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Ausgabe:

1900 Nr. 11

Spalte:

327-331

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hoffmann, Emanuel

Titel/Untertitel:

Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum. Vol. XXXX, sect. V, pars I, vol I et XXXXI, sect. V, pars II 1900

Rezensent:

Jülicher, Adolf

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327 Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. Ii. 328

erörterten Principienfragen veranlafst fähe. Diefer letzte j anxii de codicum fide fich entweder an die bequemfte

Auffatz ift der gelungenfte, fchon darum, weil der Verf.
hier am meiften von feinem Eigenen giebt, und weil diefes
Eigene angefichts der Probleme, die die moderne

Lesart unter den überlieferten gehalten oder fogar die
überlieferten Texte in diefer Tendenz verändert, noch
nicht erwiefen, denn die paar Beifpiele, die er dafür beiMalerei
aufgiebt, von einem gefunden Hauche des i bringt, rechtfertigen eher das entgegengefetzte Urtheil
Idealismus durchweht ift, andererfeits aber vorgetragen allerdings nur, wenn man auch bei den Benedictinern, wie

wird mit aller nöthigen Klarheit in der Erfaffung der
Motive, die die herrfchende Hauptrichtung hervorgerufen
haben. Um diefer kunftgefchichtlichen Partien

es fich gehört, Text und Apparat anzufehen geruht. In
den meiften und wichtigeren jener Fälle haben die Bene-
dictiner zwar im Texte nichts zu ändern gewagt, aber in

willen ift das Büchlein werth, in die Hand genommen ' den Noten das Richtige angegeben, fo 29, 28 captivati
zu werden ,zur Belehrung für gebildete Gemeindeglieder'. t ftatt captivi ducti, 60, 19 resistendum Un plerisque Mss.')
Der Eindruck eingehender Sachkunde begleitet den Lefer ! ft. respondendum, 74, 10 honori ducunt ft. honore dignos du-

leider nicht in gleichem Mafse bei den Eingangsabfchnitten.
Auch wird man in unferer fchreibluftigen und druckfüch-
tigen Zeit, wenn anders man den Anfpruch erhebt, ernft-
haft gehört zu werden, fich vor äufserlichen Verfehen wie
wiederkehrenden Namenverfchreibungen u. dergl. hüten

cunt, 248, 2 dubitatione ft. dilatione, und eine erft von den
Benedictinern ohne das Zeugnifs ihrer ,Manufcripte' oder
eines von diefen eingeführte Erleichterungslesart hat H.
leider nicht mitgetheilt. Jnnunteris fere locis traditum
verborum ordinem, si minus consuetus videbatur, immutatum

müffen, um fo mehr als hier (bei Nr. 1), mit Rückficht auf die | esse, vix est qnod moneam, fchreibt er p. XVIII f. Nach
Kunft allgemeinverfländlicher Darftellungsweife auf wiffen- 1 dem Zufammenhange mufs man auch diefen Vorwurf auf
fchaftlicher Grundlage, eine mufterhafte Behandlung fchon j die Benedictiner beziehen, die freilich noch nicht mit

vorlag (Uhlhorn's , Kampf des Chriftenthums mit dem
Heidenthum', in dem gleichen Format). Es fei noch
bemerkt, dafs zu Nr. 4 der Hinweis auf die fogen. Marmorkirche
zu Kopenhagen als einen hervorragenden,
m. E. alle Bedürfnifse des proteftantifchen Kultus wohlallen
methodifchen Grundfätzen eines heutigen Texteditors
ausgeftattet waren; ich habe nur wahrgenommen,
dafs fie die von ihnen vorgefundenen Drucke in der
Regel nicht corrigiren, wenn blofs die Wortftellung aus
den Handfchriften verbeffert werden konnte, wie fie auch

befriedigenden Centraibau der Neuzeit, noch am Platze fonft möglichft confervativ, foweit nicht — nach ihrem

gewefen wäre. ! Empfinden — der Sinn darunter leidet, gegenüber den

Betheln (Hann.). E. Hennecke. 'n der £anzen KAcheAwie °g h,eili"cs ^,ch vcrb!eitcten

v ' Ausgaben von Auguftins Werken verfahren, aber ein

Herausgeber, der fich um die editio priiiceps fo wenig
Corpus Scriptorum Ecclesiasticorum Latinorum. Editum con- j wie um die Lovaniensis, mit der jene Benedictiner in
siiioet impensisAcademiaeLitterarumCaesareaeVin- I erfter Linie arbeiteten, zu kümmern fcheint wird nicht
.r TT , „ . . ... . . . befugt fein, über die immutationes der Benedictiner genng-

dobonensis. Vol. XXXX: Sancti Aureln Augustini j fchätzjg abzufprechen.

episcopi (opera, sect. V pars 1) De Civitate Dei Nämlich durch lange Abfchnitte hin ift der einzige

libri XXII. Recensuit et commentario critico in- j Fortfehritt von älteren Ausgaben zu diefer neueften

der, dafs eine gröfsere Zahl fchon bekannter Varianten
, die das verdienten, in den Text aufgenommen
, die urfprüngliche Wortftellung reftituirt und
eine andere Rechtfehreibung angewendet worden ift;
aufserdem empfängt man einen reichhaltigen Apparat,

struxit Emanuel Hoffmann. Vol. I. Libri I—XIII.
Vindobonae, F. Tempsky, 1899. (XVIIII, 660 S. gr.8.)

M. 19.80

Dasfelbe. Vol. XXXXI: Sancti Aureli Augustini

.opera, sect. V pars 3) De fide et symbolo, de fide I in dem aber auch recht viel überflüffiger orthographifcher
et operibus, de agone Christiane, de continentia, de | Kleinkram fteckt reperit ft. rfpent suplicium ft. sup-
e.' & , ". • plicium, exsihuni ft. exilium, quemammodum ft. quemad-

bonoconjugah.desancta virginitate, de bono viduitatis, moa<um und die zahllofen u ft. b, stauili, uibetur u. dgl.
de adulterinis conjugiis lib. II, de mendacio, contra Schon aus den Noten der Benedictiner liefse fich die
mendacium, de opere monachorum, de divinatione ! werthvolle Hälfte diefes Apparats mehrfach berei-
daemonum, de cura pro mortuis gerenda, de patientia. I che,rn; auch fonft heS?e ich Zweifel an feiner Vollftän-

Recensuit Josephus Zycha. Ebd. 1900. (XXXXVII,
708 S. gr. 8.) M. 22.—

digkeit. Der Text ift jedenfalls fehr forgfältig durch-
corrigirt, einige gute Lesarten, bisweilen auch Con-
jecturen des Herausgebers find aufgenommen, die InterZwei
neue Bände von der Wiener Ausgabe der punktion im Allgemeinen tadellos. Dem flehen indefs
Werke Auguftins find erfchienen, beide enthalten Werke Verfchlechterungen gegenüber, S. 16, 3 (peccatis) levibns
von der höchften Bedeutung, der eine Buch I bis XIII j et veniabilibus ft. venialibus hätte Hoffmann doch nicht,
von Auguftins grofser Prophetie über der Gottesftaat, wenn er auf Auguftins Sprachgebrauch achtet, aus dem

der andere 14 kürzere dogmatifche und ethifche Tractate,
darunter de fide et operibus, de agone ckristiano, de continentia
und die fpeciell auf Ehe und Virginität bezüglichen
Abhandlungen, über und wider die Lüge, vor
allem auch de opere monachorum.

Die Arbeit eines Herausgebers von de civitate Dei
wird dadurch fo erfchwert, dafs keine alte Handfchrift das
gefammte Werk enthält, alle nur Gruppen von Büchern

Codex C übernehmen follen, dem er eine Zeile tiefer das
temporabiliter ft. temporalitcr ja nicht abnimmt; Dco votus
455,6 hat mehr für fich als Deo devotus. 447, 17 ift natürlich
auf Grund von Z. 11 H.'s Lvatßetav zu entfernen
und das alte ßenOtßtiav wieder herzuftellen, denn nur
dies kann Auguftin mit Dei cultus überfetzen. Dafs
Stellen wie 504, 3 ff. noch immer nicht in befriedigendem
Texte vorliegen, ift für einen Herausgeber keine

und zwar in Anfang und Ende verfchiedene, fo dafs die Schande. Bei den Citatennachweifen vermifst man eine
Zeugenreihen für Buch I—V ganz anders ausfehen als die Reihe von Bibelftellen; das willkürliche Wechfcln in der
für X oder XI—XIII. Obwohl E. Hoffmann fchon dem Bezeichnung, z. B. Reg. IUI neben 2 Paral., Pctr. 1 und
erften Bande eine Vorrede mit Bericht über die Manu- j 1 Petr. ift unbehaglich. 38,21 und 449, 20 lies I Cor. ft.
feripte, ihr Alter, ihr Verhältnifs zu einander und ihren Cor. Zu beanftanden find einzelne Druckfehler wie p. II,
Werth beifügt, wird man gut thun, mit dem Urtheil , 8 131, 13 ft. 181, 13 oder im App. 217, 13 aequitatem ft.

über feine Stellung zu der Ueberlieferung bis nach dem
Erfcheinen der zweiten Hälfte zurückzuhalten. Vorläufig
hat H., fo viel ich fehe, fein Recht zu der fchweren Bc-

aequalitatem, ebenfo Unklarheiten im Apparat wie 511,
21, wo man nicht weifs, für welchen Beftandtheil des
Textes denn t ipsos pios lieft.

Ichuldigung der Mauriner auf S. XVIII, fie hätten partim Dagegen gehört der Band XXXXI wieder zu den er