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Ausgabe:

1900 Nr. 8

Spalte:

228-230

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rabbiner, Zemach

Titel/Untertitel:

Beiträge zur hebräischen Synonymik in Talmud und Midrasch 1900

Rezensent:

Bacher, Wilhelm

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Theologifche Literaturzeitung. 1900. Nr. 8.

228

die auf fie hinwiefen, einfach vorausgefetzt. Wo das
gröfsere Werk im Text auf eine Ueberfetzung verzichtete
und die hebräifchen Worte durch Punkte andeutete, ift
,die wahrfcheinlichfte Ueberfetzung — auch wenn fie
einen ganz klaren Sinn vermiffen läfst — ohne Weiteres
in den Text aufgenommen'. Nur in ganz wenigen Fällen
wurden die betreffenden Wörter einfach weggelaffen oder,
wo das nicht anging, Punkte eingefetzt (vgl. I. Sam. 13,1)
und diefe im Nothfall durch eine Anmerkung erläutert
(vgl. 4. Mof. 33,40). Gloffen find als zu dem gefchichtlich
gewordenen Texte gehörig beibehalten; ,dagegen find die
aus irrthümlicher Wiederholung von Wörtern oder Sätzen
flammenden und dann nicht feiten völlig finnlofen Gloffen
einfach weggelaffen'. Es ift zu betonen, dafs es fich in
den letztgenannten Fällen nicht um Gloffen handelt, fondern
um Textfehler. ,Was bisher als Zuthat des Ueber-
fetzers in Klammern eingefchloffen war, ift dann beibehalten
, wenn es zum Verftändnifs des Textes unentbehrlich
war____, dagegen weggelaffen, wenn es bereits eine

Deutung enthielt, die zum Verftändnifs des Wortlautes
nicht unbedingt erforderlich war'. Die beigefügten Deutungen
von Perfonen- und Ortsnamen oder beibehaltenen
hebräifchen Worten find durch ein Verzeichnifs am Ende
des Bandes erfetzt. — Es ift äufserft lehrreich, der Durchführung
diefes gewifs wohl durchdachten Verfahrens an
irgend welchen Stichproben nachzugehen; erft damit kann
man fich auch eine Vorftellung von dem anfehnlichen
Mafse neuer Arbeit verfchaffen, deffen es zur Herftellung
diefer Textbibel bedurfte.

Man wird bald fehen, wie viel von den Zufätzen in
eckigen Klammern wirklich entbehrlich war. So ift Jef. 23,18
ohne das ,[follen kommen]' der grofsen Ausgabe fchöner
und nicht weniger verftändlich; Jef. 22,8 ift ,er' ftatt ,[d]er
[Feine]', in v. 9 ,Riffe der Davidsfladt' ftatt ,R. [in den
Mauern] d. D.' vorzuziehen. Vielleicht hätte noch mehr
dergleichen geftrichen werden follen. Aber bei diefer
Arbeit ergab fich noch allerlei nebenbei. In Jef. 23 ift
überall für ,Tharteffus' das hebräifche ,Tarfis' eingefetzt,
das Verzeichnifs am Ende bietet unter ,Tarfisfahrer' die
Erläuterung; in 23,12 lefen wir jetzt ,einft jungfräuliches
Phönicien', wo es hiefs .[bisher noch] unberührte Bewohner-
fchaft Phöniciens'. Gewifs ein Fortfehritt; aber mufste
es dann nicht auch Klgl. 2,13 heifsen ,du jungfräuliches
Zion' ftatt ,du jungfräuliche Tochter Zion'? und ähnlich
an vielen Stellen? Und follte es nicht umgekehrt ftatt
,du jungfräuliches Phönicien' nach ,Tarfis' für ,Tharteffus'
heifsen ,du jungfräuliches Sidon', während in das Verzeichnifs
aufzunehmen war, dafs ,Sidonier' auch ,Phönicier'
bedeutet, ,Sidon' ,Phönicien'? Und wäre es zuletzt nicht
doch ftatt des umftändlichen und füglich felbft irreleitenden
jungfräulich' beffer gewefen zu fchreiben Jungfrau
Sidon', Jungfrau Zion' u. f. w. und fich das ,einft' zu
fchenken? — Die Befeitigung der Punkte war wohl eine
noch heiklere Aufgabe. Es konnte gar nicht immer dabei
fein Bewenden haben, dafs ,die wahrfcheinlichfte
Ueberfetzung' des überlieferten Textes aufgenommen
wurde, etwa diejenige, die in der Fufsnote als folche bezeichnet
war. So lefen wir jetzt in Hab. 1,11 ftatt der
Punkte: ,Dann gewinnt er neue Kraft und zieht einher
und verfchuldet fich u. f. w.', ganz anders als ,die nächft-
liegende Ueberfetzung' der grofsen Ausgabe. Es ift aber
auch nicht Ueberfetzung des Textes, fondern beruht auf
der Textänderung rtlS f|brp für rvn 5|bn. In 2,5 lefen
wir jetzt ,Wehe über den Treulofen', was ebenfalls auf
einer Ttxtänderung beruht. Beide Aenderungen finden
fich nicht in den textkritifchen Anmerkungen der grofsen
Ausgabe, beide find fchwerlich glücklich zu nennen. Viel
beffer ift, ebenfalls neu, 3,9 ,Du füllft Deinen Köcher mit
Gefchoffen', wenn auch ftatt nyai» zu punktiren fein wird
ryail? .gefättigt mit Schäften ift Dein Köcher'. Die erfte
Verbefferung ftammt von Graetz, die zweite von Wellhaufen
, die dritte von Houbigant; alle find bei Nowack
gebucht, deffen Commentar erft 1897 erfchienen ift. Es

gereicht dem Herausgeber und den einzelnen Mitarbeitern
nur zur Ehre, dafs fie die neuften Erfcheinungen be
nutzt haben, und keineswegs zur Unehre, wenn nicht alle
ihre Entfcheidungen das Richtige treffen. Aber hervorgehoben
mufs doch werden, dafs die grofse Ausgabe
durchaus nicht in allen Fällen die Erläuterungen bietet, die
die Textbibel vermiffen läfst. Es ift gut, dafs auch fo
das dies diem docet wieder eingeprägt wird.

Mit den Buchftaben am Rande, die der Quellen-
fcheidung dienten, find auch alle Zeitangaben in den
Ueberfchriften der einzelnen Abfchnitte geftrichen, fowie
alle Zufätze, die darauf hinauskommen. So lefen wir
über Jes. 40 in der grofsen Ausgabe ,Troft- und Mahnreden
eines unbekannten Propheten an die Exulanten
'u. f. w. Die gefperrten Worte find hier fortgefallen.
Aber beibehalten find mit gutem Grunde die Abtheilung
des Textes und die Ueberfchriften, foweit fie nur den
Inhalt der Abfchnitte angeben. Ueber die grofse Ausgabe
hinaus geht die Textbibel in der Unterfcheidung
der dichterifchen Rede; viel häufiger als dort ift der
ftichifche Satz verwendet, und fo überall, wo die Herausgeber
Dichtung anerkennen, der Lefer darauf hingewiefer.

In den Apokryphen ift dasfelbe Verfahren beobachtet
wie im Alten Teftamente. Aufgenommen find nur diejenigen
Bücher und Abfchnitte, die auch Luther geboten
hat. Eine befondere Ausgabe B läfst auch diefe fort und
dient fo denjenigen Gemeindegliedern, die fich auf die
kanonifchen Bücher befchränken wollen. Die beobachtete
Zurückhaltung, der unbedingte Anfchlufs an die kirchliche
Ueberlieferung, ift ficherlich zu loben; aber hoffentlich
kommt auch einmal die Zeit einer Ausgabe C, die
die ,Pfeudepigraphen' in dem Umfange, wie das gröfsere
Werk fie bietet, ebenfalls einfchliefst. Wir zweifeln nicht
daran; denn fröhliches Gelingen fteht auch diefem Unternehmen
an der Stirn gefchrieben.

Strafsburg i/E. K. Budde.

Rabbiner, Dr. Zemach, Beiträge zur hebräischen Synonymik
in Talmud und Midrasch. Die in den Talmuden und Mi-
draschim zerftreuten Erklärungen über biblifche Synonyma
zum erften Male vollftändig gefammelt und
geordnet. I. Theil: Synonyme Nomina. Berlin. Frankfurt
a. M., J. Kauffmann, 1899. (XXVIII, 72 S. gr. 8.)

M. 3.-

Die fleifsige Zufammenftellung der verfchiedenartig-
ften Worterklärungen aus der jüdifchen Traditionsliteratur,
welche uns hier geboten wird, enthält nur in fehr be-
fchränktem Mafse das, was der Titel verheifst: Beiträge
zur hebräifchen Synonymik. Am eheften können als
folche Beiträge diejenigen Paragraphen betrachtet werden,
in denen Gruppen fynonymer Ausdrücke behandelt find,
die fich in jener Litteratur felbft vorfinden, fo z. B. gleich
der erfte Paragraph (S. 1) über die acht Namen des
Armen, aus Lev. r. c. 34. Aber bei einem grofsen Theile
der 132 (leider nicht nummerirten) Wortgruppen, die uns
in diefem erften Theile als ,fynonyme Nomina' geboten
werden, handelt es fich entweder um eine willkürliche,
nicht den Quellen entnommene Zufammenftellung von
Ausdrücken ähnlicher Bedeutung, oder es werden Ausdrücke
zu Gruppen vereinigt, die man beim beften Willen
nicht als Synonyma anfehen kann. Die Namen für ver-
fchiedene Mafse von trockenen und flüfsigen Dingen,
fowie für Flächenmafse (S. 8) oder die drei Ausdrücke
TÄS, bTiB, tn3>3X (S. 15) können doch nicht als fynonyme,
d. h. finnverwandte Ausdrücke gelten. Das letztere Bei-
fpiel zeigt auch auf charakteriftifche Weife, wie R. viele
feiner Gruppen gewonnen hat. In Sifrä zu Num. 1915
wird in Bezug auf diefen Bibelvers zwifchen TÄt und
biMÖ unterfchieden; anderwärts werden die Ausdrücke
-ptti und mJ>S«, als Benennungen von Schmuckfachen
in Num. 315, von einander unterfchieden. Obwohl nun