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Ausgabe:

1900 Nr. 16

Spalte:

476-477

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Warneck, D.G.

Titel/Untertitel:

Grundemann, Missionsstunden 1900

Rezensent:

Wurm, Paul

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Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 16.

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Kirche Frankreichs. J. Chr. Koecher: Catechetifche Emile von der Vorausfetzung der Hauslehrererziehung aus-

Gefchichte der Reformirten Kirchen 1756 und Ernft und geht, fo die Sokratiker von der Inftitutserziehung, — ein

Adam: Katechetifche Gefchichte des Elfafses bis zur j Umftand, der für das Verftändnifs ihres Thuns von nicht

Revolution 1897 geben über das alles nähere Nachricht. [ geringer Bedeutung ift. — Diefe Bemerkungen werden ge-

So war es bei allerabweichendenPraxis ein ererbtes Gut, das ! nügen, der ,Gefchichte der Sokratik' nur den Werth einer

Mosheim, das auch die Sokratik verwerthete; original ift j gelehrten und von gefundem Urtheile getragenen, doch

bei Mosheim und feinen Nachfolgern wohl nur die For- ; nicht unparteiifchen Vorarbeit zuzufprechen.
mulirung und die nebenfächliche Verweifung auf Sokrates. An Einzelheiten fei erwähnt, dafs Marfchlins und

— Noch auffallender ift die Behauptung der Originalität des : Marfchlinz, Helmftedt und Helmftädt gefchrieben, und

Engländers Watts (S. 52), dafs er verfchiedene Katechis- dafs ftatt der technifchen Bezeichnung Bhilanthropiniften

menfürverfchiedeneAltersftufengeforderthabe;möglicher- i die veraltete und mifsverftändliche Bezeichnung Philan-

weife fei Friedrich Chriftoph (nicht: Chriftian S. 42) thropen vorgezogen wird. Sprachliche Corrigenda find

Oetinger von ihm zu gleicher Forderung angeregt worden
Allein dasfelbe Bedürfnifs haben fchon Brenz und Luther
in ihren kleinen und grofsen Katechismen erkannt; der
Renegat G. Witzel und P. Canifius haben demfelben
Bedürfnifs, jener in 2, diefer in 3 Katechismen Rechnung
getragen; der Heidelberger Katechismus bekam 1583 einen

S. 35: weitreichendfte Forderung, S. 69: das Naheliegendfte,
S. 215: die hervorftechendfte Erfcheinung, S. 312 der mifsverftändliche
Ausdruck: Feffelung der Denkthätigkeit, endlich
der häufige Gebrauch des Adverbiums: theilweife u. a.
als Adjectiv. S. 200 ift wohl 1779 ftatt 1772 zu lefen,
und S. 48 ift das Datum der Braunfchweig-Lüneburgi-

.kleinen Heidelberger' zur Seite, und die Dortrechter Sy- fchen Schulordnung, 1737, ausgelaffen.

Marburg. E. Chr. Achelis.

node ernannte in ihrer 17. Sitzung am 30. November 1618
zwei Commiffionen, die für junge und ältere Kinder zwei

Auszüge aus dem Heidelberger Katechismus, der für die Epp|er, Pfr. Paul, Geschichte der Basler Mission 1815-1899

Erwachfenen in Gebrauch bleiben follte. herzuftellen den ir n • r> r 1 itt/- u uu ji

a n-___i„ffon t„ ,mm c:* j t Cr j Mit4Kartenfkizzen. Bafel, Miffionsbuchhandlung, 1900

Auttrag hatten. In der 177. Sitzung der Nachfynode rvktr o c _ o i/i u m T

wurden die Auszüge genehmigt und ihre Einführung
befchloffen.

Allein mehr noch als die Vernachläfsigung der kirchlichen
befremdet die Nichtberückfichtigung der pädagogi-
fchen und didaktifchen Vorgefchichte. Von Wolfgang

(XVI, 381 S. gr. 8.) M. 3. —; geb. M. 4.

Eine Gefchichte der älteften im neunzehnten Jahrhundert
entftandenen deutfehen Miffionsgefellfchaft, der
Basler, wurde fchon lange gewünfeht. Nun liegt fie am
Schlufse des Jahrhunderts vor in einer fo knappen und

Ratke, dem pädagogifchen Neuerer, finden wir im j doch alles Wefentliche umfaffenden Darftellung, fo ob-
4. Punkte feiner ,Dreizehn Punkte' ausgefprochen, dafs j jectiv, auch an den leitenden Perfönlichkeiten Kritik
alles der Natur gemäfs gefchehen müffe, die von dem übend, und doch von fo warmer Liebe zu dem Werk
Einfältigen und Schlichten zu dem Gröfseren und getragen, dafs man dem Verfaffer nur dankbar fein kann
Höheren und alfo von dem Bekannten zu dem Un- I für diefe treffliche Gabe. Der Schreiber diefer Zeilen

bekannten zu fchreiten pflege. J. V. Andreae fordert
in feiner Rcipiiblicae cliristianopolitanac descriptio 1619,
dafs die Schüler, was fie lernen, auch verftehen müffen,
dafs fie zum Gebrauche der eigenen Vernunft anzuleiten
und zu klarem, logifchem, methodifchem Denken zu erziehen
find. Im Theopliilus 1649 giebt er die Regel: es
foll nichts gelehrt werden, was die Jugend nicht faffen
und worüber fie nicht ein beflimmtes Urtheil haben kann;
es foll nichts behandelt werden, als was dem jeweiligen
Alter angemeffen ift und innerhalb feines Gefichtskreifes
liegt und wonach es Verlangen trägt. J. B. Schupp
dringt auf Anfchauung als das Fundament alles Wiffens.

hat fich felbft mit der Gefchichte der Basler Miffion eingehender
befchäftigt und kann verfichern, dafs er nichts
unrichtig oder einfeitig dargeftellt, nichts zu lang oder zu
kurz behandelt, auch die Gruppirung des Ganzen zweck-
mäfsig gefunden hat. Für manche ferner flehende Freunde
wäre vielleicht eine Darfteilung des topographifchen,
ethnographifchen und religionsgefchichtlichen Hintergrundes
erwünfeht gewefen. Der Verf. fagt im Vorwort,
dafs er dafür auf andere habe verweifen müffen. Manche
hätten vielleicht auch gerne etwas mehr über die kirchlichen
und religiöfen Verhältnifse der Länder erfahren,
aus welchen die Basler Miffion vorzugsweife ihre Arbeiter

Und J. Arnos Comenius in feiner Didachca magna und bekommt, da ihre confeffionelle Stellung von vielen
feinem Orbis piciusP Es ift in der That fo, wie Dr. Brügel Lutheranern im örtlichen Deutfchland gar nicht verftanden
(K. A.Schmid, Gefch. der Erziehung III, 2 (1892) S.213 f.) | wird. Allein die meiften Lefer werden dankbar fein, dafs
fagt, dafs bei Comenius beinahe alle heute allgemein j fie in einem fo mäfsigen Band und um fo billigen Preis
anerkannten und in das Gemeingut der pädagogifchen ! alles beifammen finden, was zur gefchichtlichen Orien-
Welt übergegangenen Unterrichtsgrundfätze in geord- tirung dient, und diejenigen, welche weiteren Auffchlufs
neter, zufammenhängender Püntwickelung und geiftvoller ' wünlchen, werden in Anmerkungen auf Monographien,
Begründung gefunden werden; man könnte eine Preis- j Biographien und einzelne Artikel in den Blättern ver-
aufgabe ftellen für den Nachweis auch nur eines gefunden wiefen. Von den beigegebenen Karten ift die von
und bleibenden Grundfatzes der Sokratik, der nicht fchon j Kamerun befonders fchön ausgeführt. Eine ftatiftifche
feit mehr als einem Jahrhundert zu dem ererbten Gute 1 Ueberficht über das Wachstum der einzelnen Gemeinden
deutfeher Pädagogik gehört hätte. Aber allerdings, eines und Schulen hätte wohl in einer Tabelle am Schlufse bei-
ift durch Bafedow, Bahrdt und Genoffen gefchehen; j gegeben werden dürfen. Es wird allerdings im Text
fie haben es verftanden, das ererbte Gut unter die Leute I darüber berichtet, aber eine Tabelle wäre anfehaulicher.
zu bringen .nachdem fie es mit dem Zeitgefchmack und ! Echterdingen. P. Wurm.

der naturaliftifchen Weltanfchauung ihrer Zeit legirt b____

hatten, und fie haben das allgemeinfte Intereffe für ihre i .7, , n r ™ s* j n a t-i n a
pädagogifche Kunft zu erwecken vermocht. Der Weckruf Warneck, Prof. D. G., und Paft. D. R. Grundemann,
freilich war längft ergangen; in Frankreich hatte J. J. Missionsstunden. Zweiter Band: Die Mifhon in Bildern
Rouffeau das pädagogifche Naturevangelium in feinem aus ihrer Gefchichte. Zweite Abtheilung: Afien und

Emile verkündet, und niemals vorher und nachher ift
eine folche Begeifterung für Erziehungsfragen in die
weiteften Kreife gedrungen. Unfere deutfehe Sokratik
und ihre rafche Verbreitung ift gar nicht ohne Rouffeau
und feinen Erfolg zu verftehen, — es ift in der That
fchwer verftändlich, dafs in dem Werke Schian's
Rouffeau mit keiner Silbe erwähnt wird. Wie Rou ffeau's

Amerika. Von Paft. D. R. Grundemann. Dritte ver-
befferte Auflage. Gütersloh, C. Bertelsmann, 1899.
(XVIII, 303 S. gr. 8.) M. 4.20

Grundemanns Miffionsftunden haben bereits die dritte
Auflage erlebt und bedürfen keiner weiteren Empfehlung.
Für diefe neue Auflage konnte der Verf. in einigen Ab-