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Ausgabe:

1899 Nr. 12

Spalte:

379-380

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Gebhardt, Hermann

Titel/Untertitel:

Christi Person und Werk in der Predigt 1899

Rezensent:

Achelis, Ernst Christian

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Seite 1

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379

Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. 12.

380

Der (Gefchichts-) Forfcher ftellt fich der Wirklichkeit I Buch ift in der That 30— 50 Jahre zu fpät erfchienen,

gegenüber und beherrfcht fie mit feinen Gedanken; und
doch ift der Inhalt diefer Gedanken ein folcher, dafs er
ihre Perception zu einem unverftändlichen Phänomen
macht1 2. ,Die Philofophie gebührt der Gefchichtsfchrei-
bung als vorherige Zurüftung' 3. ,Der Betrachter der
Gefchichte kann fich felbft in der Gefchichte fehen, ohne
dafs diefe Perception von der ihm dort geftellten Lebensaufgabe
Verfehlungen wird18. ,Ein bleibendes Pltwas hinter
den Factorcn oder über ihren Combinationen wird von
dem leitenden Princip, welches gewiffermafsen den Eck-
ftein des Inhaltsgebäudes des Geiftes ausmacht, ergriffen
und zu erkennen gefucht'9. ,Die geiftigen Inhalte find
eben verfchieden: doch nur einer wird genügend fein,
um aller Exiftenz zu erklären1 9. ,Die dem Erkennen zu
Grunde liegende Pfychologie1 12. ,Die Aehnlichkeit der
modernen philofophifchen Pfychologie mit derjenigen

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und es wäre beffer ungedruckt geblieben.

Marburg. E. Chr. Achelis.

Kawerau, Confiftorialrath Prof. Dr. Guft., Predigten auf
die Sonn- und Festtage des Kirchenjahres. Breslau, Korn,
1897. (X, 491 S. gr. 8.) M. 5.— ; geb. M. 6.—

Der Herr Verfaffer, als Reformationshiftoriker von
höchftem Anfehen, hat der theoretifchen praktifchen
Theologie durch feine reichen Kenntnifse, namentlich in
liturgifchen und katechetifchen Fragen, fchon oft die er-
fpriefslichften Dienfte geleiftet. Hier tritt er als Homilet
uns nahe. Ihm ift die praktifche Theologie als Wiffen-
fchaft und Uebung nicht die Lea mit ihren glanzlofen
Augen gegenüber der fchönen Rahel der Kirchen-
der Theologie mag vielleicht nicht fo zwingend erfcheinen, j gefchichte ; mit hingebender Liebe ift er überall der

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dafs darauf fich eine Methode der Unterfuchung gründen Theologe, der fein Können und feine Kraft in den Dienft
liefseT7. ,Die fo andeutend hergeftellte Abrundung und der Kirche geftellt weifs. Es find akademifche Predigten,
Vereinigung der Pfychologie und der Elemente der Er- die uns geboten werden; aus buchhändlerifchen Rück-
kenntnifstheorie bedürfte nun natürlich einer in die Enge | fichten find fie durch Predigten an heften (der Inneren
und Weite fortfehreitenden Analyfc, um zu einer Wiffen- j Million, des Guftav Adolf-Vereins, des Vereins für Refor-
fchaft von diefer Sache zu werden'26. ,Die Wahrnehmung | mationsgefchichte) und durch andere, ,die ohne diefe
der Aufsenwelt verneint weder die Exiftenz derfelben, Veranlaffung unveröffentlicht im Pulte geblieben wären',
noch bejaht fie die Fähigkeit der Sinneseindrücke, aus zu einem Jahrgang in freier Weife ergänzt; fo finden wir
fich felbft in einer der Seele conformen Weife fich ihr z. B. je 2 Predigten für Jubilate, Rogate und das Refor-
mitzutheilen'32. ,Die Vertiefungen der Vorftellungen zu mationsfeft. Die Texte find freigewählt; ihrer 6 find

Gedanken und Inhalten gefchieht in und durch die

geiftige Seele' 32. U. f. w. Sigwart wird als Sigwardt
citirt 19.

Heidelberg. Troeltfch.

Gebhardt, Kirchenrat ü. Hermann, Christi Person und
Werk in der Predigt. Gotha, G. Schioessmann, 1898.

(XV, 140 S. gr. 8.) M. 2.60 ' fahren.e Seelforger und ~— das Ift bezeichnend — der

dem A. TV, einige andere den alten Perikopen entnommen.
Einen fpeeififeh akademifchen Charakter, indem fie auf
die Kämpfe und Zweifelsnöthe der ftudirenden, befonders
der theologifchen, Jugend eingehen, tragen nur wenige
Predigten: diefe aber wiffen in vorzüglicher Weife das
rechte Wort zu finden; fo Nr. 3 über Mt. II: feiig >ft>
der fich nicht an mir ärgert, fo Nr. 17 über 1 Cor. I3U--
von den Schranken unferer religiöfen Erkenntnifs. In
allen redet der überzeugte evangelifche Chrift, der er-

Hiftoriker und der .biblifche Theologe'.
Der bekannte Verfaffer des Buches ,Zur bäuerlichen Der Hiftoriker macht fich nicht nur in den überall

Glaubens- und Sittenlehre' hat feine Mufse als Emeritus eingeftreuten illuftrirenden Erzählungen geltend, auch
dazu benutzt, in dem vorliegenden Werke ,eine wirkliche nicht nur in gelegentlichen archäologifchen Mittheilungen,
Herzensangelegenheit' zu ordnen. In den mir zu Geficht z. B. über die Fefte des Neujahres (8), der Epiphanien

gekommenen Befprechungen von H. Baffermann und
P. Drews ift das Werk fehr ungünftig beurtheilt; zu
meinem Bedauern kann ich das Urtheil nicht mildern.
Das Befte ift jedenfalls das Vorwort; in der Schilderung,

(10) — der Name des Sonntags Misericordias Domint
(S. 209) ift jedoch nach dem Missale Rom. nicht aus
Pfalm 89,2, fondern aus Pfalm 33,5 genommen —, vielmehr
vor allem darin, dafs der Prediger die Hiftorie zum

TZ "r } unnrg,en r o Pr5dlvtamt verwaltet wird, zeigt Träger der Erbauungskraft verwendet. Es tritt hervor
fich diefelbe fcharfe Beobachtungsgabe, die wir aus der in der Predigt (14) zu Luthers Todestag, in den beiden
bäuerlichen Glaubens- und Sittenlehre kennen, aber auch ; Predigten zum Reformationsfeft (59 und 60), befonders
dielelbe Neigung, grau in grau zu malen und pikant zu reich in der Guftav Adolf-Predigt (40), in der meifterhaft
deuteln. Einen der Hauptgründe für die Unwirkfamkeit Bilder aus der fchlefifchen Kirchengefchichte und die
der Predigt fieht der Verfaffer in der Vernachläffigung fchlef.fche evangelifche Liederdichtung der Gemeinde
V°nrV: A o c£fon und„y/erk- Das Buch foH nun zeigen, vorgeführt wird. Aber auch darin meinen wir den Hift°-
wie^hritti Perlon und Werk in der Predigt zu verwerthen [ riker zu erkennen, dafs mit Vorliebe die gefchichtliche
und zu behandeln ift; aber davon ift in allen 140 Seiten Situation (bezw. der Context) des Textes gefchildert,
rhr a01!"6? ^crtC di1 rfdC- Auf die Abhandlung über das Leben Jefu und des Apoftels Paulus, zahlreiche Bei-
w £ ion..( r und «eweife aus der biblifchen Gefchichte ver-

o^nrdnmwTlVf Arei Aemtern Chrifti ' wendet und mit ficherem Griffel Vergleiche zwifchen den
g i Zk -i L,fe^enende,r Schablone wird jeder ein- I Offenbarungsftufen des A. und des N T. gezogen worden-
zelne Iheil und Untertheil zuerft nach dem Neuen Der Verfaffer fcheut fich auch nicht, Differenzen der
leftamente mit zahlreicher, unrjausführlichen ausgedruck- ; evangelifchen Berichte (13.55) vor der Gemeinde aufzr1'
a ?£ a , darffeyelltf darauf kommt die Darfteilung I decken; er weifs fie zur unmittelbaren Erbauung zu ver-
und1 Widerlegung(der ,orthodoxiftifchen und fupranatura- werthen, indem er freilich andere nicht fo verwendbare
utilchen' Auffaffung, dann die Darftellung und Wider- Differenzen unberückfichtigt läfst. Den Hiftoriker ver-
gU"gu a" >rat,onahmfchen und liberalen' Auffaffung, räth die ftrenge und knappe Sachlichkeit der Rede u"d
,1i u .dle Darlegung der Auffaffung des Verfaffers, , der einfache hiftorilche Stil. Allerdings empfangen dadurch
rZ -a a foldene Mittclftrafse bildet, das .Göttliche' in j die Predigten das Gepräge gleichniäfsiger Ruhe; dieff
Gnrntus ltark modificirt, das ,Menfchliche' ftark potenzirt ! wirkt jedoch nicht ermüdend" die Sachlichkeit feffelt das
HÜ. Ali dlC biblifche Lehre m ext™so, auch die Intereffe, und um fo vortheilhafter heben fich die Pre'

aes «Ken leltamentes, vorführt, um fie mit zahlreichen ; digten hervor, in denen die Sache zu fchönem Schwung
Analogien aus unferer Erfahrung zu belegen. Die Wunder- j der Sprache drängt (z. B. 24-27, 59, 60). Auch dar««
erklarung fcheint Dr. Paulus abgelaufcht zu fein. Das I mag man die Hiftoriker fehen, dafs der Verfaffer felbft