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Ausgabe:

1900

Spalte:

362-364

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Euringer, Sebastian

Titel/Untertitel:

Die Aufassung des Hohenliedes bei den Abessiniern 1900

Rezensent:

Riedel, Wilhelm

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Seite 1, Seite 2

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Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 12.

362

212 Afche in die Höhe werfen und auf ihr Haupt fallen j falls wirkt das von fpäteren Zuthaten entkleidete Gedicht,
laffen, ift fchwerlich bewufste Nachahmung eines Staub- ; das nun erft feine ganze Schönheit offenbart, über-
regens, die Freunde waren doch keine Symboliften. Das wältigend auf den Lefer. Die Ueberfetzung ift natürlich
Hochwerfen gefchieht lediglich in der Heftigkeit des nicht wörtlich, wie im Commentar, fondern trägt dem
Affects. Die Bedenken gegen 312 fcheinen nicht ftark Genius der deutfchen Sprache im weiteften Mafse Rech-
genug, der v. ift wie vielleicht mancher andere noch le- nung. Einige kleine Unebenheiten find bei der 2. Auf-
diglich der Strophentheorie geopfert. 4 21 ift ficher mn"1 zu läge, die dem Buche nicht fehlen wird, hoffentlich be-
lefen, denn yc: bedeutet nicht zerreifsen, fondern aus- j feitigt, f. z. B. die ,Nieren im Bufen' 1927, bei denen der
reifsen und wird fpecidl vom Zeltpflock gebraucht. Ob Lefer unwillkürlich an eine Wanderniere denkt. Obwohl der
5 25 wirklich Ironie beabfichtigt ift, fcheint fraglich, ad 924 Verf. in feiner Ueberfetzung Stichos dem Stichos (freilich
Hellt jetzt Kloftermann die Ausspräche 1£5t und zu 191:1 j nicht mit der gleichen Zahl Hebungen, wie der Haupttitel
die Gleichung "JX = !pit zur Erwägung. 1926 fr. verlieht ! allerdings erwarten läfst) entfprechen läfst, merkt man nir-
der Verf. mit Recht von einem Ereignifs, deffen Eintritt gends den leifeften Zwang; dieUebertragung wetteifert viel-
Hiob erft nach feinem Tode erwartet; dafs dennoch von ] mehr mit dem Original an Flüfs, Schönheit und dichteri-
keiner eigentlichen Unfterblichkeitshoffnung die Rede ift, ; fchem Schwung. In einer für gebildete Laien berechneten
wird S. 104 richtig betont. Zu v. 25 ift vielleicht ITM Einleitung, S. VII—XX, fafst der Verf. die Ergebnifse feiner
zu lefen, Siegfried, Kloftermann. Die für 192s verfuchte wiffenfchaftlichen Forfchung in klarer und äufserft an-
Emendation ift originell, vielleicht fogar genial, jedoch j ziehender Weife zufammen. Ref. wünfcht dem, auch

folange nicht voll überzeugend, als die vom Verf. vor
ausgefetzte Sitte, neben dem Opfer der Blutrache ein
Zeichen aufzupflanzen , nicht ausdrückliche Bezeugung
erfährt. Die Heranziehung von 2 Koe. 2 zur Erklärung
von Hiob 1926b, 27 fcheint zu gefucht, Ref. zieht die gewöhnliche
Erklärung vor (f. Budde). Das letzte Glied von
1920 will Kloftermann folgendermafsen lefen: p-J IS"1 ?3Hn;
derfelbe fchlägt für 2i32Vor: BpC OTIS nibyb, dadurch
würde die Nothwendigkeit befeitigt fein, ltTTS mit Grabhügel
wiederzugeben, was es fonft im Hebr. nirgends bedeutet
. Bei der Erklärung von 241fr. wird dem Lefer vor
lauter Emendationen faft angft und bange. Allerdings
ift das ganze Capitel ftark verhunzt und wird nach Inhalt

äufserlich hübfch ausgeftatteten, Büchlein die weitefte
Verbreitung unter Theologen und vor Allem auch unter
den Laien, die ja zum Theil keine Ahnung davon haben,
welch' köftliche Perlen von Poefie und welche Schätze
an finniger Weisheit die Schriften des A.T. bergen.

3) Eine anmuthige Gabe bildet die Uebertragung
von Kayfer, der es zugleich unternommen hat, das in
Wechfelgefprächen verlaufende Gedicht zu dramati-
firen und auf Acte und Scenen kunltgerecht zu vertheilen
. Ob er wirklich an die Möglichkeit einer Aufführung
denkt? Dazu würde es an der nöthigen Handlung
fehlen, denn dafs etwa Bildad auffteht und fleh
dann wieder fetzt, macht noch keine Handlung aus.

und Form vom Verf. mit Recht angefochten. Die vom Der Verf. läfst fleh übrigens darüber nicht weiter aus und
Verf. herausdeftillirten und reconftruirten Cultur- und hat vielleicht nur das Lefen mit vertheilten Rollen im
Sittenbilder find äufserft originell und lefen fleh nament- 1 Sinne. Auch K. (der fleh nach der Vorrede eng an

lieh in der Ueberfetzung prächtig. Die Worte 262—4, die
Verf. Bildad in den Mund legen will, gehören doch wohl
einer Rede Hiobs an; der überlegene ironifcheTon ftimmt

Dillmann anfchliefst, alfo keine felbftändige Leiftung in
wiffenfehaftlicher Beziehung darbieten will) läfst die
Elihureden aus dem Spiele, ebenfo die Schilderungen,

jedenfalls beffer zu ihm als zu jenem, cf. 122. Dagegen 1 28 4015—4121; und endlich, aufser dem mit Recht vergehörten
die vv. 26 s—14 einmal mit 252-6 zufammen und ; dächtigten Stück 2413—21, auch die Rede 277—2«, die
bildeten eine Bildadrede. Die Zuweifung der Worte 27 7—23 i allerdings nicht von Hiob gehalten fein kann und ur-
an Zophar ift fehr einleuchtend, zumal dadurch erft der : fprünglich vielleicht dem Zophar in den Mund gelegt
dritte Gefprächskreis feine formale Abrundung erhält. | war. Sonft hält er das Hiobbuch für eine originale Ein-

Will man 423a halten, fo ift im Eingang etwa mit Kloftermann
nr zu lefen; in 42« fchwinden alle Schwierigkeiten
, wenn man das "O im Anfang ftreicht. Auf weitere
Einzelheiten einzugehen, mufs Ref. fleh verfagen. Er
kann zum Schlufs fein Urtheil dahin zufammenfaffen:
man nehme das Werk mit Vorficht auf, aber tadle nicht
an ihm herum, wenn man's nicht beffer machen kann;
man betrachte es als genialen Rcconftructionsverfuch,
der für die weitere Hiobforfchung eine neue Bafis und
gewifs auf viele Jahre hinaus die reichften Anregungen
bieten wird. Für Studenten wird das Studium des Buches

heit und fleht namentlich auch den (in metrifcher Ueberfetzung
wiedergegebenen) Rahmen als organifchen Be-
ftandtheil an, weshalb er dann folgerichtig dem Dichter
die Idee vom Bewährungsleiden als die von Anfang an
in's Auge gefafste Löfung des Problems vom Leiden
des Gerechten zufchreiben mufs. Für ein nicht kritifch
angelegtes Publikum macht das fchliefslich nichts aus,
ja für diefes wird die Dichtung fo vielleicht noch viel
fafslicher und geniefsbarer. Die Ueberfetzung ift in gebundener
Rede gehalten, lieft fleh glatt und anmuthig
und fchmeichelt fleh vermöge der Verwendung von

reichlich lohnend fein, wenn fie nur damit fertig werden. ; Reimen glatt in das Ohr ein. Ref. mufs freilich geftehen,
Leichte Arbeit ift es jedenfalls nicht. Vielleicht fchafft j dafs ihm die auf einen ftrengeren Ton geftimmte Ueber-
die gleichzeitige Benutzung der gleich anzuzeigenden j fetzung von Duhm angeflehts des ernllen Inhaltes der
Ueberfetzung Erleichterung und willkommene Förderung. ! Dichtung angemeffener erfcheint. Doch das mag Ge-
2) Nach dem für den kurzen Handcommentar aufge- , fchmacksfache fein. Ref. kann auch diefes hübfch aus-
ftellten Plane follte überall die Ueberfetzung von Kautzfeh | geftattete Büchlein mit gutem Gewiffen empfehlen. Vielleicht
eignet es fleh befonders zum Vorlefen im chrift-
lichen Familienkreife.

Jena. B. Baentfch.

zu Grunde gelegt und dadurch der Commentar felblt
möglichft entladet werden. Bei den zahlreichen Abweichungen
D.'s von der bei Kautzfeh von Baethgen gebotenen
Ueberfetzung machte fleh bereits im Commentar
eine theilvveife Neuüberfetzung nöthig. Daneben hat nun
der Verf. noch eine vollftändige Ueberfetzung des recon- I Euringer, Pfr. Dr. Sebastian, Die Auffassung des Hohenliedes
ftruirten Gedichtes (mit Verweifung der fecundärenStücke j bei den Abessiniern. Ein historisch-exegetischer Ver-
entweder in den Anhang oder unter den Text) ausgehen T . . . „. . , T_ ,,,TÖ äm c

laffen. Durch fie ift der Lefer in den Stand gefetzt, fleh , SUch' Le,Pz,g> 1 L- H.nr.chs, 19=00. (VI, 47 S. gr. 8.)
ein klares zufammenhängendes Bild der im Commentar M. 2.—

gewonnenen Ergebnifse zu bilden. Zugleich bildet die Der berühmte Reifende James Bruce von Kinnaird,

Ueberfetzung eine Art Probe auf die Richtigkeit diefer [ der 1768 zur Entdeckung der Quellen des Nils auszog
Ergebnifse. Sie ift ohne Zweifel fo ausgefallen, dafs und fie in dem aus dem Tzanafee entforingenden Bafrr
man zu ihnen einigermafsen Vertrauen haben darf. Jeden- el azraq fand, erzählt in feinem fünf bändigen Reifebe-

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