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Ausgabe:

1901

Spalte:

218-219

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bartlet, James Vernon

Titel/Untertitel:

The Apostolic age 1901

Rezensent:

Weinel, Heinrich

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Theologifche Literaturzeitung. 1901. Nr. 8.

218

zufammenlieft. wird leicht verwirrt werden. Ebenfo verhält
es fich 52. 3* s. 9, wo St. meint, die Verfe könnten
nicht von J herrühren, da diefer der Verfaffer von Ex 424—26
fei. Wie wenig überzeugend diefer Grund ift, zeigt fich
wieder am Verhalten feines Collegen Bäntfch, der zur
Ex-Stelle ausdrücklich die Zugehörigkeit von Jof Saf. zu
J bemerkt. Was zu 79 St. gegen Albers' Betonung von
~:i"-n zu Gunften von J, einwendet, ift wenig beweiskräftig
. Für eine Stelle wie 217—21 hätte St. froh fein
müffen, J zur Verfügung zu haben; dafs die Verfe fich
zur übrigen Erzählung verhalten wie E2 zu E1, fieht einer
Verlegenheitsauskunft ähnlich. Vor Allem hätte 914 zu
J beffer gepafst als zu Rp, der als Verf. diefes Verfes am
Allerwenigften erwartet wird. Ich will nicht davon reden,
wie bedenklich mir die Meinung erfcheint, dafs die Aufnahme
der T-Fragmente erft nach der Vereinigung von
D2 mit P erfolgt fein foll. Aber nun D2, der fich als
rother Faden durch das Buch Jofua hindurchzöge. Dafs
hier St. felber feiner Sache nicht durchweg ficher ift,
leuchtet gelegentlich, fo in der Analyfe von C. 10 (S. 190),
durch. Es mufs fchon ftark auffallen, dafs D2 von der
wichtigen Rahabsgefchichte, die ein ganzes Cap. füllt,
kein Wort hat. St hilft fich: .Diejenigen Erzählungen
aus E, die D2 übergangen hatte, trug Rp je an ihrer Stelle
nach' (S. 147). Aber warum hat fie D2 übergangen1? Unbekannt
ift die Gefchichte den Deuteronomiften nicht geblieben
; denn aus dtnft. Hand flammt 29b—11. Dafs denn
auch 29b—u St. nicht juft bequem liegt, zeigt fich dann,
dafs er gerade diefe Verfe als nachträglichen Zufatz aus
fpäter nachexilifcher Zeit betrachtet. Das ift um fo
verdächtiger, als er 910 die ganz entfprechenden Worte
ruhig für D2 felber in Anfpruch nimmt. Aber noch ein
Anderes: Als einen Hauptgrund für die Behauptung, dafs
die Hauptquelle des Buches Jofua D2 fei, führt er S. 136
an: ,Dafs D2 eine Gefchichte Jofuas fchreiben wollte,
lehren die im Dtn erhaltenen Theile feines Werkes. So
haben Dtn 31s—20 Sinn nur als Vorbereitung auf eine
Erzählung über die von den oftjordanifchen Stämmen
geleiftete Hilfe bei der Eroberung des Weftjordanlandes,
wie wir fie Jof. ii/ff. ... . lefen'. Aber vergleichen wir
Jof 112—18 mit Dtn 318—20, fo bezeichnet Jof 115 fTCn
das Oftjordanland, Dtn 320 genau das Gegentrieil: das
Weftjordanland. Warum ift St. das entgangen? Es fpricht
allerdings nicht für Einheit des Verfaffers.

Aus der Einleitung fei noch der intereffante Paragraph
über ,das Buch Jofua als Gefchichtsquelle' hervorgehoben
. Hier ift befonders bemerkenswerth das Er-
gebnifs, dafs die Jofuagefchichte eine Parallele zur Jacobs-
gefchichte fei und fomit, da Jacob urfprünglich nicht
Ahnherr Gefamtisraels fondern nur der der Rahel- refp.
der Jofephftämme gewefen fei, urfprünglich Gefchichte
der Jofephftämme. Unter folchen Umftänden ,bilden das
Buch Jofua und Jdc I keine fich ausfchliefsenden Parallelen,
fondern die Jofuagefchichte ift mit den Fragmenten nur
der Jofephgefchichte Jdc 122—29 zu combiniren'. Einer
fpäteren Ausführung behält St. den Nachweis vor, dafs
die Rahelftämme geraume Zeit fpäter in Kanaan eingedrungen
feien als die Leaftämme, über die wir eine
wichtige Quelle in den Tell-el-Amarnabriefen befitzen
follen. Dem, was erft fpäter feine ausführlichere Begründung
erhalten foll, ift hier nicht vorzugreifen.

Die Auslegung beftätigt nur, was am Dtncommen-
tar fchon rühmend hervorzuheben war, St.'s Gewandtheit,
das Wiffenswerthe in gedrängtefter Kürze auf einen mög-
lichft präcifen Ausdruck zu bringen. Im zweiten Theile
verliert er mit Recht keinen Raum mit unfruchtbaren
geographifchen Erörterungen; er begnügt fich mit einem
jeweiligen einfachen Hinweis auf Buhl's Geographie. Den
Text betreffend, bringt er LXX ein fehr ftarkes Zutrauen
entgegen. Von Einzelheiten der Auslegung merke ich
fchliefslich noch an, dafs, wenn er zu 511 bemerkt, das
rbp-Effen werde fonft nie vom Massothfeft gefagt, er
Lev 2314 nicht gerecht wird. S. 232'(zu 211—42) fteht

Lev 25 31—34 doch wohl unabfichtlich für Lev 2532 — 34 (vgl.
dagg. Wellhaufen, Kompof.2 166: Lev 2529—34).

Wenn ich diefe Anzeige mit Widerfpruch gegen
Steuernagel's Arbeit eröffnet habe, fo fchliefse ich fie
um fo lieber mit der dankbaren Anerkennung, wie reich
an Anregung der von ihm uns gebotene Commentar ift.

Bafel. Alfred Bertholet.

Bartlet, James Vernon, M. A., The Apostolic age, its life,
doctrine, worship and polity. (Eras of the Chriftian
Church). Edinburgh, T. & T. Clark, 1900. (XLV, 542
S. 8.)

Man kann dies Buch, das in einer Serie von populären
Darftellungen der Kirchengefchichte {Eras of the Christian
Church, ed. by L Fulton) erfchienen ift, mit drei Worten
faft ausreichend charakterifiren: ein englifcher Lechler.
Nur ift der Engländer noch mehr practical und viel
moderner. Zahn und Ramfay haben nicht umfonft ge-
fchrieben; und mit einer kleinen Dofis Weizfäcker und
Harnack fervirt, erfcheinen fie nur um fo fchmackhafter.

Das ,Apoftolifche Zeitalter' umfafst nach B. in einem
engeren Sinne die Jahre bis zum Tode der ,beiden Hauptgründer
' der Kirche, des Petrus und Paulus, und bis zum
Sturz des jüdifchen Staates im Jahre 70; in einem weiteren
Sinne fchliefst es mit dem Ende des Jahrhunderts, als ,die
lebendigeStimmedes letzten perfönlichenjungersjefu unter
i den Menfchen verdummte durch das Hinfeheiden des
j Apoftels Johannes'. Sehr praktifch; aber eine wiffenfehaft-
liche Begründung für das Unternehmen eines Apoftolifchen
Zeitalters ift das nicht.

In drei Abfchnitten wird nun das fo begrenzte Zeitalter
gefchildert.

Die erfte Generation von 29—62 wird im wefent-
lichen nach der Apoftelgefchichte dargeftellt, des Paulus
Reifen werden ausführlich erzählt und die Differenzen
zwifchen Briefen und Apoftelgefchichte, fo gut oder fo
fchlecht es eben nach Ramfay gehen mag, ausgeglichen.
Der erfte Timotheusbrief ift an Bord des Schiffes beim
oder bald nach dem Verlaffen von Milet gefchrieben,
um die kurzen und eiligen Anweifungen zu ergänzen, die
Paulus feinem Stellvertreter hatte geben können, bevor
er ihn nach Ephefus fandte (S. 180), der Titusbrief ift
auf der Romreife im Sommer 59 entftanden. Wo man
folches fo ficher weifs, find natürlich der Koloffer- und der
Epheferbrief gänzlich aufser Frage. Dennoch ift die Kaltblütigkeit
überrafchend, mit der Schilderungen wie die folgende
gegeben werden — der Galater- und der Koloffer-
brief werden zufammen behandelt —: Die Verführung war
in beiden Fällen etwas (somewhatl) verfchieden. Die
Galater waren .behext' durch Judaiften, die ängftlich für
die Mofaifchen Riten als für nationale Gefetze göttlichen
Urfprungs eiferten. Die Koloffer waren noch durch ein
asketifches Motiv beherrfcht, verbunden mit einer Vor-
ftellung von der Erlöfung, die diefe auf die Handlung
unfichtbarer Engelwefen zurückführte.

Intereffant find in diefem erften Abfchnitte nur die Ausführungen
über das Judenchriftenthum. Intereffant, nicht
für den Hiftoriker des Urchriftenthums — denn es wird
auch hier alles gethan, um die ,wefentliche Ueberein-
ftimmung zwifchen Jacobus und Paulus' feftzuftellen —,
londern für den Hiftoriker oder, wenn man lieber will, Beobachter
unferer Zeit. Man erftaunt über die Liebe, die
dem Jacobusbriefe gefchenkt wird, diefer trotz ihrer Anklänge
an Jefus immer noch ftrohernen Epiftel, deren Inhalt
hier mehr Raum gewidmet ift als allen paulinifchen
Briefen. Woher diefe feltfame Erfcheinung? Es ift der
Poverello, wie ihn Sabatier gefchildert hat, der auf unfere
culturmüde und fociale Zeit, insbefondere auf die höheren
Schichten mit ihren fo oft nur fentimentalen Wünfchen
nach Culturlofigkeit und helfender Liebe, den tiefften Eindruck
macht (S. 249). Von hier aus gefehen, rückt Jacobus'