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Ausgabe:

1900

Spalte:

433-436

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bertholet, Alfred

Titel/Untertitel:

Deuteronomium erklärt 1900

Rezensent:

Steuernagel, Carl

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Seite 1, Seite 2

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schüret1. Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

N£ 15.

21. Juli 1900.

25. Jahrgang.

Bertholet, Deuteronomium (Steuernagel).

Grawert, Die Bergpredigt nach Matthäus auf
ihre äufsere und innere Einheit unterfucht
(Holtzmann).

Feine, Das gefetzesfreie Evangelium des Paulus
(Gräfe).

Achelis, H., Die Martyrologien, ihre Gefchichte
und ihr Werth (Krüger).

Berlit, Martin Luther, Thomas Murner und das
Kirchenlied des 16. Jahrhunderts (Köhler).

Doumergue, Jean Calvin, tome I: Lajeunesse
de Calvin (Lobflein).

Simons, Konfirmation und Konfirmanden-Unterricht
(Holtzmann).

Notiz zu Jerachmeel (Fränkel).

Bertholet. Prof. Lic. Alfred, Deuteronomium erklärt v. B. Gröfser ift die Differenz in der Stellung zu den Ein-

(Kurzer Hand - Commentar zum Alten Teftament. | lettungsproblemen, namentlich betreffs des eigentlichen
Herausgegeben von Karl Marti. Abteilung V.) Frei- j tzes (Cap. 12—26). B. erkennt an dafs in Cap. 12
u • c1ir v> Tvyr u q /vyy tt^c t Tv «(m ^ r-« verlchledene Bearbeitungen des Grundgefetzes neben-
burgt.B.,J.C.B. Mohr, 1899. (XXX, 119S.Lex.8.)M.2.50 ! einander geftellt find, und dafs das Gefetz überhaupt als

Im Jahre 1898 erfchien der Deuteronomiumcommentar , Sammlung betrachtet werden müffe, namentlich in
des Unterzeichneten, den Bertholet in der Th. L. Z. 1899, j Cap. 19—25 (S. 60). Nun habe ich in meiner Schrift:
482—486, befprochen hat. Kurz darauf erfchien B.'s j Entftehung des dtn. Gefetzes (1896) diefe Sammlung in
eigener Commentar, der nun naturgemäfs in vielen Be- 1 ihre Elemente zu zerlegen verfucht und bin zu dem Erziehungen
wefentlich das Gepräge einer kritifchen Aus- gebnifs gelangt, dafs durch einen Redactor zwei Quellen

einanderfetzung mit dem meinigen trägt. Es freut mich,
conftatiren zu können, dafs neben manchen weitgreifenden

combinirt feien, deren Analyfe ich noch weiter rückwärts
verfolgt habe. Die Ergebnifse habe ich in meinem

Differenzen fich doch auch ein ziemliches Mafs von Ueber- i Commentar verwerthet, für die Begründung bot er
einftimmung ergeben hat. Das gilt faft durchgängig von ; keinen Raum; diefe konnte ich alfo nur andeuten, indem
der Einzelerklärung, mit der ich alfo im Grofsen und j ich für die weitere Ausführung auf jene Vorarbeit verwies.
Ganzen einverftanden fein kann. Bezüglich diefer be- I B. lehnt meine Ergebnifse vollftändig ab, will überhaupt
fchränke ich mich daher auf einige Einzelbemerkungen, j von einer Analyfe des Gefetzes (aufser Cap. 12) als einer
Die Erklärung des rein Formellen, namentlich der Con- völlig ausfichtslofen nichts wiffen. Das überrafchte mich;
ffructionen, fcheint mir gelegentlich für das Gros der ; nicht als ob ich mir einbildete, meine Ergebnifse müfsten
Lefer etwas zu dürftig. Als unpraktifch werden es gewifs i unter allen Umftänden bis ins Detail anerkannt werden
viele empfinden , dafs die Grammatikcitate fich neben J fondern weil B.'s Prämifsen und Beobachtungen wenigftens'
Gef.-Kautzfch 26 oft auf Stade beziehen, auch wo Verweife ; zu analogen Ergebnifsen hindrängen. Unterfcheidet doch
auf erfleren angängig gewefen wären; die Mehrzahl der auch er verfchiedene Einleitungen zum Gefetz (f. u.), und
Lefer wird Stade's Grammatik, die ich im Uebrigen macht doch auch er in Cap. 12 einen Anfatz zur Ana-
felbftverfländlich für fehr citirenswerth halte, nicht zur lyfe. Warum fetzt er fie nicht fort? Ich glaube, B. nicht
Hand haben. Bei Textverbesserungen macht B. gelegent- Unrecht zu thun und feiner wiffenfchaftlichen Bedeutung
lieh zu freien Gebrauch von Conjecturen, z. B. 1,33, wo Sam. nicht zu nahe zu treten, wenn ich behaupte, feine Stärke
eine textgefchichtlich bezeugte gute Correctur geftattet. liegt nicht auf dem Gebiet felbftändiger Quellenanalyfe,
Neben manchen allzugewagten Conjecturen finden fich | auf diefem ift er mehr oder weniger nur ein allerdings
einige recht glückliche; ich nenne beifpielsweife die zu j felbftändige Kritik übender Referent; die Gaben find
33,27. Die Aenderung von biaai in b^VD (3,1s) befticht i eben verfchieden vertheilt und B.'s Gaben liegen auf
zwar auf den erften Blick, ift aber an den Parallelftellen zum j andern Gebieten, Zu eigener Analyfe von Dtn. 13—26
Theil nicht anwendbar; die befte Löfung der Schwierig- hatte er nicht den Muth, und die meinige glaubte er

keit fcheint mir König in feiner (nicht genügend berück-
fichtigten) Syntax S. 283, Note 1 gegeben zu haben. Als
befonderer Beachtung werth hebe ich hervor die Bemerkung
über das Perf. *mvb nach Hin (4,5), durch die
eine wirkliche Löfung der den Abfchnitt 4,5-8 drückenden
Schwierigkeit gegeben ift, und die Identification der
n^BN-i (26,1fr.) mit der -p tTann (12,0) ftatt mit dem
(14,-'-' «iL Sehr fkeptifch flehe ich einigen religionsgefchicht-
lichen Erklärungen gegenüber; fo wenn zu 18,10 behauptet
wird, das Kinderopfer ftehe hier mit irgend einem man-
tifchen Brauche im Zufammenhang (dadurch will B. der
Anerkennung der Thatfache entgehen, dafs der Abfchnitt
18,9 fr. keine paffende Einleitung zum Prophetengefetz,
l8,ufr., bildet), und wenn der Ritus von 21,1-9 dahin gedeutet
wird, dafs er (wenigftens nach dem urfprünglichen
Sinne) ein Opfer für den Geift des Erfchlagenen gewefen
fei, der fonft dem Nachbarorte durch fein Spuken gefährlich
werden könnte. Doch will ich auf diefe und
andere Einzelheiten kein grofses Gewicht legen, da ich
wie gefagt mit der Einzelerklärung im Allgemeinen einverftanden
bin.

fich nicht aneignen zu können. Daraus kann ich ihm
natürlich keinen Vorwurf machen. Zeigt doch unfere
weitgehende Uebereinftimmung in der Analyfe von
Cap. 1 —10 und 27—34, dafs meine Methode ihm nicht
durchaus verfehlt erfcheint. Wenn er meine Ergebnifse
betreffs Cap. 13—26 ablehnt, fo liegt das, foweit ich
jene, einfach daran, dafs er ihre Begründung nicht
kennt und eine falfche vermuthet. Wie ich oben bereits
fagte, habe ich die Begründung nicht in meinem
Commentar gegeben, fondern in meiner ,Entftehung
des dtn. Gefetzes'. Von diefer erfchien ein Theil
(S. 96—154) als Differtation, und zwar gerade nicht der,
welcher die literarifche Analyfe enthält. B, hat, irre ich
nicht, nur diefe Differtation gelefen, wie daraus hervorgeht
, dafs er den erften Theil meines Buches nirgends
berückfichtigt, und dafs auf S. 50 feines Commentares
eine Stelle aus dem zweiten Theile mit der Paginirung
citirt wird, die er nur in der Differtation hat. Indem B.
den als Differtation gedruckten Theil meiner Arbeit mit
der Gefammtarbeit verwechfelte, ift ihm die Begründung
meiner Analyfe leider ganz entgangen. Ich mufs mich

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