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Ausgabe:

1900 Nr. 2

Spalte:

40-41

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Augustini, S. Avreli

Titel/Untertitel:

Confessionum, libri tredecim 1900

Rezensent:

Preuschen, Erwin

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Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 2.

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warum zwingt er uns, die halbe Arbeit noch einmal zu J von Damaskus und ftellenweife mit bitterem Sarkasmus
thun, wenn er z. B. bei Clem. AI. und Eufeb. praep. J gegen P. Wendland und L. Cohn feine Anfchauung von
evang. blofs die Zahlen für Bücher und Capitel, aber j Maximus als einer Grundlage oder Vorftufe der 'Ibqo.
nicht die der Paragraphen und aufserdem nur die Seiten ; verficht. Seine Gegner hatten mit einer bei dem Stande
der wohl von den Wenigften für diefe Werke benutzten i unfrer Kenntnifse überrafchenden Sicherheit und Schnell-
Migne-Ausgaben nennt? Weshalb wird überhaupt bei fertigkeit des Urtheils die den Maximus betreffenden Hypo-
Theophilus mit Migne, ftatt wie bei Juftin mit Otto's thefen Holl's als unglaubliche Verirrungen abgewiefen.
Ausgabe gearbeitet? Warum fehlt bei N. 453 (cf. 457 f.) der Hollerfpart ihnen nun nicht den Hinweis auf allerhand Irr-
Verweis auf Bonwetfch S. 350, 15f., der doch N. 454—56 j thümer und Unglaublichkeiten in ihren Ausführungen;

gegeben wird? Mit Recht erklärt H. S. XXXVIII: ,Ueber.
all anzugeben, wo etwa ein Stück fchon vorher gedruckt
war, fchien mir von keinem Nutzen zu fein'. So demonftrirt
er feine Unempfindlichkeit gegen den ihm früher einmal
im Sinne des modernen Enthufiasmus für Prioritäts-
anfprüche gemachten Vorwurf, er zeige fich von der

namentlich ein Vergleich des zum minderten übereilten
Artikels von Wendland in der Byzant. Zeitfchr. VII i66ff.
mit Holl's forgfältigen und vorfichtigen Erwägungen wird
den Lefer für Holl's Thefen günftig ftimmen. Doch
würde ich nicht wagen, mich zu entfcheiden, folange
beide in Betracht kommenden Gröfsen, die Sammlung

modernen Unfitte nicht ganz frei, die von Andern bereits des Maximus und die des Damascenus uns in ganz

gewonnenen Refultate oder ihm gewordenen Anregungen
nicht deutlich als folche zu bezeichnen. Aber
ftrenge Gleichmäfsigkeit des Verfahrens wäre doch er-
wünfcht; wenn Holl auf die von Lequien-Migne aus
Vatic. gr. 1236 veröffentlichten Stücke immer hinzeigt,

mangelhaften Ausgaben vorliegen.

Obwohl ich mir nämlich weder von einer neuen Edition
des Clemens Romanus noch des Theopbilus noch des
Methodius erheblichen Gewinn verfprechen kann, erwarte
ich für Holl's Beiträge zu folchen Neuausgaben vorni-

fo hätte er auch Mai's Publicationen aus Vatic.gr. 1553 (K) cänifcher Väter, unter denen leider der gröfste, Origents,

nennen follen, und wenn für die Citate aus Dionyfius AI. j ganz ausfällt, von allen Seiten aufrichtigen Dank, aber

359L Routh Rel. sacrac als zugänglicher Fundort genannt j ich kann den Wunfeh nicht unterdrücken, dafs Lequien's

werden, fo mufste das auch bei N. 460, dem Citat aus ! Ausgabe der Sacra Parallela durch eine von Holl erfetzt

Petrus Alex, gefchehen. Ein paar Verweife mehr hätten '< werden möchte, dafs er feiner Einleitung in die '.fepd

nicht gefchadet, z. B. bei N. 90 auf 331, bei 89 auf 181 | und feinen Fragmenten aus den Ytpd doch noch ein-

und bei 202 und 331 ein Rückverweis auf 89 und 90. Wenn j mal eine Reconftruction der ganzen Texte folgen laffen

N. 468 als Citat des Eufeb. aus Plato (entfprechend 464 j könnte, die dann von felbft fchon Andere zu ähnlicher

Arbeit an Maximus und der damit zufammenhängenden
Literatur verlocken würde.

Marburg i. H. Ad. JüIi eher.

,aus Maximus', 466 ,aus Philo') markirt wird, war die
gleiche Notiz auch bei 469 anzubringen. Für weitere
Studien auf diefem Fragmentengebiet ift das Initien-
regifter eine werthvolle Zugabe. Holl ffrebt hier nach fo
abfoluter Vollftändigkeit, dafs er erp 'olq tav svqco vfiäq

neben fcp oiq av svqoj vfiäq befonders einrangirt; kleine Augustini, S. Avreli, Confessionvm, libri tredeeim. Ex reMangel
find dennoch gebheben, fo hätte 238a, 1 fx.xeQf cognitione P. Knöll. Leipzig, B. G. Teubner, 1898.
tnya£out&a vielmehr jiSQ-isoya^mfieira und jciQieoyaOoptd-a ... „ r -v/r
flehen follen, und die Wien 454 xaXXiaxov xnlq ! lw, 34« b. 12.) M. 2.70
aXrj&daiq und 482 ozav av&ocojrog xazoodwOy find Der von mir in diefer Ztg. 1898, S. 136 fr. angezeigten
ganz ausgefallen. . Ausgabe der Confeffionen hat Knöll eine bequeme
Vielleicht flehe ich allein mit dem Bedauern, dafs Handausgabe folgen laffen, die den Vorzug der Billig-
die ,unechten' Citate gröfstentheils nur mit den An- j keit befitzt. Diefer Vorzug allein rechtfertigt freilich
fangs- und Endworten aufgeführt werden, fo dafs z. B. ihr Erfcheinen noch nicht. Die kleine Bruder'fche
von N. 318 im Regifter 2 Worte mehr als im Text auf I Stereotypausgabe, die fich in Druck und Ausftattung
S. 122 zu erfahren find, auch vermiffe ich ein Regifter I freilich mit der neuen nicht meffen kann, koftet nur
der von Holl mehr oder weniger genau in nachnieänifchen M. 1.50, und die Raumer'fche Ausgabe koftet antiqua-
Vätern wie Chryfoftomus, Nilus, Theotimus, Euagrius, ! rifch ca. M. 3.50, befitzt dafür aber den Vorzug eines
oder in Philo und Sextus identificirten Fragmente. Die 1 Commentares, der in unferer Zeit, in der bei der Jugend
Befchränkung auf die Vornicäner war dem Autor ja j leider der fichere Gebrauch der claffifchen Sprachen be-
vorgefchrieben, wie willkürlich und der Sache unzu- ; denklich fchwindet, gewifs nicht gering zu fchätzen ift.
träglich fie ift, wird einem beim Studium diefes Buches Knöll wirft demgegenüber auch noch den Vorzug einer
recht klar. Die Sacra Parallela werden durch diefe Be- ; beffer begründeten textkritifchen Emendation in die Waghandlung
zu einem textkritifchen Hülfsmittel degradirt; fchale. Er hat im Apparat eine Auswahl der Lesarten
es ift fchwer, in diefem Durcheinander der Zeugen des Cod. Sessorianus 55 sc. VII/VIII (S) und des Paris.
CKORL u. f. w. fich die Vorftellung von dem Zuftand I lat. 1911 sc. IX(O), fowie die Abweichungen der Mau-
und Werth der einzelnen Codices und Recenfionen der j riner (m) und der Parker'fchen Ausgabe (o) angemerkt.
'Tsqci, die man durch Holl's früheres Buch gewonnen I Leider hat er fich nicht veranlafst gefehen, feine texthatte
, einigermafsen frifch zu erhalten. Die wenigftens ; kritifchen Principien, die S eine mafsgebende Stelle ein-
theilweife Reconftruction der urfprüngüchen Sammlung, ' räumen, noch einmal zu revidiren. Trotzdem von ver-
die fo wichtig ift als Zeuge für den Umfang der im j fchiedenen Seiten aus Anlafs der gröfseren Ausgabe im
8. Jahrh. noch in der griechifchen Kirche lebendigen Be- ! Wiener Corpus gezeigt worden war, dafs die Ueber-
ftandtheile aus der älteren Literatur, für die Art ihrer j fchätzung von S zu einer bedenklichen Verunftaltung

Benutzung und die Gradunterfchiede des Intereffes, mit
dem man fie excerpirte, wäre gerade für Holl's Arbeitskraft
und kritifche Energie keine zu fchwere und eine
noch weit würdigere Aufgabe gewefen als diefe definitive
Zerftörung des von dem Sammler gewollten und

des Textes und zu einer Vergewaltigung des urfprüngüchen
Wortlautes geführt habe, ift K. doch nur feiten
von diefem Zeugen abgegangen. Er macht in der prae-
fatio im ganzen 19 Stellen namhaft, wo S jetzt zu
Gunften der andern Hff. verlaffen ift. Da eine Verthei-

auch von feinen Nachtretern halb erhaltenen Zu- j digung der Vorzüglichkeit von S gegenüber den ver-
fammenhangs. fchiedenen dagegen geltend gemachten Argumenten nicht

Welch eine bedeutungsvolle literarifche Gröfse diefe | vorliegt, mufs ich nach wie vor bei dem Urtheil bleiben,
Yeo« als Ganzes darftellen, macht einem Holl ja wieder j dafs K. für feine Ausgabe ein verkehrtes Fundament
in feiner Einleitung klar, wo er gegen Loofs fiegreich j gewählt hat. Doch ift wenigftens der fchlimme Mifsgriff,
-die Wahrfcheinlichkeit der Abfaffung durch Johannes ! VIII, 12, 29 in der claffifchen Stelle über die Bekehrung