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Ausgabe:

1900

Spalte:

36-37

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Diettrich, Gustav

Titel/Untertitel:

Die Massorah der östlichen und westlichen Syrer in ihren Angaben zum Propheten Jesaia 1900

Rezensent:

Nestle, Eberhard

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3?

Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 2.

36

Prinfterer 6Seiten, Grundtvig 11 Seiten, Harlefs 11 Seiten,
Hafe 8 Seiten verwendet find, und wir über Geftalt und
Farbe des ,Heiligenfcheines' auf 7 Seiten belehrt werden
, fleht doch nicht im richtigen Verhältnifs zu einander.

Die fyftematifche und praktifche Theologie
ift befonders durch folgende Artikel vertreten: Gebet j
(Herrmann), Geduld (Herrmann), Geiftliche, Geiftliches
Amt (Cafpari), Gerechtigkeit des Menfchen, urfprüngliche
(Cremer), Gericht, göttliches (Kahler), Gefchichte, biblifche,
Unterricht darin (Cafpari), Gefetz, natürliches (Gottfchick),
Gefetz und Evangelium (Gottfchick), Gewiffen (Kahler),
Glaube (Kirn), Gnade (Kirn), Gnadenmittel (Seeberg),
Gott (Köftlin), Gottesdienft (Hering), Gut, das höchfte
(Thieme), Heidenthum (Lindner), Heil (Kirn), Heiligung
(Cremer), Heilsordnung (Seeberg).

Möchte dem Herausgeber, der nach Vollendung des
7. Bandes durch fchwere Erkrankung zu einer Paufe in
der Arbeit genöthigt worden ifl, bald wieder die rüftige
Kraft zur Fortfetzung derfelben gegeben werden.

Göttingen. E. Schürer.

Menant, D., Les Parsis. Hiftoire des communautes
Zoroastriennes de l'Inde. Ie Partie. (Annales du
Musee Guimet. Bibliotheque d'etudes. Tome VII.)
Paris, E. Leroux, 1898. (XXIV, 480 S. gr. 8 m. Ab- j
bildgn.) Fr. 20.—

Aufser dem Pärfi-Prakäsh, einem in Guzerati ver-
fafsten Quellenwerk, das in chronologifcher Ordnung die
Gefchichte der Parfen Indiens von ihrer Auswanderung
aus Iran bis zum Jahre 1860 wiedergiebt, befitzen wir
auch ein weiteren Kreifen zugängliches englifch gefchrie-
benes Buch über den nämlichen Gegenfland, deffen Autor
felbft ein Parfe ift. Es ifl das Framji Karaka's History
of the Parsees, including tlieir manners, customs, religion
and present Position, London 1884, 2 Bde. Hieran reiht
lieh nun das oben genannte Werk des franzöfifchen Gelehrten
Menant. Dasfelbe hat eine freundliche Beur-
theilung gefunden von keinem geringeren als E. W. Weft
im Journal of the Royal Asiatic Society. Ich mufs aber
offen geftehen, dafs ich das Buch nicht eben mit angenehmen
Gefühlen gelefen habe. Der Fleifs des Ver-
faffers verdient alle Anerkennung; aber fein Buch ifl
doch nicht viel mehr als eine Wiederholung des Karaka'
fchen Werkes — erweitert allerdings durch Anführungen
aus älteren Reifewerken, durch neuere flatiftifche Angaben
, durch eigene Beobachtungen. Im übrigen ift die
Abhängigkeit M.:s von K. fo ftark, dafs die Anordnung
des gefammten Stoffes vollkommen die nämliche ifl. Die
einfache Angabe der Capitelüberfchriften zeigt das zur
Genüge: M. Cliap. I ,Exode des Parsis1 — K. Chap. 1
,Historical Sketch'; M. Chap. II ,Les Zoroastriens en Perse'
= K. Chap. II ,'Phe Zoroastrians in Persia'; M. Chap. III
1. Population, 2. Costume, 3. Usages, 4. Petes; Chap. IV:
1. Naissance, 2. Investiture, 3. Mariage; Chap. V. Fnne-
ai/les: 1. Morl, 2. Sepulturc, 3. Daklunas = K. Chap. III
bis IV: ,'Phe Zoroastrians in Iudia, their Manners and
Customs', wo die einzelnen Materien genau in der gleichen
Reihenfolge behandelt find wie bei M.: Bevölkerungsund
Berufsftatiftifch.es, die Entftehung der beiden Secten
der Shehenshais und der Kadmis, die Tracht, Feite, Cere-
monien bei der Geburt eines Kindes, Aufnahme in die
Gemeinde, Hochzeitsbräuche, Tod und Beftattung oder
vielmehr Ausfetzung der Leichen auf den Dakhma's, den
fog. ,Thürmen des Schweigens'. Chap. VI und VII bei M.
behandeln die innere Verwaltung der Parfen-Gemeinde,
fowie die Erziehung von Knaben und Mädchen, und ent-
fprechen genau den Chap. V und VI bei K. Jnternal Gover-
nement and Laws', ,Education'. Chap. VII endlich bei M. |
'Commerce, Litteraturc, Politique' fchliefst fich wenigftens
theilweife an das Schlufscapitel im 2. Band von K.'s
.History of the P; an.

Die Abhängigkeit geht aber noch weiter. Ganze
Abfätze beiM. find nichts als paraphrafirte Ueberfetzungen
aus Karaka, und zwar nicht nur in einzelnen Abfchnitten,
fondern in den verfchiedenften Theilen des Buches. Ich
wiederhole, dafs M. eine Menge von Nachträgen und
Einzelnotizen bringt, bald wichtigere, bald belanglofere,
die fein geiftiges Eigenthum find; trotzdem fcheint es
mir fraglich, ob folch eine erweiterte Neubearbeitung
von Karaka's Buch irgendwie als ,Dcsideratum' empfunden
wurde, und ob Menant's Werk das ifl, was die Mehrheit
der Gelehrten unter einer wiffenfehaftlichen Leiftung fich
vorftellt.

Erlangen. Wilh. Geiger.

Diettrich, Pfr. Gustav, Die Massorah der östlichen und westlichen
Syrer in ihren Angaben zum Propheten Jesaia. Nach
fünf Handfchriften des Britif h Mufeum in Verbindung
mit zwei Tractaten über Accente herausgegeben und
bearbeitet. London, Williams & Norgate, 1899. (LVII,
134 S. 8.) M. 8.50.

Die vorliegende Arbeit hat es zwar in der Hauptfache
mit Fineffen der fyrifchen Grammatik zu thun;
der Unterzeichnete erfüllt aber die Bitte des Verfaffers
um eine Anzeige in der Theol. Lit. Zeitung um fo lieber,
als er felbft vor einem Vierteljahrhundert die wichtigfte
der hier zugänglich gemachten Handfchriften zwar nicht
zu Jefaia, aber zu den Pfalmen abfehrieb, während er
Sonntags vor der eben damals fich bildenden deutfehen
Gemeinde predigte, an der der Herausgeber nun Geift-
licher ifl. Um fo mehr freut es ihn auch, dafs diefe
Arbeit nicht als Manufcript vergraben bleibt, fondern
vom Herausgeber einem uneigennützigen Förderer feiner
theologifchen Studien (Baron Knoop in Foreft Hill) gewidmet
werden durfte. Der Text ifl ein Abdruck der
mafforetifchen Bemerkungen aus dem allen Syrologen
wohlbekannten neftorianifchen Add. ms 12138 des Bri-
tifchen Mufeums; unter demfelben find die entfprechenden
Bemerkungen aus vier Handfchriften der jakobitifchen
Mafforetenfchule von Karkafta nebft den Lesarten des
gedruckten (Polyglotten-) Textes mitgetheilt, mit den
nöthigen Erläuterungen. Eine ausführliche Einleitung
orientirt den Lefer. Mehr als den altteflamentlichen
Exegeten und hebräifchen Grammatiker gehen diefe
Mittheilungen denjenigen an, der fich mit der Sprache
der Targume befchäftigt. Doch fällt auch für die Exe-
gefe gelegentlich etwas ab. Zu der berühmten Stelle
6,2 war auf Grund des gedruckten, von den Scholien
des Barhebräus beftätigten Textes bisher zu fagen, dafs
nach der fyrifchen Ueberfetzung die Serafim ,ihre
Gefichter' und ,ihre Füfse' bedecken. Aber der Herausgeber
, der eine kritifche Ausgabe des fyrifchen Jefaia-
textes vorbereitet, theilt zu einer von ihm angeführten
Stelle des Severus mit, dafs alle von ihm bis jetzt verglichenen
Hdff. ,fein Geficht' und .feine Füfse' haben.
Natürlich mufs das ,fein' nicht auf Gott bezogen, fondern
kann distributiv verftanden werden. Aber wie fchon
Origenes, der nur zwei Serafim annimmt und in ihnen Sohn
und Geift erkennt, das Pronomen auf Gott bezieht, fo
vertheidigt das auch Severus und fo kann es auch vom
Syrer ursprünglich verftanden worden fein.1) Zu der an
fich fehr verdienftlichen Abficht der genannten neuen
Textausgabe möchten wir dem Verfaffer übrigens zu
bedenken geben, ob es nicht gerathener wäre, wenn er

1) Die Stelle ift vom Herausgeber nicht ganr richtig verftanden.
Severus vermifcht, wie das oft gefchieht, Cherubim und Serafim und
bezieht fich auf die Deutung des erften Wortes als Iniyvaxsiq nen).tj-
ftvfifeevri und yyoiq <so<fiaq (f. beifpielsweife Lagarde, Onom. s. 173,72.)
Auch im nächften Abfchnitt aus Severus (S. LVI f.) find einige
Mifsverftändnifse: Kl^pE ift einfach Umfchrift des am Rande mit
griechifchen Buchftaben gefchriebenen Accufativs 4>axtäa von <Paxtq.
S. LIV fchreibe ev&oonotixoi.