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Ausgabe:

1901

Spalte:

681-684

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kautzsch, Karl

Titel/Untertitel:

Das Volksbuch von Hiob und der Ursprung von Hiob Cap. I. II. XLII, 7 -17. Ein Beitrag zur Frage nach der Integrität des Buches Hiob 1901

Rezensent:

Baentsch, Bruno

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Theologische Literaturzeitung.

I Ii rausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. HinrichsTche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

Nr. 26. 21. December 1901. 26. Jahrgang.

Kautz fch, Das Volksbuch von Hiob (Baentfch).
Thumb, Die griechifche Sprache im Zeitalter

des Hellenismus (Deifsmann).
Eger, Die Anfchauungen Luthersvom Beruf (Rade).

Poftina, Der Karmelit Eberhard Billick (Bof-
fert).

Kirn, Glaube und Gefchichtc (Reifchle).
Nagel, Das Problem der Erlöfung (Elfenhans).

Bergmann, Unterfuchungen über Hauptpunkte

der l'hilofophie (Troeltfch).
Kantltudien, herausg. von Vaihinger. 7. Bd.

(Elfenhans).

Kautzsch, Hilfspred. Dr. Karl, Das Volksbuch von Hiob rechtigkeit. Aus dem Namen, der nur als .der fich
und der Ursprung von Hiob Cap. I. II. XLII, 7—17. Ein j Bekehrende'gedeutet werden könne, fei zu folgern, dafs

Beitrag zur Frage nach der Integrität des Buches ?tch,Jde[ flten Sa-pe "iob ücY einmal gegen Gott ver-
u- u t--,i_; . r „ , /vr 00 on fchuldethaben muffe, aber gerade dieferZug widerfpreche

Hiob. Tubingen, J. C. B. Mohr, 1900. (V, 88 S. gr.8.) I dem Inhalte des von den ^eueren angenommenen alten

M. 2.40 . Volksbuches, deffen Hiob nach der Meinung diefer Kri-
Karl Kautzfeh, der Sohn des bekannten Hallenfer i tiker ein Frommer xcct t$oy?)v gewefen fein müffe [Abfchn.
Theologen, bietet in der vorliegenden Schrift eine gedie- I III, S. 18—22). 2) Der fprachliche Charakter des
gene, in methodifcher Hinficht vortrefflich angelegte ] Pro- und Epiloges weife nach dem lexikal. Beftande (vgl.
Unterfuchung, die man mit wachfendem Intereffe bis | namentl. map u. 52p), hinfichtlich eigenartiger Formen

zu Ende lieft, und aus der gewifs auch der manches
gelernt zu haben geliehen wird, der dem Hauptergebnifse
des Verf.'s nicht zuzultimmen vermag. Des Verf.'s Abficht
ift, dem Prologe und Epiloge des Hiobbuches (Cap. 1.
2. 427—17), diefen vielfach umftrittenen 3 Capiteln, wieder
einen feften Platz in der hebräifchen Literatur anzu-
weifen (S. 17). Hatten die älteren Ausleger, welche die
Unvereinbarkeit des Prologes und Epiloges mit der eigentlichen
Dichtung (Cap. 3—41 ü) behaupteten, in diefen
fpätere Zufätze aus exilifcher oder nachexilifcher Zeit
gefehen (vgl. auch neuerdings wieder Erik Stave, Ueber
den Einflufs des Parfismus auf das Judenthum, 1898,
S. 249). fo haben in letzter Zeit Budde und Duhm den
Prolog und Epilog als Beitandtheile einer älteren vor-
exilifchen Hiobfage oder eines diefe Sage behandelnden
.Volksbuches' zu erweifen gefucht und die Hypothefe
aufgeflellt, dafs der Verf. unferes Hiobbuches diefe älteren
Stücke feiner Dichtung als Prolog und Epilog theils
vorangeftellt theils angefügt habe. In diefem Schwanken
der Anflehten, fpec. in der Zurückdatirung der betr.
Stücke in die vorexilifche Zeit, die fo ganz dem Zuge
der gegenwärtigen kritifchen Richtung zuwiderlaufe, fieht
der Verf. das Merkmal eines methodifchen Fehlers, der
nach ihm vor Allem darin belleht, dafs die Kritiker zu
einfeitig mit inneren Gründen operirt und die Prüfung
der fprachlichen Eigentümlichkeiten des Prologes und
Epiloges fo gut wie ganz verfäumt hätten. Daraus leitet
er für fich das Recht ab, die ganze Frage noch einmal
in umfaffender Weife, namentlich in Hinficht auf die
fprachliche Seite zu erörtern. — Nach einer Einleitung

$ j_^ und einer dankenswerten Ueberficht über die

.refchichtliche Entwickelung des Problems [wo Ref. die
Erwähnung Carpzov's unter den Älteren und die von
Linder unter den Jüngeren (vgl. Theol. Zeitfchrift aus
der Schweiz XVI. 41—49: zur Compofition des Buches
Hiob) vermifstj (Abfchn. I, S. 3—15), geht der Verf., nach
der lichtvollen Befh'mmung feiner Aufgabe und der
Fe(IftellunCT allgemeiner Gefichtspunkte zur Löfung

(DrVTPn«, ns fürnn», rrjbttXl etc.) und fyntaktifcher Er-
fcheinungen (wie der Gebr.'von rpn als Copula, der einfachen
copulativen Satzverbindung anftatt der Fortführung
der Erzählung durch Impcrf. mit 1 consec, die Wendung
frlM} 211» 42 10, die Abhängigkeit der Darflellung in
4216 f. von der Darftellungsweife des Prieftercodex) auf
die nachexilifche Zeit (Abfchn. IV, S. 22—39). 3) Der
fprachliche Charakter des Pro- und Epiloges flehe der
Annahme einer Abfaffung diefer Stücke und des Dialoges
von einem Verf. nicht hindernd entgegen, wenn er auch
die Einheit des Verf.'s nicht pofitiv beweift [was der Verf.
auf S. 68, wo er den fprachlichen Gründen entfeheidende
Kraft zufchreibt, einigermafsen vergeffen zu haben fcheint)
cf. Abfchn. V, S. 39—44. 4) Sachliche Momente, wie
z. B. der Gottesbegriff, die Vorftellung von organifirten
Mittelwefen und vor Allem die Satanvorftellung, die über
die vonSach.3 noch hinausgehe, auch das individualiflifche
Gepräge der Erzählung feien beweifend für den nach-
exilifchen Urfprung derfelben; dagegen feien die vorausgefetzten
culturellen Verhältnifse und cultifchen Sitten
für vorexilifche Zeit keineswegs beweifend, denn wiefen
diefe auch z. Thl. auf alte Zeit, fo dürfe man doch nicht
auf die Zeit des Dichters übertragen, was diefer lediglich
feinem Helden angedichtet habe (Abfchn. VI, S. 45—58).
5) Die behaupteten Widerfprüche zwifchen dem Pro-
und Epiloge einerfeits und dem Dialoge anderfeits (z. B.
hinfichtlich der Krankheit Hiob's und ihrer Dauer, feiner
Kinder, des Gebrauches der Gottesnamen etc.) feien für
eine befonnene Exegefe nicht vorhanden (Abfchn. VII,
S. 58—67). 6.) Auch hinfichtlich des Problems beftehe
zwifchen Dialog und Pro- und Epilog nicht der behauptete
Widerfpruch, fofern der Pro- und Epilog nach des
Dichters Abficht überhaupt kein Problem behandeln folle;
vielmehr habe der Prolog nur den Sinn einer Expofition,
und der Epilog folle lediglich dem vom Dichter behandelten
Einzelfalle einen kufseren, den Lefer in äftheti-
fcher Hinficht befriedigenden Abfchlufs geben. Beide
vertrügen demnach keine theologifch-dogmatifche,fondern

(Abfchn. II, S. 15—18) an die Behandlung feiner Aufgabe ; lediglich eine äfthetifche Beurtheilung. Auch fei von
und kommt in den folgenden 6 Abfchnitten (No. III—VIII) den Kritikern der Gegcnfatz im Verhalten Hiob's in

zu

folgenden Ergebnifsen. 1) Von einem älteren Hiob- j Prolog und Epilog einerfeits und im Dialoge andrerfeits
buche wiffen wir aus der Tradition gar nichts, und von ' ganz unnöthig übertrieben (Abfchn. VIII, S. 67 — 87).
Hiob felbft kennen wir (abgefehen vom Prologe und Für Punkt 1—5 wird der Verf. in der Hauptfache

Epiloge) aus der älteren vorexilifchen Ueberlieferung

auf weitgehende Zuftimmung rechnen dürfen. Hinficht-

icf. Hef. I4uff2<>) nur den Namen und das dem Träger lieh des 6. Punktes wird ihm wenigflens zuzugeflehe;
diefes Namens beigelegte Prädicat befonders hoher Ge- | fein, dafs nach der Abficht des Verfaffers unferes Hiob
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