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Ausgabe:

1900 Nr. 21

Spalte:

583-585

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Aristeae ad Philocratem epistula 1900

Rezensent:

Schürer, Emil

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Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 21.

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Zünftler wie der Student aus D. vielfeitige Anregung und
felbft da, wo er zum Diffens gereizt wird, Vertiefung
feines theologifchen Denkens erfahren. Mehr als auf
feinen Pfalter bin ich auf Duhms Jeremia gefpannt.

2) Nachdem B. Baentfch in ThLZ 1900 Sp. ßöif.
fich über die Zwecke diefer neuen Serie altteftl. Ueber-
fetzungen, von denen die hier anzuzeigende das 2. Bändchen
bildet, genügend geäufsert hat, brauche ich über
die Tendenz der Duhm'fchen Pfalmenüberfetzung nicht
weiter zu reden. Zu bedauern ift, dafs in ihr nicht die
Abweichungen vom M T fondern nur die Zufätze, und
auch fie nicht immer vollftändig z. B. ip 56,2 u. ö, vermerkt
find. Die Ueberfetzung entfpricht nicht ganz dem
Titel: Ueberfetzungen in den Versmafsen der Urfchrift
— D. fagt S. III felbft, dafs er mitunter dem Stichos
eine Hebung hinzugefügt habe. D. verfügt nicht über
die Plaftik der Diction Wellhaufen's, ift aber dafür
.ein graziöfer Profafchriftfteller — Talent zum Ueberfetzen
von Gedichten befitzt er m. E. freilich nicht. Seine Ueberfetzung
fchwankt zwifchen fteif, ledern und bisweilen ge-
fchickt. Will D. nach S. III auch nicht dem äfthetifchen
Genufs der Lefer dienen, fo dürfen diefe einen folchen
doch von einer modernen Ueberfetzung verlangen! Wer
eine gute, wenn auch ungelehrte Pfalmenüberfetzung lefen
will, greife lieber zu Reufs. — Eine unkritifche fchöne
Pfalmenüberfetzung ift mir lieber als eine kritifche un-
fchöne! Inhaltlich wie formell gleichfehr vortrefflich ift
die Einleitung S. V—XXVIII, die ich dem Lefer warm
empfehle.

Halle a. S. Georg Beer.

Aristeae ad Philoeratem epistula cum ceteris de origine ver-
fionis LXX interpretum teftimoniis. Ludovici Mendels-
fohn fchedis usus edidit Paulus Wendland. Lipsiae
1900, B. G. Teubner. (XXXII, 229 S. 8.) M. 4.—

Der griechifche Text des Arifteas-Briefes ift im
J. 1561 zum erftenmale gedruckt worden. Dann ift drei
Jahrhunderte lang nichts zur Verbefferung des Textes
gefchehen. Erft im Jahre 1868 hat Moritz Schmidt in
Merx' Archiv für wiffenfeh. Erforfchung des A. T. Bd. I
eine neue Text-Recenfion gegeben, für welche zwei Parifer
Handfchriften benützt wurden. Wie wenig diefelbe noch
den zu ftellenden Anforderungen genügte, zeigt nun die
neue Ausgabe von Wendland, in welcher zum erftenmale
das handfehriftliche Material ausreichend benützt
und zugleich trefflich verarbeitet ift. Der Grund zu der
Ausgabe ift in langjährigen Vorarbeiten von Mendels-
fohn gelegt worden, von welchem fämmtliche Hand-
fchriften-Collationen herrühren. Er hatte die Abficht, dem
Texte einen eingehenden fachlichen Commentar beizugeben,
und hatte in diefer Weife mit der Ausarbeitung begonnen.
Nach feinem jähen Tode ift das ausgearbeitete Stück
(etwa ein Sechftel des Ganzen) in den Dorpater Univer-
fitätsfehriften [Actorum et commentationum Imp. Univer-
sitatis ~Juriensis, olim Dorpatensis, vol. V, fasc. 1, 1897),
gedruckt worden. Die fonftigen handfehriftlichen Sammlungen
, namentlich die Handfchriften-Collationen, find
von der Wittwe in dankenswerthefter Weife dem jetzigen
Herausgeber zur Verfügung geftellt worden. Diefer verzichtete
auf die Beigabe eines fachlichen Commentares,
widmete aber der Herftellung des Textes um fo eindringendere
Arbeit, fo dafs die Textrecenfion, wie fie vorliegt
, durchaus fein Werk ift.

Die Handfchriften, welche den Arifteas-Brief enthalten
, find fämmtlich Handfchriften der grofsen Catene
zum Oktateuch, deren verfchiedene Recenfionen wahr-
fcheinlich auf ein von Prokopius von Gaza verfafstes
Originalwerk zurükgehen (fo, nach Vorarbeiten Wendland's,
zuerft Cohn, Jahrbb. für prot. Theol. 1892, S. 475—480).
In manchen, keineswegs in allen Handfchriften diefer
Catene ift ihr eben unfer Arifteas-Brief vorangeftellt.

Mendelsfohn hat im Ganzen etwa zwanzig Handfchriften
eingefehen, refp. Mittheilungen aus ihnen fich verfchafft.
Sie zerfallen (foweit es fich um Arifteas handelt) in drei
Claffen, deren eine durch 5, die andere durch 15, die
dritte nur durch eine Handfchrift vertreten ift. Von diefen
find im Ganzen fieben durchgängig verglichen, nämlich
zwei Vertreter der erften Gaffe (Laurentianus 44, sacc.
XjXI und Barberinus IV 56, saec. XII), vier Vertreter der
zweiten Gaffe ( Venctus 534, saec. XI, Vaticano-Palatiims
203, saec. XI, Vaticanus 383, saec. XIII, Vaticanus 747, saec.
XI) und der eine Vertreter der dritten Gaffe {Monacensis9,
saec. XI). Trotz diefes reichen Apparates ift es mit der
Text-Ueberlieferung doch ziemlich fchlecht beftellt, denn
alle Handfchriften haben nicht wenige offenkundige Fehler
gemeinfam.

Den Werth einer guten Handfchrift hat für uns die
Praeparatio evangelica des Eufebius, in welcher (VIII,
2—5 und 9) grofse Stücke des Textes mitgetheilt werden.
Sein Text hat zwar manche Fehler mit unferen Handfchriften
gemeinfam, hat fich aber früher von dem gemein-
famen Stamme abgezweigt und ift beffer erhalten als der
unferer Oktateuch-Handfchriften. Immerhin ift es etwas
hyperbolifch ausgedrückt, wenn Wendland von Eufebius
fagt (p. XXI): alias textum integritate et praestantia omni-
bus nostris codieibus praestare nulla pagina non docet.
Leider find ja viele Seiten des Arifteas durch Eufebius
gar nicht erhalten! Die Verwandtfchaft des Hiufebius-
Textes mit dem Catenen-Texte macht es wahrfcheinlich,
dafs beide auf eine Handfchrift der Bibliothek zu Caefarea
zurückgehen — wiederum ein Beifpiel dafür, wie viel wir
diefer Bibliothek verdanken. — Von weit geringerem
Werthe als Eufebius ift Jofephus, da er nur eine freie
und ftark verkürzende Paraphrafe giebt.

Der Text, wie ihn Wendland conftituirt hat, ift ohne
Zweifel an vielen Stellen beffer als der von Moritz
Schm id t und noch mehr als der der editioprineeps und ihrer
Nachdrucke. So viel ich fehe, ift aber die Mehrzahl der für
denSinn wichtigeren Verbefferungen nicht durch die mühevolle
Arbeit der Handfchriften-Collationen dargeboten,
fondern durch glückliche Conjectur gefunden worden.
Leider hat auch diefe nicht alle Schäden der fchlechten
Ueberlieferung zu heilen vermocht. Aber mancher Wurf
ift doch gelungen. Schon Moritz S chmidt und Mendelsfohn
haben hier vorgearbeitet, dannKuiper (Mnemofyne
XX, 1892); namentlich aber ift Wendland durch Diels
und Wilamowitzunterftützt worden. Wird man auch über
einzelne Conjecturen verfchiedener Meinung fein können, fo
fcheint mir doch die Mehrzahl derfelben beifallswerth. Auch
durch Aenderung der Interpunktio n ift an manchen Stellen
! ein befferes Verftändnifs erzielt. Seine eigene Auffaffung
des Textes hat der Herausgeber in der höchft dankens-
werthen deutfehen Ueberfetzung in Kautzfch's
,Apokryphen und Pfeudepigraphen' niedergelegt.

Eine werthvolle Beigabe ift die Sammlung der
testimonia (p. 85—166), d. h. derjenigen Stellen der
Kirchenväter und Byzantiner, welche direct aus unlerm
Buche gefchöpft find oder irgendwie auf dasfelbe zurückgehen
. Das reiche Material, das hierüber fchon von
älteren Herausgebern (zuletzt Gallandi, Bibliotlwca
veterum patrum II, 805—824) gefammelt worden ift, ift
durch Wendland noch erheblich vermehrt worden. Bei
einigen diefer testimonia hat er fich nicht mit Abdruck
der vorliegenden Texte begnügt, fondern ift auf die
Handfchriften zurückgegangen. — Auch durch forgfältige
Indices, namentlich einen reichhaltigen Index verbornm,
ift der Werth der Ausgabe erhöht.

Ueber die Abfaffungszeit unferes Buches hat fich
W. in den Prolegomena, wie in den Vorbemerkungen zu
feiner Ueberfetzung nur kurz geäufsert, da er hierüber,
wie über andere Fragen, eine eingehendere Unterfuchung
in Preufchen'sZeitfchr. für die neuteftamentliche Wiffen-
fchaft zu veröffentlichen gedenkt. Ich verzichte aus diefem
Grunde ebenfalls darauf, die Frage jetzt ausführlicher zu