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Ausgabe:

1899

Spalte:

94

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Burkhardt, D.G.

Titel/Untertitel:

Die Mission der Brüdergemeine in Missionsstunden 1899

Rezensent:

Wurm, Paul

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94

Brandenburg beurtheilt die Betheiligung an diefem Unter- Burkhardt, Miffionsdir. a. D. G., Die Mission der 3rJJir-
nehmen, welche der eigenften Initiative des Herzogs ent- gemeine in Missionsstunden. 3. Heft. Deutfch-Oitafrika
fprungen war, fehr abfällig, fie fei völlig planlos und un- Nyaffa-Gebiet. Leipzig, F. Janfa, 1898. (IV, 116 S
pohtifch gewefen; weder Katholiken noch Proteftanten 7 J vt -

wufsten ihm Dank für fein Verhalten. Die Entfremdung, gn _ 9 NL S°

die dann gegen Ende 1545 zwifchen Moritz und dein Wie die früheren Hefte, fo dürfen wir auch diefes

Landgrafen eintrat, fowie die Verfchärfung der Gegen- . unferen Lefern beftens empfehlen. Es hat für Colonial-
fätze, welche der Kampf um die Stifter zwifchen den freunde noch befonderes Intereffe, da es die noch junge
rivalifirenden Vettern herbeiführte, ebneten der habs- ! Miffion der Brüdergemeinde im deutfchen Schutzgebiet,
burgifchen Partei am Dresdener Hofe die Wege. Die Be- j im Konde-Land, auf dem Gebirge nördlich vom Nyaffa-
mühungen Chriftoph's von Carlowitz führten zum Ziele, ] See, befchreibt. Die befchwerliche Reife über das Schire-
feine Berichte veranlafsten die entfcheidende Reife nach Hochland und vom Nyaffa-See auf die Konde-Berge, auf
Regensburg. Der Vertrag, der hier zu Stande kam, be- welcher bereits ein Miffionar fein Leben laffen mufste,

und das Volk, welches vor manchen anderen Neger-

deutet eine entfchiedene Niederlage des Herzogs. ,br
hatte fo gut wie nichts erreicht und viel daran gegeben:
feine Selbftändigkeit gegenüber den Concilsbefchluilen
und feine politifche Bewegungsfreiheit während des be-
vorftehenden Krieges' tS. 442). Moritz hat dann mit
Zähigkeit verfucht, an feiner Neutralitäts- und Vermitte-
lungspolitik noch möglichft feftzuhalten. Der Zwang der
Umftände und die überlegene politifche Kunft der Habsburger
manöverirte ihn fchliefslich aus feiner unklug gewählten
Stellung hinaus und zwang ihn zum Eingreifen
in den Kampf. (S. 492). Auf die zufammenfaffende Würdigung
des Verhaltens des Herzogs beim Ausbruche des

Krieges (S. 489 ff.) fei noch befonders hingewiefen. Pur

den fiebenten und letzten Abfchnitt befand Brandenburg

heb. in der Lage, eine Reihe von guten Vorarbeiten benutzen
zu können. Da die Kriegsereignifse von Voigt

in breiter Ausführlichkeit und unter Heranziehung des

gefammten Materials gefchildert worden find, konnte lieh

der Verfaffer darauf befchränken, die Hauptzuge klar

hervortreten zu laffen. Mit vollem Nachdruck tritt er,

Lenz folgend, der herrfchenden Anficht entgegen, dafs

der Angriff des Herzogs Moritz auf Sachfen indirect den

ponaufeldzug entfehieden habe; der Geldmangel, der fich

bei den Schmalkaldnern in viel ftärkerem Maafse geltend

machte als bei Karl V., hat den Krieg entfehieden. Pur

den letzten Act des Krieges endlich, die Gefangennahme

des Landgrafen Philipp, folgt Brandenburg^ Darfteilung

mit Recht der Unterfuchung Ifsleib's, die Refultatc, zu

denen Turba kürzlich gelangt ift, werden abgelehnt.

_ Eine kritifche Nachprüfung der Brandenburg-Rhen
Refultate wird erft möglich fein an der Hand der Acten-
fammlung, mit deren Herausgabe der Verfaffer von der
»achfifchen Commiffion für Gefchichte betraut worden ilt,

und deren erfW Hand wie es heifst, in Bälde erfcheinen

. ' .c" eruer nana, wie es ueuu, « . , wernle v eauius aw

wird. Auf einige Kleinigkeiten fei kurz hingewiefen. bei , Mi)hr g g
der Befprechung des wichtigen Briefes, den Moritz am
ip. März iS45 ail den Landgrafen richtete (S. 368 f.), hat
Brandenburg das merkwürdige Schreiben vom 25. d. M.
uberfehen, welches von Voigt S. 117 benutzt ift. Danach
wäre die Darfteilung auf S. 370 zu berichtigen; ein Dreibund
zwifchen den beiden Sachfen und Heffen ift that-
•achlich damals von Moritz in Vorfchlag gebracht worden.
Auf S. 276 mufs es ftatt Luxemburg Lützelburg heifsen
vgl. Voigt S. 85, ebenfo wohl auf S. 374, 3°3. 3$6 »att
Speyer überall Worms. In Bezug auf die Mitglieder des
Bechferausfchuffes, die auf dem Chemnitzer Landtage
v°m Juli 1546 gewählt wurden, befteht eine Differenz
zwifchen Voigt S. 168 und Brandenburg S. 455.

Das Porträt von Moritz, welches dem Bande beigegeben
ift, ift dem fogenannten fächfifchen Stammbuche
entnommen, welches fich auf der Kgl. Bibliothek zu
Dresden befindet. Wie Brandenburg angiebt, entftamrnt
es dem Jahre 1546 und ift das einzige authentifche Bild-
nifs, das wir aus des Herzogs jüngeren Jahren befitzen.
— Man wird dem Erfcheinen des zweiten Bandes, der
das Werk zum Abfchlufs bringt und auch ein Regifter
uber beide Bände bieten wird, mit lebhaftem Intereffe
entgegenfehen dürfen.

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flammen zugänglich fchien, wird anfehaulich gefchildert.
Die Miffionare haben auch in der kurzen Zeit fchon viel
ausgerichtet, und es werden liebliche Einzelzüge berichtet,
während allerdings auch die Schattenfeiten im Volksleben
fich jetzt mehr zeigen, und manche S iteäife 1.11 {.sa,
namentlich mit befreiten Sklaven, erlebt wurden.
Echterdingen. P. Wurm.

Bibliographie

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T _■ • TrefftZ Comm. der k. Akad. d. Wiff. 2. Abth. Diplomataria et acta. 50. Bd.)

'P2'*»- _ I Wien 1899, C. Gerold's Sohn in Komm. (XCVI, 747 S. gr.8.) IL 6c