Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1901 Nr. 1

Spalte:

349-354

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wiegand, Friedrich

Titel/Untertitel:

Die Stellung des apostolischen Symbols 1901

Rezensent:

Kattenbusch, Ferdinand

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2, Seite 3

Download Scan:

PDF

349

Theologifche Literaturzeitung. 1901. Nr. 13.

anderen Beftand bilden. Die kleine Gefchichte von
der Noomi wurde tendenziös erweitert durch die
Gefchichte von der frommen Moabiterin Rut.
Diefer Vorfchlag wird dadurch unterftützt, dafs in cp. 3
als Zweck der Geulla das Glück der Rut, in cp. 4 das
Erbe des Verftorbenen erfcheint. In 45 (ITH flSÜI) ver-
räth fich deutlich die zufammenflickende Hand; ftatt TB
ift dann vielleicht urfprünglich etwas wie nst D? zu lefen.

Wenn in 1 9 Noomi ihren Gott bittet,'die moabiti-
fchen Töchter zu fegnen, fo möchte ich das nicht mit N.
als Univerfalismus, fondern als ganz natürlich bezeichnen;
jedenfalls ift viel beachtenswerther und vielleicht auch für
die Zeitbeftimmung wichtig, dafs in Iis f. 212 ganz die
alte Gottesvorftellung herrfcht. Wenn Noomi in 111 bedauert
, dafs fie keine Söhne mehr hat, um den Schwiegertöchtern
ein neues Glück zu verfchaffen, fo darf das nicht
mit der Levirathsehe zufammengeworfen und daraus ge-
fchloffen werden, dafs eine fpätere Zeit die alten Motive
der Levirathsehe nicht mehr gekannt habe. Unrichtig
ift der Satz über Schaddai in 120, diefes findet fich ohne
5« auch noch Num. 244 Pf. 6815 911; die Bemerkung
aifO 831 "Hp 3 a gehört fchon zu 3 5. 4 7 ift ficherlich
Gloffe, ebenfo ift iia wohl fpätere Klammer zur Anhängung
des Buchs an Jdc.

Druckfehler: ergänze in der Auslegung S. 192 V. 14;
S. 193 V. 23; S. 197 V. 4; S. 198 V. 5; S. 199 V. 16. V. 17;
S. 181 Z. 11 L Ordnungen; S. 188 Z. 17 v. u. erg. Brüder
nach beide; S. 191 Z. 17 v. u. 1. Oettli; S. 195 Z. 26 v. u.
und ftatt zu; Z. 11 v. u. 12 ftatt II. In der Ueberfetzung
fchreibt N. Rut, im übrigen Ruth.

Tübingen. P. Volz.

Wiegand, Priv.-Doz. Lic. Dr. Friedrich, Die Stellung des
apostolischen Symbols im kirchlichen Leben des Mittelalters
. I. Symbol und Katechumenat. (Studien zur
Gefchichte der Theologie und der Kirche, herausgegeben
von N. Bonwetfch und R. Seeberg. IV. Band.
2. Heft.) Leipzig, Dieterich, 1899. (VIII, 364 S. gr. 8.)

M. 7.50

Im Zufammenhang mit dem Haupttitel erwartet man
auch in diefem erften Bande eine Unterfuchung, die das
Mittelalter betreffe. In Wirklichkeit führt uns Wiegand
in der vollen erften Hälfte desfelben in das Alterthum
der Kirche und in der anderen auch nur bis ins 9. Jahrhundert
. Der ganze Band ift eben nur als eine Einleitung
oder Vorbereitung gedacht. Das eigentliche Thema wird
vom Verfaffer in der Vorrede vorläufig blofs fignalifirt.
Es ift von der Art, dafs er geglaubt hat, ihm nicht gerecht
werden zu können, wenn er nicht in weitem Maafs
die Vorgefchichte vorführe. Die Befchäftigung mit Wiclif
hatte W. auf die reiche Erbauungsliteratur des 14. und 15.
Jahrhunderts aufmerkfam gemacht und ihn zugleich einen
Blick in eine Fülle von handfchriftlichen Schätzen thun
laffen, die noch in den deutfchen Bibliotheken ungehoben
ruhen. Befonders häufig traf er auf das apoftolifche Symbol
als textliche Unterlage für Beichtreden und erweck-
liche Traktate. Er glaubte darin ein ergiebiges Material
gefunden zu haben, um Geffckens bekanntes Werk über
den mittelalterlichen Bilderkatechismus, welches ja nicht
über den Dekalog hinausgekommen ift, fortfetzen können.
Allein er fand nun bald, dafs eine blofse ,Fortfetzung' hier
nicht mehr möglich fei. In den fünfzig Jahren, die feit
Geffckens Arbeit verfloffen find, hat die Forfchung zu
vielerlei Fortfehritte gemacht, als dafs der damals fallen-
gelaffene Faden einfach wiederaufgenommen werden
konnte. Die ältere Gefchichte des Symbols ift inder-
that feither nach fovielen Seiten durchackert worden, dafs
W. es mit Recht für unthunlich erachtet hat, die fpät-
mittelalterliche Behandlung des Symbols fo unvermittelt
vorzuführen, wie Gefficken es für den Dekalog noch
durfte und kaum umhinkonnte. Die mancherlei expo-

sitioncs symboli aus der alten Kirche, die noch vorhanden
und zumal durch Casparis Forfchungen bekannt geworden
find, konnten bei der Würdigung der Traktate, die W.
entdeckt hat, nicht bei Seite gelaffen werden, umfoweniger
als er nicht verkennt, dafs die fpätere Zeit oftmals ältere
Werke nur überfetzt oder bearbeitet hat. Es kam auch
darauf an, das Aeufsere (um fo zu fagen) an der Befchäftigung
der früheren Zeiten mit dem Symbol in's
Auge zu faffen. In der Zeit, auf die W.'s Intereffe eigentlich
fich richtet, find ,der Gottesdienft und die Beichte die
Brennpunkte für das apoftolifche Symbol'. In der alten
Zeit ftand es anders, da war der Katechumenat der
Rahmen, innerhalb deffen die Symbolerklärungen ihren
Ort hatten. Die ältere Entwickelung der Symbolbehandlung
alfo hat W. in diefem erften Bande feines Werks
vorgeführt und fich dadurch, wie ich alsbald hervorheben
will, vollen Anfpruch auf Dank bei allen denen erworben,
die fich mit der kirchlichen Cultus- und Volkserziehungs-
gefchichte befchäftigen.

Das Werk, wie es vorliegt, kam mir in dem Augenblick
zu Geficht, wo ich das Manufcript meines Apofto-
likumswerkes abgefchloffen hatte; es war das letzte, von
dem ich wenigftens in den Nachträgen II, 984 t. noch Notiz
nehmen konnte. Das Material, welches es verarbeitet, ift
mir nur hier und da in Einzelnem neu gewefen. Aber ich
habe den Stoff oft blofs berührt, wo W. ihm eingehende
Aufmerkfamkeit widmen kann, und ich habe grofsentheils
andere Gefichtspunkte herangebracht, als er. Wenn ich
mein Werk u. a. einen Beitrag zur Stellung des apofto-
lifchen Symbols im Cultus der Kirche genannt habe, fo
ift das vielleicht etwas anfpruchsvoll gewefen. Ich hatte
eben urfprünglich weitergehende Abfichten in diefer Beziehung
, als ich hernach verwirklichen konnte. An dem
Umfang, den W.'s Darlegungen angenommen haben, mag
und wird man eine Entfchuldigung bezw. Erklärung dafür
finden, dafs ich die Gefchichte des Symbols im Cultus
meift nur geftreift habe. Ich konnte den Faden der Entwickelung
hier nicht überall fo verfolgen, wie es noth-
wendig gewefen wäre, um das Einzelne in das richtige
oder volle Licht zu rücken; wenn ich das verfucht hätte,
wäre das Werk noch um manchen Bogen dicker geworden.
Was ich im 2. Capitel der Einleitung (I 37 ff., ,D. liturg.
Stellung d. Tauffymbols in d. alten Kirche') darlegte, war
hauptfächlich darauf berechnet, gewiffe Ausdrücke, auf
die man immer wieder ftöfst, und die Anläffe, bei denen
man dem Symbol in der Regel begegnet, zum Voraus
kurz zu beleuchten, damit hernach im Einzelnen nicht zuviel
nebenfächliche Erläuterungen nöthig würden. Ich
ging dabei aus von den Katechefen des Cyrill von
Jerufalem und widmete ihnen den gröfsten Theil der
Auseinanderfetzung. W., der blofs das Abendland im
Auge hat, konnte Cyrill beinah ganz bei Seite liegen laffen
und begegnet fich daher überhaupt nur wenig mit jenem
Kapitel. Viel mehr würde er Anlafs gehabt haben, fich
mit meinem Werk zu befchäftigen, wenn ihm der Schlufs-
theil meines zweiten Bands fchon hätte bekannt fein können.
Vor allem das 8. Capitel diefes zweiten Bands ,Gefch. d.
Symbols im Abendland' (S. 353ff.) mit feinem Anhang
(S. 433—47T) ,Die expositiones symboli u. fonftiges zur
volkstümlichen Schätzung des Symbols' hätte ihm wohl
mancherlei Anregung geboten, dies und das weiter zu
verfolgen oder auch anders aufzufaffen. Zumal die Idee,
dafs das Symbol ein ,sacramentum' fei, ein Heilthum für
die Seele, wie ich das deute, möchte dann von W. vielleicht
eingehender behandelt worden fein, als der Fall ift.
In den Abfchnitten, die dann fpäter bei mir der Special-
gefchichte des texlus reeeptus gelten, geht auch vieles den
W.'fchen Unterfuchungen zur Seite, (zumal auch was das
9. Jahrhundert betrifft). Aber hier bekenne ich mich gern
im Befondern als durch W. weiter belehrt; hier hätte ich
mich gefreut, wenn fein Werk mir fchon vorgelegen hätte.
Es fcheint, dafs W. übrigens auch den erften Theil
meines zweiten Bandes nicht gekannt hat. In diefem hätte