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Ausgabe:

1900 Nr. 5

Spalte:

147-148

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Lettres des Papes d‘Avignon se rapportant à la France 1900

Rezensent:

Cartellieri, Alexander

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 5.

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worden; und doch ift der erfte Theil für den Theologen, fall zutheil werden: die Benutzung wird dadurch unge-

der zweite Theil für den Juriften nicht ohne Intereffe, da ! mein erleichtert. Neben einander flehen vollfländige

Barhebräus flets die alten Quellen (Canones der Synoden, , Wiedergaben und kurze Auszüge. Bei diefen ift das

Verfügungen der Kaifer u. f. w.) anführt, durch welche lncipit angegeben, das ja niemals in derartigen Werken

die kirchliche Amtsthätigkeit geregelt wird. Von den 40 j fehlen follte. Die für die deutfche Gefchichte werth-

Capiteln, in welche er feinen Stoff theilt, gehören eigent- vollen Bullen waren fchon durch S. Riezler's Vatika-

lich nur die heben erften ins kirchliche Gebiet; mit Capitel 8 : nifche Acten bekannt, find aber zum Theil ausführlicher

(Eherecht), 9 (Teftamente), 10 (Erbfchaft), Ii (Kauf und j gegeben (Nr. 263. 374. 375). Nr. 164 und 356 find für

Verkauf) beginnt fchon das bürgerliche Gebiet. Es wäre 1 die Finanzverwaltung der Kurie lehrreich. Bei Nr. 44

eine verdienflliche Aufgabe, durch Ueberfetzung und Er- ift das Datum verdruckt. — Möge das grofs angelegte

läuterung das Werk allgemein zugänglich zu machen, Unternehmen rüflig fortfchreiten und auch der deutfchen

etwa fo, wie das Kayfer mit den Canones Jacobs von Forfchung zum Sporne dienen.

Edeffa gethan hat. - Bedjan hat feiner Ausgabe eine Heidelberg. A. Cartellieri.

im Jahr 1488 gefchnebene Panfer Hdf. zu Grunde gelegt, b__

mit ihr eine zweite Hdf. derfelben Bibliothek verglichen, i u . „ c „. ^ „ c T „ . ...
und durch Guidi eine Collation der vaticanifchen (132. , Hurter> Prof- D-Dr- H- S'J- Nomenclator Irterarius recen-
nicht ,133' S. VII) erhalten. Schade ist, dafs er fich nicht ; tioris theologiae catholicae, theologos exhibens aetate,
um die Berliner bekümmert hat, welche die ältefte ift, ; natione, disciplinis distinctos. Tomus IV. Theologia
kaum 70 Jahr nach dem Tode des Barhebräus gefchrieben. ; catholica tempore medii aevi. Ab anno 1109—1563.
Ebenfo unbefriedigend ift es, wenn er fegt: Nous trowant Edidit et comrnentariis auxit pj. Oeniponte, Libraria
a Londres, nous avons vouiu venfier notre copie sur 1111 , „. . ,ITT ^,^T,T„r
manuscrit que nous avons trouve au British Museum, acad. Wagnenana. (VI, 1355 u. CCLV S. gr. 8.) M. 18.—
mais nous avons constate que ce manuscrit, add 4081, ' Die 3 erften Bände diefes Werkes haben die Zeit
11 avait pas le meine texte que le notre. Eine nach unferen An- vom Ende des tridentinifchen Concils bis zur Gegenforderungen
gearbeitete Ausgabe würde über das Ver- wart umfafst. (Vgl. Reufch's Anzeigen 1892 S. 502 ff. u.
hältnifs beider Textebelehren, auch die übrigen in Europa 1893 S. 424 ff.) Der vierte trägt das Mittelalter von 1109
bekannten Hdff. beigezogen haben (f. P. Smith, Cat. Boa/. | an und die Reformationszeit nach. Für ihn waren die
Syr. 383—391 Hunt. 1 v. J. 1491). Dafs die Drucklegung Vorarbeiten reichlicher, aber die Abgrenzungen fchwie-
diefes Textes fchwieriger war, als die der früheren Bände, riger. Sollte man fich insbefondere für das MA auf das
die wir dem Herausgeber verdanken, glauben wir gerne, i befchränken, was fpäter gedruckt worden ift, oder auch
Er fchliefst feine Vorrede: Dien seid sait /es peines die Handfchriften mit heranziehen? Es ift ja kein Zweifel
inoui'es que nous nous sornmes donnees pour preparer cette dafs die Männer, deren Schriften die Jahrhunderte der Buch-
publication. druckerkunft des Druckes für unwerth gehalten haben,

Maulbronn. Eb. Neftle. ,darum mJhrf.^ doch eine Bedeutung gehabt haben

können. Beschrankte man fich nun auf die gedruckte Literatur
, fo war eine klare Grenze gegeben, im anderen Falle
Lettres des Papes d'Avignon se rapportant ä la France, nicht. Denn alle Theologen aufzunehmen, von denen
Publides ou analysees d'apres les registres du Vatican nur Handfchriftlich.es vorhanden ift, war ja ganz unmög-
par les anciens membresde l'Ecole francaise de Romc. Hch' Man konnte auch nicht daran denken, etwa nur
fT „ .. VTT T , ; die gedruckten Handfchnftenkataloge auszufchöpfen.

No. 2. Benoit XII 1334—1342. Lettres closes, pa- Man konnte nur eine mehr oder weniger willkürliche
tentes et cunales se rapportant a la France. Pu- Auslefe treffen, z.B. die gröfseren fyftematifchenJWerke,
bliees ou analysdes d'apres les registres du Vatican Sentenzencommentare, Summen u. ä. mit ihren Verfaffern
par Georges Daumet. Premier fascicule. Feuilles aufnehmen, die wenigftens auch in Katalogen der grö-

, • /r„u__t>,o.qn tj^-:o a tt^r.fom^;„^r fseren Bibliotheken verzeichnet find. Auch das wäre

I a 10. — Golonnes I a 24b.) Paris, A. rontemoing, r, r, , ^ r T , , ».».v.

^ ' f fchon eine ftarke Zumuthung gewefen. Ich kann es dem

I°99- ir- 9-3° Verf. darum nicht verübeln, dafs er es nicht gethan hat

Immer neue Schätze fpendet das unerfchöpfliche und fich an die Theologen hält, deren Werke gedruckt

Vatikanifche Archiv, und doch kann man nie fagen, es j find, oder die von den älteren Specialwerken, z. B. den

fei zu viel. Wer einmal das dortige Material mit dem Scriptores der verfchiedenen Orden, mit oder ohne die

diesfeits der Alpen vorhandenen verglichen hat, erkennt Titel ihrer handfchriftlichen Werke genannt werden.

bald feine eigenartige, unerfetzliche Bedeutung. Die Ich bin eher der Meinung, dafs H. zu viel aufge-

Verdienfte der £cole francaise d'Athenes et de Rome, I nommen hat. Eine ganz kurze Biographie über die

an deren Spitze zur Zeit Herr Abbe Duchesne fleht, auf Theologen ift gewifs am Platze; aber eine Charakteriftik

diefem Gebiete find genugfam bekannt: ihr verdankt ; ihrer Perfon oder Schriftftellerei gehört nicht in einen

man den Druck der Regifter von Innocenz IV. bis Be- j Nomenclator. Die Verbindung von Bibliographie und

nedikt XL, der hoffentlich in nicht allzu langer Frift ab- Literaturgefchichte ift immer läftig, in der Form, wie

gefchloffen werden wird. Schon jetzt beginnt fie eine der Verf. fie bringt, unerträglich. Die Charakteriftiken

neue Reihe, die den Päpften des 14. Jahrhunderts vor find meift Elogien — auch Grabfchriften werden auf-

dem Schisma, von Johann XXII. bis Gregor XL, zu ■ genommen — und dazu faft immer aus anderen Werken

gute kommen foll. Hier aber werden nicht mehr alle abgedruckt. Wichtiger aber ift etwas anderes. Der weit-

Bullen berückfichtigt, fondern nur die auf Frankreich be- j aus gröfste Theil deffen, was Hurter unter Historia eccle-

züglichen, und auch diefe nur, foweit ihr Inhalt politifch siastica bringt, war entbehrlich. Denn abgefehen von

oder allgemein gefchichtlich bedeutfam ift. Die zahl- 1 den Hagiographen und der Ordensgefchichte ift das meift:

lofen Provifionen, Dispenfe u. f. w. fallen alfo weg. Ueber I überhaupt gar keine Kirchengefchichte, fondern allge-

diefe Befchränkung würde man erft dann ein billiges meine Gefchichte, von Klerikern gefchrieben. Hurter

Urtheil fällen können, wenn man wüfste, ob fie nicht j will aber doch keine Nomenclatur der literarifchen Kle-

doch gefammelt und in irgend einer Form der Orts- riker geben, fondern die der Theologen und ihrer theo-

und Landfchaftsgefchichte zugänglich gemacht werden, logifchen Werke. Was follen in der Theologie z. B. Ver-

Die vorliegende Lieferung, die erfte des Unternehmens, faffer von Städtechroniken wie Fritfche Clofener, Twinger

umfafst die drei erften Jahre Benedikts XII. (8. Januar ' von Königshofen u. a.? Ebenfo wären die Kanoniften

1335—38). Der zeitlichen Anordnung der Stücke, die früher entbehrlich gewefen, die ja aufserdem bei Schulte ver-

nicht beliebt worden war, wird ficher ungetheilter Bei- zeichnet find.