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Ausgabe:

1901 Nr. 25

Spalte:

668-669

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Heinrich, J. B.

Titel/Untertitel:

Lehrbuch der katholischen Dogmatik. Bearbeitet und herausgegeben von Philipp Huppert 1901

Rezensent:

Troeltsch, Ernst

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Theologifche Literaturzeitung. 1901. Nr. 25.

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Betrachtungsweife auf gänzlich unrichtigen Voraus-
fetzungen beruht, da einmal die ,Peuplirung' Oftpreufsens
feit 1726 als vollzogen angefehen wurde, da ferner die
preufsifche Regierung fich den Salzburgern gegenüber
anfangs fehr zurückhaltend benommen, und erft im Augufl
1731 der preufsifche Gefandte beim Regensburger Reichstage
die faft fchüchterne Anfrage nach Berlin gerichtet
hat, ob man nicht einige der Vertriebenen als Coloniften
engagiren könne, und da endlich die Salzburger durchaus
nicht — wie behauptet wird — von Anfang an
Preufsen als ihre neue Heimath angefehen haben.

Die gründlichen Ausführungen des Herrn Verfaffers
fchaffen hoffentlich die fable convenue, dafs Preufsen bei
der Salzburger Emigration aus politifchem Intereffe Unter-
ftützung evangelifcher Glaubensüberzeugung erheuchelt
habe, endlich aus der Welt.

Efchershaufen (Brfchw.). Ferdinand Cohrs.

Bahlcke, Sem.-Dir. D. H., Die Stellung der Philanthropisten
zum Religionsunterricht. Eine pädagogifche Studie.
Leipzig, Dürr'fche Buchh., 1901. (81 S. gr. 8 ) M. 1.40

Der Verfaffer giebt in einem erften Theile der vorliegenden
Schrift eine Darfteilung des Religionsunterrichtes
nach den Vorfchlägen von Bafedow, Bahrdt, Salzmann
und Campe, um daran in einem zweiten Theile eine
vergleichende Zusammenfaffung, Beurtheilung und Wer-
thung des Religionsunterrichtes der Philanthropiften1 zu
fchliefsen. Am Ende des Buches bringt er noch eine
Zufammenftellung der von ihm benutzten Literatur. —
Der erfte Theil diefer Arbeit analyfirt den Gedankeninhalt
der bezüglichen Schriften der genannten Pädagogen in
erfreulicher Vollftändigkeit und Zuverläffigkeit; die Ana-
lyfe ift klar und fliefsend gefchrieben. Die Darftellung
würde hier noch an Werth gewonnen haben, wenn die
mitgetheilten Gedanken aus dem Rahmen der allgemeinen
Geiftesrichtung der Zeit heraus zu würdigen verfucht
worden wären, in welcher fie ausgefprochen wurden, und
wenn zugleich darauf geachtet wäre, wie die Anflehten
der Philanthropiften über den Religionsunterricht mehrfach
directen Einflufs auf die Geftaltung der officiellen
Religionsbücher aus der Zeit von etwa 1780—1820 ausgeübt
haben. Im zweiten Theile beurtheilt der Verf.
die Vorfchläge der Philanthropiften vom Standpunkte
der Anforderungen, welche die Gegenwart an den Religionsunterricht
ftellt. Er zeigt fich hier wohlvertraut mit
den wichtigften Erfcheinungen der einfehläglichen neueren
Literatur über diefe Frage. Sein eigener Standpunkt ift
der eines verftändigen Confervativismus, welcher fich
nicht principiell dem fich darbietenden Guten in den
neueren Vorfchlägen verfchliefst, aber das bewährte
Alte nicht leichten Herzens drangeben möchte. Ver-
dienftlich ift die am Schluffe flehende bibliographifche
Überficht über die bezüglichen Schriften der vier Philanthropiften
, mit denen fich Bahlckes Studie befchäftigt.
Sie ift bisher in gleicher Vollftändigkeit nicht geboten
und erleichtert dem Forfcher die fchnelle Orientirung
über die Quellen, aus denen er für das Studium der
angeregten Frage zu fchöpfen hat.

Göttingen. K. Knoke.

Eck, Pfr. Lic. Samuel, Aus den grossen Tagen der deutschen
Philosophie. Tübingen, J. C. B. Mohr, 1901. (V, 99 S.
gr. 8.) M. 1.80

Die in dem vorliegenden Bändchen vereinigten drei
Auffätze Eck's über Kant, Hegel und Schleiermacher
find populäre Vorträge, die in Offenbach vor Herren
und Damen gehalten worden find. Obwohl fie reichlich
hohe Anforderungen an ihre Zuhörer ftellen, halten fie
fich daher doch auf dem Niveau gemeinverftändlicher
Verarbeitungen philofophie-gefchichtlicher Leetüre. Der
Verfaffer, der in feinem Buche über Straufs fo fein zu

analyfiren wufste, verleugnet diefes Talent auch hier
nicht ganz. Befonders die Bemerkungen über Schleiermacher
, den der Verf. offenbar am beften direct kennt,
enthalten treffende Ausführungen. Im Ganzen aber ift doch
für den Lefer, der nicht populäre Belehrung über die
mit einigen grofsen Namen zu verknüpfenden Vorftellungen
wünfeht, nicht all' zu viel aus dem lebhaft und pointirt,
abernicht immer fehr klargefchriebenenBüchlein zu lernen.
Es bietet ihm eine weitherzige Darftellung der in der
Ritfchl'fchen Theologenfchule üblichen Beurtheilung der
genannten Denker, wobei an Hegel der Entwickelungs-
gedanke und bei Schleiermacher der Individualitätsgedanke
freier anerkannt wird, als es fonft in der Schule
üblich ift. Die thatfächliche Richtigkeit der Darfteilung
der einzelnen Denker ift oft fehr zu beanftanden. Bei
Kant verfchwindet feine Aefthetik und Teleologie fowie
feine Gefchichtsphilofophie vollftändig, indem nur der
Unterfchied der an Phänomenalität, Caufalität und meta-
phyfifche Skepfis ausgelieferten Wiffenfchaft und der
moralifchen Glaubensmetaphyfik hervorgehoben wird.
Hegel wird fehr einfeitig als Myftiker gewerthet, wobei
der Urfprung feiner Philofophie aus dem durch Kant
bearbeiteten Bewufstfeinsproblem und aus dem durch
die Hiftorie geftellten Culturproblem fowie die Vorbedingung
für die Stellung diefer Probleme bei Fichte ganz
überfehen wird. Auch bei Schleiermacher wird verkannt,
dafs feine Arbeit genau in den gleichen Motiven wurzelt
und nur eine der in den grofsen Syftemen des deutfehen
Idealismus vollzogenen Synthefen darftellt, die das Ma-
teralismusproblem und das Culturproblem mit und durcheinander
aufzulöfen ftreben. Erft von der hiermit gewonnenen
Einficht in die Bedeutung des Chriftenthumes
für dieLöfung des Culturproblemes hat fich dann Schleiermacher
der Fachtheologie zugewendet. Damit ift denn
auch gefagt, dafs ich vor allem die Gefammtauffaffung
der ,grofsen Tage der deutfehen Philofophie' weder fehr
zutreffend noch fehr fruchtbar finden kann. Es wären
auch für populäre Vorträge hier wohl viel durchgreifendere
Gefichtspunkte zu finden gewefen, die die Bedeutung
des deutfehen Idealismus für das von der modernen Welt
geftellte Natur- und Culturproblem erheblich deutlicher
hätte machen können.

Heidelberg. Troeltfch.

Heinrich, Dr. J. B., Lehrbuch der katholischen Dogmatik.

Bearbeitet und herausgegeben von Dr. Philipp Huppert
. Mainz, F. Kirchheim, 1898—1900. (XX, 910 S.
gr. 8.) M. 14.—; geb. M. 16 —

Der Mainzer Domdecan und Seminarlehrer Heinrich
wurde nach der Vorrede von feinen Schülern wiederholt
gebeten, feine Dogmatik nicht blofs in dem vielbändigen
Hauptwerke ,Dogmatifche Theologie', fondern auch als
Compendium herauszugeben. Wie er das Hauptwerk
nicht vollenden konnte und die Fortfetzung daher Gutberiet
anheimfiel, fo konnte auch das Compendium von
ihm nicht mehr verfafst werden. So hat nun der heffi-
fche Gymnafiallehrer Huppert Heinrich's Vorlefungen
nach nachgefchriebenen Heften herausgegeben, wobei
er betont, dafs Heinrich bereits vor der Encyklica
aetemi patris den heiligen Thomas zum grundlegenden
Mufter genommen habe. Wir haben alfo ein auf die
Faffungskraft der Studirenden berechnetes, Präcifion
und Kürze erftrebendes Werk vor uns, das zugleich
den Seminarunterricht veranfehaulicht und ein Mufter
vaticanifcher Correctheit darbietet. Dem vom Verfaffer
erftrebten Zwecke dient das Werk vorzüglich. Es ift die
I klarfte und präcifefte katholifche Dogmatik, die mir in
I die Hand gekommen ift. Eben dadurch eignet es fich
auch fehr gut zum Studium für proteftantifche Theologen
, denen ein folches Studium fehr zu wünfehen ift,
damit fie einmal einen Begriff von der in ihr aufgefam-