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Ausgabe:

1900 Nr. 1

Spalte:

21-22

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gutberlet, Constantin

Titel/Untertitel:

Der Kampf um die Seele 1900

Rezensent:

Elsenhans, Theodor

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. I.

22

Bei einem Schriftfteller, der Grammatiker von Beruf war, I Adler verargen, wenn er mit allzukühnem Auge in die
hat man das Recht zu behaupten, dafs folche nur von Sonne blickt und feinen Flug in fchwindelnde Höhen
einer Hf. in ganz fingulären Fällen bezeugte Vulgarismen , nimmt? Soll er, gleich Kant, wie ein Maulwurf in der
unter dem Niveau feines Stiles liegen. i dunkeln Erde wühlen und den Boden untergraben und

Die Drucklegung ift fehr forgfältig; 37, 29 lies j für menfchliche Tritte unzugänglich machen ?' (S. 136).
voovvra, 363, 27 tlaiaoc. Anflatt die gefchichtliche Gröfse des Aquinaten an ihrer

Stelle flehen zu laffen, läfst ihn der Verf. fogar in der
Reihe der modernen Pfychologen erfcheinen, um eine
pofitive Einficht in das Wefen des Gefühls herbeizuführen
(S. 266).

Der üebente Vortrag über ,Pfychologifche Religion'
fällt eigentlich ganz aus dem Programm des Buches
heraus. Er behandelt faft nur Religionsphilofophifches
unter Ausfchlufs der eigentlichen Religionspfychologie
Gutberiet, Dr. Conftantin, Der Kampf um die Seele. Vor- ""d Theologifches Der Verf. wendet fich hauptfächlich

, rr gegen Paulfen s ldeahftifchen Monismus und Wundt s

trage über die brennenden Prägen der modernen ?A/f,, _ . , r, , k-cuka:,»* r.-u •„ u
nr6 , -rr t^- uu -~ o /vir <; etaphyfik und belchattigt lieh im weiteren Verlaufe
ausführlich mit Wimmers vielgelefener Schrift: ,1m

Phil, verdient eine Monographie, die uns ein voll
ftändiges Bild der Perfönlichkeit nach den beiden Seiten
ihrer fchriftfielkrifchen Thätigkeit, der theologifchen
und der grammatifchen, entwirft. Vielleicht giebt die
gründliche Arbeit R.'s den Anftofs zur Erfüllung diefes
fchon von Krumbacher geäufserten Wunfehes.
Wilmersdorf b. Berlin. Paul Wendland.

Pfychologie. Mainz, F. Kirchheim, 1899. (VII, 501 S.

gr. 8.) M. 7.50

Eine Sammlung von Abhandluugen, die der Verf.
mit wenigen Ausnahmen einzeln im Laufe der letzten
Decennien in verfchiedenen Zeitfchiiften bereits veröffentlicht
hatte. In ihrer Gefammtheit behandeln fie fo ziemlich
alle Hauptprobleme der modernen Pfychologie und
zwar vom Standpunkte des Neothomismus aus, aber mit
umfaffender Kenntnifs der einfehlägigen Fragen. Dem
Herausgeber des ,phi!ofophifchen Jahrbuchs' und Fort-
fetzer der vonj. B. Heinrich begründeten .Dogmatifchen
Theologie' fcheint kaum irgend ein Buch oder Zeit-
fchriftenartikel, foweit fie für feinen Gegenftand in Betracht
kamen, entgangen zu fein, fo dafs auch der unterrichtete
Lefer manchen Hinweis auf ihm unbekannte
neuefte Literatur — häufig mit einer jedenfalls zu weitgehenden
wörtlichen Wiedergabe ganzer Abfchnitte —
finden wird. Dem entfprechend ift aber auch das Buch
als Ganzes betrachtet mehr eine Häufung einer grofsen
Zahl von Anflehten mit anfchliefsender Befprechung, als
ein Werk aus einem Guffe.

Die Themata der einzelnen Abhandlungen lauten:
1. Der gegenwärtige Stand der Pfychologie. 2. Ift die
Seele Thätigkeit oder Subftanz? 3. Das ,Ich'. 4. Der
pfychophyfifche Parallelismus. 5. Ueber den Sitz der

Kampfe um die Weltanfchauung' (Freiburg 1880), von
der ein nicht geringer Theil wörtlich abgedruckt wird.
Der Verf. bekennt, von manchen Partien des Buches
einen tiefen Eindruck empfangen zu haben. Wenn er
aber feine Befprechung des Buches mit dem Satze einführt
: ,Sogar Theologen haben fich von der herrfchen-
den Zeitftrömung fo hinreifsen laffen, dafs fie auf die
objektive Wahrheit der religiöfen Gegenftände verzichten,
und ihr nur fubjektive Bedeutung, fpeciell im Gefühl,
zugeftehen' (S. 360), fo wird fich fein Gegner mit Recht
dagegen verwahren. Wie wenig einwandfrei aber der
Gottesbegriff ift, den der Verf. diefer ,Gefühlsreligion'
entgegenzuftellen hat, zeigt fich unter anderem darin,
dafs er einerfeits von einer nur bedingten Nothwendigkeit
der Naturgefetze redet, welche die göttliche Allmacht
zu jeder Zeit wieder abändern kann, andererfeits von einer
abfoluten Giftigkeit der mathematifchen Rechnungen
(S. 371) und des Caufalitätsprincips (S. 493), die felbft
,in Gott und von Gott nicht verletzt werden kann'.

Mehr Intereffe, als die Polemik des Verf. gegen eine
Religion des ,fubjectiven Glaubens', welche in den herkömmlichen
Formen fcholaftifcher Beweisführung verläuft
, bietet die Abhandlung über den Spiritismus, welche
ein reiches Material zur Beurtheilung des Hypnotismus,

Seele. 6. Neues und Altes über das Gefühl. 7. Pfycho- der Suggeftion und des Gedankenlefens, der Kundgeb

logifche Religion. 8. Der Spiritismus ein pfychologifches
Problem. 9. Der Determinismus ein materialiftifches
pantheiftifches Vorurtheil. Die Erörterung bleibt jedoch
feiten innerhalb des Rahmens der ,modernen Pfychologie
'. Vielfach werden erkenntnifstheoretifche, meta

ungen fpiritiftifcher Medien beibringt. Die rein pfycho-
logifche Erklärung wird als ungenügend bezeichnet und
die Frage einer Einwirkung übernatürlicher Agenden',
die im bejahenden Falle insbefondere in ,höllifchen Lügen-
geiftern' zu fehen wären, wird offen gelaffen (S. 478).

phyfifche, auch dogmatifche Gefichtspunkte hereinge- j Befondere Erwähnung verdient die — vom Standpunkte
zogen — eine Mifchung der Wiffenfchaftsgebiete, welche kirchlicher Correctheit wohl nicht unbedenkliche — Be-

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der modernen, grofse Vortheile bietenden ftrengen Schei
dung der principiellen Standpunkte der Unterfuchung
nicht entfpricht. In der rein erfahrungsmäfsigen Pfychologie
der Gegenwart fieht der Verf. eitles Gerede. Man
gebe vor, alle Metaphyfik ausfchliefsen zu wollen; that-
fächlich aber beherrfche Metaphyfik die ganze pfycho-
logifche Forfchung. Man wolle eben eine folche Metaphyfik
nicht, welche zur Annahme eines Gottes und
einer unfterblichen Seele führe. Statt diefer foliden, auf
die einleuchtendften Vernunftprincipien und auf die
wahren Thatfachen geftützten Metaphyfik fetze man

phantaftifche Speculationem (S 44) Das Vorhandenfein j Riedlingen a/D. Th. Elfenhans

einer beelenfubftanz gegenüber der Actuahtatstheone besonders
Wundt's und Paulfen's, welche die Seele nur als
rhätigkeit gelten laffen wollen, wird aus der Nothwendigkeit
eines einheitlichen Trägers der mannigfachen
Seelenzuftände abgeleitet. Als Retter aus Kantifcher Sub-

ziehung, in welche der Verf. die Erhebung der Medien
in die Luft, die ungewöhnlich ftarke Herrfchaft des
Geiftes über den Körper bei Somnambulen und Hyp-
notifchen zu ähnlichen Wundern der Heiligen bringt. Es
fei dabei eher an eine ,habituelle Dispofition', als an ein
in jedem eizelnen Falle von Gott eigens gewirktes Wunder
zu denken (S. 472).

Der Gefammteindruck des Buches läfst fich dahin
zufammenfaffen, dafs es auch der vielfeitigen Gelehrfam-
keit des Verf. nicht gelungen ift, Scholafticismus und
wiffenfehaftliche Pfychologie in Einklang zu bringen.

Walker, George Leon, D. D., Some Aspects of the religious
life of New England with special reference to Congre-
gationalists. Lectures delivered on the Carew Foun-
jectivität wird der ,heil. Thomas' empfohlen. Es ift fchwer j dation before Hartford Theological Seminary in 1896

2a"dllC, ' Nr'ie,C:n Mann,vonf der philofophifchen Bil- New-York, Bofton, Chicago, Silver Burdett and Co.
aung des Verf. Satze wie die folgenden fchreiben kann: l8o7 (^ R^ ' &
.Wenn alfo der heil. Thomas mit den alten Denkern, der

Frforfchung der objektiven Wahrheit zugewandt, die Erkenntnistheorie
vernachläffigt hätte: Kann man es dem

1897. (208 p.

In knappen Zügen bietet Verf. eine Gefchichte der
Frömmigkeit in den Vereinigten Staaten, vor allem unter