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Ausgabe:

1898 Nr. 20

Spalte:

533-535

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

King, E. G.

Titel/Untertitel:

The Psalms. In three collections translated with notes. Part I, first collection 1898

Rezensent:

Beer, Georg

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Theologifche Literaturzeitung. 1398. Nr. 20.

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Kramer. Friedrich Oswald, Die äthiopische Uebersetzung Inhalt, Aufbau und Zweck der Lieder theils vor, theils
des Zacharias. Text zum erften Male herausgegeben, ] unter der Ueberfetzung geführt werden. Verf. behandelt
_ , T,. XT n „„_ r„ 1 zunachlt die Pfalmen des erften Buches (Pf. 1—41) und

Prolegomena, Commentar. E.ne Vorftudie zur Ge- m jn def vQn den Mafforethen überlieferten Reihen-

fchichte und Kritik des Septuagintatextes. 1. Hett. . folge, nur werden nach den alphabetifchenPfalmen 9 und 10,
(VIII, 30 S.) M. 1.— die einft ein Ganzes bildeten, gleich die übrigen alphabe-

Auf Grund dreier Handfchriften, einer Frankfurter, tifchen Lieder des ganzen Pfalters (Pf 25 34 37 in,
Münchener und Wiener, wird uns hier als Textprobe für ; 112 "9, HS) mit betrachtet Da das Recht, die alpha-
die geplante Ausgabe der ganzen Prophetenfchrift das 1 betifchen Lieder zufammenzufiellen, fich nur auf gewiffe
erfle Capitel des äthiopifchen Zacharias vorgeführt. Das gemeinfame Momentelaufserer Art ftutzt, «ft dasVerfahren
wenige Gebotene legt rühmliches Zeugnifs ab für die Be- , nur the.lwe.fe gerechtfertigt. Wird einmal die oft auf
fahigung des gelehrten Verfaffers zur Veröffentlichung ! Zufälligkeiten beruhende mafforethifche Ordnung der
äthiopifcher Bibeltexte. Auch die S. 24 vorgefchlagenen | Lieder aufgegeben, dann empfiehlt fich am meirten eine
Emendationen bekunden feinen philologifchen Takt. Den gruppenweise Betrachtung inhaltlich verwandter Pfalmen.
gröfsten Theil der gedruckten Arbeit S. 3-23 nehmen Das Werk das kein Kommentar sein will, ift für gebildete
fProlegomcna' ein, von denen der Verf. wenigflens 8/5 Laien und folche Ge.fthche Englands gefchr.eben die
beffer in feinem Schreibpult behalten hätte! Denn was keine Bange vor der heutigen Bibelkntik haben - beiden
intereffirt den Lefer z. B. zu erfahren, welche europäifche ; Zwecken wird es im Allgemeinen genügen, da fein Verf.
„,,■ ... 1 • „ xti.;T.^;o-v.0n WatiHfrliriften welche fich wirklich aui den Boden der modernen wiffenfchaft-
Bibhothcken keine äthiopifchen Handle mitten, weicne , pralmMWel,„«n cbh* ,,„a m~. r~

ichen Pfalmenforfchung ftellt und nicht blos fo thut.
Zwar vermeidet er im Ganzen, der Frage nach der Ent-
ftehungszeit der einzelnen Gefänge und Sammlungen
näher zu treten, wir erfahren nicht, ob er z. B. makka-
bäifche Pfalmen annimmt. Aus feinen Erörterungen über
die den Titel Tnb tragenden Pfalmen ergiebt fich jedoch,
dafs er diefen Ueberfchriften keinen Werth für die Frage
nach dem Urfprung der Lieder beimifst. Das ift immerhin
ein in einem für Laien und Geiftliche — noch dazu

zwar folche, darunter aber keine, die das Dodekaprophe-
ton enthalten, befitzen? An nicht weniger als ca. 30 Bibliotheken
Europa's hat fich der Verf. mit der Anfrage
gewandt, ob äthiopifche Handfchriften vorhanden seien.
Mit mehr als peinlicher Gewiffenhaftigkeit werden uns
die auf die brieflichen Nachforfchungen eingegangenen
Antworten verbo tenus mitgetheilt. Die äthiopifche Bibel-
überfetzung des A. T. hat für uns, abgefehen von den

Intereffen der Linguiften, Werth als Beitrag zur Gefchichte hin ein in einem tut Baien und Geldliche - noch dazu
und Wiederherftellung der LXX. Für beides verfpricht ! Lnglandsr — beftimmten Werke anzuerkennendes Zu-
die beabfichtHte Fortfetzung der Arbeit des Verfs. in- ; geftandnifs an die hiftorifche Kritik. Bekennt fich doch
tereffante, die thsherigen Erkenntnifse theils beflätigende, 1 auch Verf. zu dem fchönen Satz p. VI ,that the hiflorical
theils ergänzende Materialien zu liefern. Vielleicht unter- method is the trueft and mofl profitable method of ftudf.
fucht der Verf. auch noch, ob die von IL Praetorius in | Lei Pf. 18 p. 83, der noch für manchen modern sein
dem Artikel .äthiopifche Bibelüberfetzungen' in der 3. Aufl. ! wollendenden Altteftamentler als letzte Säule der einft von
der Realencykl. f. prot. Theol. u. K. ausgefprochene ! Ewald u. Hitzig angenommenen zahlreichen davidifchen
Vermuthung, fich hinfichtlich des äthiopifchen Dodeka- 1 Pfalmen gilt, fagt K. ganz richtig, dass wegen der Be-
prophetons" beflätigt, dafs die äthiopifche Ueberfetzung , kanntfehaft des Liedes mit den Büchern Exodus und
des A. T. urfprünglich nicht aus der in Aegypten cur- Deuteronomium die Autorfchaft Davids ,absolute/y im-
firenden hefychifchen Recenfion der LXX, wie häufig an- possible' fei. Ja, bei den fogenannten Königspfalmen, die
genommen wird, fondern von aramäifchen Miffionaren, von vielen Forfchern der Gegenwart als Beweis für das
die den Abeffiniern das Chriflenthum brachten, angefertigt j Vorhandenfein vorexilifcher Lieder in unferem Pfalter
wurde, wodurch,die Annahme einer ägyptifch-griechifchen angefehen werden, verfährt Verf. weit richtiger, wenn er
Vorlage fo gut wie ganz ausgefchloffen' würde. Möchte j die Beziehung folcher Lieder auf einen vorexilifchen
es dem Verf. vergönnt fein, für feine eigentliche Ausgabe König aufgiebt und fo z. B. bei Pf. 21 den König einfach
des äthiopifchen Zacharia noch die für die kritifche Feft- 1 auf den König Meffias deutet p. 97. Zu billigen ift auch
flellung des Textes unentbehrlichen weiteren Handfchriften < das Verfahren K's, bei der Frage nach dem urfprünglichen
einzufehen oder durch andere vergleichen zu laffen, er j Sinne der Lieder, mehr als dies jetzt in Deutfchland gekann
im Voraus warmen Dankes für feine mühfame, ' fchieht, zunächft die jüdifche Tradition zu Rathe zu ziehen,
wenig äufseren Erfolg verfprechende Arbeit, nicht nur 1 ftatt gleich, fo zu fagen, aus der Hand hiftorifche Schlüffe
von Seite der Aethiopiften, fondern auch der Theologen : zu machen. Wir haben in Deutfchland lange genug unter

gewifs fein, die Intereffe für eine gründlichere Kenntnifs 1 d_m Banne einer falfchen hiftorifirenden Deutung der

Pfalmen geftanden, die gerade mitdurchdieNichtbeachtung
der jüdifchen Ueberlieferung auf Abwege in der Pfalmen-
erklärung geführt hat. Dies gilt z. B. für die Beurtheilung

des überlieferten Bibeltextes und feiner Gefchichte haben.
Halle a/S. Georg Beer.

King, E. G., D. D., The Psalms. In three collections trans-
lated with notes. Part I, first collection (Pss. I—XLI.).

With Preface by the Bishop of Durham. Cambridge, f°gre? ' ' eine Theorie, deren Recht für die Pfalmen-

des redenden ,Ichs' in den Pfalmen. Hier hat bereits die
jüdifche Tradition ganz richtig einen grofsen Theil der
fogenannten Ichlieder auf ein redendes Collectivum be-

Deighton Bell and Co., 1898. (X, 170 S. 4.) ' ' SQJ**. d™ letz,ten zehn Jahren von der

* XJ c„ . t .. A - . f modernen Kritik wieder anerkannt worden ift, während

Der Verfaffer bietet hier den erften Theil eines auf man vorher folche Lieder unter demEinfluffe der Hupfeld
drei Bände berechneten Werkes über die Pfalmen, das ! Ewald und Hitzig meift als private Bekenntnifse einzelner
Predigten über diefen Gegenftand seinen Urfprung ver- , Frommer auffafste. Auch hier nimmt K. den Standpunkt
dankt. Unter den Zuhörern King's befand sich der der gegenwärtigen wiffenfehaftlichen Forfchung an und
Bifchof von Durham, der die Veröffentlichung der Vor- fagt z. B. bei Pf. 22 ganz richtig p. 101 ,the Sufferer was
träge in Buchform angeregt und das ganze Werk, wohl ; Israel'. Für K. gilt der moderne Canon dafs das Ich'
zum Zwecke seiner Verbreitung unter den Geiftlichen in vielen Pfalmen oft Ifrael bedeutet, b'zw redet 'hier
Englands, mit einem empfehlenden Vorworte verfehen hat. ein Einzelner aus dem Herzen und'im Namen einer
Das Buch ist so angelegt, dafs links von der Ueber- i Mehrheit. , The individualism of a modern Christian
fetzung, die den gröfsten Raum einnimmt, die Dispofi- Hymn wonld have been quite impossible in Old Testament
tionen der einzelnen Pfalmen, rechts davon Parallelftellen times' p. VII.

und kurze Bemerkungen textkritifcher und fachlicher Art Das gröfste Gewicht legt Verf. aber auf feine Dar

flehen, während die eigentlichen Unterfuchungen über legung der Itading thongths and poetical strueture of