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Ausgabe:

1899

Spalte:

577-584

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Hoedemaker, Ph. J.

Titel/Untertitel:

Der mosaische Ursprung der Gesetze in den Büchern Exodus, Leviticus und Numeri. Vorlesungen über die moderne Schriftkritik des Alten Testaments 1899

Rezensent:

Baentsch, Bruno

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Theologische Literaturzeitung.

Herauso-eo-eben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.
*lkl4 Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

N°- 21. i4- October 1899. 24. Jahrgang.

Stofch, Altteftamentliche Studien, 3. u. 4. Teil j Petrus und ihre römifchen Denkmäler (v. d. | Urkunden und Acten der Stadt Strafsburg, 2. Abth.

Politifche Correfpondenz der Stadt Strafsburg

:___.1__11 t_______ iii _ .

(Baentfch). Goltz)
Hoedemaker, Der mofaifche Urfprung der Harnack, Der Ketzer-Katalog des Bifchofs
Gefetze in den Büchern Exodus, Leviticus Maruta von Maipherkat (Derf.).
und Numeri (Derf.). Goetz, Der alte Anfang und die urfprüngliche

Green, Die höhere Kritik des Pentateuchs Form von Cyprian's Schrift ad Donatum

(Derf.).

Klein, Aus der Schatzkammer heiliger Väter,
1.—3. Heft (v. d. Goltz).

(Derf.).

Roberts, Longinus on the Sublime (Schürer).
Erbes, Die Todestage der Apoflel Paulus und

im Zeitalter der Reformation, 3. Bd. 1540—1545,
bearb. v. Winckelmann (Virck).

Steinmann, Der Primat der Religion im
menfchlichen Geiftesleben (Elfenhans).

Grzymifch, Spinoza's Lehre von der Ewigkeit
und Unfterblichkeit (Elfenhans).

Stosch, Ffr. G., Alttestamentliche Studien. III. Teil: Vom
Sinai zum Nebo. Gütersloh, C. Bertelsmann, 1898.
(III, 209 S. 12.) M. 2.— ; geb. M. 2.50

— Dasfelbe. IV. Teil: Israels Heldenzeit. Ebd. 1899. (III,
206 S. 8.) M. 2.50; geb. M. 3.—

Hoedemaker, Ph. J., Der mosaische Ursprung der Gesetze
in den Büchern Exodus, Leviticus und Numeri. Vorlefungen
über die moderne Schriftkiitik des Alten Teftaments.
Ins Deutfche übertr. von A. F. Schulte-Bunert. Gütersloh
, C. Bertelsmann, 1897. (XVI, 368 S. gr. 8.)

M. 6.— ; geb. M. 7.—

Green, DD. Prof. William Henry, Die höhere Kritik des
Peutateuchs. Aus dem Englifchen überfetzt von Pfr.
Dr. Otto Becher. Gütersloh, C. Bertelsmann, 1897.
(XII, 255 S. gr. 8.) M. 4._

Die apologetifche Literatur fchiefst von Jahr zu Jahr

tage feine beiden älteften Söhne durch ein göttliches
Strafgericht verliert (Heft 3 S. 8), und wie hat Verf. es
verftanden, fich in die Seele des fcheidenden Mofes zu
verfetzen und die Regungen feiner Seele nachzuempfinden.
Es ift freilich viel, lehr viel Phantafie dabei, aber die
Geftalt des Mofes kommt dem Lefer doch wirklich näher.
Auch fonft weifs der Verf. in feinen durch manche feine
pfychologifche Beobachtung ausgezeichneten Darlegungen
die Geftalten der biblifchen Ueberlieferung dem Herzen
nahe zu bringen, und dadurch hat er fich ein unbeftreit-
bares Verdient! um die Gemeinde erworben, das ihm hier
nicht gefchmälert werden foll. Freilich wäre ihm in der
Annahme und Auffpürung von weisfagender Symbolik,
von Typen, Vorfpielen und weisfagenden Schatten eine
viel gröfsere Befonnenheit zu wünfchen. Wenn er z. B.
Heft 3 S. 20 in dem Gefetz über die Erfilingsgarbe eine
göttliche Prophetie erblickt, die fich in dem .ErfUing
derer, die da fchlafen' erfüllt hat, fo hat er damit weit
die Grenzen überfchritten, die durch Gefellmack und ge-
fundes Urtheil gezogen find. Und das ift nur ein Bei-

üppiger in's Kraut. Mit vollen, mächtigen Pofaunen- i fpiel von fehr vielen. Auch thäte er gut, das üppige
h-öfsen fucht man die ,papierenen Mauern der Wiffen- Rankenwerk feiner Phantafie etwas mehr zu befchneiden.
fchaft' hinwef/zublafen. und als ob es dabei auf die Menge ' Der Verf. will ja doch keine biblifchen Romane fchreiben,

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der Stöfse ankomme, ift man auf den Gedanken ge
kommen, auch die apologetifchen Leiftungen des Aus-
■andts dem deutfehen Publicum in deutfeher Ueberfetzung
zu bieten um fo, wie Ad. Zahn fich ausdrückt, ,das
immer mehr anwachfende apologetifche Material in
Beutfchland in glücklicher Weife zu vermehren'. Die

fondern die heilige Schrift auslegen. Was der Verf. Alles
wiffen will, ift geradezu erftaunlich. So weifs er ganz
genau, dafs Mofes den 90 Pfalm gegen Ende der Wüften-
wanderung gebetet hat. Denn nirgends findet er in der
Schrift eine Situation angegeben, aus der fich der Pfalm fo
gut erklärt, wie gerade aus diefer. Und weil fich der

•Apologeten zerfallen in zwei Claffen. Die einen, an deren Pfalm fo gut aus diefer Situation erklären foll, fieht St. in

Spitze jetzt der bekannte Pfarrer E. Rupprecht (über
Jeffen ,Wiffenfchaftl. Einl. in's A. TV f. Theol. Lit.-Ztg.
°99. Nr. 9) marfchirt, verfuchen einen neuen fchrift-
gtmäfsen Aufbau der altteftamentlichen Wiffenfchaft, die
■ ndenm haben fich lediglich den Kampf gegen die Kritik
|J» Aufgabe geftellt, und erfchöpfen fich in kraftvollen

'oteft< n und glaubensmuthigen Zeugnifsen.
, 1- Der erften Claffe gehört Stofch an. Er ift wirken
unermüdlich an der Arbeit. Auf die beiden erften
V«te feiner altteft. Studien (I. Die Entftehung der Ge-
ee'|s, 1896; II. Die Documente des Auszugs, 1897) nat
* m kurzer Zeit zwei neue folgen laffen. Auch diefe
£°nnen das früher gefällte Urtheil nur beftätigen, vgl.
JJOQL Lit.-Ztg. 1896 Nr. 10, 1898 Nr. 1. Als Schriften
uür. -rrjauung für kindliche Chriftenfeelen kann man die

ihm ein ,hiftorifches Document erften Ranges', das hinwiederum
die Gefchichtlichkeit der im Buche Numeri ge-
fchilderten Situation aufs treffendfte beftätigt. Diefe Art
von Argumentation ift typifch für die im Cirkel fich bewegende
Beweisführung des Verf. (vgl. Heft 3 S. 76 ff.).
Zum allergröfsten Schaden aber gereicht den Schriften,
dafs fie mit dem Anfpruch wiffenfehaftlicher Leiftungen
auftreten und fich das Ziel fetzen, der kritifchen
Betrachtung des A. T. den Garaus zu machen. Dazu ift
St. aber gar nicht der Mann, denn zur Würdigung wiffenfehaftlicher
Gründe fehlt ihm völlig das Organ. Wer in
der biblifchen Kritik nur ein Ungeheuer fieht, das voller
Bosheit und Lüge fteckt und fich ,mit befonderem Ingrimm
' (Heft 3 S. 146) gerade auf die tiefften und hei-
ligften Urkunden ftützt, weifs nicht, was Kritik ift und

£|efte gern gelten laffen. Der Verf. verfügt nicht nur j hat darum auch nicht den Beruf, fie zu bekämpfen. Die
j*ber eine fchöne Sprache, fondern auch über wirkliche Kampfesweife des Verf. hat daher für uns nur patho-
^erzenstöne. Ref. mufs geliehen, dafs auch ihm hin und 1 logifches Intereffe. Ref. hat fie wie den gefammten Stand-

- ge

nieder bei den oft finnigen Ausfuhrungen des Verf. das
(?erz warm geworden ift. Wie ergreifend ift z. B. der
^elenzufiand Aarons gefchildert, der an feinem Ehren-

tr , , . „,,, — gelammten Standpunkt
des Verf. fchon früher (f. o.) zur Genüge in diefer
Zeitung gekennzeichnet, und darf hier auf feine früheren
Darlegungen verweifen. Er will hier nur hinzufügen,

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