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Ausgabe:

1900

Spalte:

511-512

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Knodt, Emil

Titel/Untertitel:

Sturmi. Ansgar. Liudger. Kirchengeschichtliche Studien 1900

Rezensent:

Bossert, Gustav

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Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 18.

512

als Abt von Lorfch vgl. die Falk berichtigenden Angaben
Württb. Gefchichtsquellen 2, 25. Anm. 6. Den Bremer
Liäwizo, Libentius betrachtet Kayfer als Weifchen S. 125
oder Italiener S. 179, der von der Heimath her mit Ideen
des h. Romuald erfüllt gewefen fei. Allein Hauck (3, 237)
beflreitet ficher mitRechtdie italienifcheHerkunftLiäwizos,
die Angabe Thietmars über feine Heimat in confinio Alpium
et Suevorum weift in keiner Beziehung nach Italien,
höchftens, wie Hauck annimmt, nach Currätien oder Burgund
, wenn man confinium in ausfchliefsendem Sinne
als das Gebiet fafst, das an die Alpen und Schwaben
grenzt. Aber m. E. kann confinium auch das Gebiet
heifsen, da Alpen und Schwaben zufammenftofsen; deswegen
hat Ref. in der württb. K.G. (Stuttg. u. Calw. 1893)
S. 99 Liäwizo für Schwaben und die Schulen von
Reichenau oder S. Gallen in Anfpruch genommen. Einen
Weifchen hätte man eher zum Domfcholafter oder Cantor
gemacht, als zum Vorfteher des Spitals und zum Kämmerer,
wo ihn das Volk, mit dem er täglich verkehren mufste,
nicht verftanden hätte. Ob der Kult des h. Gorgonius,
des Patrons von Gorze, auf directe Beziehungen des
Bifchofs Milo von Minden zu dem Reformklofter und
zu Lothringen hinweift, ift doch nicht fo ganz ficher, wie
Kayfer annimmt S. 213. Möglicherweife ift der h. Gorgonius
fchon durch die aus Lorfch flammenden Bifchöfe
Liuthar und Evergis in Minden bekannt und dann durch
Milo auf den Schild gehoben worden. Die Reliquien des
h. Gorgonius bekam Chrodegang von Metz gleichzeitig
mit Nazarius und Nabor. Jenen verfetzte er nach Gorze,
diefen überliefs er Lorfch, Nabor aber gab er an Elera
d. h. St. Avold. Vgl. Chronic. Lauresh. ed. Lamey 1, 7.
Die Lorfcher aber feierten neben Nazarius auch das Andenken
von Nabor, von dem wohl auch die jetzige rings
von Lorfcher Befitz umfchloffene Heimath des Ref.
ihren Namen hat. Kirchen im Befitz von Lorfch wurden
häufig dem h. Nabor geweiht, vgl. Württb. Gefch.-Quellen
2, 98 Anm. 2. 168 Anm. 2. 181, Anm. 7. 216 Anm. 2.
Dann aber wird auch Gorgonius im Vorftellungskreife der
Lorfcher Mönche nicht vergeffen gewefen fein. — S. 63,
Z. 4 v. u. (Text) ift ausgefallen: Nachfolger. Statt Plebat
S. 186 1. Plebanat. Was Primifigning ilt, S. 282, ift Ref.
unbekannt, es bedürfte jedenfalls der Erläuterung.

Nabern. G. Boffert.

Knodt, Prof. Emil, Sturmi. Ansgar. Liudger. Kirchen-
gefchichtliche Studien. (Chriftliche Lebenszeugen aus
und in Weftfalen. II.) Güterioh, C. Bertelsmann, 1900.
(V, 100 S. 8.) M. 1.—

Von Ludwig Harms erzählt man, dafs er aufMiffions-
feften die Aufmerkfamkeit des Volkes von Anfang an
durch Erzählungen aus alten Chroniken zu feffeln wufste.
Zu einem ähnlichen Zwecke könnten die drei Lebensbilder,
welche Knodt bietet, den Theologen im praktifchen Amte
dienen in Mifüonsftunden, wie fie auch in den Volksbibliotheken
eine Stelle verdienen. Denn fie find frifch
gefchrieben, und unfer Volk mit feiner Gefchichte, auch
der Gefchichte der deutfchen Kirche und ihrer Anfänge
bekannt zu machen, ift eine Aufgabe, welche fich lohnt.
Manches wird man wohl etwas kritifcher anfehen müffen,
als Knodt es thut, z. B. die Erzählung von der Heilung
des blinden Bernlef S. 86. Bei der Werthfehätzung, welche
Träume in unferem Volke geniefsen, wäre bei Ansgar's
Biographie gleich von Anfang die evangelifche nüchterne
Anfchauung gegenüber den phantaftifchen Neigungen Ansgar
's am Platz gewefen. Das hübfehe Wort von Volkening
kommt S. 63 zu fpät und ift faft zu fchonend.

Warum Ansgar vor Liudger geftellt ift, kann Ref.
nicht ermitteln. Sehr zu gut wäre den Lebensbildern
eine genaue Vergleichung der Jahrbücher des Deutfchen
Reichs unter Pipin, Karl d.Gr. und Ludwig, wieDümmler's
trefflicher Gefchichte des oftfränkifchen Reiches, wo das

biographifche Material grofsentheils in eingehender Kritik
beleuchtet ift, fowie eine reichere Benutzung von Hauck's
deutfeher Kirchengefchichte und der fchönen Darfteilung
der erften Periode Hannover-braunfchweigifcher Kirchengefchichte
von Kayfer im 3 Jahrg. der ZNSKG. gekommen
. In einem Lebensbilde von Sturm wäre doch
die Frage, warum Sturm fo plötzlich von Fulda verbannt
wurde, einer Erwägung werth gewefen. Pipin fetzt
ganz deutlich Zettelungen gegen ihn voraus. Daher die
EntfchuldigungSturm's S. 18, die erft durch die Bemerkung
Hauck's 2 2 57 Anm. 4. verftändlich wird. Ob der Verdacht
einer Confpiration des Bayern Sturm mit dem
Bayernherzog Taffilo gegründet war, läfst fich nicht feft-
ftellen, aber er mochte nahe genug liegen. Der Ort, wo
Corvey gegründet wurde, war Krongut. Von dem Grafen
Bernhard wird man wohl abfehen müffen. Vgl. die vor-
fichtige Darftellung Kayfer's, a. a. O. 3, 115 und Jahrb. des
d. R. unter Ludwig von Simfon 2, 268.

Nach Kayfer kehrt Ansgar 826 nach 4jähriger Thätig-
keit in Corvey wieder ins Mutterklofter Corbie zurück
ZNSKG 3, 127. Knodt befchränkt Ansgar's Aufenthalt
in Weftfalen auf 3 Jahre und fpricht fich über die Rückkehr
nach Corbie nicht klar aus. Auch der Umftand,
dafs die Frage, ob Ansgar mit dem Dänen Harald ziehen
wolle, von K. Ludwig ausging (Simfon a. a. O. 1, 264),
hätte in dem Lebensbild eine Stelle verdient. Die Erzählung
von der Wittwe Ikia S. 51 betrachtet Dümmler
a. a. O. 1, 281 als unverbürgte Sage. Am Schlufs der
Biographie Liudger's dürfte auch fein Kelch mit der
intereffanten Infchrift ein Stelle verdienen, Hauck 22, 268
Anm. Recht zu bedauern ift die forglofe Behandlung der
Namen, die wohl theilweife dem Setzer zur Laft fällt.
S. 11 1. Hemina ftatt Henina, S. 15 Verneuil ftatt Vereuil,
S. 16 Jumieges ftatt Jumieyes, S. 22 Battenfeld ftatt
Ballenfeld, S. 39 Ardger, Nithard ftatt Ardgen, Nilhard,
S. 39, 49, 55 Gauzbert ftatt Gautbert, S. 46, 56 Dorftadt
ftatt Daftadt, S. 51 Stormarn ftatt Stomann S. 89, 90
Hugmerchi, Hugmerke ftatt Hupmerhid, Hupmerhi, S. 90
Mimigernaford ftatt Mimigernaefor. S. 48 Diedenhofen
ftatt Dietenhofen, das bayrifch ift.
Nabern. G. Boffert.

Heinzel, Richard, Beschreibung des geistlichen Schauspiels
im deutschen Mittelalter. (Beiträge zur Aefthetik. Herausgegeben
vonTheodor Lipps und Richard Maria Werner.
IV.) Hamburg, L.Vofs, 1898. (VIII,354S.gr.8.) M.9.—

Seit dem an fruchtbaren Anregungen reichen Buche
K. Hafe's (Leipzig 1858) ift das geiftliche Schaufpiel des
Mittelalters mit wachfendem Eifer bearbeitet worden. Wir
befitzen jetzt eine vortreffliche zufammenfaffende Darftellung
von Froning (in Kürfchner's Deutfeher Nationalliteratur
Bd. 14) und fehen das Verftändnifs der Einzelwerke
in einer ftattlichen Anzahl von Detailunterfuchungen
wefentlich gefördert. Wie weit wir bis jetzt vorgedrungen
find, mögen Liebhaber aus dem Effay Fr. Vogt's (Nord
und Süd 74, 377 ff.) erfehen.

Prof. Heinzel hat in den Wiener Sitzungsberichten
(134. Bd.) Materialfammlungen, die hauptfächlich dem
Bühnenwefen zu gute kommen, veröffentlicht und geht
in feiner ,Befchreibung' dazu über, den Kunftcha-
rakter nach einer Auswahl aus den Denkmälern des
XI. bis Ende des XV. Jahrh. zu beftimmen. Er giebt
zunächft ein nach dem Alter der Handfchriften geordnetes
Verzeichnifs der Spiele (S. 1—8), entwickelt den
Plan der ,Befchreibung' (S. 9—14) und analyfirt im erften
Abfchnitte (,Die erften Eindrücke') nach den Kategorien
der Qualität und der Quantität, der Ordnung und der
Eintheilung die technifchen Factoren (S. 15—166). Im
zweiten Abfchnitt: ,Die zweiten Eindrücke' fchreitet er
zu den Stoffgebieten vor, fchachtelt fie in diefelben Kategorien
ein (S. 167—322) und fchliefst mit einem Capitel:
,Aefthetifche Wirkung' (S. 323—354) ab.