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Ausgabe:

1902 Nr. 9

Spalte:

266-267

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

König, Eduard

Titel/Untertitel:

Fünf neue arabische Landschaftsnamen im Alten Testament 1902

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 9.

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erheiternde Gewaltfamkeiten ermöglichte Neuconftruction
der Zukunftshoffnungen Jeremias. Nach C. 312—6. 15—20,
die D. mit mir für echt hält und z. Th. aus der älteren
Zeit de's Propheten ableiten will, ergiebt fich, dafs Jeremia
fich im Anfange feiner Wirkfamkeit mit Hoffnungen für
Nordisrael getragen hat. Diefe Hoffnungen find natürlich
die Kehrfeite feiner völligen Verwerfung Judas. Das
wird in C. 30—4 2 nach dem jetzigen Texte ausgefprochen.
D. conftruirt im Widerfpruche zu allem fonft Bekannten
eine Hoffnung für Judas Erhaltung in Jeremias erfter
Zeit, hält trotzdem die Weisfagung von Nordisraels
Wiederherftellung, die daneben in der Luft fchwebt, für
echt und alt und mufs fernerhin C. 3«—42 in der willkür-
lichflen Weife umgeftalten, damit die Rede einen Troff
für Juda giebt. — Das gröfste Räthfel wird gar nicht
berührt: wie kam ein nachexilifcher Bearbeiter, der die
Wiederherffellungjudas kannte, dazu, die altjeremianifche
Weisfagung von der fpäteren Reue und Annahme Judas
fo umzuarbeiten, dafs fie Israels Wiederannahme auf
Kotten Judas lehrte? Doch Verzeihung! Ich vergafs,
dafs nach D. die Denkthätigkeit der fpäteren Bearbeiter
der Prophetentexte ftark gehemmt, ffellenweife fogar völlig
lahmgelegt war, Stupidität ift bei ihnen allgemein verbreitet
und nur geradweife verfchieden.

Doch ift diefe geiftige Lähmung merkwürdigerweife
auf Paläffina refp. alles hebräifch fchreibende befchränkt,
Aegypten ift verfchont geblieben. D.'s Parteilichkeit für
die LXX ift ein neues Zeichen feines ,hiftorifchen' Sinnes.
Sie ift fo grofs, dafs man nicht einmal fagen darf, LXX fei
in 1515f. gegenüber dem hebr. Text und den ihn be-
ftätigenden Zeugen ,im Nachtheil', ohne folgendermafsen
aufgefpielt zu bekommen: man habe gefagt, die LXX fei
im Nachtheil ,weil die Ueberfetzer, die vom Kethib abhängig
find, dem Kthib folgen'. Wenn das Unfinn ift, fo
habe ich ihn jedenfalls nicht gemacht, fondern ein Anderer. 1
Ich habe es gar nicht für möglich gehalten, dafs Jemand
fo gefchmacklos fein könnte, dem Texte der LXX hier 1
den Vorzug zugeben. Cornill beftätigt mein Urtheil, denn
er ftreicht das unmögliche absT (m. E. recht willkürlich)
aus der LXX heraus. Uebrigens ift es doch nicht fo ab-
folut richtig, dafs die Ueberfetzer der chriftlichen Aera
das Kthib beftätigen müffen. D., der meine durchgängige
Berückfichtigung diefer Textzeugen befpöttelt, hätte lieber
auf die von ihnen gebotenen, vom Kethib abweichenden
LAA. achten und bedenken follen, dafs fogar er felbft
an einigen Stellen der LA. des Hieronymus die Palme reichen
mufste. Wenn der Ref. das noch an ein paar anderen
Stellen thut, fo ift das alfo kein Verbrechen; jedenfalls
hat D. kein Recht, fich darüber aufzuhalten.

Die Hauptdifferenz zwifchen LXX und Hebräer befteht
bekanntlich in der gröfseren, z. Th. allerdings fehr ftarken
WeitfchweifigkeitdeshebräifchenTextes. Da die Annahme I
einer durchgängigen Gloffirung des Hebräers durch oft
völlig unnöthige Zufätze und Erweiterungen einigermafsen j
fchwierig ift, und man die LXX mehrfach auf Kürzung j
des Hebräers direct ertappt, fo wird es immer das Naheliegende
fein, an eine Kürzung der Breiten des hebräifchen j
Textes durch den Ueberfetzer zu denken. Duhm gefällt j
der kürzere Tezt beffer, das genügt. Die LXX hat das |
Urfprüngliche, und zur Erklärung des breiteren Hebräers
wird eine neue Manie der Paläftinenfer heraufbefchworen;
die ,Zeilenwuth' der Schreiber befferer Manufcripte, die
höhere Schreibgebühren herausfchlagen wollten. Mir ift
von diefer ,Zeilenwuth' bisher nichts bekannt geworden,
auch Paläographen von Fach kennen fie nicht. Es wird
fich auch hier wohl um ein Phantafie Duhm's handeln.

Hat er es einem durch folche Einfeitigkeiten fchwer
gemacht, gerecht zu urtheilen, fo mufs andererfeits neidlos
zugegeben werden, dafs die LXX keinen fchneidigeren j
und gefchickteren Anwalt hätte bekommen können als
Duhm, und dafs auch feine Einfeitigkeit dazu hat dienen J
müffen, uns bisher nicht gehobene Schätze des Textver-
ftändnifses zuzuführen. Dabei kommt ihm auch feine

religiöfe und dichterifche Congenialität mit dem Stoffe
trefflich zu Statten. Ich geftehe, feinem Commentar in
diefer Richtung manche Anregung zu verdanken, namentlich
, wo es fich um die Jeremia perfönlich betreffenden
Stellen handelt, und freue mich, auch in manchen Fällen
von ihm gewürdigt und verftanden zu fein. Im Ganzen
bewegen fich unfere Auslegungen hier in derfelben Richtung
; ftörend ift mir bei Duhm's Auslegung zweierlei, feine
Allwiffenheit, wo ein befonnener Ausleger ein Fragezeichen
fetzen müfste, und feine Originalitätsfucht, die ihn
der Verfuchung, einen Knalleffect zu erzielen, feiten wider-
ftehen läfst.

In Bezug auf den ,frifchen' Ton ift man ja bei Duhm
einiges gewohnt. Und es wäre Philifterei, ihm feine ,Flott-
heit' zum Vorwurf zu machen. Was tüchtig ift, mag fich
Bahn fchaffen, auf ein paar Rippenftöfse nach rechts und
links mag es dabei nicht ankommen. Aber fchulmeifter-
liche Erregung darf dabei nicht laut werden, fie zerftört
die Wirkung einer guten Bemerkung und wirkt einfach
auf die Lachmuskeln. Am unwiderftehlichften wird der
komifche Conftraft, wenn D. auf eine von Niemand ge-
äufserte Meinung mit wildem Ingrimm losfchlägt. So ift es
D. mehrfach mit meinem Commentar gegangen. Auf p. 186
feinesCommentars hat er p. 129f. meines Commentars gänzlich
falfch citirt. Wenn ich p. 99 gegen Bäthgen bemerke:

,Pfalm 1 in die letzten 35 Jahre des jüdifchen Reiches.....

verlegen, heifst angefichts der 350 Jahre, welche nach dem
Exile zur Verfügung flehen, einer Wahrfcheinlichkeit von
1:10 folgen', fo darf Duhm daraus nicht machen p. 145 feines
Commentars Jemand will die Abhängigkeit des 1. Pfalms
von unferem Gedichte damit beweifen (von mir gefperrt),
dafs in der nachexilifchen Zeit 350 (?) Jahre, in der vorexi-
lifchen feit dem Deuteronomium 35 Jahre für die Abfaffung
vonPfalm 1 zur Verfügung flehen', umfichdann aufmehreren
Zeilen darüber aufzuregen. Auch hier hat Duhm den
Unfinn, den er mir zufchreibt, lediglich felbft verbrochen.
Ich könnte davon noch weitere Beifpiele anführen, die
mich und manche meiner Zuhörer bafs erheitert haben. —
Die Metrik des Duhm'fchen Commentars werde ich
mit der Schrift Cornill's zufammen befprechen.

Königsberg. Friedrich Giefebrecht.

König, DD. Prof. Eduard, Fünf neue arabische Landschaftsnamen
im Alten Testament, beleuchtet. Mit einem Exkurs
über die Paradiefesfrage. Berlin 1901, Reuther &
Reichard. (78 S. gr. 8.) M. 3 —

,Seit einigen Jahren behaupten einige Gelehrte, dafs
mehrere altteftamentliche Landfchaftsbezeichnungen an
nicht wenigen Stellen in einem anderen Sinne verftanden
werden müfsten, als fie bisher aufgefafst worden feien.
Diefe Behauptung ift neueftens von Profeffor Hommel
in feiner Schrift „Vier neue arabifche Landfchaftsnamen
im Alten Teftamente nebft einem Nachtrag: die vier
Paradiefesflüffe in altbabylonifcher und altarabifcherUeber-
lieferung" am beftimmteften präcifirt worden, und er hat
den Vertretern der altteftamentlichen Wiffenfchaft einen
Vorwurf daraus gemacht, dafs fie auf feine diesbezüglichen
Aeufserungen nicht eingingen'. Hommel hat nun die Un-
vorfichtigkeit begangen, unter den bei diefer Gelegenheit,
genannten Namen auch denjenigen des Bonner Theologen
Eduard König zu nennen. Diefer hielt es nunmehr für
feine Pflicht, fofort hierzu Stellung zu nehmen und das
Refultat feiner Unterfuchungen fchleunig zu veröffentlichen
. Wie man fieht, trägt diefe Brofchüre faft genau
denfelben Titel wie jene oben citirte Arbeit Hommel's.

Der Streit dreht fich kurz um Folgendes. In einer
minäifchen Infchrift kommen die Namen Jim und
vor. Diefelben bezeichnen Landfchaften und zwar wahr-
fcheinlich folche in Arabien oder an feiner Grenze. Ueber
die Zeit der Infchrift ift übrigens noch nichts Sicheres
ausgemacht. Nun follen nach Hommel, bez. Winckler

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