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Ausgabe:

1900

Spalte:

370-374

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Scriptores sacri et profani 1900

Rezensent:

Ryssel, Viktor

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369

37°

machte Copie mit der Handfchrift aufs neue zu ver- Scriptores sacri et profani, auspiciis et munificentia sere-
gleichen. — Ueber die Sprache, in der die Ueberfetzung I nissimorum nutritorum almae matris Ienensis edd. Se-
abgefafstiflt, will fich Ref.nicht des1 Weiteren ausfprechen. minari; Philologorum Ienensis magistri et qui olim
Ks ift derfelbe von der clafufchen Schnftfprache ziemlich
ftark abweichende Volksdialekt der chriftlichen Araber,
von deffen Eigentümlichkeiten Ref. bereits in der Be-
fprechung der apokryphifchen Schriftflücke in Heft V
der Studia Sinaitica gefprochen hatte, feitdem aber
J. Oeftrup, der Verfaffer des Werkes ,Contes de Damas
recueillis et traduits avec introduction et une esqmsse de
gratnmairc' (Leiden 1897), in feinem Auffatze ,Ueber
zwei arabifche Codices sinaitici der Strafsburger Univerfi-

sodales fuere. Fasciculus III. Leipzig, B. G. Teubner,
1899. (8.) M. 10.—

Die fogenannte Kirchengefchichte des Zacharias Rhetor. In
dcutfcherUe'berfelzung herausgegeben von Gy.nn.-Oberlehr. K. Ahre n s
und Prof. G. Krüger. (XLV, 42 und 417 S.)
Wir begrüfsen diefe Schrift mit befonderer Freude,
weil fie aus einer gemeinfamen Arbeit hervorgegangen
ift, die wir für die Veröffentlichung derartiger fyrifcher

täts- und Landesbibliothek' in der ZDMG. LI. 453—471 ! Literatur werke immer als die glücklichfle Vorbedingung
ausführlich gehandelt hat. Nur macht man die Beobach- 1 des Gelingens angefehen haben und von welcher wir
tung, dafs bei folchen Ueberfetzungen fich immerhin noch j hoffen, dafs fie namentlich angefichts des höchft erfreumehr
fyrifche Wörter dem arabifchen Wortfchatze bei- liehen Erfolges der vorliegenden Publication vorbildlich
mengen, als fchon ohnehin fich in ihn eingebürgert , fein möge. Man kann weder verlangen, dafs ein femi-
hatten. j tifcher Philologe in alle Einzelheiten und Feinheiten der

Ein merkwürdiges Schriftftück ift die Abhandlung [ chriftlichen Kirchen- und Dogmengefchichte eingeweiht
über die Trinität. Sie ift augenfeheinlich das Werk eines ift, noch dafs ein Kirchenhiftoriker das Syrifche foweit
Chriften, der feinen Glauben gegen Muhammedaner ver- beherrfcht, dafs nicht beide auf dem abgelegeneren
theidigen und zugleich feine Religion ihnen empfehlend ; Gebiete etwas überfehen oder Fehler begehen könnten,
ans Herz legen wollte. Durch diefe letztere Abficht er- , die bei der Zufammenarbeit eines Kirchenhiftorikers und
klart es fich wohl, dafs er, ganz gegen fonftigen Brauch, Orientaliften leicht vermieden werden. Gerade auch des-
auch den Koran citirt (f. Sur. 90,4. 54,11 u. a^St. in S. 77, j halb, weil es in Folge der Scheu, auf einem der eigenen
Sur. 3,48 in S. 84, Sur. 3,1« in S. 88, 3,88 in S. 104), nicht | Forfchung fernergelegenen Gebiete zu ftraucheln, leicht
um gegen ihn zu polemifiren, fondern um fich zum Er- gefchehen kann, dafs an und für fich ganz anziehende
weife der Wahrheit feiner chriftlichen Lehre von der , und auch nützliche Arbeiten entweder gar nicht unterDreieinigkeit
darauf zu berufen. Die Argumentation des nommen oder nicht zur Veröffentlichung gebracht werden,
arabifchen Chriften ftützt fich weniger auf Vernunftgründe müffen wir wünfehen und hoffen, dafs wir einer der-
und philofophifche Spitzfindigkeiten, als auf die exege- , artigen Zufammenarbeit und gleich nützlichen Ergebnifsen
tifche Darlegung, dafs die Trinität durch das ganze alte ' derfelben in der Folgezeit recht oft begegnen möchten,
und neue Teftament hindurch gelehrt werde. Es er- Bei der vorliegenden Arbeit, der Herausgabe der fogen.

fcheinen dabei, in der üblichen Weife ausgedeutet, alle Kirchengefchichte des Zacharias Rhetor, haben fich die
die Lieblingsftellen der dogmatifchen Beweisführung von Autoren in der Weife getheilt, dafs Ahrens die Ueber-
Gen. I,a6 bis zu der fchon in der älteften Legenden- ! fefzung des Textes und die Anfertigung des Regifters,
literatur beliebten Stelle Baruch 3,155f. Freilich ift der 1 Krüger Einleitung, Commentar und die Zufammen-
Verfaffer nicht gerade ein Held in biblifchen Fragen: { ftellung der Tabellen übernahm. Erfreulicher Weife
Micha, den Verfaffer des Prophetenbuches, verwechfelt haben verfchiedene hervorragende Syriologen Ahrens bei
er mit dem viel früheren Micha im 2. Chron. 18, den, j Anfertigung feiner Ueberfetzung berathend zur Seite ge-
wie allerdings auch Pfeudo-Epiphanius und das Chronicon ; ftanden: Land ftellte ihm, bereits im Jahre 1886, die
Pasclialc melden, der König Joram getödtet haben foll, und j nahezu abgefchloffene Ueberfetzung, die W. J. van Dou-

Amos, der Vater desjefaja, wird mit dem Propheten Arnos
von Thekoa, ebenfo wie Zacharias, der Vater Johannes
des Täufers, augenfeheinlich mit dem Propheten Sacharja,
dem Verfaffer des Weisfagungsbuches, identificirt.

Wir weifen zum Schlufse darauf hin, dafs als nächfte
Hefte der Studia Sinaitica ein 8. Heft weitere arabifche
Apokrypha, das 9. und 10. aber den fyrifchen Text und
die englifche Ueberfetzung von ausgewählten Erzählungen
über heilige Frauen (Eugenia, Maria, Euphrofyne, One-
fima, Drufis, Barbara, Irene, Euphemia, Sophia, fammt
der Gefchichte von Cyprian und Jufta) enthalten follen.
Im 6. Hefte, von dem noch nicht die Rede war, ift ein
fyrifch-paläftinenfifchesLectionarium,enthaltend Lectionen
aus dem Pentateuch, Hiob, den Sprüchen, den Propheten,
der Apoftelgefchichte und den Briefen, veröffentlicht (vgl.
die Anz. von Schwally, Theol. Litztg. 1898, Nr. 7); und
mittlerweile ift auch noch die prachtvolle Ausgabe des
fyrifch-paläftinenfifchen Evangeliariums nach drei Hand-
fchriften, von denen zwei gleichfalls dem Sinaiklofter angehören
, erfchienen, über welche A. Rahlfs in Nr. 24,
Col. 657 des Jahrganges 1899 ausführlich berichtet hat.
Grund genug, den Damen für ihren Kntdeckungseifer und
ihren Fleifs in der Verwerthung ihrer Entdeckungen
fich zu lebhaftem Danke für verpflichtet zu halten

wen angefertigt hatte, zur Verfügung, G. Hoffmann hat
ihm mit feinem nie verfagenden Scharffinn bei der Ver-
befferung des Textes und bei der Uebertragung fchwieriger
Stellen ausgeholfen, und Th. Nöldeke hat ihm fein Exemplar
des betreffenden Bandes der Anecdota Syriaca eine
Zeit lang überlaffen, fo dafs feine, meift auf Vergleichung
der Handfchrift beruhenden Textverbefferungen benutzt
werden konnten. Ref. hat für die von ihm in Zupitza's
Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen
übersetzte Sylvefterlegende den Text der Anecdota
Syriaca mit der Handfchrift verglichen und in der
Einleitung zu diefer Ueberfetzung darauf hingewiefen,
wie vielfach der gedruckte Text verbefferungsbedürftig
ift, zugleich aber auch die Ergebnifse der Textrevifion
betreffs der gleichfalls von ihm, und zwar bereits früher
überfetzten Stücke, der Stephanuslegende und der Sieben-
fchläferlegende, in Kürze mitgetheilt (vgl. a. a. O. t. XCV,
S. 19, fowie t. XCIII, S. 249, u. t. XCIV, S. 371 f.). Angefichts
der ftarken Abweichungen des Land'fchen Textes
würde Ref. allerdings eine durchgehende Revifion nach
der Plandfchrift für die erfte Vorbedingung einer Ueber-
fetzungspublication angefehen haben, welches Defiderium
durch die Textvergleichung Nöldeke's in glücklichfler
Weife erfüllt werden konnte. Denn es heifst wirklich

Zürich-Fluntern V Ryffel. | nutzl°fen Scharffinn aufwenden, wenn ein Blick in

die Handfchrift das Richtige bietet, was häufig auch bei
glücklichfler Conjecturalbegabung nicht gefunden werden
kann — manchmal gerade deshalb nicht, weil es eben
gar zu einfach ift. Diefen Text, der auf diefe Weife
viribus unitis von feinen vielen Fehlern gereinigt wurde,
hat nun Ahrens recht correct und anfprechend ins Deutfche