Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1898 Nr. 6

Spalte:

173-175

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Stählin, Otto

Titel/Untertitel:

Untersuchungen über die Scholien zu Clemens Alexandrinus 1898

Rezensent:

Koetschau, Paul

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2

Download Scan:

PDF

173

Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 6.

174

Philippi sie dicit: Sequente die, alt, ingrcssi sutnus domum
Philippi admmciatoris, qui erat anus ex septcm Lcvitis,
cüi erani etiam quinque filiac virgines proplietantes, id est
sanctimoniales etc.'

Das Stück ift indifferent, weil hier charakteriftifche
Unterfchiede zwifchen der Ueberlieferung in D etc. und
der anderen nicht vorhanden find; doch ift es bemerkens-
werth, dafs auch der Gigas in v. 9 ftatt xovxcp .cut lieft
(vgl. die Pefchitho) und das .Caesarea' aus v. 8 in v. IO
wiederholt, wie unfer Text. Dagegen bietet er .per dies
aliquot, während der Laudianus "dies p/urimos' lieft. Das
aveXd-cöv in LJ (v. Ii) wird von unferm Text nicht geboten
. Diefer aber ift durch drei Eigenthümlichkeiten
merkwürdig: erftlich weil er .tvayys/LiOxijg' noch durch
.adnunciator1 wiedergiebt, zweitens weil er von fünf
Töchtern des Philippus fpricht — das ift fonft unbezeugt
und vielleicht nur ein Verfehen —, und drittens weil er
die jerufalemifchen Siebenmänner ,Leviten' nennt. Mir
ift diefe Bezeichnung fonft nirgends begegnet, gefchweige
in einem Bibeltext. Endlich, dem Verf. unterer Schrift
find weisfagende Weiber fo befremdlich, dafs er, um
diefe Erfcheinung zu erklären, fie als .sanctimoniales' bezeichnet
, d. h. als Nonnen. Das Wort ift vor Auguftin
(ep. 169) nicht nachgewiefen.

6) Act. 20, 17. 28—30: ,ltem: Namquc Paulus cum ve-
niret Ejfeso congregatis ad eum episcopis, Adtendite. in-
quid, vobis et universo gregi in quo vos Spiritus sanctus
episcopos preposuit regere ecclesiam domiui, quam ad-
quesivit sanguine suo. Ego enim scio, quia post discessum
meum [das Verbum ift ausgelaffen: döeievOovxai] lupi
graves in vos tum parcentes gregi. omni ho ex vobis ipsis
exurgent viri perversa loquentes ad detrakendos post se
discipulos retrorsum'.

Der Eingang enthält einen gefchichtlichen Verftofs
des Verfaffers: in Milet verfammelte Paulus die Presbyter
(oder ift .Effcso' = von Ephefus her? aber dann
fehlt bei .vcnircf die nähere Beftimmung). In v. 28 lieft
unfer Text .dominr wie der Gigas (gegen Vulg.), in v. 29
.discessus' wie d Gigas Lucifer. Das .omnino' v. 30 (wenn
es nicht zu v. 29 gehört) weifs ich nicht zu belegen.

Berlin. A. Harnack.

Stähl in, Gymn.-Lehr. Dr. Otto, Untersuchungen über die
Scholien zu Clemens Alexandrinus. (Programm.) Nürnberg
, J. L. Stich, 1897. (48 S. gr. 8.)

Seinen werthvollen ,Beiträgen zur Kenntnifs der
Handfchriften des Clemens Alexandrinus', Progr. Nürnberg
1895,') die Ref. in diefer Zeitfchrift 1896 Nr. 4 Sp.
102—104 angezeigt hat, läfst der Verf. in der vorliegenden
Schrift eine zweite ebenfo wichtige Vorarbeit zu der
neuen von ihm geplanten Ausgabe des Clemens Alexandrinus
folgen.

Die Schrift zerfällt in fünf Theile. Im erften (S.
3—8) wird über die Veröffentlichung der Scholien
aus den Codd. Par. 451 (P), Mutin. III D 7 (M), Florent.
V 24 (F) u. a. gehandelt und dabei feftgeftellt, dafs der
neuefte Abdruck der Scholien in Dindorf's Ausgabe (I p.
413—450), der auf den Collationen von Fr. Duebner (P)
und Jofeph Müller (MF) beruht, zwar am reichhaltigften,
aber auch fehr fehlerhaft ift.

Im zweiten Theil (S. 8—15) wird die handfchrift-
liche Ueberlieferung der Scholien in PMF auf Grund
der 1895 96 vom Verf. angefertigten Collationen diefer
HSS. befprochen. In P müfsen die von Baanes, dem
Schreiber der HS., von Arethas, dem erften Befitzer der-
felben, und von einer dritten Hand (nach dem Verf., S.
9, der des Mönches Meletius, eines fpäteren Befitzers der
HS.) herrührenden Randbemerkungen gefchieden werden.

1) Auf S. 7 Anm.*) trägt der VerfafTer zu feiner erften Schrift (S. Ii)
nach, dafs Cod. Genuensis Miss. Urb. 28 ficher als Vorlage des Cod.
Oxon. Colt. Novi 39 zu gelten hat.

ü. von Gebhardt hatte (T. U. I 3. 178—182) diefe Aufgabe
fchon im Allgemeinen gelöft; der Verf. glaubt in
Fällen, wo v. G. fchwankte, ,ficher entfcheiden zu können'
und ift ,ein paarmal auch zu anderem Ergebnifs gelangt'
(S. 9). In M find zu unterfcheiden: 1. die aus P abge-
fchriebenen Scholien, wichtig zur Ergänzung der jetzt
in P fehlenden; 2. Bemerkungen einer Hand s. XL; 3.
Notizen jüngerer Hände s. XV. u. XVI. Entgegen der
herrfchenden Anficht (vgl. Ed. Schwartz, Ausg. des Ta-
tian praef. p. III sq.) weift der Verf. überzeugend nach,
dafs die aus P entnommenen Scholien sämmtlich von
dem Schreiber des Textes von M fol. 2—237 b, aber
37 Scholien während des Abfchreibens, die andern fpäter,
gefchrieben find, eine Thatfache, die für die Beurtheilung
der ganzen HS. von Wichtigkeit ift. Diefe ift nämlich
nach dem Verf. von zwei Schreibern gleichzeitig s. XI.
aus P abgefchrieben worden, wobei der Schreiber des
erften Theiles die Abfchrift der gefammten Scholien der
HS. mit übernahm (S. 12 f.). Aus Verfehen haben die
Abfchreiber dabei einen Theil oder den ganzen Tatian
doppelt gefchrieben; die letzte Schrift des erften Theils,
die pfeudojuftinifche exfreaiq jcioxecoq f. 226b—237 b, ift
nicht aus P, fondern aus einer andern HS. entnommen
(S. 13). Die zweite Scholienhand (M1), von der auch die
Quaternionenzahlen herrühren, ift leicht zu erkennen, da
fie mit grünlicher Tinte fchreibt. Diefelbe Hand hat im
Cod. Laur. V 3 f. 221 b—299 b (L) zahlreiche Bemerkungen
an den Rand gefchrieben (S. 14). Endlich bieten

; jüngere Hände, befonders eine s. XV. (M2), intereffante
Randnotizen. Die in F (wohl einer indirecten Abfchrift

! von P) fliehenden Scholien theils von 1. Hand, theils von
jüngeren Händen, haben wenig Werth.

Im dritten Theil giebt der Verf. eine forgfältige
Scheidung der Scholien nach Verfaffern und zahlreiche
Verbefferungen und Ergänzungen des Scholientextes
, die den erfchöpfenden Beweis dafür erbringen,
dafs Dindorf's Ausgabe als ebenfo unzureichend für die
Scholien wie für Emendation des Textes des Clemens
und Feftftellung feiner Citate angefehen werden mufs.
Um fo mehr find wir dem Verf. für diefe Veröffentlichung
feiner hss. Unterfuchungen zu Dank verpflichtet
da wir durch diefe, bis die neue Ausgabe des Clemens
erfchienen ift, den Dindorf'fchen Scholientext wenigftens
von den gröbften Collationsfehiern gereinigt erhalten.
Auf S. 16—19 werden die charakteriftifchen Kennzeichen
der Baanesfcholien angegeben, dann diefelben nach Dindorf
's Ausgabe aufgezählt und verbeffert; auf S. 19—32
folgen die Arethasfcholien, darunter eine allegorifche
Abhandlung des Arethas über Gen. 49, 11. 12, die der
Verf., da fie bei Dindorf praef. p. XIV wegen der zahlreichen
Fehler z. Th. ganz unverftändlich ift, ganz zum
Abdruck bringt (S. 25—27) und mit erläuternden Bemerkungen
verlieht (S. 28 f.). Hierbei ergiebt fich, dafs
Arnos in dem Verzeichnifs der in den Scholien citirten
Schriftfteller (vgl. A. Harnack T. U. I 1 S. 30) zu ftrei-
chen ift; auch weift der Verf. nach, dafs der Anfang von
Pädag. B. I durch die Worte: HvyxexQÖxrjxai — xooq'ico
(Dindorf I p. 124, 3—5) gebildet wird, woran fich der
bisherige Anfang: Tqhöv yi xoi als zweiter Satz an-
fchliefst. Als Arethasfcholien fieht der Verf. (S. 30) wohl
mit Recht auch die meiften derjenigen Randnoten an,
welche in M vom Schreiber des Textes den erften 10
Capp. des Pädag. B. I beigefchrieben find.') Auch die
auf S. 33—36 behandelten Scholien von M1 bieten manches
Intereffante; die Vermuthung, dafs der Schreiber
dem XI. s. angehört, ift fehr wahrfcheinlich. Die Noten,
die derfelbe Schreiber auf den Rand der Stromatahs.
L gefetzt hat (S. 36 f.) find nach dem Verf. ohne Bedeutung
, könnten aber nach des Ref. Anficht doch, wenn
auch nur theilweife, neu abgedruckt werden. Sehr bell
Zu S. 32 bemerke ich, dafs es für die neue Clemensausgabe als
unerläfslich erfcheint, dafs alle auf P zurückgehenden Randnoten abgedruckt
werden.