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Ausgabe:

1900

Spalte:

163

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Brockelmann, Carl

Titel/Untertitel:

Syrische Grammatik, mit Litteratur, Chrestomathie und Glossar 1900

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 6.

164

Socin, Prof. Albert, Die Siloahinschrift zum Gebrauch bei Rosenak, Rabb. Dr. Leopold, Die Fortschritte der hebräischen

akademifchen Vorlefungen. Neu gezeichnet und herausgegeben
. (Aus: Zeitfchrift des Deutfchen Paläftina-
Vereins.) Freiburg i. B. Tübingen, J. C. B. Mohr, 1899.
(4 S. m. 1 Tafel gr. 8.) M. —.60

Bei einer fo wenig tief in den Stein eingeritzten In-
fchrift, wie der des Siloahtunnels in Jerufalem, kann weder

Sprachwissenschaft von JehudaChajjüg bis David Kimchi.
(X. bis XIII. Jahrhundert.) f. Theil. Bremen 1898.
(Frankfurt a. M., J. Kauffmann.) (VIII, 47 S. gr. 8.)

Diefes Heft enthält den erften Theil einer Arbeit, die
bereits 1895 von der philofophifchen Facultät in Berlin als
Doctorarbeit angenommen worden ift, deren Drucklegung

durch Photographie des Originals noch vom Abklatfche , "ch aber bls l898 verzögert hat. Inzwifchen ift diefelbe
aus ein genügend deutliches Bild gewonnen werden. durch W- Bacher's fachkundige Abhandlung über ,Die
Die betreffende Tafel in Lidzbarski's Handbuch hat ; Anfänge der hebräifchen Grammatik' überholt worden,
das aufs Neue bewiefen. Vollkommene Deutlichkeit kann | Trotzdem hat der Verfaffer der vorliegenden Abhandlung
nur durch eine Abzeichnung erreicht werden, wobei i geglaubt, doch genügend neue und felbftändige Anflehten
allerdings auf eine abfolute Uebereinftimmung mit der ; vorzubringen, um feine Pubhcation zu rechtfertigen. Da

Vorlage verzichtet werden mufs. Solche Copien be
fitzen wir fchon lange von Socin im 4. Bande der Zeit
fchrift des deutfchen Paläftinavereins und von Jul.Eutin g,

gegen läfst fich nichts fagen. Wir erhalten einen fehr
klaren Ueberblick über die Leiftungen folgender Sprachgelehrten
: Saadja Gaon (f 942), Jehuda ibn Koreifch,

deffen vorzügliche, namentlich den Schwung des Originals Menachem ben Sarük, den Günfthng feines machtigen
unübertrefflich wiedergebende Zeichnung man gerne an Glaubensgenoffen Chisdai ibn Schaprut, der am Hofe Ab
einem anderen Orte fehen möchte. Die neue Zeichnung derrachman III. in Cordova lebte, über Jehuda ibn Chajjüg
Socin's, der fich diesmal der Hilfe eines Berufszeichners be- ; und Abulvalid Mervän ibn Ganäh. Der Stoff ift überdient
hat, macht einen ganz vertrauenerweckenden Ein- fichtlich gruppirt und der Stil ift recht gut. Das Büchdruck
, wenn auch der Schwung des Originales längft nicht 1 lein kann als bequemes Orientirungsmittel über ein noch
erreicht wird. Von der Eutingfchen Lefung unterfcheidet j vielfach unbekanntes Gebiet manchen Nutzen (litten. In
fich diefe — abgefehtn von der etwas abweichenden Auf- j chefem Sinne empfehle ich es. S. 4, 2 v. o. lies 71; ä>. 41,
faffung des Ductus einiger Buchftaben wie p u. f — nament- 1 12 v- hes

lieh dadurch, dafs fie vor der Lücke der zweiten Zeile nicht | Strafsburg i. E. Fr. Schwally.

"7 fondern 7 hat, dafs in der dritten Zeile nach y&H noch__

Spuren von El und vor D">an noch die Buchftaben

erkannt find. Diefe Lefungen entfprechen allerdings zum ; Praetorius, Franz, Das Targum zu Josua in jemenischerUeber-

Theil nahe liegenden Combinationen, aber wenn man keine
Abklatfche und Abgüffe zur Hand hat, find fie nicht zu
controlliren. Darum bleibt es für mich einftweilen bei den
Lefungen des Meifters Euting. Zur Erklärung und
Deutung der Infchrift hat Socin nichts beigetragen.

Strafsburg i. Elf. Fr. Schwally.

Brockel mann, Carl, Syrische Grammatik, mit Litteratur,

Chrestomathie und Glossar. Berlin, Reuther & Reichard,
1899. (XIII, 110 und 190 S. 8.) M. 7.— ; geb. M. 7.80

Es war ein glücklicher Gedanke der renommirten
Verlagsbuchhandlung Reuther und Reichard in Berlin,
eine neue fyrifche Elementargrammatik mit Chreftomathie
und Gloffar auf den Markt zu bringen. Und die Bearbeitung
hätte auch in keine befferen Hände gelegt j durch den Petersburger Prophetencodex 'vom J. "916
werden können. Die Chreftomathie ift fehr verftändig vertretenen Punktationsfyfteme entftanden ift.') So haben
zufammengeftellt und giebt eine Auswahl der wichtigften | die füdarabifchen Targumtexte vor den gewöhnlichen,
legendarifchen und hiftorifchen Documente zur Ent- | mjt tiberienfifchen Vocalzeichen verfehenen Texten den
Wickelung der Syrffchen Kirche bis zum Schisma. Be- ; grofsen Vorzug, dafs fie auch in der Vocalifation auf
fonders gefreut habe ich mich über die Aufnahme der guter Ueberlieferung beruhen, was fich Jedem aufdrängt,

lieferung. Berlin, Reuther & Reichard, 1899. (XI,
47 B. gr. 8.) • M. 3.-

Welche Wichtigkeit den aus Südarabien stammenden
und mit babylonifcher Punktation verfehenen Targum-
Handfchriften zukommt, haben die von A. Merx in feiner
Chrcstomathia Targumica (Berlin 1888) aus verfchiedenen
Manufcripten des Britifh Mufeum veröffentlichten Stücke
deutlich erkennen laffen. Die jüdifchen Gemeinden von
Jemen haben den Text der aramäifchen Ueberfetzung
des Pentateuchs und der Propheten in fehr früher Zeit
von den gleichfam officiellen Lehrftätten jüdifcher Ge-
lehrfamkeit, den Schulen Babyloniens überkommen und
haben zugleich mit dem Texte auch feine ältefte Punktation
feftgehalten, in jenem einfacheren Syfteme, welches
höchft wahrscheinlich vor dem complicirteren, namentlich

vita des Rabbula, die ich fchon oft mit Schülern gelefen
nabe, die aber in der Form der Overbeckfchen Ausgabe
für Anfänger zu fchwer ift. Wer heute eine fyrifche
Elementargrammatik fchreibt, kann fich darauf be-
fchränken, einfach das Meifterwerk Noeldeke's zu excer-
piren. Aber Br. hat fich nicht damit begnügt, fondern
hat die Formenlehre theilweife nach neuen Gefichts-

der die beiderfeitigen Vocalifationen mit einander vergleicht
und Genauigkeit, Folgerichtigkeit auf der einen,
Verwirrung und Willkür auf der anderen Seite findet.
Für die richtige Lefung des Targums und für die gram-
matifche Erkenntnifs feiner Sprachformen bieten die füdarabifchen
Handfchriften ein Hilfsmittel erften Ranges.
Daher mufs die Ausgabe des Targums zu einem ganzen

punkten ausgearbeitet. Wenn ich mich nicht täufche, biblifchen Buche, wie fie Praetorius auf Grund einer füd-
fo dürfte die Mühe, welche lieh Brockelmann mit der arabifchen Handfchrift der Königl. Bibliothek zu Berlin
Durchführung ftreng fprachwiffenfehaftlicher Principien (MS. Or. Quart. 578) veranftaltet hat, dankbar willkommen
gegeben hat, ihm nicht von allen Tironen gedankt wer- geheifsen werden. Und wenn der Verfaffer ausdrücklich
den. Ich hätte es lieber gefehen, wenn das Buch mehr betont (p. V), dafs er nur einen Abdruck der einzige
als Einführung in Nöldeke's gröfseres Werk angelegt | handfehriftlichen Vorlage und keine .Ausgabe' des Tar-
wäre. Aber das ift fchhefshch Anfichtsfache. Ich j gums ZL1 jo(-ua bietet, fo befit/en wir dennoch jetzt in
wünfehe dem trefflichen Buche weitefte Verbreitung. Da | diefem Abdrucke die befte vocalifirte Ausgabe des erften

hier Chreftomathie und Grammatik verbunden find, wird die
Chreftomathie von Rödiger rafch aus dem Felde geichlagen
fein. Mit einigen feltfamen Theorien Brs. werde
ich mich an einem anderen Orte auseinanderfetzen.

Strafsburg i. E. Fr. Schwally.

Buches des Propheten-Targums.

1) S. Merx, Chrest. Targ. p. XI; meine Ausführungen in Z. D.
M. G. Bd. XLIX, S. 15 ff. — Die entgegengefetzte Anficht, wonach fich
das einfachere Syfcem erft bei den füdarabifchen Juden aus dem com-
plicirten herausgebildet hat, vertritt Praetorius, Z. D. M. G. Bd. LUX,
S. 184.