ba-
filius, der zu den tüchtigften Theologen der Komnenen-
zeit gehört. Darnach wird diefer Bafilius, der aus Achrida
in Macedonien flammte, in der Gefchichte zuerft von
Johannes Tzetzes und zwar als Protonotarius des Patriarchen
von Conftantinopel genannt. Um 1145 wurde er,
wie der Verf. genauer nachweift, Erzbifchof von Theffalonich
. Kurz vorher hatte der ritterliche Manel Komnenos
den Kaiferthron beftiegen. Diefem hat Bafilius namentlich
gedient. Am bekannteften ift er durch die Dialoge

Amphilochios v. Ikonion, Rede über die unfruchtbaren
Bäume, zum erftenmale herausgegeben von B. Z.
Jurjew (Dorpat), 1901. (40 S. gr. 8.)

Diele 50 Capitel lange Rede, die dem Amphilochios
keinesfalls zugefchrieben werden kann,wieauch der Herausgeber
betont, da die im Texte gegebenen hiftorifchen Daten
(S. 28) und die deutliche Beftreitung des Uilioquc (S. 35),
vielmehr ins 8. oder 9. Jahrhundert weifen, behandelt in
den erften 19 Capiteln das viel variable Motiv der öevÖqu
axaojia, um die Zuhörer oder Lefer zur ßExavota zu
führen. Die Ausführungen find nicht beffer und nicht
fchlechter als vieler folcher Predigten aus alter und neuer
Zeit. Auf diefem Fundamente baut Verf. weiter, wenn

er im zweiten Theile x/jv xifitjv xäv iv fisxavola xeXtv- i geworden, dieermit Anfelm von Havelberg hielt, der 1155
xmvxcov (S. 16) erzählen will. Das gefchieht nun in ent- j als Gefandter des Kaifers Friedrich Barbaroffa in Conftan-
fchieden intereffanter Weife, indem die Wanderungen der tinopel und Theffalonich weilte. Er ftarb nach 1166.
bufsfertigen Seele vom Augenblicke des Todes bis zur Diefen Dialogen gelten die weiteren Forfchungen

Ankunft in ihrer xaxdjtavoiq gefchildert werden. Zuerft des Verfs. Zunächft wird ficher feftgeftellt, dafs die
mufs die Seele in den Hades, ovy evixev ÖEOfievOEOjq Dialoge beide mit Anfelm von Havelberg gehalten find,