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Ausgabe:

1900 Nr. 8

Spalte:

246-249

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Kolde, Th.

Titel/Untertitel:

Die Heilsarmee 1900

Rezensent:

Eck, Samuel

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Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 8.

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Concil und geben Zeugnifs von dem tapferen aber leider
vergeblichen Widerdand, den der Verfaffer wie fo viele
andere feiner wifftnfchaftlichen Genoffen der Knechtung
der Gewiffen des deutfchen Volkes durch Rom entgegenfetzte
. Der fünfte Auffatz aus dem Jahre 1878 befpricht
die Schrift des Jefuitenpaters Curci, in welcher diefer die
päpftliche Politik gegenüber der italienifchen Regierung
verurtheilt. Aus dem letzten Abfchnitt ift befonders die
fchöne und tief empfundene Gedächtnifsrede auf Döllingtr
hervorzuheben, mit dem Cornelius nicht nur die Wirk-
famkeit an der Münchener Univerfität und Akademie,
fondern auch die gleiche hiftorifche und religiöfe An-
fchauung verknüpfte. Aufsei dem enthalt diefer Abfchnitt
Nekrologe über Karl Cornelius, Aug. von Druffel, Gre-
gorovius, Kampfchult und Spruner. Als intereffant für
die gefchichtliche Auffaffung des Verfaffers ift fchliefslich
noch eine Feftrede in der Münchener Akademie aus dem
Jahre 1862: ,Ueber die deutfchen Kinheitsbeftrebungen
im 16. Jahrhundert' zu erwähnen. Sie zeigt alle Vorzüge,
die Cornelius auch fonft eigen find: Weite des Blickes,
gründliche Kenntnifs, Milde und Gerechtigkeit des Ur-
theils. Die darin niedergelegte Anficht über Karl V.
dürfte der Verfaffer heute vielleicht nicht mehr vertreten.

Weimar. H. Virck.

Moser's, Johann Jakob, Theologische Gedanken von der ehelichen
Beiwohnung unbekehrter, erweckter und wiedergeborener
Personen. Nach der —einzigen — Ausgabe vom
Jahre 1743 aufs neue herausgegeben. Leipzig, Arw.
Strauch, 1900. (136 S. gr. 8.) M. 2—; geb. M. 2.60

Ueber die gefchichtliche Situation, aus der diefe
Schi ift Johann Jakob Mofer's hervorgegangen ift, hat
Ritfehl, Gefch. d. Piet. 3,35 kurz berichtet. Ihre Ab-
faffung fällt in die erfte Zeit feines Aufenthalts in Ulbersdorf
, der mit der Trennung von der Herrnhutifch gewordenen
Gemeinde endigte. Die Drucke fcheinen die
Jahreszahl 1743 anzugeben — fo der Herausgeber und
Ritfehl — ; Mofer felbft (Lebensgefch. 3. 3,163) giebt 1741
an — danach Schmid, Leben M.'s 582; Wächter, Mofer
272. Vorausgegangen war ihr ein ,Sendfehreiben von der
Gefahr der Heurathen erweckter oder wiedergebohrener
Perfonen mit Unbekehrtem. (Ohne Namen) Ulbersdorf
1741. Schon dies, ebenfo aber die zwei angehängten
Bedenken Spener's beweifen, dafs das Thema in der Luft
lag. Es fcheint mir aber nicht wahrfcheinlich, dafs es
fpeeififeh Ebersdorfer Verhältnifse waren, auf die Mofer
Rückficht nimmt. Man dürfte fonft in den ausführlichen
Berichten über die acht dort verbrachten Jahre irgend
eine dahin zielende Andeutung erwarten. Ich finde aber
in den angeführten Schriften nichts der Art. Man wird
alfo die Veranlaffung zu der Schrift mehr im Allgemeinen
fuchen müffen. Ihre Tendenz richtet fich deutlich
in erfter Linie gegen die in Pietiftenkreifen des iS.Jh.
umlaufenden Anfchauungen von der Ehe. Vgl. Ritfehl
passitn, befonders 1,229 ff: Labadie; 423 ff., 2,340: Eloch-
mann von Hohenau; 317 f.: G. Arnold; 3, 395 f.: Zinzen-
dorf. Mofer urtheilt über diefe Anfchauungen, dafs ihm
.derartige über die Natur, Schrift und Erfahrung hinausgehende
Geiftlichkeiten um fo bedenklicher vorkommen,
als die Kirchengefchichte aller Zeiten lehrt, dafs es damit
nie ein gutes Ende genommen habe' (S. 64). Er hält
auch im Grunde die cafuiftifche Behandlung der Sache
für ungeeignet, und würde fich mit dem Nachweis begnügen
, dafs ,die eheliche Beiwohnung dem Chriftenthum
nicht zuwider fei'. Man follte ,das übrige der Anweifung
des Geiftes Gottes durch feine Zucht von innen und der
Leitung der bei Kindern Gottes wiederum geordneten
Natur überlaffen können' (S.43). Namentlich der letztere
Ausdruck ift fehr bezeichnend. Aber jene Art der Behandlung
ift zu einer .mündlich und in öffentlichen
Schriften' fo allgemein üblichen geworden, dafs durch

j diefelbe Beunruhigung und Gewiffensverwirrung erzeugt
1 wird. Um alfo diefer zu (feuern, glaubt Mofer wider«
I willig auf die Behandlungsweife der Gegner eingehen zu
i müffen. Er ift in feinen Ausführungen eines Sinnes mit
Spener, bewährt alfo auch hier feine Zugehörigkeit zu
dem letzteren (Ritfehl 3,40). Allein man wird fragen
dürfen, ob nicht jene Nachgiebigkeit gegen eine beliebte,
aber als falfch erkannte, Methode dennoch zu einer Ver-
I fchiebung der Grundanfchauung fuhren mufste. Wie
nämlich fchon der Titel angiebt, zerfällt die Schrift in
drei Capitel. Die Sache, um die es fich handelt, wird in
ihrer Erfcheinung bei unbekehrten, erweckten (,erft auf
dem Wege zu Jefu begriffenen'), endlich wiedergeborenen
Perfonen dargeftellt und beurtheilt. Diefe Zergliederung
ift nun durchaus geeignet, die fchöne geiftige und religiöfe
Freiheit, die im Ganzen aufs angenehmfte berührt,
zu gefährden. Denn wenn einerfeits (S. 26) auch bei Unbekehrten
ein ,Gott gefälliges' Verhalten in der Ehe zu-
gedanden wird, andererfeits auch bei Wiedergeborenen
in gefundefter Weife die natürliche ,Liebe und Freund-
fchaft der Ehegatten gegen einander' betont (S. 55), auch
ganz in Luthers Weife von Empfindung und Luft gehandelt
wird (S. 64), fo ergiebt fich, dafs nach beiden
Seiten hin die hier gezogenen Grenzen fliefsend find. Die
Aufrichtung folcher und der Zwang, die Sache innerhalb
derfelben aufzufuchen, wird fchliefslich trotz allen Cau-
telen nur dazu dienen, einer grüblerifchen Cafuiftik Vor-
fchub zu leiften, der Mofer eben (feuern wollte. Darin
I aber wird fich eine Schranke zu erkennen geben, die
auch diefem geiftig Freien unter feinen pietiftifchen Ge-
noffen anhaftet, freilich eine, die in der Praxis feiner
eigenen Ehe überwunden war, über die die Biographien
des trefflichen Mannes rührende Selbftzeugnifse mittheilen
1 (vgl. z. B. Wächter, S. 164 h). Aber von feinem Denken
: über die Sache wird man fagen dürfen, dafs die fittlichen
1 Zwecke der Ehe, vor Allem die nächftliegende gemein-
j fame Aufgabe der Kindererziehung nicht in ihrer Bedeutung
für das fpecielle Thema der Schrift ausgenutzt werden.

Der ungenannte Neuhcrausgeber der Schrift verfolgt
mit ihr asketifche Abrichten, die über das gefchichtliche
Intereffe hinausgehen, mit dem ich diefelbe gelefen habe.
Obaber ein Denkmal pietiftifcherNöthedes 18. Jahrhunderts
zur Erreichung jener Abfichten in unferer Zeit genügen
kann, wird man bezweifeln dürfen. Oder foll man annehmen
, dafs die modern-pietiftifche Hochfluth im Begriff
ift, auch all jenen Schlamm von ungefunden Geiftlichkeiten
wieder zu Tage zu fördern, gegen den Mofer
reagiren wollte?

Offenbach a/M. S. Eck.

; Kolde, Prof. D. Th., Die Heilsarmee (The Salvation Army),
ihre Gefchichte und ihr Wefen. Zweite, fehr vermehrte
Auflage. Leipzig, A. Deichert Nachf., 1899.
(IV, 204 S. gr. 8.) M. 3.25

Ueber die erde Auflage diefes Buches f. ThLZ. 1885,
S. 238. In der vorliegenden zweiten ift die ganze frühere
Schlufsausführung ,Innere Gründe und Ausfichten' ge-
| ftrichen. Hinzugekommen ift (S. 45—118) ein dritter
| Abfchnitt: .Gefchichte und Ausbreitung der Heilsarmee
| von 1884—1898', und in einer Beilage (S. 199 ff.) ein
.Meldeformular zur Aufnahme für folche, die Heilsarmee-
j Officiere zu werden wünfehen'. Alles Uebrige weift nur
kleine Zufätze, feltener Kürzungen, auf. Ganz bedeutungslos
find die erfleren freilich nicht. Am Schlufse des Be-
j richtes über die Kindercorps wird jetzt conftatirt, ,dafs
I man die fchlimmften Auswüchfe ausgemerzt hat' (S. 170).
j An die Mittheilung über Gebetsheilungen werden jetzt
fad nüchtern klingende Urtheile des Generals geknüpft
der für feine Perfon gedeht, zur Ausübung des Charismas
| nicht privilegirt zu fein (S. 172). Das ausführliche Referat
über das Gefetzbuch der Armee ßrdres and regulations

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