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Ausgabe:

1900 Nr. 17

Spalte:

500-501

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Delisle, Léopold

Titel/Untertitel:

Notice sur un registre des proces-verbaux de la Faculté de théologie de Paris pendant les année 1505-1533 1900

Rezensent:

Ficker, Gerhard

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499

Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 17.

500

Vor allem ift darauf hinzuweifen, dafs der Verfaffer
durchweg A. Fifcher's Kirchenliederlexicon fehr ftark
wörtlich benutzt hat, ohne feine Quelle anzugeben, dafs
aber diefe Benutzung oft genug in ganz mechanifcher
Weife gefchehen ift, wodurch die Citate eine völlig abweichende
Bedeutung empfangen. So pflegt z. B.Fifcher
durch ein Handzeichen zu bemerken, dafs das betreffende
Lied in allen von Fifcher zu Grunde gelegten Gefang
büchern fleh findet; bei den Liedern ,ü Jefu füfs, wer
dein gedenkt' und,Ach Gott, wie manches Herzeleid' zählt
Bremme die von Fifcher genannten Gefangbücher
auf, läfst jedoch das Handzeichen, das auf die grundlegenden
und wichtigeren Gefangbücher hinweift, unbeachtet
. Der Behauptung Bremm e's gegenüber, dafs man
Ueberfetzungen des Hymnus in neueren proteftantifchen
Gefangbüchern vergebens fuche, weift Nelle drei ver-
fchiedene Ueberfetzungen in 19 Gefangbüchern aus dem
letzten halben Jahrhundert nach. Das Lied ,An Jefum
denken oft und viel' giebt Bremme (S. 256) in 7 Strophen
und nennt als Quelle des Lüneburgifche G.B.
von 1686; das Lied hat jedoch urfprünglich 49 Strophen
und ift von Martin Rinckart verfafst, in feinem Jefus-
Herzbüchlein' 1636 gedruckt, aber fchon 1630 oder 1631
gedichtet (vgl. J. Linke: M. Rinckart's Geiftliche Lieder
1886 S. 352F); es ift in zahlreiche G. B. übergegangen. Das
Lied ,0 Jefu füfs, wer dein gedenkt' giebt Bremme in 18
Strophen aus Arnd's Paradiesgärtlein; dort wird durch
ein ,etc.' darauf hingewiefen, dafs es noch mehr Strophen
hat; und in der That: es find ihrer 48, die in dem .Paradeifs-
vogel' 1613 des Jefuiten Konrad Vetter abgedruckt find
und wahrfcheinlich einen älteren römifch-katholifchen
Dichter zum Verfaffer haben. Andere Berichtigungen
find bei Nelle a. a. O. nachzulefen. — Die Ausflattung des
Werkes vonBremmein Druck und Papier ift muftergültig.

Marburg. E. Chr. Achelis.

Kurzgefasste Mittheilungen.

Le Blant, Edmond, Les commentaires des livres saints et
les artistes chretiens des premiers siecles. (Extrait des
Memoires de l'Academie des inscriptions et belles-
lettres, Tome XXXVI, 2e partie, p. 1 —16). Paris, C.
Klincksieck, 1899. (4.) Fr. 1.—

Le Blant fucht nachzuweifen, — er thut es mit
allem Vorbehalt, — dafs einige, aus der heiligen Schrift
nicht erklärbare, eigenthümliche Züge auf altchriftlichen
Bildwerken nicht nur in den alten exegetifchen Schriften
ihre Erklärung fänden, fondern von den Künftlern direct
daraus entnommen wären; z. B. die Darfteilung des auf
einem Leichnam fitzenden Raben bei einem Bilde der
Arche Noäh. Bei derartigen Erklärungsverfuchen ift der
Selbftändigkeit des Künftlers zu wenig Rechnung getragen
(vgl. Joh. Ficker in der Deutfchen Litteraturzeitung
21, 1900, 372. 373).

Le Blant, Edmond, Artemidore (ebendort, S. 17—29).
Paris, C. Klincksieck, 1899. (4.) Fr. 1,—

,Wovon man träumte in der römifchen Welt zur
Zeit Marcaurels', und wie Artemidor die Träume deutete,
zeigt Le Blant nach den Oncirocritica. Wer den Geilt
des zweiten Jahrhunderts kennen lernen will, darf an
derartigen Schriften nicht vorübergehen; auch für Gedanken
der Chriften find fie von Werth. Eine ingeniöfe
Conjectur Le Blant's fei hervorgehoben S. 13 (refp. 25)
Anm. 9: Tertull. ad nationes L. I, c. XII will er ftatt:
pars crucis et quidem mains lefen: pars crucis et qui-
dem malus.

Delisle, Leop., Notice sur une ,Summa dictaminis' jadis
conservee ä Beauvais. (Tire des notices et extraits

des Manuscrits de la Bibliotheque nationale et autres
bibliotheques, Tome XXXVI, p. 171—205). Paris,
C. Klincksieck, 1898. (4.) Fr. 1.70

Dafs die Brieffteller und Formelbücher werthvolle
Auffchlüfse über die Gefchichte ihrer Zeit geben können,
wenn fie mit Vorficht benutzt werden, ift jetzt allgemein
anerkannt. Delisle veröffentlicht Stücke einer folchen
Compilation, die eine Redaction der Summa dictaminis
eines der berühmteften dictatorcs der Orleans'fchen Schule,
des Magifters Bernhard von Meung, am Ende des 12. Jahrhunderts
darftellt. Wir erhalten allgemeine Regeln für
die Anfertigung von Briefen und eine Reihe von Bei-
fpielen, aus denen man den Eindruck gewinnt, dafs die
fittlichen Zuftände der Geiftlichkeit im Zeitalter Philipp
Augufts nicht die beften waren. In manchen Partien
ftimmt unfer Brieffteller überein mit dem ,Donauefchinger
Brieffteller', den AI. Cartellieri veröffentlicht hat (Innsbruck
, Wagner, 1898). Der Schule von Orleans -gehört
auch die um 1220 entftandene Compilation einer Hand-
fchrift von Angers an, aus der Delisle im Anhange einige
Stücke mittheilt (vgl. die Befprechung von AI. Cartellieri
in der Deutfchen Litteraturzeitung, 1898, Sp. 1419. 1420).

Meyer, P., Notice sur trois Legendiers francais attribues
ä Jean Belet. (Notices et Extraits etc. XXXVI, p. 409
bis 486.) Paris, C. Klincksieck, 1899. (.4-) Ff- 3-5°

Paul Meyer verdanken wir fchon manche Unter-
fuchung über franzöfifche Legendarien. Hier giebt er
die Befchreibung und den Inhalt dreier Handfchriften
aus der Mitte des 14. Jahrhunderts: London, British Museum
, Add. Ms. 17275; Paris, Bibl. nat. fr. 185 und 183.
Die drei Legendarien, die fie bieten, gehören fchon deswegen
zufammen, weil fie demfelben Ueberfetzer, einem
fonft unbekannten Jean Belet zugefchrieben werden. Sie
leiten fich her von einem gemeinfamen Kern; keins ift
abhängig von dem anderen. Die Quellen, die fie benutzen
, find ein oder mehrere franzöfifche Legendarien,
die zurückgehen auf einen Typus, der wenig nach der
Mitte des 13. Jahrh. entftanden ift, und die Lcgenda
aurea des Jacobus von Varazzo. Meyer findet es plau-
fibel, dafs eine von Jean Belet verfertigte Ueberfetzung
der Legenda aurea exiftirte. Daraus würde fich auch
deffen Name in den drei Manufkripten erklären. Die
Sammlung des Londoner Manufkripts kann erft nach
1325 angelegt fein. Meyer hat die Quellen der Legendarien
genau benimmt und angegeben, was ihnen ge-
meinfam und was jedem eigenthümlich ift.

Deloche, Pagi et Vicairies du Limousin aux IX8, X8 et XI8
siecles. (Extraits des Memoires de l'Academie des
inscriptions et belles-lettres, Tome XXXVI, 2e partie,
p. 31—94 m. 1 Karte.) Paris, C Klincksieck, 1899.
(4.) Fr. 3. 50

Geftützt auf neu gefundenes Material giebt Deloche
Ergänzungen zu feinen Etudes sur la geographie histori-
que de la Gaule et specialement sur les divisions territoriales
du Limousin au moyen äge von 1857. ^ie Urkunden,
denen die neuen Namen entnommen find, werden im
Anhange mitgetheilt; fie beziehen fich meift auf S. Martial
in Limoges. Zum gröfsten Theile find fie bisher ungedruckt
. Auch für die beigegebene Karte find die neuen
Funde verwerthet.

Delisle, L., Notice sur un registre des proces-verbaux de
la Faculte de theologie de Paris pendant les annees 1505
— 1533. Manuscrit des archives de la maison de la
Tremoille, aujourd'hui ä la bibliotheque nationale,
No. 1782 du fonds latin des nouvelles acquisitions.