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Ausgabe:

1902 Nr. 7

Spalte:

196-197

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Berning, Wilhelm

Titel/Untertitel:

Die Einsetzung der heiligen Eucharistie in ihrer ursprünglichen Form 1902

Rezensent:

Lobstein, Paul

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195 Theologifche Literaturzeitung. 1902. Nr. 7. 196

Aus diefer fummarifchen Inhaltsangabe wird der
Lefer hoffentlich ohne Schwierigkeit erfehen, wie es dem
Verf. gelungen ifl, gerade unter Verzicht auf alle kleinlichen
Mittel und Kunftgriffe einer veralteten Apologetik
, feinen Satz von der bleibenden Bedeutung des
A. T. zu begründen. Den Dank, den die Hörer dem
Verf. ausgefprochen haben, werden ihm auch die Lefer
des Vortrages entgegenbringen. Man kann nur wünfchen,
dafs diefer Leferkreis fich nicht auf Theologen befchränke,

Bertling, Gymn.-Relig.-Lehr. D. Wilhelm, Die Einsetzung
der heiligen Eucharistie in ihrer ursprünglichen Form, nach
den Berichten des Neuen Teftamentes kritifch unter-
fucht. Ein Beitrag zur Erforfchung der Evangelien
und des Urchriftenturns. Münfter i. W. 1901, Afchen-
dorff. (VII, 26b S. gr. 8.) M. 5.—

Nicht ,den Sinn und die Bedeutung des heiligen

fondern auch eine grofse Zahl unferer gebildeten Laien j Abendmahles'will der Vf. eingehend behandeln: aus dem
umfaffe. Welchen Dienft würde z. B. ein Religionslehrer i >:e,che" S?h,atze der Behren von der hl. Euchariftie zu

leiden, wenn er an der Hand eines folchen Führers, ftatt
mit dem Ballaft einer trockenen ,Bibelkunde' die Schüler
der höheren Claffen zu quälen, ihnen die Bedeutung des

fchöpfen, fchienen die Kräfte zu fchwach; und das Gebäude
aller einzelnen Wahrheiten, aller wunderbar tiefen und
fchönen Gedanken des letzten Abendmahls Jefu aufzu-

vjv_i nunct*_n v_.ici1n.11 /. u uuai-u, 111uv.11 uit -uv.vjv.munt: viv.o r--l_ i_ j r • r i_ • i ±. t. :n

A. T. nach allen Seiten, besonders aber in religiöfer 'uhr5n> Bedarf es eines gefchickteren Baume.fters. Nur
Beziehung zum Bewufstfein bringen würde. Mir-will P,unda,-e "t, d.e Ber.chte des Neuen Teftamentes habe
fcheinen, ein folches Verfahren wäre die befte ,Ein- : 'c,h ,betrfa,cht^ und ^terfucht wobei natürlich mancher
leitung' in die Schriften der Propheten, vor welchen die Blick auf das darüber errichtete Gebäude gefallen ift'(S.V)

herkömmliche Methode des Unterrichtes gerade die ftreb-
famften Geifter und Gemüther unfehlbar abfchrecken mufs.

Strafsburg i. E. P. Lob Mein.

Für die Unterfuchung der Berichte war ein doppelter
Grund mafsgebend. Einmal galt es die von proteftantifcher
Seite ,gegen das Fundament gefchleuderten Gefchoffe
abzuwehren'. .Andererfeits befinden wir uns bei den
Berichten des Neuen Teftamentes mit den übrigen chrift-
Labanca, Prof. Baldaffare, La „Vita di Gesü" di Ernesto liehen Confefiionen auf demfelben Boden; hier mufs alfo

Renan in Itaita. Memoria per il congresso inter-
nazionale di storia delle religioni di Parigi (dal 3 al
9 settembre 1900). Con due incisione. Roma 1900.
Loefcher & Co. (VII, 107 S. Lex. 8.)
Ein dem internationalen Congrefs für Religions-

zunächft eine Einigung erzielt werden. Ift das Fundament
von beiden Seiten als ficher anerkannt, dann erft kann der
gemeinfame weitere Bau beginnen' (S. V). — Die Schrift
zerfällt in vier Theile. Im erften (S. 22—67) prüft B. den
Werth der Berichte im Allgemeinen. Im zweiten
(68—153) erörtert er die Differenzen der Berichte

gefchichte zu Paris (3.—9. Sept. 1900) vorgelegtes Re- [ im Einzelnen, ihre Entftehung und Harmonifirung.
ferat, das uns einen höchft intereffanten Einblick gewährt 1 Der dritte (154—208) handelt von der urfprünglichen
in die weitreichende und tiefgehende Bewegung, welche Quelle und Form der Abendmahlsberichte, der

Renan's Leben Jefu in Italien hervorgerufen hat. Der
Verf. hat fich die Mühe gegeben, die für und wider
Renan fei es in Zeitfchriften erfchienenen, fei es als
felbftändige Schriften veröffentlichten Kundgebungen zu-
fammenzuftellen. Die Zahl derfelben ift eine fehr beträcht-

vierte(209—257) von dem letzten Paffahmahle Chrifti
und der erften Feier des heiligen Abendmahles. —
Die Unterfuchung geftaltet fich zu einer Rechtfertigung
der herkömmlichen Auffaffung von der ,Einfetzung der
heiligen Euchariftie', aber der Vf. hat fich feine Aufgabe

liehe, und doch ift L. keineswegs ficher, dafs fein Katalog j nicht leicht gemacht; er gelangt zu dem von ihm be-
vollftändig ift. Non e facile nel nostro paese, per ra- gründeten Ergebnifs nur indem er ein gewaltiges hiftorifches
gioni diverse, avere notizia degli scritti che vengono in j und literarifches Material in Bewegung fetzt; feine Belefen-
luce (S. VII). Eine fachliche Förderung der Frage ift, wie | heit und fein Fleifs verdienen die höchfte Anerkennung;
es fcheint, durch diefe jenfeits der Alpen geführte Con- mit dem Gange der proteftantifchen Forfchung auf diefem
troverfe nicht erzielt worden. Viele der unter uns Gebiete ift er durchaus vertraut, und feine Auseinandergeltend
gemachten kritifchen Inftanzen tauchen auch dort fetzungen mit den gegnerifchen Anflehten zeichnen fich
auf; die Charakteriftik des Renan'fchen Buches als eines durch eine Ruhe und Objectivität aus, die man manchem
bei romanzo (S. 29) kehrt auch dort wieder. Uebrigens I unferer angeblich evangelifchen Zionswächtern zur rühm
finden fich unter den dem Werke des Franzofen gewid- I liehen Nachahmung empfehlen könnte. Zur näheren
meten Schriften eine nicht geringe Zahl, die aus dem Charakteriftik der Schrift theile ich einige der von dem

FVanzöfifchen und Deutfchen ins Italienifche übertragen
oder doch von im Auslande erfchienenen Büchern abhängig
find. In feinem Schlufsworte unterfcheidet der
Verf. eine dreifache Bearbeitung des Lebens- und Charakterbildes
Jefu, die dogmatifche, die poetifche, die
kritifche; in die erfte Gattung gehören alle früheren,
unter dem Banne der Orthodoxie flehenden Verfuche;
Renan's Leben Jefu ift eher der zweiten als der dritten
Claffe zuzuweifen. Von der dritten urtheilt L.: una storia
critica di Gesü e difficile, ma non impossibile (S. 106).
Unter den Schwierigkeiten, welche diefe Disciplin beladen

Verf. vertretenen Sätze mit. ,Die vier Abendmahlsberichte
flammen zum Theile von Apofteln, von denen der eine
Augenzeuge des heiligen Mahles war (Matthäus), der
andere feine Kenntnifs von Jefus Chriftus felbft erhalten
hat (Paulus), zum Theile von Apoftelfchülern, die die
Anficht ihrer Lehrer, des hl. Petrus bezw. des hl. Paulus,
wiedergeben (Markus und Lukas)' (S. 64). ,Die Berichte
theilen fich nur infofern in zwei verfchiedene Gruppen,
als die Evangeliften Mt und Mc ein dem Hergange des
letzten Abendmahles mehr entfprechendes, gefchichtlich.es
Bild geben, die ganze Scene mehr als ein mit Gott verführt
er in erfter Linie die eschatologifche Frage und föhnendes und vereinigendesOpfermahl darftellen, während
das Urtheil über die Ethik Jefu an. Damit hat er in der Paulus (und nach ihm Lc) entfprechend der veränderten
That zwei Probleme angedeutet, die gegenwärtig befon- [ Zeitlage den Begriff des Mahles der Jünger an jenem Abend
ders im Mittelpunkte der Verhandlungen flehen. Dafs | weniger betont, umfomehr aber die Bedeutung der erften
auch Renan an manchen Stellen feines Buches eine Em- , euchariftifchen Feier in ihren grofsartigen Beziehungen
pfindung für diefe Seite der Unterfuchung verräth, darf I zu den Menfchen als neuen Bund und Bundesopfer dar-
nicht vergeffen werden; wenn er es in diefer Beziehung j ftellt' (136). ,Die fchnelle und ausgedehnte Verbreitung
auch nicht über einen divinatorifchen Dilettantismus ge- j der Feier des heiligen Abendmahles in der erften Zeit erbracht
hat, fo gereicht ihm diefe Ahnung einer wichtigen j klärt fich fehr leicht, weil die Apoftel den Gläubigen die

Frageftellung zu nicht geringem Verdienfte.

Strafsburg i. E. P. Lobftein.

Sicherheit geben und durch ein ausdrückliches Wort des
Herrn fich legitimiren konnten, dafs die Wiederholung
des letzten Mahles von Jefus beabfichtigt und angeordnet
war und fie felbft ausdrücklich beauftragt waren, die