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Ausgabe:

1900

Spalte:

553

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Neumann, Karl Eugen (Übers.)

Titel/Untertitel:

Gotamo Buddho‘s Reden aus der mittleren Sammlung Majjhimanikayo des Pali-Kanons. 2. Bd. 1. bis 4. Lfg 1900

Rezensent:

Oldenberg, Hermann

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Seite 1

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark

N°- 20. 29. September 1900. 25. Jahrgang.

Gotamo Buddho's Reden, überf. von Neumann,

2. Bd. (Oldenberg).
Abbott, A critical and exegetical commentary

on the Epistles to the Ephesians and to the

Colossians (J. Weiss).
Daubney, The use of the Apocrypha in the

Christian Church (Schürer).
Harris, The gospel of the twelve Apostles

ed. from the Syriac MS. (Nestle).
Didascaliae Apostolorum fragmenta Veronensia

latina ed. Hauler (H. Achelis).

D o b s c h ü t z, Chriftusbilder, 2. Hälfte (H. Achelis).

Saints dTstrie et de Dalmatie [Analecta Bol-
landiana XVIII, 4] (H. Achelis).

H e r z f e 1 d,An old english Martyrology (H.Achelis).

Murner, An den grofsmächtigflen und durch-
lauchtigilen Adel deutfcher Nation hrsg. von
Vofs (Neudrucke deutfcher Literaturwerke
Nr. 153] (Kawerau).

Cronberg's Schriften, hrsg. von Kück [Neudrucke
Nr. 154—156] (Derf.).

Ungerer, Eine Kirche in der Wälle in Lothringen
(Benrath).

Schneider, Die neuen Büchergefetze der
Kirche (Benrath).

Wobbermin, Zwei akademifche Vorlefungen
über Grundprobleme der fyftematifchen Theologie
(Reifchle).

Schweitzer, Die Religionsphilofophie Kant's
(E. W. Mayer).

Mengel, Kant's Begründung der Religion

(E. W. Mayer).
Wcgener, Ritfchl's Idee des Reiches Gottes

(J. Weifs).

Gotamo Buddho's Reden aus der mittleren Sammlung
Majjhimanikäyo des Pälikanons. Zum erften Mal überfetzt
von Karl Eug. Neu mann. II. Band, 1. bis 4.
Lieferung. Leipzig, (W. Friedrich), 1900. (S. 1—512.
Lex. 8.) ä M. 6.—

Es ift Ref. hocherfreulich, über die_ Fortfetzung der
großen Ueberfetzung des Majjhimanikaya, deren erfter
Band 1896 erfchien, berichten und annehmen zu können,
dafs auch deren Abfchlufs gefichert fein wird. Der
Ueberfetzer bewährt auch hier die Formgewandtheit, von
der feine früheren Arbeiten zeugen; auch hier fühlt
man ihm die tiefe Ergriffenheit an, mit welcher er der
buddhiftifchen Gedankenwelt gegenüberfteht. Was die
philologifche Detailarbeit, auch die Behandlung gelegentlich
auftauchender literaturgefchichtlicher Fragen anlangt
(fo gleich im Eingange der Vorrede die Besprechung des
Verhältnifses der Pitakas, der grofsen literarifchen Maffen,
die den altbuddhiftifchen Kanon bilden), wird man nicht
unterlaffen können, feineReferven zu machen; Schwächen

erklären will, darf nicht als Gloffator von Wort zu Wort
hinfchleichen, fondern mufs einen frei überfchauenden
Standpunkt einnehmen. Insbefondere beim Epheferbrief
kommt es darauf an, nicht nur von Vers zu Vers den
Inhalt anzugeben und jedes einzelne Wort zu erklären,
fondern zu zeigen, in welcher Weife diefe gewaltigen
Satzungethüme im Geilte des Verfaffers ein Ganzes gebildet
haben, wie fich die Gedankengliederung zur Gliederung
der Form verhält; es mufs gezeigt werden, wie
das Ganze gelefen werden foll, wo man Einfchnitte,
Athempaufen zu machen hat, wie der Rhythmus ift, wie fich
die Zeilen gliedern. Gleich der erfte Abfchnitt 1. 3—14
ftellt eine folche Aufgabe. Es war aufmerkfam zu machen
auf die eigentümlichen fch webenden Uebergangsftücke »g
ixaoixmöEV v. 6, j)q hntylootvOtv v. 8, iv avvtp v. 10 u. f. Vf.,
überhaupt auf die verfchiedenen Arten, wie der Verf.
den Gedanken weiterfchiebt, auf die monotonen Wiederholungen
des xaxci und tlg. iv cp und ?)q, auf die ftumpfen
Participialverbindungen, die Ap'pofitionen. Und das Alles
war mit dem Stil der unzweifelhaft echten Paulinen zu

diefer Art füllen 'und werden der Wirkung des Ganzen vergleichen. Man lefe den Abfchnitt laut und verfuch

kaum Eintrag thun. .Schlicht' (S. XV) will N. den Text
überfetzt haben; es möchte mir fcheinen als ob er in
den vorliegenden Heften dies Ziel zwar nicht erreicht
habe, aber ihm doch merklich näher gekommen fei als
früher.

Es darf nicht unterlaffen werden, die glänzende
Ausftattung, welche die Verlagshandlung diefem Bande,
wie feinem Vorgänger, hat angedeihen laffen, mit Dank
zu erwähnen.

Kiel. H. Oldenberg.

Abbott, formerly Prof. Rev. T. K., B. D., D. Litt., A critical
and exegetical commentary on the Epistles to the Ephesians
and to the Colossians. (The International Critical
Commentary.) Edinburgh, T. & T. Clark, 1897.
(VIII, LXV u. 315 S. gr. 8.) sh. 10.6

Der Verf. diefes Theiles des Internationalen Com-
mentars ift Profeffor des Hebräifchen, früher Profeffor
des .Biblifchen Griechifch' zu Dublin. Er will einen vor

zugsweife ,philologifchen' Commentar liefern, will mit beider Erklärung von lief, ov Jtavopai evxczqiOxcov vjieq

möglichft grofser Präcifion den Wortfinn ermitteln. Da
durch foll feine Arbeit offenbar gegen erbauliche oder
dogmatifirende Paraphrafe abgegrenzt werden. Erfreulicherweife
herrfcht denn auch die allergröfste Nüchtern

ihn einigermafsen finngemäfs vorzutragen, fo wird man
empfinden, dafs es faft eine Läfterung des energifchen
und frifchen Schriftftellers Paulus ift, ihm dies phrafeo-
logifche Gedankenconglomerat zuzutrauen. Mit der einfachen
Worterklärung ift hier die Aufgabe auch dem
Einzelnen gegenüber nicht erfchöpft. Das häufige iv
erfordert ein befonderes Studium; z. B. is f. 6 EvXoy/jOaq
ijfiaq ev jraöfl EvXoyia MVEVfiaxixfj iv xolq inovnavioiq iv
Xpiöxcp xaxrcbq Igextgaro fjpäq iv avxcp. Man kommt
hier nicht aus mit einer ftarren Betonung der localen
Bedeutung. Ich verweife auf meinen Auffatz über iv
Xqiöxcö, Stud. u. Krit. 1896, den der Verf. citirt, ohne von
ihm Nutzen gezogen zu haben, insbefondere auf den
Gebrauch von iv, den ich ,repräfentativ' oder ,compre-
henfiv' zu nennen vorfchlage. Hätte der Verf. fich mit
der eigenthümlichen Verwendung der Appofition bei
unferem Autor vertraut gemacht, fo wäre ihm der faft
unglaubliche Mißgriff erfparjt geblieben, in 1 12 slq xb
Elyai Tjfiäq . . xovq xpoijXmxbxuq iv xcö XoiGxm zu verbinden
. Auch hier ift das iv nicht genügend erklärt. —
Die ungenügende kritifche Pofition macht fich geltend
bei der Erklärung von 1 ißf. ov Jtavopai evxccqiGxcÖv vxec

v/icov (iVElav jcoiov/JEVoq ijd xcbv jiqoöevxcöv pov, i'va b
&toq . . . öcpfj. . Anftatt zuzugeben, dafs das l'va hier
ganz unglücklich und verfehlt ift, weil es aus einem
eigenthümlichen Zufammenhange in Kol. 19 geriffen ift,

heit der Auslegung. Aber zugleich liegt hier die Schwäche quält der Verf. fich ab, — gegen den Sprachgebrauch
des Buches. Wer diefe beiden merkwürdigen Schriftftücke von Eph. — dem Worte den finalen Charakter abzu-

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