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Ausgabe:

1898 Nr. 6

Spalte:

169-171

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bruston, Doyen C.

Titel/Untertitel:

Études sur Daniel et l’Apocalypse 1898

Rezensent:

Bousset, Wilhelm

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169

Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 6.

170

(140), da diefe Schrift faft nur tendenziös erfundene Her-
renvv'orte enthält, und endlich auch das paulinifche Wort
1. Kor. Ii24f. (139). Nicht leicht ifl die Entfcheidung bei
den Logien 128. 129.

In dem letzten Abfchnitt ftellt Ropes die nach ihm
ficher echten Agrapha zufammen. Es bleiben nicht mehr
als 14. In feinem Urtheil berührt fich Ropes mit Refch
nur in fünf Fällen, in fechs andern erkennt er gerade
echte Herrenworte an, wo Refch apokryphe fand, drei
Sprüche kommen hinzu.

Gegen die Refch und Ropes gemeinfamen
echten Herrenworte hätte ich wenig zu erinnern. Dafs
Apk. 1615 ein wirkliches Herrenwort aufbewahrt fein
follte, will mir fchwer einleuchten. Der Apokalyp-
tiker liebt es, derartige Kraftworte unvermittelt einzuführen
. Dafs der Herr hier felbft fpricht, kann doch
für die Herkunft der Worte gar nichts beweifen.

Bei den fechs Nummern, bei denen die beiden For-
fcher differiren, fcheint mir in der Beurtheilung der drei
aus dem Hebräerev. flammenden Agrapha das Recht auf
Ropes' Seite zu liegen. Refch ifl hier durch feine Antipathie
gegen das Hebräerevangelium verhindert, das
richtige zu fehen. Ob die in den Nummern 149—151
vorliegenden Erweiterungen von Herrenworten Anfpruch
auf Echtheit erheben können, wage ich nicht zu ent-
fcheiden, bei Nr. 150 fcheint mir das mehr als zweifelhaft
. Von den hinzugefügten Agrapha find Log. 152
(aus Aboda Zara) und 153 (Cod. D zu Mt. 202s) wohl
ficher echt. Davon dafs Paulus 1. Theff. 4, 15—17 ein
Herrenwort citirt, kann ich mich fchwer überzeugen. Das
Iv Xoym xvqIov kann auch allgemein verftanden werden.

So' müfste bei 5 von den 14 .echten' Agrapha wieder
ein Fragezeichen gefetzt werden, während wiederum
ebenfo viele vielleicht echte Agrapha aus dem Vorigen I
in diefe Reihe hätten aufgenommen werden dürfen. Das
Bild, das wir durch Ropes erhalten, verändert fich alfo
kaum. Im Grofsen und Ganzen hat er das Richtige getroffen
. Verfchiedene Urtheile im einzelnen werden ja
immer bleiben. Die aufserhalb unfrer kanonifchen Evangelien
überlieferten Agrapha find von erftaunlich geringer
Anzahl. Es giebt dafür keine andere Erklärung als die
von Ropes gegebene, dafs die heidenchriftliche Kirche
an evangelifcher Tradition von frühefter Zeit an nicht
mehr befeffen hat, als unfere Evangelien.

Ropes hat ein entfchiedenes Verdienfl damit erworben
, dafs er Refch in alle Einzelheiten feines umfangreichen
Werkes folgend, nun hoffentlich die von Refch
auf dem von ihm gefammelten Material aufgebauten
Hoffnungen und Vermuthungen endgültig wiederlegt hat,

Göttingen. W. Bouffet.

Gern benutze ich die Gelegenheit, eine Mittheilung
des Herrn Licentiaten v. Doblchütz zu Ropes' Schrift
hier zu veröffentlichen:

Das von Ropes, Die Sprüche Jefu (T. u. U. XIV 2)
S. 164 erwähnte Scholion des Codex Aevv fol. 110 zu
Jo. 613 flammt, wie ich nachträglich fand, aus Chrys. in
Jolt. hom. 43 (al. 42) 3 (ed. Montfaucon VIII 251 d) —auch
bei Cramer, Catcna gr. patrum in Lc. et. J0J1. 24322—28.
Mit diefem Nachweifs fallen alle von mir a. a. O. an das
Scholion geknüpften Vermuthungen dahin; denn der Zu-
fammenhang ift einfach der, dafs dem aufserordentlichen
Gewinn, den die anderen Apoftel aus ihrer Theilnahme
an diefem Wunder ziehen, der aufserordentliche Schaden
gegenubeitritt, den Judas dadurch hat, dafs er das Wunder
nicht recht gebraucht. — So können auch heute noch
auf Grund von Unkenntnifs der Quellen Apokryphen
entflehen. von Dobfchütz.

Bruston, Doyen C, Etudes sur Daniel et I' Apocalypse.

Paris, Fifchbacher, 1896. (39 S. gr. 8.)

Nach B. foll das vierte Reich Daniel's mit den 10
Hörnern das Reich Alexander's des Grofsen und der

Diadochen (vgl. Diodorus 1839) fein, das elfte Horn dem-
gemäfs Seleukus Nikanor, der den Nikanor von Kappa-
docien, Antigonus und Lyfimachus (die drei Hörner)
niederwarf und fo das Reich gründete, mit dem am Ende
feiner Gefchichte die Heiligen zu kämpfen hatten. Die
Deutung liefse fich hören, wenn nur nicht in dem
elften Hörne zu beflimmt der Herrfcher (Antiochus IV)
gezeichnet wäre, der mit den Heiligen Krieg führte.
Daniel mufste nach B. bei diefem Symbol bald an Seleukus
I bald an Antiochus IV gedacht haben. Das über-
fleigt doch die Grenzen auch apokalyptifcher Möglichkeiten
.

Das dritte Reich wäre dann das medoperfifche,
das zweite, das .neben dem erflen liegt' (in rTQipn 75
findet B. ein Hophal) das affyrifche, das erfle das baby-
lonifche Reich. Wenn es heifst, dafs diefes Thier aus
einem Löwen ein Menfch würde, fo deutet dies B. auf die
Barmherzigkeit, die der babylonifche Grofskönig dem
letzten jüdifchen König Jojachfn fchliefslich erweift. II. Kö.
2527 ff. In der letzteren Vermuthung fcheint B. mir
recht unglücklich zu fein. Denn die Schilderung in Da.
73 geht doch auf einen Act der Gewalt, der dem Thiere
zugefügt wird.

In feinen Ausführungen über die Apokalypfe ftellt
B. fich auf die Seite der Gegner der Deutung des verwundeten
Hauptes des fiebenköpfigen Thieres auf Nero.
Seine Gründe find etwa folgende:

1) In Apk. 13 werde nicht von der Heilung des
Hauptes, fondern der des Thieres geredet. Die Apok.
wolle alfo gar nicht von dem Wiederaufleben eines rö-
mifchen Kaifers, fondern von der Wiederherftellung des
römifchen Reiches nach dem erfolgten Tode eines Imperators
weisfagen.

2) Der Apokalyptiker weisfage in Cap. 13 nicht von
etwas zukünftigem, fondern rede von der Vergangenheit.
Er könne daher den Nero vedivivus nicht im Auge
haben.

3) Nero habe fich felbft ermordet. Das Bild aber
deute auf eine Ermordung von fremder Hand.

4) Wenn der wiederkehrende Nero in der Apk. ge-
weisfagt fei, müffe der fechfte Kaifer Vespafian fein.
Auf feine Regierungszeit fänden fich in der Apk. jedoch
keine Anfpielungen. Auch könne, da die Apk. vor 70
gefchrieben fei, noch nicht gefagt werden, dafs das fechste
Thier ,fei'. Dies fetze eine längere Regierungszeit voraus.

5) Wenn man nach einem getödteten Imperator fuche,
fo fange man beffer an am Anfang als am Ende der Gefchichte
des römifchen Imperators. Der Imperator fei
Caefar.

6) Die Zahl 6V56 fei zu deuten TiED p ©D. So heifse
Caefar als der Begründer Roms, des neuen Babylons.

7) Der fechste König, .welcher ift' (1710), fei Nero,
der fiebente einer von den Ufurpatoren, der geweisfagte
achte fei Vespafian. Schwierigkeiten mache nur, dafs
Vespafian ex tcov hjctd fein folle. Diefe Schwierigkeit
löfl B. mit der Annahme eines hebräifchen Originals, in
welchem der Satz gelautet habe, dafs das achte Thier
mächtiger als ()©) die andern Thiere gewefen fei.

Gegen diefe Einwände B. gelten folgende Gegeneinwände
:

1) Es ift richtig, dafs in dem Bilde Apk. 13 eine
eigenthümliche Unklarheit herrfcht, und der geweisfagte
Imperator bald durch das ganze Thier (vgl. 131s) bald
durch das eine verwundete Haupt dargeftellt wird. Daher
ift auch von der Heilung des Thieres die Rede, wo man
erwarten follte, von der Heilung des Hauptes zu hören.
Das aber hat feinen tieferen Grund darin, dafs für den
Apokalyptiker Nero redivivus und das römifche Imperium
etwa zufammenfallen. Nero redivivus ift die Verkörperung
und Zufammenfaffung aller Furchtbarkeit des

: römifchen Reiches.

2) Dafs der Apk. in Cap. 13 von vergangenen Ding-
| en redet, ift eine unbewiefene Behauptung, die das Ver-

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