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Ausgabe:

1900 Nr. 3

Spalte:

78-79

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ficker, Gerhard

Titel/Untertitel:

Studien zu Vigilius von Thapsus 1900

Rezensent:

Preuschen, Erwin

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Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 3.

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dem Heimweg (93—113), Petrus (114--128), Jacobus , fpirationstheorie fteht; er bekennt zwar, dafs ,Gott feine
(129—1451, auf dem Wege nach Emmaus (146—166), i Offenbarung durch Vermittlung fchwacher und fundiger
die Jünger im Saale des Paffahmahles (167—186), Thomas Menfchen uns hat zu theil werden laffen', und dafs .daher
die einzelnen Bücher der heiligen Schrift nach Charakter
und Entftehung ihren durchaus menfchlichen Charakter
ganz offen zeigen'. Gilt es aber die Folgerungen
diefes Satzes zu ziehen und auf diefe Urkunden die Me-

(187—204), auf dem galiläifchen Berge (205—222), am
See bei Tiberias (223—250), die Himmelfahrt (251—269)', —
fo lauten die Ueberfchriften der mit grofser Wärme und
Lebendigkeit ausgeführten Betrachtungen, an welche fich

Strafsburg i. E. P. Lob ff, ein.

ein die Summe und Anwendung des Ganzen ziehender ' thode anzuwenden, welche allein auf hiftorifchem Boden
Abfchnitt anfchliefst: .Gedanken über Auferftehung und ■ zuläffig ift, fo verfagt der Verf. und lenkt wieder in die
ewiges Leben der Erlöften im Anfchlufs an die Auf- | Bahnen ein, die er nur in thest verurtheilt, in Wahrheit
erftehung des Herrn' (270—288). — Hätte fich der Verf. , aber doch nicht verlaffen hatte,
damit begnügt, dem praktifchen Bedürfnifs der Gemeinde,
zumal der Erbauung der chriftlichen Familie zu dienen,
fo müfste man feinem Unternehmen ungetheilten Beifall
zollen. Leider verbindet er mit diefem Zweck eine andere, Ficker. Privatdoz. Lic. Dr. Gerhard, Studien zu Vigilius
mehr kritifch-apologetifche Abficht, welche fehr häufig von jhapsus. Leipzig, J. A. Barth, 1897. (79S. gr. 8.)
feine praktifchen Beftrebungen durchkreuzt und feinem ^ Q

Buche einen Zwittercharakter giebt, der den Lefer ftören |

mufs und ihm fchliefslich den Eindruck peinlichen Mifs- Der Verf. will mit diefer Schrift, wegen deren ftark

behagens zurückläfst. ,Ich will zeigen, dafs die Berichte | verzögerter Anzeige der Referent um Entfchuldigung zu
der Evangeliften fich fehr wohl zu einem zufammen- I bitten hat, die Aufmerkfamkeit auf einen lange vernachhängenden
und klaren, pfychologifch und gefchichtlich ; läffigten Schriftfteller lenken. Seit reichlich zweihundert
unanfechtbaren Gefammtbild vereinigen und abrunden , Jahren ift für Vigilius gar nichts mehr gefchehen. In den
laffen. Weiter aber möchte ich gern zeigen, welche Fülle j Handbüchern der Patriftik führt er ein befchauliches Davon
erbauender Kraft zur Stärkung des Glaubens und 1 fein, das ausgefüllt ift mit den Annahmen der älteren
zur Befeftigung des Wandels gerade in den Erzählungen : umfaffenderen patriftifchen Werke. Ficker hat das Ver-
von der Auferftehung des Herrn und von feinen Er- dienft, die Blöfsen der landläufigen Annahmen ins Licht
fcheinungen für den Einzelnen wie für die Gemeinde der j gerückt und auf die Probleme, die hier noch zu löfen
Gläubigen liegt' (IV). Wir geben bereitwilligft zu, dafs 1 find, aufmerkfam gemacht zu haben. Ob fein Appell
letztere Aufgabe dem Verf. vortrefflich gelungen ift; das j allerdings von Erfolg fein wird, ilt mir fraglich. Denn
erfte Stück feines Programms hat er dagegen viel zu die literarhiftorifche Forfchung hat auf dem Gebiete der
leicht genommen, ja er fcheint von den kritifchen Sorgen, 1 alten Kirchengefchichte noch ungleich wichtigere Auf-
die dem objectiven Hiftoriker durch den Charakter und 1 gaben zu löfen und es ift wohl kein Zufall, wenn die
das gegenfeitige Verhältnifs unferer Quellen bereitet recht unintereffante und unfelbftändige Perfönlichkeit des
werden, kaum eine dunkle Ahnung zu haben. Zur IUu- afrikanifchen Bifchofs bisher fo wenig Beachtung gefun-
ftration des vom Verf. geübten Verfahrens nur folgende i den hat. Die vorliegende Unterfuchung geht aus v n
Probe. Der Verf. weifs, dafs über den Ort der Erfchei- ; den unter dem Namen des Vigilius zuletzt von Chifflet
nungen des Auferftandenen ,augenfcheinlich zwei ver- 1664 zufammengeftellten Schriften. Er beginnt mit den
fchiedene Strömungen in der Üeberlieferung vorliegen. 5 Büchern gegen Eutyches; die in den Hff. einem Vigi-
Die eine weift nach Galiläa, die andere nach Jerufalem, j lius episcopus zugefchrieben werden. Damit wäre auch
und fie fcheinen fich gegenfeitig auszufchliefsen .... Es noch nicht viel gewonnen, wenn nicht in einer im 8. oder
ift doch wohl nicht richtig, hier von einem offenen Wider- 9. Jahrh. gefchriebenen Handfchrift (Troyes 2405) aus-
fpruch zwifchen den Evangeliften zu reden, denn bei | drücklich Vigilius von Thapfus als Verf. genannt wäre,
keinem finden wir eine Ausfage, durch welche die Aus- | An der Richtigkeit diefer Üeberlieferung zu zweifeln,
fage eines der anderen beftritten würde, oder welche mit j liegt, wie F. nach Chifflet umftändlich zeigt, kein Grund
dem Berichte der anderen fchlechthin unvereinbar wäre, j vor; denn alle andern Combinationen find ziemlich halt-
Wir können vielmehr alle Ausfagen aufrecht erhalten los. Ift aber Vigilius von Thapsus Verf. der Bücher
und die eine durch die andere ergänzen. Es ergiebt fich ! gegen Eutyches, fo mufs er auch Schriften gegen Sabel-
uns dann folgendes Bild. Jefus hatte die Abficht, j lius, Photinus und Arius verfafst haben, da er folche aus-
nach feiner Auferftehung fich in Galiläa zu zeigen. Seine drücklich erwähnt (Migne lat. LXII, 136). Mit diefen
dortigen zahlreichen Freunde follten fich davon über- Büchern identificirte fchon Chifflet den dialogus adversus
zeugen, dafs er lebe, und follten dort den Stamm einer Arrianos, Sabellianos et Photinianos, fowie den dialogus
gläubigen Chriftengemeinfchaft bilden. Die Jünger aber contra Arrianos. F. folgt ihm darin und fieht die Iden-
waren dazu berufen, den in Galiläa zerftreuten Freunden | tität, wie fich aus der Inhaltsangabe in contra Eutycheten
die Botfchaft von der Auferftehung zu bringen und fie j ergebe, für erwiefen an. Die Abfaffungszeit der letzteren
dann um den Auferftandenen zu fammeln. Dazu freilich { fetzt er unter Cautelen auf die Zeit vor c. 520. Vor diefer

mufsten fie felbft, die Junger, glaubensvoll überzeugt fein,
dafs ihr Herr und Meifter lebe. Sie konnten das auch
auf die Botfchaft des Engels hin, die ihnen von den
Frauen überbracht wurde. Indeffen gerade hier
fcheiterte der Plan und bedurfte in Folge deffen
eine Umgeftaltung. Denn felbft dann, als Jefus den
erften Schritt gethan und fich den Frauen gezeigt hatte,
blieben die meiften der Jünger in ihren Zweifeln befangen.
Jefus mufste alfo noch einen zweiten Schritt
thun und fich den Jüngern in Jerufalem zeigen. Nun
erft waren fie befähigt, ihren Auftrag in Galiläa auszurichten
. So fügen fich die beiden in unferen Berichten
vorhandenen Strömungen fehr wohl zu einem Gefamtbild
zufammen'. (5—6). Angefichts diefer harmoniftifchen Verbuche
wird man leicht erkennen, dafs der Verf., trotz
feiner gewifs aufrichtig gemeinten gegentheiligen Ver-
ficherungen, unter dem Banne der altproteftantifchen In-

Schrift mufs, wie fich aus dem Selbftcitat ergiebt, die
Schrift gegen Arianer, Sabellianer und Photinianer verfafst
fein. Hierfür flehen unter den Werken des Vigilius
zwei zur Verfügung, der dialogus contra Arrianos in zwei
und der dialogus adversus Arrianos etc. in drei Büchern.
F. hält erfteren für einen Auszug aus letzterem. Beide
find gelegentlich — fo in der Ausgabe von Caffander 1555
— in ein Werk zufammengearbeitet worden. Die Schrift
ging, wie der Verf. felbft ausdrücklich fagt, unter dem
Namen des Athanafius [sub nomine Atkanasii . . con-
scripsimus) und fteht auch noch in vielen Hff. unter diefem
Namen. F. leugnet (S. 40) gegen den klaren Wortlaut
diefen Sachverhalt ab und meint, Vigilius wolle nur
fegen, dafs er bei dem fingirten Religionsgefpräch dem
Athanafius feine eignen Gedanken in den Mund gelegt
habe. Die ausführlichfle Unterfuchung ift den drei Büchern
gegen den arianifchen Diakon Marivadus und den 12 Bü-