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Ausgabe:

1900 Nr. 25

Spalte:

675-677

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gall, August Freiherr von

Titel/Untertitel:

Die Herrlichkeit Gottes. Eine biblisch-theologische Untersuchung, ausgedehnt über das Alte Testament, die Targume, Apokryphen, Apokalypsen und das Neue Testament 1900

Rezensent:

Volz, Paul

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675 Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 25. 676

(Delarue 2,25; hom. in Gen. VII, S. 2. 3. 5) und hält es für das
wahrfcheinliclifte, dafs der VerfafTer des Tractats von Rufin borgte.

8) Die Arbeit von Achelis über die koptifch erhaltenen, der Synode
von Nicäa zugefchriebenen Gmndfätze ift von Cmni überfetzt und
mit Anmerkungen, unter anderem mit dem Nachweis einer weiteren
Handfchrift bereichert, in welcher fie dem Hippolytus zugefchrieben
werden.

9) a) Die Mediana Hebdomada Quadragesimä, an welcher ordinirt
werden durfte, ift nach Feltoe nicht blofs der Samstag vor dem
vierten (Lae/are), fondern auch vor dem fünften Faftenfonntag (&-
tientes). Der Zufatz von Brightman giebt die einfache Erklärung,
dafs es früher ein 3wöchentliches Faften gab, deffen Mitte die
römifche hebdomas mediana war. b) Die Feier der Mitte zwifchen
Odern und Pfingften, die in der Z. f. kath. Th. 19 für die griechifche
Kirche nachgewiefen wird, beftand auch im Werten, mtdiante die
festo nach Joh. 7,14.

10) a) Strayer möchte Joh. C. 8. 9 und 10 auf das Feft der Tempelweihe
verlegen und zu diefem Ende 10,22 vor 8,12 fetzen. Dafs
8,1 — II hier eingefchoben werden konnte, beweife, dafs in den
alten Hdff. hier ein Bruch gewefen fein müffe. b) Mehr dokumen-
tarifchen Boden hatTurner's Hinweis, dafs im Sinai-Syrer Joh. 18
geordnet fei 13. 24. 14 f. 19—23. 16—18. 25b, und dafs — k fehlt
hier — in 1 (Palatinus) zwifchen 8,12 comprehenderunt und 25. dixe-
runt namquid ein Blatt ausgefchnitten fei, auf das nach dem gewöhnlichen
Texte 27 Linien von VV-H, ftatt wie fonft 21 oder 22
kommen würden.

11) Turner ergänzt Mercati's Nachweife zu Cyprian und Irenaus (f.
Harnack, Th.Lz. 99,515) durch den Wink, dafs die wichtigfte
Irenäushdf C (oder ihre unmittelbare Vorlage) von Agobard benützt
worden und mit Sirmonds Manufcript identifch fei, aber nicht
mit Loofs im Arundeiianus, fondern in dem jetzt in Berlin befindlichen
eiuft Meermannfchen, dann Phillipps'fchen (bei Rofe
p. 58—60) wieder zu finden fei.

12) In der Ueberficht über die Pa/ristica befpricht Turner Kauffmann's
Aus der Schule des Wulfila, Auguftin im CSEL 31 (V, 2),
Mafon's Gregory of Nazianz, Knopfs I. Gem., Holl's Fragmente.

Steht fo viel in einem Hefte, wie viel dann in vieren!

Maulbronn. Eb. Neftle.

Gall, Lic. Dr. Freihr. v., Die Herrlichkeit Gottes. Eine
biblifch-theologifche Unterfuchung, ausgedehnt über
das Alte Teftament, die Targume, Apokryphen, Apo-
kalypfen und das Neue Teftament. Giefsen, J. Ricker,
1900. (III, 109 S. gr. 8.) M. 3.20

In einer fprachlichen Unterfuchung der Wurzel ~2D
ftellt G. zunächft (S. i —14) feft, dafs der Begriff des
Kabod zurückgeht auf die urfprüngliche Vorftellung des
Schwerfeins, fo dafs der Kabod immer zunächft die
äufsere Erfcheinung eines Gegenftandes oder einer Perfon
charakterifirt und alle andere Bedeutungen (Ehre, An-
fehen, Reichthum, Preis u. f. w.) erft abgeleitet find. In
der gefchichtlichen Unterfuchung befchäftigt fich G. zu-
erft (S. 15—25) mit den vorexilifchen Stellen, die vom
Kabod Jahwes berichten, hauptfachlich E^. 3318 f. R. i8iof
Jef. 6 Dt. 521. An dielen Stellen fleht die Herrlichkeit
Gottes im Zufammenhange mit Wolke, Donner und Blitz,
alfo erfcheint fie im Gewitter, ja jedes Gewitter ift ein
Erfcheinen der göttlichen Herrlichkeit. Wie fich der
Menfch vor dem Gewitter in die Höhle flüchtet, fo Mofe
vor der Henlichkeit Gottes Ex. 345. In diefer vorexilifchen
Periode ift nur dann vom Kabod Gottes geredet,
wenn fich Jahwe den Menfchen offenbart. Diefe ältere
Vorftellung findet G. auch in dem nachexilifchen Jef. 4.
Ez. (S. 26—32) löft die Herrlichkeit fovvohl vom Gewitter
als von der Theophanie überhaupt. Nach ihm hat Gott
eine Herrlichkeit auch wenn er für fich ift, und die Er-
fcheinungen des Gewitters, der Wolke u. f. w. find nur die
äufseren Begleiter der Herrlichkeit, gehören nicht zu
diefer felbft, die Herrlichkeit ift vielmehr eben die Ge-
ftalt Jahwes felbft. Gegenwärtig ift fie verborgen vor
der Welt, aber in der Heilszeit wird fie den Menfchen
offenbar und nimmt Wohnung im Tempel 435: der Kabod
Jahwes wird zum ,meffianifchen Begriff. In der
exilifchen und nachexilifchen Zeit (S. 32—49) herrfcht
diefe meffianifche Beziehung faft allein; der Kabod des
Dtjes ift die in der Heilszeit fich offenbarende Licht-
geftalt Jahwes, fie wohnt nicht im Tempel (aufser 66iHff.),

fondern ruht über dem neuen Jerufalem oben am Himmel,
Sonne und Mond erfetzend öouif. cf. Jef. 242s, und lockt
die Völker an. Im Pfalter ift das Erfcheinen der Herr-

! lichkeit Gottes das Zeichen für den Anbruch des Reiches

i Gottes, während fie in der Gegenwart nur latent vorhanden
ift. Die Glieder und Gegenltände des neuen

] Reiches haben an ihr Theil. Auch für P (S. 49—55) ift

, der Kabod vielfach ein meffianifcher Begriff, in der über-

I tragenen Form, dafs die mofaifchc Zeit als Vorbild für
die Heilszeit gedacht war, alfo mit dem Kabod Jahwes
ausgeftattet fein mufste. Vor allem zieht der Kabod mit

: in der Wolke, die Israel begleitet. Die Vorftellung ift
hierbei die gleiche wie bei Ez., die Wolke ift nur die

! Hülle, der Kabod ift die Geftalt Jahwes felbft. Aber
im Unterfchied von Ez. wohnt der Kabod nicht immer
im Heiligthum, fondern erfcheint nur zuweilen. Es ift
in P wie in der früheren Vorftellung der Unterfchied
gemacht zwifchen der beftändigen unfichtbaren Gegen-

! wart Jahwes im Tempel und feiner zeitweiligen Herrlich-
keitserfcheinung dafelbft. Der Schlufs des altteftamentl.
Abfchnitts (S. 55—61) erwähnt die Synonymen von
Kabod. In der Lehre der Targume (S. 66—72) ift "H Xnp11
theils die Herrlichkeit Gottes, die dem Menfchen erfcheint
, theils (und zwar viel häufiger als im A.T.) die
Lichtgeftalt, die Jahwe für fich hat. Der npt Gottes
hängt auch mit der Wolke zufammen, er wird in der
meffianifchen Zeit aufftrahlen und auch den Menfchen der
neueren Zeit zu Theil. sro^S© ift nicht mit Klpi zu ver-

: wechfeln (S. 72—81); jenes bedeutet ganz allgemein die

I Gegenwart Gottes, diefes die Erfcheinung. Die Apo-

i kryphen und Apokalypfen (S. 81—91) erwähnen die
1 lerrlichkeit Gottes nicht feiten, befonders in mefüanifchem
Zufammenhange als die Herlichkeit, die über dem neuen

! Jerufalem und dem heiligen Lande auf leuchtend die Heilszeit
eröffnet und die Glieder des neuen Reichs umhüllen

| wird; daneben fleht die Herrlichkeit Gottes auch für fich

! als die Geftalt der im Himmel thronenden Majeftät. Zuweilen
ift die (Joga Ihov nur eine Umfchreibung für Gott,

I ein Titel Hen. 272 1031. Die neuteftam. Unterfuchung
(S. 91 —109) behandelt zunächft die riogß, die Gott und

1 den Himmlifchen fchon jetzt beigelegt wird, cf. Lc. 931
und die als Lichterfcheinung gedacht ift 1 Tim. 610. In
den fynoptifchen Parufiereden trägt fie der wiederer-
fcheinende, in der Wolke kommende Meffias. Schon
feit der Auferftehung ift der Erhöhte in ihren Befitz
gelangt und fie ift gedacht als etwas Lichtartiges Act. 9:1fr ;
auch die Chriftusgläubigen nehmen an ihr Theil. In der

i Endzeit wird fie offenbar an ihnen werden Col.31 Rom.830,
und der Auferftehungsleib ift ein dogaleib 1 Cor. 15ig;
aber fie tragen fie jetzt fchon verborgen an fich 2 Cor. 3711'.
u. ö. Freilich ift hier dann die doga nicht mehr die äufsere
herrliche Erfcheinung, fondern die innere Vollkommen-

j heit, z. B. gleich dixaioovvn R. 32:1. G. ftellt zuletzt die
fynoptifche und die johann. Anfchauung von der doga
Jefu einander gegenüber: in Lc. 201432, cf. 193a bedeutet
das Erfcheinen der dog« Gottes bei der Geburt Jefu den

, Anbruch des meflian. Reichs, und in der Verklärungsge-
fchichte ift die dog« dem Jefus vor feiner Offenbarung
als Meffias prophetifch beigelegt. In Joh. dagegen trägt
Jefus die öoS,a immer an fich. Er hatte fie in feinem
vorzeitlichen Dafein 175, und bekommt fie nach feinem
Tode in vollkommnem Maafse zurück 1223, 1724, und er
hat fie fein irdifches Leben hindurch behalten Ii», denn
in feinen Werken wird fein und feines Vaters dog« fichtbar
2n 114, 40 cf. 1413 15a 1710.

Die Unterfuchung ift gründlich geführt und namentlich
der philologifche Unterbau ift werthvoll; die Aus-

! dehnung der Unterfuchung auf die zwifchen dem A.T.
und dem N.T. liegende Literatur und auf das N.T. ift
verdienftlich. Sicherlich richtig ift das Ergebnifs, dafs
dem Begriff Kabod immer das Moment der äufseren Sichtbarkeit
anhaftet, fagen wir am bellen der finnenfällige

; Strahlenglanz. Mit Recht macht G. auf den Zufammen-