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Ausgabe:

1900

Spalte:

325

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Budde, Karl

Titel/Untertitel:

Die sogenannten Ebed-Jahwe-Lieder und die Bedeutung des Knechtes Jahwe in Jes. 40 bis 55. Ein Minoritätsvotum 1900

Rezensent:

Siegfried, Carl

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325

Theologifche Literaturzeitung. 19CX). Nr. 11.

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der Aufbau der Literaturentwickelung wird in gefchickter Luthardt, Dr. Chr. E., Die vier Evangelien. Verdeutfcht

Weife in die hiftorifche Bewegung verwoben. Ueber die und gemeinverfländlich ausgelegt von L. Leipzig,

Frage vom Gottesknecht hat fich der Verf. noch in einer Dorffling & Franke, 1899. (gr. 8.)

besonderen Schrift ausgefprochen. Ein ftörcnder Druck- Evwgeihm. des Matthäus. (III, 273 S.) M. 4-; geb.

fehler ift S. 191 Vere.nrein.gung ft. Verunretntgung. M ^ _ 2 j}as EvantTclium des Licns f.« 8.1 M. 2.-;
Jena. C. Siegfried.

M. 4.80. — 2. Das Evangelium des Markus. (115 S.)
geb. M. 2.80. — 3. Das Evangelium des Lukas. (200 S.) M. 3.— ;
geb. M. 3.80. — 4. Das Evangelium des Johannes. (224 S.)

Budde. Prof. D. Karl, Die sogenannten Ebed-Jahwe-Lieder M- 3.-; geb. m. 3.8o.

und die Bedeutung des Knechtes Jahwes in Jef. 40 : ■ Jef darf fich wohl darauf befchränken, diefes für
„. ... ..... n- r 1 0:^1,.- Nicht-1 heologcn befttmmte Werk mit wenigen Worten

bis 55. Ein M.nontatsvotum. Giefsen, J. Ricker, I charakterifiren Es giebt eine fortlaufende Ueber-

190x3. (VI, 41 S. gr. 8.) M. 1.50 1 fetZung der vier Evangelien, die fich zwar ziemlich

Der Verf. hat den vorliegenden Vortrag auf feiner ; eng an Luther's Ueberfetzung anfchliefst, aber doch
Amerika-Reife im Oriental-Club zu Philadelphia gehalten das eigene Werk des Verfaffers ift. Zwifchen die mit
und nach der Heimkehr in Deutfchland für den Druck 1 fetter Schrift gedruckte Ueberfetzung des Textes ift
ausgearbeitet. Bei der Sturmfluth der Arbeiten, die fich j die Erläuterung in gewöhnlicher Schrift fehr gefchickt
über die hier behandelte Frage ergofs, wäre es kaum eingefchoben, fo dafs Text und Erläuterung zufammen
möglich gewefen, nicht nur nach Amerika zu reifen, wie ein einheitliches Ganze fich lefen. Die Erläuterung
fondern einmal aus der Stube zu gehen, ohne etwas zu : giebt nicht nur eine Verdeutlichung des Sinnes und Zu

überfehen, und fo giebt denn auch der Verf. auf p. IV f.
eine ganze Lifte nicht berückfichtigter Arbeiten und
bezeichnet die feine als Minoritätsvotum. Immerhin hat

fammenhanges, fondern bringt auch antiquarifche Notizen,
zuweilen fogar mit Verweifung auf Jofephus. Es bedarf
bei der bekannten Stellung des Verfaffers kaum der Be-

ein Jeder, der Ueberfehene fowohl als der Nichtüber- merkung, dafs hiftorifche Schwierigkeiten im Sinne der

fehene, Urfache, dem Verf. dankbar zu fein für die haar- ; Tradition gelöft und Differenzen zwifchen den Evangelien

fcharfe Klarlegung und Erörterung der Streitfrage, die j durch Harmonifirung befeitigt werden. Die jedem Evan-

fich an die Ebed-Jahwe-Lieder knüpft. Es ift unmöglich, gelium vorangefchickten Einleitungen dürften felbft in

ihm hier in das verfchlungene Labyrinth feiner Beweis- einem für Nicht-Theologen beftimmten Werke etwas ein-

führung zu folgen. Unzweifelhaft aber hat er dargethan, gehender gehalten fein. Befonders auffallend ift die Kürze

dafs die Anhänger der Hypothefe von einer Einzelperfon, der Vorbemerkungen zum vierten Evangelium, deffen

auf die der Ebed-Jahwe zu beziehen fei, eben nur in Sonderftellung und Eigenart doch einigermafsen hätte

diefem einzigen Punkte einig feien, dafs aber, fobald es charakterifirt werden follen. Während im Allgemeinen

fich darum handle, diefe Perfon näher zu bezeichnen, die Entftehungsverhältnifse der Evangelien nach Mafsgabe

fich grofse Differenzen einheilen. Ebenfo beginnen fofort der Tradition dargeftellt werden, kommen doch auch Fälle

grofe Schwierigkeiten zu entftehen, wenn das Leiden des vor, wo die Tradition unbequem ift und daher umgedeutet

Gottesknechtes als das einer einzelnen Perfon hiftorifch prä- werden mufs. Ein Fall diefer Art ift die alte Notiz des

cifirt werden foll. Bald ift der Gottesknecht ein unfchein- Papias, dafs Markus der Dolmetfcher des Petrus geworden

bares Kind, welches von früh an allerlei Mifshandlungen zu fei. Da hieraus folgen würde, dafs Petrus nicht griechifch

erdulden hat, obwohl es an fich fchon durch den Ausfatz, fprach (alfo auch die nach ihm benannten Briefe nicht

der namentlich mit Eleazar oder Serubbabel fchwer zu- I gefchrieben haben kann), fo mufs die Notiz befagen,

fammenzubringen ift, fchwer genug geplagt fein würde, dafs Markus durch feine evangelifche Schrift der

Auch ftirbt diefer Knecht, von all diefen Leiden erfchöpft, Hermeneut des Petrus und feiner Miffionsverkündigungen

erfleht dann aber wieder zu neuem herrlichen Leben, für die griechifche Bildungswelt geworden ift (Bd. II, S. 4).

Bei einer Collectivperfon laffen fich derartige gegen- Wir zweifeln nicht, dafs die Arbeit in den Kreifen, für

fätzliche Züge der Schilderung fehr wohl verliehen, in- j welche fie beftimmt ift, dankbare Aufnahme finden wird,

dem einzelne Glieder des Volkes den Leiden und Mifs- Göttinnen ■.-<-,.

handlungen erliegend, andere zu neuem Leben erflehend ; urer.

gedacht werden. Auch verlieht fich dann die Theilnahme ', ~

der Heidenvölker an der glorreichen Wandelung der Dinge, Hasenclever, Stadtpfr. Dr. Adolf, Aus Geschichte und

die den Gefchicken einer einzelnen jüdifchen Perfon Kunst des Christenthums. Abhandlungen zur Belehrung

gegenüber fchwerlich in folche Erregung gerathen fein für gebildete Gemeindeglieder. 2. Reihe. (Schlufs)

würden. Auch begreift man nicht, wie ein Einzelner Ttprlin r a q,-k,„«,tr,.kw ä- c~k„ .«„o nr c
,. a r u j ur r n j u ■ j j- t. oenin 1.. a. behwetienke & Sohn, 1898. (IV, 104 S.

die Aufgabe durchfetzen foll, den Heiden die wahre 1 ' v k m

Religion zu bringen und fo zum Licht für die Heiden j v M. 2. ; geb. M. 3.

zu werden. Sehr wohl aber fcheint das durchführbar, I In Fortfetzung einer erften Reihe von Auffätzen, die
wenn man unter dem Knechte das Volk Israel zu denken gleichfalls Fragen der alten Kirchengefchichte und der
hat, wofür auch in Jef. 43,3 bvCW> fpricht, was alle Ueber- chriftlichen Kunftgefchichte behandelte, wird hier nach
fetzungen haben und nur eine Handfchrift (Kennicott 96) Ablauf mehrerer Jahre eine zweite geboten, folgenden
fehlen läfst. Ebenfo verliehen fich die differenten Schil- Inhalts: 1. Der literarifche Kampf zwifchen dem Ur-
derungen und Bezeichnungen diefes Knechtes, wenn wir chriftenthum und dem antiken Heidenthum. 2. Das
fie als Reflexe verfchiedenartiger Perioden und Erlebnifse erfte Dogma. 3. Reformation und Kund. 4. Der Kirchen-
der langen Gefchichte des israelitifchen Volkes zu faffen bau des Proteftantismus. 5. Die Darftellung des Religiöfen
haben. In manchen derfelben war der Knecht blind und j in der modernen Malerei. — Der Titel .Abhandlungen'
taub in manchen ein verachteter Dulder, in manchen j erfcheint für diefe anfpruchslos auftretenden Auffätze
ein felbft von Heiden bewunderter Erlöfer. j etwas zu voll gewählt. Mehr als lesbare Referate über

Wir find überzeugt, dafs das Minoritätsvotum des : den Stand der verfchiedenen Fragen, wie er gegenwärtig
Verf.'s wieder zu einem Votum der Majorität werden wird, j erarbeitet ift und mit feinen zum Theil unaufgelöften
wenn man aus dem Hypothefengcftrüpp fich wieder be- , Gegenfätzen fich noch darftellt, wollen fie der Mehrzahl
freit haben wird, in das die Exegefe der Ebed-Jahwe- nach fchwerlich fein, es müfste denn fein, dafs man in
Lieder fich verwickelt hat. Nr. 2 eine beftimmte Parteiftellung des Verfaffers erkennen

Jena. C Siegfried *ollte' w°bei man eine tiefer fchöpfende Behandlung des

-- 1 Begriffes ungern vermifst, oder durch die Darftellung in

I Nr. 5 fich zu einer anderen Stellungnahme zu den hier