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Ausgabe:

1900 Nr. 11

Spalte:

339-343

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Wülcker, Ernst

Titel/Untertitel:

Des kursächischen Rathes Hans von der Planitz Berichte aus dem Reichsregiment in Nürnberg 1900

Rezensent:

Bernays, J.

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339

Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. II.

340

S. XLII unter A verzeichnet, genau diefelbe Zeitfchrift
findet (ich dann aber nochmals unter Gori, dem Herausgeber
, befonders aufgeführt (S. LI). Auch das Anführen
ganzer Zeitfchriftenreihen, von denen aber im Grunde
genommen nur einige wenige Bände in Betracht kommen,
ift ein gefchicktesMittel, minder kundigeLefer zubienden.
— Aehnlich wie beim erften Bande verbreitet fich ein
grofses Einleitungscapitel über die fittlich-religiöfen Zu-
ftände und Wandlungen Italiens im Zeitalter der Renaif-
fance, wobei, wie bekannt, der Verfaffer die wahre chrift-
liche und die falfche heidnifche Renaiffance einander
gegenüberftellt. Die fchreienden Contrafte zwifchen beiden
werden fehr eingehend und detaillirt gefchildert, manches
Intereffante ergiebt fich befonders für die erftere Richtung
. Die eigentliche Gefchichtserzählung gliedert fich
entfprechend den drei Pontificaten, die behandelt werden,
in drei Bücher mit verfchiedenen Unterabtheilungen,
Buch 1 behandelt Innocenz VIII., 1484—92, Buch 2 Alexander
VI., 1492—1503, Buch 3 Julius II., 1503—1513.
Das oder die letzten Capitel jedes Buches befchäftigen
fich mit den Beziehungen des betreffenden Papfles zu
Kunft und Wiffenfchaft. Augenfcheinlich hat der Verfaffer
auf diefe Abfchnitte befondere Mühe und Sorgfalt
verwendet, doch mufs das Urtheil darüber den Kunft-
hiftorikern überlaffen bleiben. Ueber die hiflorifchen
Capitel nur einige kurze Bemerkungen. Das Urtheil über
Alexander VI. lautet natürlich für diefen überaus beladend
. In dem Abfchnitte über Savonarola gedenkt
Paftor ja allerdings auch der politifchen Gründe, welche
den Papft zum Einfehreiten gegen den Dominicaner bewogen
haben; doch möchte es Ref. fcheinen, als ob die-
felben gegenüber den andern allgemein kirchlich-disci-
plinären Gründen zum Vorgehen zu fehr in den Hintergrund
träten. Vergegenwärtigt man fich die preeäre
politifche Situation Alexanders VI., wie Paflor fie eingehend
fchildert, fo kommt man eher zum Schlufs, dafs
gerade die politifchen Gründe ganz befonders ausfchlag-
gebend ins Gewicht gefallen find. Auf den Brief, welcher
Lucrezia Borgia betrifft (S. 307 Nt. 1), fei aufmerkfam
gemacht. Den Höhepunkt des Buches bildet die Schilderung
des Pontificats Julius II., des Wiederherftellers
des Kirchenftaates. Ueber dem vielen Grofsen, was diefem
bedeutenden Papfte politifch gelungen ift, darf man aber,
was Paftor auch erwähnt, nicht vergeffen, dafs feine Politik
die fpanifche Uebermacht in Italien hat befeftigen
helfen; vermuthlich hat er fich auch gegen diefe mit
umfaffenden Plänen getragen (vgl. S. 725/726), doch wurde
er vom Tode dahingerafft, bevor er fie zur Ausführung
bringen konnte. — Die Darfteilung im Ganzen entbehrt
bisweilen nicht der Breite; auch Widerfprüche fehlen
nicht ganz, befonders auffällig find aber die häufigen
Wiederholungen, deren der Verfaffer fich fchuldig macht,
Ref. könnte mit einer langen Lifte aufwarten. Zum
Schlufs noch eine Bemerkung. Auf S. 575 wird das
Einkommen des Papftes für das Jahr 1510 nach vene-
tianifchen Schätzungen auf 350OOO Ducaten angegeben,
Paftor fügt hinzu: eine für die Stellung des Kirchenoberhauptes
äufserft geringe Summe. Legt man aber den
S. 281 und 283 angenommenen Werth des Ducatens
zu 5oFr. zu Grunde, fo ergiebt fich die Summe von
17 J/2 Millionen Fr.! Das dürfte aber doch felbft für
das Oberhaupt der Kirche als ein recht anftändiges Einkommen
bezeichnet werden.
Weimar. Trefftz.

Wülcker, Ernft, Des kursächsischen Rathes Hans von der
Planitz Berichte aus dem Reichsregiment in Nürnberg
1521—1523. Gefammelt von W.; nebft ergänzenden
Acfenftücken bearbeitet von Hans Virck. Leipzig,
B. G. Teubner, 1899. (CXLIX, 688 S. gr. 8.) M. 26.—

Die Veröffentlichung der Berichte des kurfächfifchen
Vertreters am Reichsregiment Hans von der Planitz, über

der Ernft Wülcker geftorben und die jetzt von Virck
beforgt ift, kann nur mit Befriedigung begrüfst werden.
Diefe Briefe, die fchon Ranke feiner Darfteilung zu
Grunde gelegt und die feither jeder Forfcher für die
betreffenden Jahre herangezogen hatte, find auch heute
noch für die Gefchichte des Reichsregiments die wich-
| tigfte, ja leider oft die einzige Quelle. Nur um fo ein-
j gehender mufs der Werth ihrer Angaben, die Stellung
| ihres Verfaffers geprüft werden. Und daher wird auch
der in diefem Ausnahmsfalle den vollftändigen Abdruck
der Stücke billigen, der fonft mit Recht bei dem ftetigen
Anwachfen der Publicationen eine Befchränkung auf
Auszüge fordert. Es trifft fich gut, dafs die fächfifche
Commiffion für Gefchichte zur Herausgabe die Hand
geboten, gerade bevor die Reichstagsacten durch Vorwegnahme
mehrerer der intereffanteften Theile eine Ge-
fammtpublication einigermafsen überflüffig gemacht
hätten. Auch jetzt hat der Herausgeber den Schlufs der
Correfpondenz, die Berichte von Planitz über das Ende
des Reichstages von 1524, die wegen der Anwefenheit
des Kurfürften in Nürnberg von den vorhergehenden
durch eine Lücke von 3 Monaten getrennt find und die
bereits Förftemann veröffentlicht hatte, bei Seite gelaffen
und nur in dem Anhang einige Nachträge mitgetheilt.
Man kann fich mit diefer Befcheidung nur einverftanden
erklären; doch wäre zu wünfehen gewefen, dafs etwaige
wichtigere Abweichungen von Förftemann's Text, an
I denen es nach den S. 579 ff. gegebenen Proben nicht zu
fehlen fcheint, etwa in Anmerkungen zu kurzen Regelten
der fchon gedruckten Stücke aufgezählt worden wären,
eine Vervollftändigung, die uns jetzt wohl erft die RTA.
bieten werden. Sie hätte aber ohne ein weiteres An-
fchwellen des fehr gewichtigen Bandes auch fchon hier
erreicht werden können, wenn eine Reihe von Stücken,
die nicht eigentlich zu der Correfpondenz des Kurfürften
und Planitz' gehören, in die Anmerkungen verwiefen
worden wären. Dazu rechne ich nicht die Schreiben
anderer kurfächfifcher Gefandter in Nürnberg, die während
zeitweiliger Abwefenheit von Planitz ihn vertraten; ihre
[ Berichte mufsten felbftverftändlich aufgenommen werden.
Aber der Briefwechfel des Kurfürften mit dem Regiment
oder gar mit dem kaiferlichen Hofe, der dazu theilweife
l fchon gedruckt war und auf den in kürzefter Zeit die
RTA. noch einmal eingehen 'Hüffen, brauchte nicht in
extenso wiedergegeben zu werden.

Was die Art der Herausgabe anbetrifft, fo verdient
Virck nur Anerkennung dafür, dafs er gegen den Grund-
fatz der Commiffion, die Actenftücke bis 15 50 ganz nach
der Schreibart der Vorlage abzudrucken, die Orthographie
der heutigen genähert hat. Sehr praktifch ift ferner die
Eintheilung der Briefe in nummerirte Abfchnitte, fo dafs
man mit Hülfe der Zahlen auch in längeren Schreiben
die in denUeberfchriften verzeichneten Einzelheiten leicht
finden kann. Diefe Inhaltsangaben hätten vielleicht
manchmal etwas prägnanter fein können und fich mit
Stichworten begnügen dürfen. Aber man kann dem
Herausgeber nur dankbar fein, wenn er hier wie durch
reichliche Verweifungen und erklärende Anmerkungen in
mufterhafter Weife für die Benutzbarkeit der Briefe und
das Verftändnifs der Lefer geforgt hat.

Neben diefen mehr äufserlichen Zuthaten hat V. die
Ausgabe noch mit einer umfangreichen Einleitung ver-
fehen, die in zwei gleich grofse Theile zerfällt. Im erften
giebt er uns äufserft reichhaltige Nachrichten über Planitz'
Familie und deren Befitz, über feine Studien — er ift
1499—1501 Rector in Bologna gewefen —, über feine
Streitigkeiten mit einem Nachbar und den fächfifchen
Fürften, die fich im Wefentlichen um Bergwerksgerechtigkeiten
drehten, über feine Wallfahrt nach dem heiligen
Grabe (1517), über feine Verwendung im fächfifchen
diplomatifchen Dienft feit 1513 und über feine Thätig-
keit als Amtmann von Grimma. Wir erfahren auch,
dafs er fpäteftens feit der Leipziger Disputation zu den