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Ausgabe:

1900

Spalte:

257-260

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Authority and Archaeology sacred and profane 1900

Rezensent:

Goltz, Eduard Alexander

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. SchÜrer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle )ä Tao-e. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark

N°- 9. 28. April 1900. 25. Jahrgang.

Authority and Archaeology sacred and profane,
Essays etc. ed. by Hogarth (von der Goltz).
Jeffreys, The unity of the book of Isaiah

(Volz).

Füllkrug, Der Gottesknecht des Deuterojesaja

(Volz).

The Chronicles of Ierahmeel, translated for the
first time by Gast er (Bouffet).

Walker, Jefus und das Alte Teftament in ihrer

gegenfeitigen Bezeugung (Baldenfperger).
Weifs, Der Prolog des heiligen Johannes

(Bälden fperger).

Acta apostolorum apocrypha ediderunt Lipsius
et Bonnet, P. II, vol. I ed. B 0 n n e t (Hennecke).
Stuhlfauth, Die altchriftliche Elfenbeinplaftik

(Dopffel).

Elze, Luthers Reife nach Rom (Cohns).

Luthers Fünfundzwanzig Pfalmen, dem Veit
Dietrich ausgelegt 1530, herausg. von Böhl

(Köhler).

Zwingliana, Mittheilungen zur Gefchichte
Zwingli's und der Reformation, 1899 (Boffert).

Robertson, Tägliche Gedanken (Hans).

Authority and Archaeology sacred and profane. Effays on the
relation of monuments to biblical and claffical litera-
ture by S. R. Driver, D.D., Erneft A. Gardner, M. A.,
F. LL. Griffith, M.A., F. Haverfield, M.A., A. C.Head-
lam, B.D., D. G. Hogarth, M. A. With an introductory
chapter on the nature of archaeology by the editor.
Edited by David G. Hogarth. London, J. Murray,
1899. (XV, 440 S. gr. 8.) Geb. Sh. 16.—

Der Titel des vorliegenden Bandes verräth zunächft
nicht deutlich, was dem Lefer hier geboten wird. Durch
eine Ueberficht über die wichtigften archäologifchen Entdeckungen
und Forfchungen, die das abgelaufene Jahrhundert
uns gebracht hat, foll uns vor Augen geführt
werden, in welchem Mafse die reiche Fülle neu aufgefundener
Documente von Stein oder Erz unfere auf
Grund der Tradition oder literarifchen Quellen gewonnene
Kenntnifs des Alterthums ergänzt hat und wieweit unfere
bisherige als autoritativ geltende fei es traditionelle, fei
es kritifche Anfchauung, modificirt oder corrigirt wird.
Dabei hat es weder der Herausgeber diefer Auffätze noch
irgend einer feiner fünf Mitarbeiter, von denen Jeder für
feinen Beitrag verantwortlich bleibt, auf eine auch nur
annähernd vollftändige Aufzählung aller Funde noch auf
ausführliche wiffenfchaftliche Erörterung aller durch die-
felben angeregten Probleme abgefehen. Eben fo wenig
kann der Anfpruch erhoben werden, dafs hier in zufammen-
faffender Weife das bisherige wiffenfchaftliche Facit ar-
chäologifcher Forfchung gezogen werde, — das gefchieht
nur, foweit es einen allgemeinen Leferkreis intereffirt und
unter dem einen Gefichtspunkt, der für diefen derwefent-
lichfte ift: — wiefern die Autorität der bisherigen Auf-
faffung vom Alterthum, fei es der traditionellen oder
einer modern-kritifchen, durch archäologifche Forfchung
geftützt oder ins Wanken gebracht worden ift. Wir
haben alfo in diefen Auffätzen wieder einen Verfuch, die
Refultate wiffenfchaftlicher Forfchung den Gebildeten im
weiteren Kreis darzuftellen. Diefe Rückficht auf das
populäre Intereffe läfst manche Einzelheit ftärker hervortreten
, die wiffenfchaftlich geringen Werth hat, während
Dinge, die für die Forfchung grofse Bedeutung haben,
unbefprochen bleiben. Es kann nur dankbar anerkannt
werden, wenn von Zeit zu Zeit diefes Bedürfnifs befriedigt
wird. Wenn es in England vielleicht zu fehr berück-
fichtigt wird, fo gefchieht es zweifellos in Deutfchland
zu feiten. Freilich kommt nicht wenig darauf an, wie
diefe Aufgabe gelöft wird. Die vorliegenden Auffätze
thun dies im Ganzen genommen durchaus in anerkennens-
werther Weife.

Nicht nur den umfangreichften, fondern auch wohl
den hervorragendfiten Beitrag hat der Oxforder Profeffor

Driver geliefert, in dem erften ,Hebrew Authority'
überfchriebenem Theile (S. i—152). Er giebt einen Ueber-
blick über die archäologifchen Forfchungen auf babylo-
nifchem, affyrifchem, egyptifchem und phönicifchem Gebiete
und erörtert jedesmal die Frage, wie fich die neuen
Entdeckungen zu unferen aus dem A. T. gewonnenen
Anfchauungen verhalten, fowohl zu den traditionellen
wie zu den modern-kritifchen. Die wichtigften Texte
neuentdeckter Infchriften find in englifcher Ueberfetzung
wiedergegeben, um dem Lefer einen unmittelbaren Eindruck
von der Tragweite eines Fundes zu geben. D.
weift dann hin auf die wichtigften Punkte, in denen
unfere Kenntnifs bereichert wird. Mit grofser Klarheit
tritt er den Behauptungen einer gut gemeinten Apologetik
gegenüber, die in jedem Fund einen neuen Beweis
für die /Wahrheit der Bibel1 fehen will und conftatirt,
dass die rechtverftandene gefch i cht Ii che Auffaffung
des A. T. durch die archäologifchen Entdeckungen
nur beftätigt wird, auch da wo fie Irrthümer der bibli-
fchen Schriftfteller aufdeckt. Ebenfo weift er aber die
kühnen Hypothefen zurück, die von anderer Seite oft
auf eine einzige Schrift aufgebaut worden find. So wichtig
die Ergänzungen und Berichtigungen find, die uns die
neuen Denkmäler gebracht, fo werden fie doch fowohl
in apologetifcher als auch in kritifcher Abficht nur zu
viel gemifsbraucht; fie können wiffenfchaftliche Auf-
faffungen weder ftützen noch umftürzen, deren Grundlagen
auf anderem Gebiete liegen. In der vorfichtigen und
präcifen Abgrenzung der Bedeutung und Tragweite der
Funde afiatifcher Archäologie für die Auffaffung der Gefchichte
des Volkes Ifraels liegt die Bedentung der
Driver'fchen Ausführungen, mag die Stellung, die feine
Fachgenoffen zu feiner Erörterung der Detailfragen einnehmen
, fein wie fie wolle.

Der zweite Theil mit der Ueberfchrift ,Classical
Authority1 enthält vier einzelne Auffätze. F. L. Griffith
behandelt Aegypten und Affyrien (S. 155—219) indem
er den Gewinn, den wir aus den wichtigften dort gefundenen
Documenten für die Gefchichte diefer Länder
ziehen können, vergleicht mit dem, was wir bisher aus
literarifchen Quellen wufsten. Befonders die Autorität
der Angaben Herodots wird einer kritifchen Prüfung
unterzogen. Chronologie und Culturgefchichte haben
hier wie überall von den Ausgrabungen den gröfsten
Nutzen gehabt. Der Herausgeber des Bandes, D. G.
Hogarth, Leiter des englifchen archäologifchen Inftituts
zu Athen, behandelt die Alterthümer des vorhiftorfchen
Griechenlands (S. 220—253), fkizzirt die Gefchichte der
Ausgrabungen und weift hin auf die grofse Bedeutung
der mykenifchen Kunft und Cultur als einer Vorftufe
der griechifchen. E. A. Gardner berichtet über das
hiftorifche Griechenland (S. 254—295). Er kann natür-

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