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Ausgabe:

1900 Nr. 18

Spalte:

507-509

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Muth, Johannes

Titel/Untertitel:

Der Kampf des heidnischen Philosophen Celsus gegen das Christentum 1900

Rezensent:

Koetschau, Paul

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5°7

Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 18.

opfer des Hohenpriefters gekannt und unter den Ge-
fichtspunkten aufgefafst hat,1 die eigentlich nur für den
Verföhnungstag gelten.

Was die Form der Citate betrifft, fo wird überall
angegeben, wie der Wortlaut im N. T. fich verhält zum
maforethifchenText und zu denSeptuaginta. Eingehendere
textkritifche Unterfuchungen werden jedoch hierüber nicht
angeftellt. Auch die neuerdings mehrfach ventilirte Frage,
ob im N. T. bereits Theodotion oder eine dem Theo-
dotion ähnliche Revifion der LXX benützt ift (vgl.
meine Gefch. 3. Aufl. III, 323 f.), wird nicht behandelt.
An einigen Stellen (zu Jon. 19,37, Hebr. 11,33) wird Theodotion
ewähnt, die Sache aber nicht erörtert; an anderen
wird Theodotion überhaupt nicht erwähnt (I. Kor. 15,54.
Apok. 9,20. 10,5. 13,7. 20,4).

Für eine neue Auflage möchten wir zu erwägen
geben, ob nicht etwas mehr gefchehen follte, um das
dargebotene reiche Material auch für den Anfänger lebendig
und fruchtbar zu machen.. Bei Materien wie
Matth. 3, u (Geiftestaufe durch den Meffias), 5,16 (Gott
als Vater), 8,20 (Menfchenfohn), Joh. 1,29 (Lamm Gottes)
ift mit blofsen Stellen-Angaben dem Anfänger zu wenig
gedient. Auch bei Stellen wie Matth. 12,39 f. (Jona-
Zeichen), 26, 15 (die dreifsig Silberlinge) würde durch
etwas weitere Ausführung das kritifche Urtheil erleichtert
und das Verftändnifs vertieft werden. Aber wir wiffen
wohl, dafs durch eine Erfüllung unferes Wunfehes der
Umfang leicht verdoppelt würde. Es foll alfo nur eine
Frage fein, die wir zur Erwägung ftellen möchten.

Göttingen. E. Schür er.

Muth, Priefter D. Johannes Franz Seraph, Der Kampf des
heidnischen Philosophen Celsus gegen das Christentum.

Eine apologetifch-patriftifche Abhandlung. Mainz, F.
Kirchheim, 1899. (XX, 229 S. gr. 8.) M. 3.50

Der Verf. giebt S. 207 als Ziel feiner Arbeit an, ,den
Kampf gegen das Chriftentum, wie er von Celfus zum
erften Male auf wiffenfehaftlichem Boden verfucht wurde,
nach allen wefentlichen Beziehungen klar darzulegen'.
Wer aber danach von dem Verf. eine auf eingehender
Prüfung der von Origenes überlieferten Celfusfragmente
beruhende hiftorifch-kritifche Darlegung der Polemik des
Celfus im Rahmen der übrigen antijüdifchen und anti-
chriftlichen Litteratur der erften beiden Jahrhunderte erwartet
, wird bei der Leetüre des Buches enttäufcht fein.
Der Verf. hat fich in feiner Erftlingsfchrift befcheidenere
Grenzen gefleckt, er begnügt fich damit, auf Grund der
Arbeiten von Aube, Pelagaud, Patrick und unter wörtlicher
Benutzung der Keim'fchen Ueberfetzung (von der
nur feiten, z. B. S. 89 A. 6, abgewichen wird) im wefentlichen
über den Inhalt des aXrjd-rjg Xoyoq (fo lautet nämlich
der Titel der Schrift des Celfus, nicht Xoyoq aXrjd-rjg,
wie der Verf. fchreibt) zu referiren, die Anflehten anderer
Gelehrten, meift fehr ausführlich, darzulegen und fich
felbft einem feiner Vorgänger mit mehr oder weniger
Referve anzufchliefsen. In den zahlreichen Anmerkungen
werden theils die Belegftellen citirt, theils abgedruckt.
Auffällig ift es, dafs fich hier der Verf., obwohl er die
Origenes-Ausgabe von de la Rue für Huet's Origeniana
benutzt (S. 26), mit dem Text von Migne begnügt. Wie
viel von den zahlreichen Druckfehlern in den griechifchen
Citaten auf Migne's Conto kommen, hat Ref. nicht nachgeprüft
.

Aus dem Vorwort erfährt der Lefer, dafs ,die vorliegende
Abhandlung' ,als grundlegender Teil für eine
weitere Arbeit' gedacht ift, und dafs der Verf. fich feit
1890/91 mitCelfus vertraut gemacht hat. In demS. VII—XIII
füllenden, fplendid gedruckten Literaturverzeichnis
finden fich zwar Titel, wie ,Horatius, Sat.', ,Martial, Epigr.',
.Tacitus, Hift.', aber von Harnack wird nur eine Recenfion
citirt, und die Philokalia-Ausgabe von Robinfon bleibt

unerwähnt; auch fucht man hier vergebens die Realency-
klopädie für prot. Theol. u. Kirche 3. Aufl., Artikel Celfus
(von K. Joh. Neumann), man würde gern dafür über-
flüffige Titel, wie ,Pauly, Auguft, Realencyklopädie' u. f.
w. mifsen.

In der Einleitung wird die ,Quelle für das Wahre
Wort des Celfus' befprochen und eine Ueberficht über
alle bisherigen Reconftructionsverfuche diefer Schrift
gegeben. Origenes foll .wegen feines Alters von mehr
als fechzig Jahren' die Widerlegung mit .Bedenken' (S. 5)
unternommen haben; Ref. vermifst den Beweis dafür.
Die Behauptung des Verf.: ,Keim hat das Verdienft, die
verloren gegangene Schrift des heidnifchen Philofophen
Celfus wieder hergeftellt zu haben' (S. 16) dürfte auf
ftarken Widerfpruch ftofsen.

Der erfte Theil der Abhandlung bringt eine ausführliche
Darlegung der Anflehten alter und neuerer
Autoren über den philofophifchen Standpunkt des Celfus,
dann einen Abdruck der betreffenden Celfusfragmente in
Keim'fcher Ueberfetzung und endlich einen .kritifchen
Rückblick auf das Philofophem [fo!] des Celfus'. Aus
Or. c. Cels. VI 71 wird (S. 29. 43) unrichtig gefchloffen,
dafs Celfus fich die Stoifche Anficht von dem .Weltgeift,
der durch Alles hindurchgeht' angeeignet habe; vielmehr
imputirt Celfus diefe Anficht den Chriften, wie fchon O.
Heine (deffen Abhandlung der Verf. zwar citirt, aber nicht
verwerthet) richtig erkannt hat. Nur c. Cels. V 24 wird
Gott von Celfus in Stoifcher Weife als o stävxmv rmv
ovreov Xöyoq bezeichnet. Ferner ift aus c. Cels. VII 45
lediglich zu fchliefsen, dafs Celfus die Platonifche Anficht
von der Gottheit als dem Urgrund alles Seins und aller
Erkenntnifs (Heine S. 205) billigt, aber nicht, dafs er von
einer erften und zweiten ,Offenbarung des göttlichen
Wefens' (S. 31) rede. Anftatt des ,kritifchen Rückblicks'
(S. 41—46) wird man gut thun, auch ferner die Arbeit
Heine's zu benutzen. Das .Endurteil' des Verf. lautet:
,der philofophifche Charakter des Celfus befteht in dem
Mangel eines Charakters' (S. 45). Demnach fcheint der
Verf. dem Synkretismus jener Zeit die Exiftenzberechtigung
abzufprechen. Warum er (S. 46) behauptet, dafs Celfus
,die innere Haltlofigkeit feiner Religionsphilofophie' erkannt
haben müffe, ift unerfindlich. Wenn er aber (S. 43)
fagt: ,Ob Celfus an die Exiftenz feiner Dämonen glaubte,
kann nicht beftimmt beantwortet werden' (vgl. auch S.
195), fo braucht man blofs daran zu denken, dafs Celfus
die Chriften mit allen Mitteln zum Dämonenkult zu bewegen
fucht, dafs er die Wunder Chrifti durch dämonifche
Künfte erklären will, und dafs er felbft Furcht vor den
Dämonen verräth [c. Cels. VI 41), um eine beftimmte
Antwort zu finden.

Im zweiten Theile folgt ,die Polemik des Celfus'
I. ,gegen die Vorausfetzungen des Juden- und Chriften-
tums', II. .gegen das Judentum', III. .gegen das Chriftentum
'. Anftatt aus dem philofophifchen Standpunkte des
Celfus deffen Auffaffung der jüdifchen und chriftlichen
Wunder, Weisfagungen u. f. w. zu entwickeln, befchränkt
fich der Verf. auch hier auf ein Referat, meift mit wörtlichem
Abdrucke der Ueberfetzung von Keim. S. 103
bemerkt der Verf. richtig, dafs Celfus Gen. 1, 26 gekannt
habe, druckt aber in der Anmerkung den hebräifchen
Text der Stelle ab, als ob Celfus Hebräifch verftanden
hätte! Dagegen wird S. 167 richtig betont, dafs als
Quelle für die Kenntnifs des Alten Teftamentes für
Celfus ,nur die Septuaginta' in Betracht komme.

Der dritte Theil ift überfchrieben: .Kritifche Würdigung
'. Der Verf. befpricht hier den Zweck des Wahren
Wortes, das Wiffen des Celfus und den inneren Zu-
fammenhang feiner Polemik und bietet wieder meift
Referate der Anflehten feiner Vorgänger oder lange
Citate aus ihren Schriften (vgl. S. 147. 148. 151. 152.
156—158. 170. 171. 201—209), während er felbft auf erneute
kritifche Unterfuchung der aufgeworfenen Fragen
Verzicht leiftet. Dagegen ift die vom Verf. auf S. 176—