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Ausgabe:

1900 Nr. 4

Spalte:

104-107

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Godet, F.

Titel/Untertitel:

Bibelstudien. 2. Teil. Zum neuen Testament. 2., umgearb. Aufl 1900

Rezensent:

Weiffenbach, Wilhelm

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103 Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 4. IC4

die uns in der Pefchito begegnet, fowie die Lesarten
, die bei Aphraates und Ephraem erhalten find
(S. 18—20), danach der Text auf den die Vulgata fich
bezieht (S. 20 f.) und endlich wird ausführlicher das Ver-
hältnifs befprochen, welches Jofephus zu dem MT bei
Daniel einnimmt (S. 21—28). Eine genaue Tabelle zeigt
in 3 Columnen: links den MT, in der Mitte Jofephus
und rechts die LXX. — Ein dritter Abfchnitt bringt
eine ,Charakterifirung des LXX-Ueberfetzung und des
mafforethifchen Textes des Buches Daniel'. Es wird
zunächft das Verhältnifs der LXX zum MT feftgeftellt.
S. 28—32. Dann wird fpeciell die Ueberfetzung des
aramäifchenDanielbuches in derLXXunterfucht(S.32—44).
Der Verf. conftatirt die zahlreichen Willkürlichkeiten und
Auslaffungen in diefen Theilen des griechifchen Daniel,
aus denen hervorgeht, dafs hier ein von MT abweichender
Grundtext vorlag. Im vierten Abfchnitte wird vom
Verf. fpeciell ,Die Sprache der LXX - Vorlage des
Buches Daniel unterfucht' (S. 45—51), infonderheit gefragt
,in welcher Sprache lagen dem griechifchen Ueber-
fetzer die Kap. II,*—VII vor?1 — Es wird zunächft feftgeftellt
, dafs in dem griechifchen Daniel verfchiedene
Mifsverftändnifse vorkommen, welche einen hebräifchen
Text vorausfetzen (S. 45 f.). Sodann weicht Dan. in der
LXX 23 mal in der Wortstellung von der des aram.
Textes ab (S. 46 f.) und zeigt an 4 Stellen die im Hebr.
gewöhnliche Paffivconftruction ftatt der aramäifchen
Urnfehreibung des Paffivs durch die 3 pl. des Activs
(S. 47). Eine Anzahl von Stellen im griechifchen Daniel
läfst fich ungezwungener auf eine hebräifche als auf eine
aramäifche Vorlage zurückführen (S. 48). Hier überfieht
man allerdings nicht das ganze Material, um eine Entscheidung
mit Sicherheit treffen zu können. — Befonders
bemerkenswerth find endlich einige Hebraismen, die
durch die aramäifche Vorlage durchfchimmern. — Die
Annahme, dafs die Capitel II,*—VI deswegen für aus
dem Hebräifchen in das Aramäifche übertragen zu erachten
feien, weil in diefen Nichthebräer mit längeren
Reden auftreten (S. 51), ifit wenig wahrscheinlich. Schliefs-
lich entfcheidet der Verf. für genauen Anfchlufs der
griechifchen Ueberfetzung der Capp. II—VII an ihre
Vorlage, fowie dafür, dafs fie als das Werk eines Mannes
anzufehen feien. — Anhangsweife werden die zahlreichen
Uebereinftimmungen des griechifchen Daniel mit dem
erften Esrabuch in Ausdrücken und Wendungen (S. 52—56)
vom Verf. zufammengeflellt.

Möge der Verf. diefen Prolegomenen bald eine um-
faffendere Behandlung der Fragen des Textes und der
Compofition des Buches Daniel folgen laffen.

Jena. C. Siegfried.

Littmann, Dr. Enno, Ueber die Abfassungszeit des Tritojesaia.

Freiburg i. B., J. C. B. Mohr, 1899. (VII, 52 S. gr. 8.)

M. 1.50

Der Verfaffer Stellt zunächft diejenigen Forfcher zu-
fammen, die Duhm in der Datirung von Jef. 56—66 beigestimmt
haben (S. 1 f.), und giebt darauf wefentlich im
Anfchlufs an feine Vorgänger die fachlichen und Sprachlichen
Gründe an, welche ihn vornehmlich zur Unter-
fcheidung eines Deutero-undTritojefaja veranlaffen(S.3—7).
Auf die treffende Widerlegung einer Einwendung Cornills
(S. 8) folgt (S. 9—12) ein kurzer Ueberblick über die
Ereignifse von 538—445 nach den Ergebnifsen Ed. Meyers.
S. 13—50 behandeln dann die einzelnen Abfchnitte Tri-
tojefajas der Reihe nach und fuchen fie zeitlich zu fixiren.
Dabei kommt der Verfaffer zu dem (S. 51 f. zufammen-
gefafsten) Refultat, dafs 56—63 e, 65, 66 aus fprachlichen
wie inhaltlichen Gründen ziemlich eng zufammengehören
und fich ungezwungen von einem Autor herleiten laffen.
Diefer fchrieb wahrfcheinlich nach der Unterbrechung
des Mauerbaues, aber vor der Ankunft Nehemias, alfo j
zwifchen 457 und 445. Dagegen gehört 63 7—64 wahr- I

fcheinlich in eine frühere Zeit 538—520, mufs alfo einen
befonderen Verfaffer haben, was auch fprachliche Gründe
nahelegen (S. 38 f.).

Obwohl Littmann im Allgemeinen die Zeit von
457—445 für" Tritojefaja offen laffen will, fetzt er ihn
doch am liebsten cc. 455 an (S. 23,38). Sein Hauptgrund
dafür, nämlich dafs damals nach Einstellung des Mauerbaues
Efras der Hafs gegen die Samaritaner am Stärksten
war, beruht auf der Vorausfetzung, dafs in c. 57, 65, 66
eben von den Samaritanern die Rede fei. Denn Littmann
hält gegen Kolters und mich an diefer Hypothefe
Duhms feft, ohne aber neue Gründe dafür beizubringen.
Charakteriftifch für feine Beweisführung ift der Satz: ,Es
fragt fich nun, ob die hier erwähnten Gebräuche alle
auf die Samaritaner paffen , oder ob man Gründe hat
anzunehmen, dafs dies nicht der Fall fei'. (S. 41, ähnlich
S. 18, 48). Diefe Fragestellung ift methodifch verkehrt.
Da in keinem der betr. Cap. ein Wort von den Schismatikern
Steht, ja überhaupt kein Name gegeben und
durch nichts angedeutet ift, dafs der Verf. feinen Blick
weit von Jerufalem hinweg nach Sichern richtet, fo ift
zunächft anzunehmen, die Abtrünnigen feien Juden.
Erft wenn dies als unmöglich dargethan ift, darf man
fich nach anderen Leuten umfehen, welche die Strafreden
eher verdient haben. Allein jener Nachweis ift
bis heute nicht geliefert. Man mufs freilich zugeben,
dafs unter den Götzendienern auch die Samaritaner an und
für fich verstanden werden können, aber von einem
Müffen kann fo lange keine Rede fein, als die erfte
und nächstliegende Deutung auf das jüdifche Volk möglich
ift. Arg ins Gedränge kommt Littmann bei dem
Bild von der Traube 65 s. Nach ihm zielten 65 1—7 auf
die Selbständige Gemeinde der Samaritaner, die zu Grunde
gehen folle, 8—10 jedoch auf die jüdifchen Frommen,
die gerettet werden follen; denn die Traube bleibe erhalten
. Aber 8 ff. bilden die directe Fortsetzung von
1—7. Davon, dafs der Verfaffer fich an ein anderes Volk
wende, ift nicht das Geringfte zu Spüren. Weil nun a—10
Sicher von den Juden reden, mufs dies auch für 1—7
gelten. Der von Littmann conftruirte Gegenfatz befteht
nicht. Denn der Untergang des D2> ift, wie eben s lehrt,
nur a potiori zu verstehen; und nicht die Traube hat Bestand
, fondern nur das Werthvolle in ihr. — Würde
endlich Tritojefaja die Baftardbrut ÖTIK 665 genannt
haben, wenn er die Samaritaner meinte? (cf. II. Reg. 17
und Sir. 50 25 f.). Ich halte den Verfuch Littmanns, die
Hypothefe Duhms zu erneuern, für mifsglückt.

Die übrigen Gründe Littmanns für feine Anfetzung
Tritojefajas find ebenfo problematifch. Auch hier liebt
er das Operiren mit dem Gedanken, dafs die einzelnen
Abfchnitte fich aus der betr. Zeit gut erklären liefsen
(S. 23, 26, 29). Ein Verfuch andere Datirungen zu
widerlegen , wird bezeichnenderweife gar nicht gemacht.
Es ift auch bei der Allgemeinheit der Angaben in
Jef. 56—66 und bei unferer geringen Kenntnifs der nach-
exilifchen Zeit unmöglich. Ob 62 6 auf die Bedrohung der
Mauern um 457 gehe, ob 61 5 f. eine Vorbereitung auf
das Gefetzbuch Efras feien (S. 32 f.), ob der yiJBia 59 j«,
635 Artaxerxes fei (S. 28. 35), ift weder zu beweifen noch
zu widerlegen. Nur das läfst fich mit annähernder
Sicherheit fagen, dafs die, wie es fcheint, grofse Ausbreitung
des Götzendienstes im jüdifchen Volke auf die Zeit
kurz nach dem Exil hinweift.

Göttingen. Dr. Grefsmann.

Godet, Prof. D. F., Bibelstudien. Deutfch bearbeitet von
Pfr. J. Kaegi. 2. Teil. Zum neuen Teftament. 2.,
umgearb. Auflage. Hannover, C. Meyer, 1898, (IV,
300 S. gr. 8.) M. 4.—

Wenn ein bewährter Meifter auf dem Gebiete neu-
teftamentlicher Einleitung und Exegefe in obigem Buche