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Ausgabe:

1899 Nr. 11

Spalte:

337-342

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Schmidt, Wilh.

Titel/Untertitel:

Christliche Dogmatik. Zweiter Theil: Der evangelische Glaube 1899

Rezensent:

Wendt, Hans Hinrich

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Theologifche Literaturzeitung. 1899. Nr. ii. 33«

fcharfer herausgearbeitet werden muffen, fie verfchwinden
u lehr gegenüber nebenfächlichen und unbedeutenden

fingen. Recht erfchwerend wirkt die Neigung Sehling's,

ganze grofse Partien aus den Acten einfach wörtlich in
en .cxt herüberzunehmen, auch Archivbezeichnungen
nd Literaturangaben begegnet man dort in ziemlicher

t^nge. die zweifelsohne in die Anmerkungen gehörten.
Wiederholungen bleiben dem Lefer nicht erfpart, die

L'atirungen find nicht immer aufgelöft. Leider läfst
uch die Ausdrucksweife des Verfaffers fehr zu wünfchen

"Drig, fein Stil entbehrt in auffallender Weife der Anmuth.
et. vermag nicht einzufehen, warum in Anlage C. die
neordnung nochmals wiederabgedruckt worden ift. Die
»nnentftellenden Druckfehler, welche Sehling dem Schleus-

das thatfächliche Beftehen der Gottesidee unerklärlich ill,
wenn diefe Idee nicht von dem felbft herrührt, von dem
fie zeugt. Denn es giebt keine blos vorgeftellten Ideen,
keine, zu denen nicht .Bauelemente' gegeben wären.
Für die Idee des Abfoluten aber fehlt es in der Welt
fchlechthin an folchen Bauelementen. Auch der Gottesleugner
hat Gottesbewufstfein und fein Leugnen felbft
zeugt für die Möglichkeit der Gotteserkenntnifs (S. 97).
Weil der Inhalt der allgemeinen religiöfen Vorftellung
als thatfächliche Kundgebung des perfönlichen Urwefens
angefehen werden mufs, drückt der Name Gottes das
Wefen Gottes aus. Glücklicherweife zieht der Vf. aus
diefer Erkenntnifs nicht die Folgerung, die Gottesnamen
aller Religionen vorzulegen und ihre Bedeutung zu unter-
fuchen, fondern befchränkt er fich auf eine Erklärung

nrr r uen /• V 7 Ir u Krr,rKr?hrnve(chichte fachen, fondern befchränkt er lieh aut eine Ü marung
rl™,?^ der israelischen Gottesnamen. Nach Befprechung der

i_4°o ff0 „vorwirft (b. ^Note^und b-5fJ^tlieil | abfoluten Peinlichkeit und der Eigenfchaften Gottes,

welche letztere fich via eminenhae und via negatwms zwar
nicht finden, wohl aber illuftriren laffen, erörtert er die
Schöpfung und Leitung der Welt durch Gott. Der Ge-

genauem Zufehen gar nicht fo fchlimm. Ini' Gegentheil
ochte eine Vergleichung vielleicht eher dazu führen,

ceP|. Schleusnerfchen Abdruck den Vorzug vor dem
ehhngfchen zu geben. Ueber die Wiedergabe der Vorgen
in den anderen Anlagen wagt Ref. ohne Einblick in
Ie Acten kein Urtheil abzugeben.
LeiPzig. Trefftz.

Schmidt, Prof. D. Wilh., Christliche Dogmatik. Zweiter

Theil: Der evangelifche Glaube. (Sammlung theolo-

gifcher Handbücher. 4 Theil: Syftematifche Theologie.

I. Abteiig.) Bonn, A. Marcus & E. Weber's Verlag,

1898. (XIII, 543 S. gr. 8.) M. 11.-

Dem erften, die Prologomena enthaltenden Theile
diefer Dogmatik (vgl. meine Anzeige Jahrg. 189/oSp. 575 ff.)
"' nach 3 Jahren diefer zweite Theil gefolgt, die Aus-
Ehrung des dogmatifchen Syflems. Zum Ausgangspunkte
"'rnrnt der Vf. hier die fides salvifica, den rechtfertigenden
Rauben an die Gnade Gottes in Chrifto, weil diefe fides
en entfeheidenden Grundgedanken der evang. Kirche
"nd zugleich den eigenthümlichen und fchlechthin gewiffen
Inhalt des chriftlich frommen Selbftbewufstfeins bildet.
von diefem Ausgangspunkte foll auf zwiefachem Wege
,0rt-gefchritten werden. Einerfeits follen auf dem Wege
logifch-pfychologifchen Speculation die Gedanken-
J,eihen verfolgt werden, die fich aus diefem Grunddatum
?es chriftlichen Selbftbewuftfeins ergeben. Andererfeits
011 das fo gewonnene Gedankenfyftem, dem zunächft
"Urr eine fubjective Geltung für das gläubige Selbftbe-
7fufstfein zukommt, auf dem Wege des reflectirenden
^enkens vom Weltbewufstfein aus als ein folches erwiefen
T^den, dem auch transcendental-objective Wahrheit
ei8net. Dreifach ift das Glaubensurtheil, das die fides
s«hifica einfchliefst: 1. ich habe einen gnädigen Gott;
P 'eh bedarf der Gnade; 3. Chriftus erwirbt mir die
~"ade. Danach theilt fich die Dogmatik in Theologie,
^nthropologie, Chriftologie. In jedem diefer Theile foll

Ee Ausführung nach einander auf jenen beiden Wegen vyUaudUl u«-...^-..-..b....

°r fich gehen ift, fondern von dem geiftlichen Tode, den die Menfchen

t^u u_l_' ,_____ J:„ „lAA-oUfAriM-ifrben Punkte der nur unter der Vorausfetzung erfahren, dafs fie je wirk-

--- - . A 11 A T T _ 1_______,.rV-,f

nefisbericht ift keine verbindliche Ausfage über den Modus
der Schöpfung im Einzelnen. So ift der Naturwiffen-
fchaft freier Spielraum für ihre Forfchungen über diefen
Modus gelaffen. Bei Befprechung der göttlichen ,Für-
fehung' (wie auch im weiteren Verlaufe des Werkes) legt
der Vf. befonderen Werth darauf, dafs die wirkliche, verantwortliche
Freiheit des Menfchen anerkannt bleibe.
Für die Frage, wie fich die göttliche Weltregierung zur
menfehlichen Willensfreiheit verhalte, findet er die Antwort
, dafs fich die Regierung Gottes auf das ordinäre be-
fchränke. Ihr eigentliches und ausfchliefsliches Gefchäft
fei das .Gruppiren' der Perfonen und Umftände, der Welt-
wefen und Weltverhältnifse, und zwar in der Regel ohne
directe Alteration des natürlichen Gefchehens. Das Wiffen
Gottes hat feine Schranke in den freien Entfchliefsungen
der Menfchen. Denn diefe find ihrem Begriffe nach nicht
im voraus wifsbar.

In der Anthropologie fucht der Vf. zuerft darzulegen,
dafs die modernen naturwiffenfchaftlichen und philo-
fophifchen Hypothefen über die Herkunft des Menfchen
fehr problematifch find und keinesfalls zureichend, um
die Geltung der biblifchen Ausfage Gen. 2,7 zu erfchüttern.
Ein Zufland der fittlichen Vollkommenheit ift vor dem
Sündenfalle nicht verwirklicht gewefen. NurdieBeftimmung
und Fähigkeit ihn zu erlangen, war gegeben. Verloren fft
durch den Fall die Möglichkeit einer geradlinigen Entwicke-
lung zu diefem Ziele. Aber nicht verloren, fondern nur getrübt
ift das göttliche Ebenbild, die fittlich-religiöfe Anlage.
Der Genefisbericht über den Fall ift nicht hiftorifch, fondern
fymbolifch zu faffen. Sein Kern ift die unzweifelhafte
Thatfache, dafs die Sünde am Anfange nicht anders ent-
ftanden ift, als wie fie noch immer entfteht. Die augufti-
nifche Erbfündenlehre läfst fich nicht halten. Sie kann
nicht auf Rom. 5,12 gegründet werden, weil hier nicht von
dem allgemeinen leiblichen Tode der Menfchen in Folge
einer von Adam flammenden allgemeinen Sünde die Rede

Ich hebe kurz die charaktenftifchen Punkte der
Ausführung hervor. In der Theologie geht der Vf. aut
gl Beweife für das Dafein Gottes ein. Von ihnen m

IIU1 UllLLl ULI V Ul C-,j->k~-^v.a.j_>--------1 ---- nl

lieh gefündigt haben. Was fich auf alle Menfchen vererbt,
ift die coneupiscentia. Diefe ift aber nur Dispofition zur

die u ~~p — • —

tigern*6 fÜ< Dafe'n Gottes ein- Von ihnen im j 111 u,c «mtupisccm

fber df'T F?»; -dle Gottesidee finden können fie nicht, | Sünde, nicht fchon wirkliche Sünde und Schuld. Sie
V I'* j ' derfelben zu begründen, als im Ein- , fuhrt aber freilich immer zur Sünde. Denn die Allge-
t'-end n empirifchen Wirklichkeit und dem reflec- memheit der Sünde ift Thatfache.

Und w^fkn6" aufzuweifen, dazu find fie im Stande I In der Chriftnlorde führt der Vf. aus, dafs Gott den
*osm 1 • (S- 60). Die Einwendungen gegen den
2UrüeP S'^cnen und phyfico-theologifchen Beweis werden
f°lßenHewiefen- Der moralifche Beweis Kant's wird
Uber r rnnafsen umgeftaltet: Tugend und Befriedigung
Ue find immer zufammen; diefe Thatfache fpottet

nicit uer ouuuc 111 111»,.^....

In der Chriftologie führt der Vf. aus, dafs Gott den
Erlöfungsgedanken nicht von Ewigkeit hatte, fondern
erft nach dem Falle des Menfchen beftimmt faffen konnte.
Eine Erlöfung des menfehlichen Gefchlechts ohne Um-
ftimmung des menfehlichen Willens war nicht möglich.
Zur Bewirkung diefer Umftimmung aber bedurfte es eines
lebendigen Vorbildes und aufserdem der Sühne, der

alt; ,c "na immer zuiammen, , ,',,„.„ lebendigen Vorbildes und aulserdem der sunne, aer

^oLuT:YlChen Herkunft; flrrWvird "w^Sw Die Beurtheilung der Perfon Chrifti

h orausfetzun eines morahfehen Welturhebers, ue s gefchichtlich nicht zu beftreitenden