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Ausgabe:

1900

Spalte:

312-313

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kuyper, H. H.

Titel/Untertitel:

De post-acta of nahandelingen van de nationale synode van Dodrecht 1900

Rezensent:

Benrath, Karl

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Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 10.

312

S. 18 Anm. 1 in dankenswerther Weife bemerkt), hat I
in der Reformationsgefchichte einen Namen durch feine
erfte Schrift ,Super apostolica sede1, die zu den erften
gegen Luther gerichteten literarifchen Angriffen gehört,
und die in ihrer lateinifchen Faffung durch den Wittenberger
Frofeffor Joh. Bernhardi aus Feldkirch, in ihrer
bald darauf erfchienenen deutfchen Ueberfetzung aber
durch Luther felbft eine Erwiderung gefunden hat. Als
Verfaffer jener Schrift wird er in den Lutherbiographien
genannt, über jene Schrift ift auch fchon mehrfach von
evangehfchen Theologen referirt und geurtheilt; feine
weiteren Schriften und feine ferneren Lebensfchickfale
beanfpruchen nicht das Intereffe weiterer Kreife.

Dennoch ift es dankenswerth, dafs vorliegende Monographie
— die als 4. Heft der ,Erläuterungen und Ergänzungen
zu Janffen's Gefchichte des deutfchen Volkes'
erfchienen ift und gleichwie das erfte von uns angezeigte
Heft diefer Sammlung (vgl. Theol. Lit. Zeitg. 1899 S. 85 ff.)
die Anerkennung verdient, dafs fie durchweg eines ob-
jectiven Tones fich befleifsigt — alle bekannten Daten
aus Alfeld's Leben zufammenftellt, eine vollftändige
Bibliographie feiner Schriften giebt und namentlich auch
in diefe Schriften felbft einführt. Von den 99 Seiten
erzählenden Textes des Buches find über 80 dem Inhalt
der Schriften Alfelds und ihrer Gegenfchriften gewidmet
und laffen — was befondere Anerkennung verdient —
diefe Schriften in ausgedehntefter Weife felbft reden.
,So wird dem Lefer ein felbftändiges Urtheil ermöglicht'
(Vorrede) darüber, ob Alfeld die abfällige Beurtheilung
verdient, die er felbft bei Luther feindlichen Hiftorikem
gefunden hat (f. S. 16 Anm. 1 u. S. 41 f. Anm. 2.), oder
ob er der bedeutende Mann ift, den Lemmens in ihm
entdeckt. Ganz unbeeinflufst ift freilich diefes fo ermöglichte
Urtheil doch nicht, denn es beruht auf einer
Auswahl; und eine Auswahl ift immer etwas Subjectives.

Lemmens ,weift Alfeld einen ehrenvollen Platz unter
den katholifchen Streitern des 16. Jahrhunderts an' (S. 1),
er rühmt deine grofse Belefenheit in der heiligen Schrift
(feltfam berührt übrigens feine eigenartige Ueberfetzung
von 1. Petri 2 is vgl. S. 36) und feine gründlichen theo-
logifchen Kenntnifse' (S. 63) und findet namentlich in
feinen deutfchen Schriften Kraft und Innigkeit und volks-
thümliche Redeweife in hohem Grade (S. 99). Das Einzige
, was er an ihm auszufetzen findet, find feine geringen
hiftorifchen Kenntnifse, und damit war es allerdings wohl
recht fchlecht beftellt (f. z. B. S. 56).

Das lobende Urtheil Lemmens' ift vom katholifchen
Standpunkte gewifs durchaus berechtigt; Alfeld war ein
eifriger Vorkämpfer für die päpftliche Kirche, und feine
von hoher Verehrung für fie dictirten Ausführungen
müfsen auf einen Katholiken ja Eindruck machen. Wir
können beim beften Willen diefen Eindruck nicht theilen;
Alfeld's Beweife erfcheinen uns durchweg gekünftelt und
matt. Uns ift es fehr begreiflich, dafs der Abfatz der
Lutherifchen Schriften bedeutend gröfser war, als der
der Schriften Alfeld's (S. 42); wir erklären das nicht
daraus, dafs Alfeld nicht die Bundesgenoffen hatte, die
Luther zur Seite ftanden — im Gegentheil: Alfeld
ging mit der herrfchenden Kirche, mit denen, die Macht
und Gewalt in Händen hatten; Luther war geächtet und gebannt
, wäre es auf irdifche Bundesgenoffen angekommen,
fo wäre Luther gewifs unterlegen —; wir erklären das
auch nicht dadurch, dafs in keiner Periode deutfcher Gefchichte
die öffentliche Meinung fo gefälfcht und vergewaltigt
wurde, wie in den Tagen der Reformation
(S. 42), fondern wir erklären es aus dem Geift der Wahrheit
und der Kraft, der in Luther's Schriften regirt, und
der die Herzen damals zwang, wie er fie heute zwingt,
aus dem Geifte, den wir felbft erfahren haben.

Wem aber diefe Schriften nichts, als ^evolutionäre
Journaliftik' find (S. 42), der mufs freilich anders urtheilen.

Möchten die ,Erläuterungen und Ergänzungen' rüftig

weiter erfcheinen und mit den Vorkämpfern der katholifchen
Kirche im Reformations-Jahrhundert uns weiter
bekannt machen.

Efchershaufen i. Brfchw. Ferdinand Cohrs.

Kuyper, Dr. II. II., De post-acta of nahandelingen van de
nationale synode van Dordrecht, in 1618 en 1619 ge-

houden, naar den authentieken tekst in het latijn en
nederlandsch uitgegeven en met toelichtingen voor-
zien, vooraf gegaan door de geschiedenis van de
acta, de autographa en de post-acta dier synode en
gevolgd door de geschiedenis van de revisie der belij-
denisschriften en der liturgie, benevens de volledige
lijst der gravamina op de Dordtsche synode ingediend.
En historische Studie. Amsterdam, Höveker & Wormser
(1899). (XII, 530 S. gr. 8.)

Bekanntlich hat die Dordrechter Synode mit dem
Weggange der auswärtigen Theologen und nach Erledigung
der Remonftranten-Angelegenheit fich nicht auf-
gelöft, fondern in der Form einer niederländifch-natio-
nalen Kirchenverfammlung weiterhin wichtige Feft-
ftellungen zur Revifion der Kirchenordnung fowie des
Textes der Bekenntnifse und gewiffer liturgifchen Formulare
, endlich Artikel über die Reform der Hoch-
fchulen und der Sonntagsfeier gegeben. Die Zahl der
Theilnehmer diefer ,Nachhandlungen', durch welche die
Gefammtzahl der Sitzungen auf 180 gebracht wurde, belief
fich auf 54, darunter 5 Profefforen der Hochfchulen zu
Leiden, Franeker, Groningen, Harderwijk und Middelburg.
Dafs das allgemeine Intereffe fich diefem Nachfpiele in
geringerem Grade zugewandt hat als dem ,ökumenifchen
Concil', wie der erfte Act wohl genannt worden, ift erklärlich
. Bis zum Jahre 1Ö63 hat es gedauert, bis eine
Ausgabe der ,Post-Acta' erfchien, während man fich in
der Zwifchenzeit mit fchriftlichen Copien beholfen hatte;
und da diefe Zütphener Ausgabe ,fehr defectuös' war, fo
gaben endlich die Generalftaaten die Erlaubnifs und vier
geeigneten Männern den Auftrag, einen authentifchen
Abdruck zu beforgen, welcher die officielle Niederfchrift
des Festus Hommius (lateinifch) genau wiedergiebt (Hagae
Comiiis 1668). Eine holländifche Ueberfetzung erfchien
1669. Weil nun diefe beiden, abgefehen von jenem ,fehr
defectuöfen' von 1663, die einzigen und dazu fehr feiten
gewordenen Drucke der ,Post-Acta' bis auf unfere Zeit
waren, fo erklärt fich der Wunfeh nach einem Neudruck,
wie ihn Kuyper bietet. Er bietet aber weit mehr als
einen blofsen Neudruck der authentifchen Ausgabe: zu-
nächft giebt er neben dem lateinifchen Texte die verlorene
, aber von ihm wieder aufgefundene holländifche
Ueberfetzung des Hommius felbft; die Neuausgabe aber
leitet er mit fo forgfältigen Unterfuchungen zur Gefchichte
der ,Actd und zu den einzelnen Feftftellungen
ein, dafs man in feinem Werke einen vorzüglichen Beitrag
zur genaueren Kenntnifs nicht allein der Synode,
fondern der theologifchen, verfaffungsmäfsigen, liturgifchen
und allgemein kirchlichen Fragen, welche die Zeit
bewegten, anerkennen wird. Ein ganz fpecielles Intereffe
beanfpruchen dabei, abgefehen von dem, was zur Revifion
des Textes der Bekenntnifse und der Liturgie vorgelegt
wird, die hier zum erften Male gedruckten Liften und
Extractliften der gravamina', wie fie feitens der Provincial-
behörden Hollands der ,Nationalfynode' eingereicht
worden find, fowie die fehr eingehenden Unterfuchungen
deffen, was im Bereich der Synode zur Revifion der
Liturgie gefchehen ift.

Unter den ,Beilagen' findet fich auch eine Reihe
wichtiger, bisher ungedruckter Stücke: der Rapport der
Deputirten an die General-Staaten; die Befähigungsnach-
fuchung für Confeffion und Katechismus, unterzeichnet
von dem Präfidenten, den Affefforen und den Scribae der