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Ausgabe:

1900 Nr. 20

Spalte:

563-564

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

An Old English Martyrology 1900

Rezensent:

Achelis, Hans

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563

Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 20.

564

ftets in einer anderen Stadt enden läfst, nämlich immer
in derjenigen der fechs Concurrenten, in der gerade die
betreffenden Recenfion der Acten gefchrieben ifc. Berechtigten
Anfpruch auf Maurus haben nur Parenzo und
Rom. Er war Bifchof von Parenzo, und alte Infchriften
berichten dort noch heute von der Beifetzung und Translation
feiner Reliquien; fie find aber 640 mit denen der
anderen Märtyrer Iftriens und Dalmatiens nach Rom ge-
fchafft worden, wo fie noch heute wahrfcheinlich vorhanden
find: unter dem grofsen Mofaikbild im Lateran, das fie
darftellt. Allerdings behauptete Parenzo fpäter, wieder
im Befitz feines Patrons zu fein, fodafs der Genuefe Doria
ihn 1354 noch einmal rauben konnte.

Nur wenige Zufätze möge der Herr Verfaffer mir
geflatten. Die kleine Chronik von 395 (bei Mommfen
Chronica minora I 737f.) würde ich nicht fo günftig be-
urtheilt haben, wie S. 394. 404 gefchieht. Wo man ihre
Angaben controlliren kann, find fie falfch. — Im Martyro-
logium Syriacurn heifst der Märtyrer von Salona Septimius
(393 f.). —Der Zufatz des Hieronymianum am 3 id. apr.
et miliario (oder milid) VIII oder et militum trium ift
vom folgenden Tage her eingedrungen, wo der dritte
Meilenftein am Platze ift. Die drei Soldaten-Märtyrer,
die in der einen Handfchrift gar zu 8000 Märtyrern werden,
haben auch in diefem Falle eine ebenfo befcheidene, wie
ficher bezeugte Herkunft.

Göttingen. H. Achelis.

An Old English Martyrology. Re-edited from manuscripts
in the libraries of the British Museum and of Corpus
Christi College, Cambridge. With introduction and
notes by George Herzfeld. (Early Text Society. Original
Series 116). London, K. Paul, Trench, Trübner
and Co., 1900. (XLIII, 243 S. gr. 8.) Sh. 10.—

Das altenglifche Martyrologium bedarf in diefer
Zeitung nur einer Würdigung feines Werthes als hifto-
rifcher Quelle. In vier Handfchriften des 9.—II. Jahrhunderts
erhalten, liegt es doch nicht ganz vollftändig
vor. Es ift eine, nicht immer gute, Ueberfetzung eines
lateinifchen Originals, das nach Urtheil des Herausgebers
von ca. 850 flammt. Um die Controlle der Quellen zu
erleichtern, ift der Ausgabe S. XXXVI ff. eine Lifte beigegeben
, die jeden Tag mit Quellennachweifen verfieht;
und die ausführlichen Addenda find aus den gleichen,
fortgefetzten Bemühungen hervorgegangen. Aufserdem
werden die der Martyrologien unkundigen Lefer am Anfange
durch eine kurzlkizzirte Gefchichte derfelben eingeführt
. Das Alles zeigt, wie fehr dem Herausgeber
daran lag, feinem Gegenftande auch hiftorifch gerecht
zu werden; und wer dies fchwierige und abgelegene Gebiet
kennt, hat Gelegenheit zu bewundern, wie fehr es
Herzfeld gelungen ift, fich zurechtzufinden. Einzelheiten
find zu corrigiren und die Belege könnten vermehrt
werden, was aber fo felbftverftändlich ift, dafs es faft
unnöthig ift, es auch nur nebenbei zu erwähnen. Uebrigens
habe ich auch im Detail mehr Veranlaffung zuzuftimmen
als zu widerfprechen. Ein gutes Beifpiel, wie durch falfche
Lefung des Martyrologium Hieronymianum auch die altenglifche
Legende beeinflufst ift, ift zu S. 182,10 richtig
notirt. Nur der Einflufs des Talmuds, den der Verfaffer
auf Grund der Verficherung eines englifchen Freundes
conftatiren zu können meint, mufs wohl noch beffer begründet
werden, wenn er plaufibel fein foll.

Das Martyrologium gehört fchon dem fpäteren Zweige
diefer Literatur an, der nur folche Heilige aufnimmt, von
denen man etwas mehr zu erzählen hat als Namen, Tag
und Heimat. Die Abfaffung der kurzen Berichte erinnert
am meiften an Beda; auch in der Auswahl der Heiligen
kommt es am nächften an ihn heran, wie man fich durch
Vergleichung der Lifte in meinen Martyrologien S. 216 ff.
überzeugen kann. Dennoch ift der inhaltliche Anfchlufs

an Beda's Martyrologium nicht fo eng, wie man erwartet.
Man kann von einer Eigenart des altenglifchen Kalenders
reden, die fich freilich nur in der Benutzung weiterer
Quellen und in der Aufnahme neuer Heiligen zeigt.
Eigenen hiftorifchen Stoff hat es wenig oder gar keinen.

Göttingen. H. Achelis.

Murner, Thomas, An den grossmächtigsten und durchlauchtigsten
Adel deutscher Nation. Herausgegeben von
Ernft Vofs. (Neudrucke deutfcher Literaturwerke
des XVI. und XVII. Jahrhunderts. No. 153. [Flug-
fchriften aus der Reformationszeit. XIII.|) Halle a. S.,
M. Niemeyer, 1899. (IV, 57 S. 8.) M. —.60

Cronberg's, Hartmuth von, Schriften. Herausgegeben von
Eduard Kück. (Neudrucke deutfcher Literaturwerke
desXVI. und XVII. Jahrhunderts. No. 154—156. [Flug-
fchriften aus der Reformationszeit. XIV.]) Halle a. S.,
M. Niemeyer, 1899. (LIX, 100 S. 8.) M. 1.80

1. Gegen Luther's Schrift an den chriftlichen Adel
traten alsbald Eck, Thom. Murner und Hier. Emfer in
Gegenfchriften auf. Die des Emfer hat uns Enders in
feiner fchönen Sammelausgabe Luther und Emfer I
(Halle 1890) S. 1 ff. neuerdings bequem zugänglich gemacht
; von der Murner'fchen bietet uns hier Vofs
einen Neudruck in der bekannten Braune'fchen Sammlung
. Freilich hat er fich die Arbeit leicht gemacht: er
liefert einen Textabdruck mit Berichtigung einiger Druckfehler
des Originals und dazu eine 2 Seiten lange Einleitung
. Zur fachlichen und fprachlichen Erläuterung
hat er nichts gethan, und doch wäre bei einer Gegen-
fchrift mindeftens die Verweifung auf die betreffenden
Abfchnitte in der Schrift, die fie angreift, nützlich und
dem Lefer erwünfcht gewefen, und auch fonft bedarf
Vieles fachkundiger Erklärung. Die kurze Einleitung
redet fo, als wenn bisher die Literaturgefchichten und
die Monographien über Murner an feinen gröfseren Profa-
fchriften achtlos vorübergegangen wären; das Bild des
Satirikers werde fich — fo meint Vofs — bedeutend zu
feinen Gunften modificiren, wenn diefem Mangel abgeholfen
werde. Hat er dabei ganz überfehen, dafs
W. Kawerau in feiner Schrift Th. Murner und die deutfche
Reformation, Halle 1891, diefe Profafchriften eingehend
charakterifirt und fpeciell die von ihm hier neugedruckte
auf S. 30—35 behandelt hat? Ueberfehen ift
wohl auch, dafs das von Vofs hier zu Goedeke nachgetragene
Exemplar der feltenen Schrift auf der Hamburger
Stadtbibliothek in der eben genannten Schrift
bereits benutzt und nachgewiefen war. In der Berichtigung
von Druckfehlern des Originaldruckes konnte der
Herausgeber m. E. mehr thun, als er gethan hat: allgieren
S. 12 ift doch gewifs nur Druckfehler anftatt des von
Murner fo oft gebrauchten allegieren; für seck vnd irrung
S. 54 wird man doch sect vnd irrung lefen müffen. Und
die Romaniscen S. 10 u. 11 find wohl auch nur Druckfehler
für Romaniften. Intereffant und für die bekannten
Verhandlungen betreffs der Abhängigkeit der Schrift
Luther's von Hutten's Trias Romana ift Murner's Bemerkung
auf S. 36, wo er aufzählt, wer fchon vor Luther
die gleichen Klagen und Befchwerden über die kirchlichen
Mifsbräuche vorgetragen habe; er zählt hier
Hutten's Schrift mit auf, aber doch nur als eine in einer
ganzen Reihe von Schriften, die er theils benennt, theils
fummarifch als die ,vielen Pasquille' über dies Thema
bezeichnet. Offenbar ift ihm eine literarifche Abhängigkeit
Luther's von Hutten in dem Sinne und Mafse, wie
fie neuerdings hier und da behauptet worden ift, nicht
bemerkbar gewefen.

2. Kück's Ausgabe der Schriften Cronberg's ift die
reife Frucht umfaffender und mühfamer Studien. Sie
bietet alles, was von einer folchen Edition verlangt