Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1900

Spalte:

129-134

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

König, Ed.

Titel/Untertitel:

Die Orginalität des neulichj entdeckten hebräischen Sirachtextes textkritisch, exegetisch und sprachgeschichtlich untersucht 1900

Rezensent:

Smend, Rudolf

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2, Seite 3

Download Scan:

PDF

Theologische Literaturzeitung.

Herausgeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint *>re's
alle 14 Tao-e. Leipzig. j. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

jyio. 5 3. März 1900. 25. Jahrgang.

König, Die Originalität des neulich entdeckten

hebräifchen Sirachtextes (Smendj.
L6vi, L'ecclesiastique ou la sagesse de Jesus,

fils de Sira (Smendi.
Rohr, Paulus und die Gemeinde von Korinth

(Schürer).

Piccolomini, Sul testo dei Frammenti dell'
Evangelio e dell' Apocalissi del Pseudo Petro
Harnack .

Tractatus Origenis de libris ss. scripturarum
edd. Batiffol et Wilmart (Harnack).

Hofs, Studien über das Schriftthum und die
Theologie des Afhanafius (Krüger).

Stülken, Athanasiana [Texte und Unterfuch-
ungen von Gebhardt und Harnack, Neue Folge
IV, 4] (Derf.).

Ladeuze, Etüde sur le cenobitisme Pakhomien
(Grützmacher).

Gregorii Barhebraei Nomocanon ed. Bed-

jan (Nestle).
Lettros des Papes d'Avignon se rapportant a la

France, 2. Benoit XII 1334—1342, publ.

par Daumet, i, fasc. (Cartellieri).
Hurter, Nomenciator literarius recentioris theo-

logiae catholicae tom. IV (Karl Müller).
Peltzer, Deutfche Myftik und deutfche Kund

(Bergner).
Kögel, Rudolf Kögel, 1. Bd. (Eck).

König. Prof. DD. Ed., Die Originalität des neulich ent- I kannt ift ihm, dafs der in H erhaltene Stichus 42,i5d auch
deckten hebräischen Sirachtextes textkritifch, exegetifch j »« SinaitkusitA (S. 41), und dafs einer der beiden
r , . ... , . t.*;k!MMn t r u buchen, die // hinter 30,30 einfetzt, in 67 nach v. 31 und

und fprachgefch.chthch unterfucht. Tübingen, J. C. fiwS nach v. 34 verfchlagen ift (S. 21). Er reflectirt über
Mohr, 1899. (VII, 113 S. gr. 8.) M. 2.50 | die Aechtheit von Zufätzen, die H hinter 4,97 und 4,88

Vor der Entdeckung der hebräifchen Sirachfragmente
(rV) meinten D. S. Margoliouth und G. Bickell die Metrik
des Grundtextes auf Grund der griechifchen (67) und fy-
rifchen (S) Ueberfetzungen feftftellen zu können, wobei

fie freilich zu fehr verfchiedenen Refultaten gelangten, haben (S. 37) und das Plus des // zu 6,17 auch" im cod.
Durch die Auffindung des//wurden fie fchwer enttäufcht. Ambros. des 5 fich findet (S. 17 f.) Abgefehen von dem

hat, ohne zu merken, dafs er einfach 8,u und 5,14 vor
fich hat, die an falfcher Stelle in den Text gerathen find
(S. 19 f). Gleichfalls entgeht ihm, dafs 3,9 wichtige Hand-
Schriften des .9 ,alle Segnungen' ftatt ,alle feine Segnungen'

Ihre vermeintlichen metrifchen Entdeckungen flehen ihnen
aber fo feft, dafs fie nunmehr die Originalität des H anfechten
, den fie für eine fpäte Rücküberfetzung erklären.
Vgl. D.S. Margoliouth, thc origin of t'he ,original Hebrevd
of Ecclesiasticus (1899), G. Bickell, Wiener Zeitschrift für
die Kunde des Morgenlandes XIII 251 ff. Unter einigem
Vorbehalt ift ihnen beigetreten Israel Levi, Revue des
etudes juives XXXIX S. 1 ff.

In England haben diefe Angriffe einen kaum begreiflichen
Eindruck gemacht und vom Herausgeber der Ex-
pository Times wurde Ed. König aufgefordert, über diefe
Streitfrage fein Urtheil abzugeben. Die Verantwortlichkeit
für die in der Expository Times von ihm veröffentlichten
Artikel fällt deshalb nicht allein König zu. Ihm
felbft find diefe Auffätze dann aber werthvoll genug er-
fchienen, um fie in der vorliegenden Schrift auch dem
deutfchen Publikum bequem zugänglich zu machen. Gegen
diefe Selbfteinfchätzung mufs proteftirt werden.

König ftellt zunächft die Frage, in wie weit der vorliegende
Text von N, G und 5 Vertrauen verdient und
in wie weit aus 67 und 5 ihre hebräifchen Vorlagen er-

fchlofsen werden können (S. 4—15). Schon hier zeigt yjrjn Tl by jfifcD

letztgenannten Fall handelt es lieh hier um lauter Dinge,
die in Swete's und Fritzsche's Ausgabe des 67, in La-
garde's Ausgabe des 5 fowie in den englifchen Commen-
taren zu H notirt find.

Eben fo erftaunlich find die kritifchen Urtheile des
Verfaffcrs. Bekanntlich weift H viele Verfe in doppelter
Geftalt auf, von denen zuweilen die eine mehr dem 67,
die andere mehr dem S entfpricht.
Es heifst z. B. 34,4

irro "lortb w
:Tns nw msi dki
wd norrs ^y brjy
:ib nns sb niDi nx

G und 5 drücken nur die beiden erften Stichen aus und
zwar ziemlich wörtlich, abgefehen davon, dafs fie für irTO
etwa ir-p-n lafen. Ueber den Charakter der beiden letzten
Stichen kann kaum ein Zweifel beliehen. Aber König
erklärt fie für echt und S für aus H verkürzt, weil S
btty für ijy yji fetzt. Obendrein hält er btt» für
einen Status construetus (S. 18).
30,12ab hat H-.

fich, dafs er ohne genügende Vorarbeiten an feine Aufgabe
gegangen ift. Was er über die Verderbtheit des
Textes von // fagt, ift weder neu noch ausreichend, bezüglich
des Textes und der Ueberfetzungsart von G und
5 verweift er lediglich auf die Arbeiten anderer. Aus
e(genem Studium kennt er fie nicht. Bei der weiteren
Unterfuchung des quantitativen' (S. 16—26), und qualitativen
' (S. 26—50) Verhältnifses der drei Textgeftalten

nys vjTiyir ii:rM ■ps-i
im-vysa nstn rpy
:pp( »inirp i^na ypm

67; xä/jtpov rov TQäyrijXnv avrov iv »eoTirtt.

iblaoov raq stXevQaq avrov. cos lonv vrjjtios.

S: xbt: in ny ncxi Epa
nyr in ny nrönta ~~t-

Konig, der im erften Stichus des H ibm (feine Schulter)

tritt derfelbe Mangel in erfchreckender Weife zu Tage, j emendirt, hält feine fämmtlichen vier Stichen für echt,
Erdiscutirt öfter auf Grund diefer oder jener Lesart das weil er nicht glauben kann, dafs Nacken (6") und Kopf
Verhältnis von 675 zu H, ohne auch nur nach der Be- (5) zuletzt auf dasfelbe hebräifche Wort zurückgehen,
zeugung der betr. Lesart gefragt zu haben. Für 46,15 b ! Als ob die Verwechslung folcher Synonyma in den Texten
openrt er mit jz'iotei (S. 44) und für 43,10 mit ayiois j und Ueberfetzungen des A. T. nicht zu den alltäglichften
(S. 49), ohne zu ahnen, dafs das lediglich Schreibfehler j Erfcheinungen gehörte! In grobem Selbftvviderfpruch trägt
des cod. Vaticanus find und fämmtliche übrige Hand- König auch gar kein Bedenken, eben hier riiäyiiXos und
fefariften fowie die Vetus Latina dafür (>rniari(-uaöiv) und | PjrO fowie xXevnä und d^rrrj einander gleichzusetzen (S. 27).
ayiov bieten. Ebenfo kümmert es ihn nicht, dafs 6,21 fehr . In ähnlicher Weife wird die Echtheit der Dubletten von
wichtige Zeugen ioyyos für Ioxvqos haben (S. 39). Unbe- , H zu 30 (33))17 und 35 (32I14 bewiefen (S. 19. 28).—46,2od,

129

130