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Ausgabe:

1898 Nr. 1

Spalte:

27-28

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Dürselen, Paul R.

Titel/Untertitel:

Homiletik und Psychologie 1898

Rezensent:

Achelis, Ernst Christian

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Seite 1

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 1.

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heit geben, ohne Schädigung an Vermögen und Ehre Angefleht von Ungläubigen fprechen' ift doch nicht ganz
aus der Kirche auszufcheiden, wenn ein Verweilen in j angebracht. Dazu verwendet der Verfaffer felbft die Be-
ihr beiden Theilen nur verderblich fein kann'? I Zeichnung ,homiletifche Keryktik' und fpricht promiscue

Beide Auffätze verdienen weite Verbreitung und | von Predigt und ,liturgifchen Reden'. Zu folchen Einzelgründliche
Erwägung. ; heiten rechnen wir auch die Schreibung Hermann ftatt

Marburg. E. Chr. Achelis. ! ^r.rmrann>. d" pach> di^ Meinung, der stQosarok des

Jüdin lei ein Diakon gewelen u. dgl. mehr.

_... , „, „ . _ ,, ., „. . _ . . . „. Marburg. E. Chr. Achelis.

Durselen, 1. Pfr. Paul R., Homiletik und Psychologie. Ein &

Beitrag zur praktifchen Theologie, insbesondere zur

Topik. Berlin, Reuther & Reichard, 1897. (VI, 100 S. j Diehl. Pfarrassist. Lic. theol. Dr. W., Zur Geschichte der

Konfirmation. Beiträge aus der heffifchen Kirchen-
gefchichte. Giefsen, J. Ricker, 1897. (X, 134 S. gr. 8.)

M. 2.60

Als geficherten Gewinn der gefchichtlichen Unter-
fuchungen des Verfaffers möchte ich bezeichnen: I. Die
in Heffen durch Butzer in der Ziegenhainer Kirchenzucht-

gr. 8.) M. 2.—

Der Verfaffer hat die Abficht, den hohen Werth der
Pfychologie für die Homiletik, bzw. für die Predigt, in
das gebührende Licht zu ftellen. Zu dem Zweck behandelt
er im erften Theil (S. 3—40) die Beziehungen
zwifchen beiden Wiffenfchaften. 1. Allgemeine Einleitung
, 2. Das Gefetz der rednerifchen Wirkung, 3. Die 1 Ordnung und der (localen) Caffeler Kü., beide von
Idee der Gemeindepredigt, 4. Das Bedürfnifs der Zu- 1539, eingeführte Confirmation ift durch die KO. von
hörer, 5. Jefu Pfychologie. Im zweiten Theil werden die j 1566 und 1574 allgemeine Vorfchrift geworden und feit
beiden Disciplinen in ihrer Verbindung befprochen, ' 1575 nachweisbar mit wenigen Ausnahmen überall in
nämlich 1. Folgerungen für die Kunftlehre von der In- ! Heffen gehalten. 2. Die Confirmationsordnungen des
vention, 2. Das Material der homiletifchen Pfychologie < 16. und 17. Jahrh. in Deutfchland find von der Heffifchen
(1V2 S-)> 3- Natürliche Pfychologie (12 S.), 4. Biblifche Ordnung beeinflufst, wenn nicht direkt abhängig. 3. Die
Pfychologie (21,, S.), 5. Die Seelforge (2 S.), 6. Selbft- ; Erneuerung der Confirmation durch Ph.J. Spener ift von
beobachtung (i'4 S.), 7. Literarifches Studium (32 S.). j der Heffifchen Confirmation her angeregt. 4. Der g ü n füg e
In diefem letzten Abfchnitt werden Auszüge aus Predig- Einflufs des Pietismus auf die Heffifche Confirmation ift
ten von Chryfoftomus, Berthold von Regensburg, Meifter darin zu erblicken, dafs die Bedingungen für die ZuEckart
, Savonarola, Luther, Maffillon, Saurin, Schleier- ' laffung zur Confirmation und die feelforgerliche Behandmacher
und Tholuck mitgetheilt. j lung der Confirmanden ftärker betont wurden; der un-

Die Dispofition ift nicht gerade glücklich zu nen- günftige Einflufs zeigt fleh theils in dem Aufkommen
nen. Die gegenfeitigen ,Beziehungen' und die ,Ver- der Privatconfirmationen, theils in dem einfeitigen Hanbindung
' der beiden Disciplinen laffen fich nicht ! dein der Confirmanden durch ihren ,Verfpruch'. Nach
fcharf gegen einander abgrenzen. Die Pfychologie Jefu altheffifcher Auffaffung ift die Confirmation vor allem
ferner (1 5) gehört fachlich in die Biblifche Pfychologie j ein Gemeindeact; der Gnade Gottes und der Gemeinde
(II 4), und II 3—6 find Untertheile von II 2: Das Ma- ; werden die ,Kinder vertröftet', durch ihre Prüfung vor
terial der homiletifchen Pfychologie. Auch die Stoffbe- ' der Gemeinde (Heffifche Frageftücke feit 1539) werden
handlung in den einzelnen Abfchnitten dürfte einigen 1 fie auf ihre Würdigkeit geprobt, und der kirchenrecht-
Bedenken unterliegen. Z. B. I 5 Jefu Pfychologie (S.30—40) liehe Einflufs befteht darin, dafs fie fich der Ordnung
giebt S. 30—34 einen Excurs über die Predigt der Pro- und Zucht der Gemeinde unterwerfen, wie denn die Con-
pheten des Alten Teftaments mit Abdruck von Micha firmation urfprünglich in Verbindung mit der Kirchen-
6 und 7, S. 34—36 redet über die Predigt der Apoftel zucht (1539) auftrat. Den facramentalen Einfchlag
(es find die Briefe gemeint: fie feien ,Gemeindepredigten') j dagegen ftellt der Verfaffer in Abrede. Jener tritt in
mit Abdruck von Rom. 7, S. 36—40 zeigt die Pfychologie der bekannten Einfegnungsformel: ,Nimm hin den heil.
Jefu an dem Gleichnifs vom verlorenen Sohn (,Wir haben j Geift, Schutz und Schirm vor allem Argen, Hilfe und
dieSeelengefchichte jedes Menfchenkindes vor uns, das | Kraft zu allem Guten aus der gnädigen Hand Gottes des
aufrichtig und willens ift, zu feinem Vater in Chrifto j Vaters und des Sohnes und des heiligen Geiftes' zu Tage,
fich zu bekehren' — und doch redet das Gleichnifs von j Dafs diefe Formel facramental gedacht und romanifirend
zwei Söhnen!) und an der Erzählung von der Sama- [ ift, fcheint mir hervorzugehen I. aus ihrer Einführung
riterin am Jakobsbrunnen. In dem Gleichnifs und der [ durch Butzer, deffen facramentale Auffaffung der Con-
Erzählung zeigt fich freilich hohe practifche Seelen- j firmation, die er der römifchen Firmung nachbildete, aus
kenntnifs; aber ,Pfychologie' Jefu kann man es nicht j feinem Worte in der Schrift Ad Monasterienses vom Jahr
nennen.

Der Verfaffer gebietet über eine reiche Literatur-
kenntnifs bis auf die modernften Belletriften hinab; drei
Seiten werden allein aus Ibsen's Rosmersholm mit obligater
Bewunderung citirt. Er fchreibt in blühendem
Stil; aber durch die vielen und fchönen Worte wird der
Gedanke feiten zum klaren Verftändnifs gebracht. Die
Ausführungen kommen auf die Forderung und den Er-

1534, worin er von einer ,Leiftung des heil. Geiftes' an
die Confirmanden durch die Handauflegung fpricht, erhellt
; 2. aus dem Wortlaut, fofern diefer die Confirmation
(wie die Firmung) als geiftliche Swertieite, als Uebergabe
des Schildes (Schutz und Schirm) und des Schwertes
(Hilfe und Kraft) an das Membrtm Christi, das durch die
Firmung ein Miles Christi wird, charakterifirt. Die Formel
flammt m. E. direct aus der römifchen Kirche,
weis ihrer Berechtigung hinaus, dafs die Predigt den Hörern j Dafs die Heffifchen Ordnungen theils durch ihre Er-
verftändlich fein müffe, und dafs zu dem Zweck der Prediger | klärungen der Handauflegung, theils durch das Einfeine
Hörer durch Seelforge kennen, mit ihnen leben, I fegnungsgebet die facramentale Bedeutung abzudenken
, fühlen, kämpfen müffe. Die Forderung ift nun j fchwächen fich bemühen, wird damit nicht geleugnet;
zwar nicht neu, allein fie hat abfolute Berechtigung, und j weshalb hat man aber diefe nur facramental deutbare
es ift immerhin verdienftlich, darauf befonders hinzuweifen, j und von der Gemeinde ftets facramental gedeutete For-
Manche Hörende Einzelheiten hätten leicht vermieden mel beibehalten? Auch der Behauptung des Verfaffers
werden können; fo weift der Verfaffer mit gutem meine ich widerfprechen zu follen, dafs in Heffen überGrund
die vorgefchlagenen Erfatznamen für Homiletik: haupt zuerft die Confirmation eingeführt fei; die That-
Keryktik (R. Stier), Halieutik (Sickel), Martyretik (Chrift- fache fleht dementgegen, dafs der Strafsburger Katelieb
) zurück, aber die fcherzhafte Begründung: ,Denn I chismus von 1539 die Confirmation als beftehende
von ,Märtyrerthum' eines Predigers kann man nur im j Ordnung bereits kennt (vgl. Ernft und Adam: Kate-