Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1900 Nr. 8

Spalte:

240-242

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Welck, H. Freiherr von

Titel/Untertitel:

Georg der Bärtige, Herzog von Sachsen 1900

Rezensent:

Trefftz, J.

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

239

Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 8.

240

auch eine Spur, dafs er (natürlich feindlich) auf die Bil- [ fortfetzend — fämmtlichen Ornamenten diefer Drucke,
derftürmer Bezug nimmt. Werden nicht in irgend einem 1 den Bildern wie den Bordüren, genaue Befchreibungen
Hymnus die Fürften mit Achaab oder Holophernes oder j gewidmet und eben damit werthvolle Handhaben ge-
Herodes verglichen? Das wäre die paffende Kanaan- | boten, an diefen Erkennungszeichen auch für andere
fprache diefer Leute. So fcharf wie Johannes Damas- Lutherdrucke deren Officin beftimmen zu können. Die
kenos ift der hl. Sänger jedenfalls nicht aufgetreten; | Theologen, welche für die Weimarer Lutherausgabe die
denn unter den Verfluchten des Conciliabulum von 754 Bibliographie der einzelnen Schriften herzuftellen hatten,
erfcheint er nicht'. Sehen wir hier von den weiteren j haben diefe Specialforfchung nach den Typen und Orna-
Anfpielungen auf Naturereigniffe u. f. w. ab, deren Nach- menten der zahlreichen Druckereien jener Jahre nur in
richten von Kr. (S. 146—148) näher beleuchtet werden, 1 geringem Mafse betreiben können; das Material für
fowie von feinem Hinweis auf den noch aufzufindenden j die dafür erforderlichen mühfamen und difficilen Ver-
griechifchen Urtext der Erzählung von den Wunderthaten j gleichungen war uns Theologen z. Th. gar nicht zur
des h. Artemios, in der Romanos erwähnt wird: wichtiger j Hand, und Studien diefer Art konnten von uns fyftema-
erfcheint mir für die Feftftellung der gegen das 6. Jahr- tifch nicht betrieben werden. Nur Knaake war unter
hundert als Lebenszeit des Romanos fprechenden Gründe I uns Theologen durch feine eigene grofsartige Sammlung
dasjenige, worauf v. Funk (Tübing. Theo!. Quartalfchr. I und feine fpecielle Neigung in der Lage, in diefer Be-
LXXX, 1898, S. 140f.) aufmerkfam gemacht hat: .Meines Ziehung eigene werthvolle Forfchungen zu bieten. Wir
Erachtens', fagt er (bei Krumbacher S. 151/152), ,hat das ' andern, die wir dabei mitarbeiteten, haben wohl ge-
Feft Mariä Geburt, das der Dichter kennt, bei Beftim- j legentlich auf diefem Gebiete eine glückliche Beobach-
mung feiner Zeit ein gröfseres Gewicht als die anderen tung gemacht und verwerthet; aber ich felbft habe z. B.
Gründe, die man in diefer Beziehung anzuführen pflegt, j in Bd. XII mich häufig mit der Bemerkung: ,kein Witten-
Zudem handelt es fich nicht um jenes Moment allein. I berger Druck' begnügen müffen. Es bedeutet einen er-
Es kommt weiter in Betracht, dafs der Autor wiederholt J heblichen Fortfehritt auf diefem Gebiete, dafs Heiland
von zwei Willen in Chriftus fpricht, alfo eine Frage be- faft ausnahmslos den Drucker nachzuweifen vermag; nur
rührt, die erft im 7. Jahrhundert eine eigentliche Bedeu- ein einziges Mal begegnen wir bei ihm dem .Drucker un-
tung gewinnt, und noch mehr, dafs er, wie der Byzan- | bekannt'. Ob feine Entfcheidungen, z. B. betreffs der
tinifchen Zeitfchrift 1893, S. 604 zu entnehmen ift, ein j verfchiedenen Augsburger Drucker, immer ficher find,
Gedicht auf den Sonntag z% xvQorpäyov verfafste und j vermag ich nicht zu controlliren; doch machen feine An-
damit eine Stufe in der Entwicklung des Ofterfaftens j gaben den Eindruck, das Ergebnifs fehr genauer Unter-
vorausfetzt, die für die Zeit Anaftafios' I. fchwer anzu- j fuchungen zu fein. Die Drucke, die er befchreibt, find
nehmen ift'. — Ein Sach- und (griech.) Wortregifter(S. 153— | faft durchweg in der Weim. Ausg. — foweit fie den be-
155) befchliefst die wieder in mehrfacher Hinficht aufser- treffenden Zeitraum bereits behandelt hat — benutzt und
ordentlich wichtige und werthvolle Forfchungsergebniffe | befchrieben; doch bietet er in Nr. 6 einen Leipziger
bietende Veröffentlichung Krumbacher's. J Druck von Sernto de virtute exeomtnunicationis 1519, der

Wandsbeck. Johannes Dräfeke.

Heiland, Dr. Karl, Die Lutherdrucke der Erlanger Universitätsbibliothek
aus den Jahren 1518— 1523. (XXI. Beiheft
zum Centralblatt für Bibliothekswefen.) Leipzig,
O. Harraffowitz, 1898. (V, 71 S. gr. 8.) M. 3.—

Der trefflichen Bibliographie der Lutherdrucke der
Hamburger Stadtbibliothek 1516—1523, die von Dorumer
1888 veiöffentlichte, find von mehreren anderen Bibliotheken
nach ähnlichen Grundfätzen gearbeitete Kataloge I Nr. 2 gemachten Nachweifungen z. Th. für Nr. 1 gelten?

in der Weim. Ausg. fehlt. Bei Nr. 71 Rationis Latomianae
Confntatio hat Heiland den Hinweis auf WA VIII 41 vergehen
, daher auch unterlaffen nachzuweifen, ob er von
den dort unterfchiedenen Drucken gleichen Titels die
Ausgabe A oder B vor fich hat. Bei Nr. 9 corrigirt er
Knaake's Behauptung, dafs es fich um einen Bafeler
Druck Frobens handle, in .Strafsburg, Mathias Schürer';
ähnliche Correcturen zu Angaben der Weim. Ausg. fiehe
unter Nr. 46 und 51. — Bei dem Bilde Nr. 1 ift kein
Druck angeführt, in dem es fich findet; man fieht nicht
ein, warum es dann befchrieben ift oder follen die unter

gefolgt: fo verzeichnete Heyer die Lutherdrucke der Bres- j Das hätte doch wohl deutlicher getagt werden müffen. —
lauer Stadtbibliothek (im Centralbl. für Bibliothekswefen Die Lutherforfchung ift dem Verf. für feine mühfame und
1892) und Oefterheld die der Karl-Alexander-Bibliothek auch fehr correct gedruckte Arbeit zu Danke verpflichtet,
in Eifenach (im Gymnafial-Progr. Eifenach 1892). Aber- Breslau. G Kawerau

mals liegt eine derartige Arbeit vor uns — leider auch j
nur bis zum J. 1523 fortgeführt, aber mit forgfamfter Be-

rückfichtigung alles deffen, was in bibliographifcher Be- ! Welck, Heinrich Freiherr von, Georg der Bärtige, Herzog

von Sachsen. Sein Leben und Wirken. Ein Beitrag
zur deutfehen Reformationsgefchichte. Mit dem Portrait
des Herzogs. Braunfchweig, R. Sattler, 1900.

ziehung wiffens- und beachtenswerth ift. Die Beftände
der Erlanger Bibliothek find zwar bei weitem nicht fo
bedeutend an Zahl, wie die anderer Sammlungen: wo
v. Dorumer aus Hamburg 403 Drucke zu befchreiben
hatte, handelt es fich in Erlangen nur um 159 _ für V96 »• gr. 8.) • 4-»o

1516 u. 1517 ift kein Druck vorhanden; aber diele Samm- : Wenn man fich bisher über das Leben und die Re-
lung interelfirt, einmal weil fie bei Herftellung der Er- gierung Herzog Georg des Bärtigen von Sachfen unterlanger
Ausgabe in erfter Linie benutzt worden ift, und j richten wollte, fo fah man fich auf einige wenige Schriften
fodann weil manche diefer Drucke handfehriftliche Ein- 1 und Abhandlungen angewiefen. Neben der älteren aber'
tragungen über das Datum des Erwerbs (und den Kauf- 1 nicht unverftändigen Arbeit von Schulze, Georg und
preis) tragen. Diefe Datirungen find für die Frage nach ! Luther, 1834, kam in allererfter Linie in Betracht die
dem Erfcheinen einzelner Schriften Luthers von Werth, j Schrift von Gefs (jetzt Profeffor in Dresden), die Klofter-
Heiland hat der wichtigen Aufgabe, die der Bibliograph ' vifitationen des Herzogs Georg von Sachfen, 1888, weiter
hier zu bearbeiten hat, nämlich für die zahlreichen Nach- eine Leipziger Differtation von Lehmann, Herzog Georg
drucke der Wittenberger Originale, die entweder ganz von Sachfen im Briefwechfel mit Erasmus von Rotter-
ohne Orts- und Druckerangabe ausgingen — feit dem i dam und dem Erzbifchofe Sadolet, aus dem Jahre 1889,
Wormfer Edict — oder das .Wittenberg' auf dem Titel j Eine wichtige aber höchft ftrittige Epifode in der Reirreführender
Weife beibehielten, den Druckort und die ' gierung Georgs bilden die Packifchen Händel, über welche
Officin zu ermitteln, grofse Sorgfalt zugewendet. Zu ; wir die Arbeiten von Schomburgk, Ruffel und Ehfes be-
diefem Zwecke hat er — v. Dommer's vorzügliche Arbeit fitzen. Von Auffätzen wären zu nennen die werthvoll'