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Ausgabe:

1898 Nr. 14

Spalte:

388-390

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Steinführer, B.

Titel/Untertitel:

Untersuchung über den Namen “Jehovah” 1898

Rezensent:

Beer, Georg

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3§7

Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 14.

388

taxerxes' I., wird zweimal der näru Kabaru erwähnt als
Name eines grofsen und fchiffbaren Kanals in der Nähe
von Nippur (Niffer) ,im Lande der Chaldäer'. Nöldeke's
Vermuthung, dafs im Ez. 1 3 nicht einen Flufs, fondern
einen Kanal bezeichne, ift alfo glänzend beftätigt. Da
y~"QD im Affyrisch-Babylonifchen ,grofs fein' bedeutet,
fo möchte ich den näru Kab{bT)aru als den ,Canale gründe'
Babyloniens ansehen. — Zu c.4 erörtertB. die wichtige Frage
nach der Auffaffung der fog. fymbolifchen Handlungen
Ezechiels und kommt dabei zu dem Ergebnifse, zu dem
m. E. jede unbefangene Auslegung kommen mufs, dafs
diefelben nicht blofse Allegorie, nicht blofs D^bttjE find,
wie man früher faft allgemein annahm, fondern' vom
Propheten wirklich vollzogen worden find, — auch 446".,
das er nach Kloftermann aus einer kataleptifchen Veranlagung
des Propheten erklärt. Nur hebt er dabei m. E.
nicht genügend hervor, dafs der Hauptgedanke für Ezechiel
bei diefen Handlungen doch wohl war, dafs fie Ein-
flufs auf das gefchichtliche Gefchehen haben, fofern ihr
Vollzug das damit darftellte Ereignifs nicht blofs verfinn-
bildlicht, fondern direct herbeiführt. Sie find alfo nicht
blofs „fymbolifch" zu verftehen, fondern ftellen in ge-
wiffem Sinne Befchwörungsacte dar, — und es ift fchwer-
lich blofs Zufall, dafs gerade bei diefem Propheten, der
in Babylonien, dem claffifchen Lande der Magie und Be-
fchwörungen, lebte, derartige Handlungen fich befonders
häufig finden. — Gut ift die Erklärung der Lesart 390 4s
(ftatt urfprünglichem 190) mittels Gematrie aus TUE iljj
v. 8. — In 49-17 (teilt B. vv. 10 f. zwifchen vv. 15 und 16,
um mehr Ordnung in die Reihenfolge zu bringen, aber
die Schwierigkeit wird damit nicht gehoben. Mir fcheinen
hier 2 verfchiedene Relationen in einander gearbeitet,
von denen die eine (vv. 9.12—15) von der Exilsfpeife, die
andere (vv. 10 f. 16 f.) von der Speife während der Belagerung
handelte. So auch Cornill, deffen fonftige Um-
ftellungen in diefem Capitel aber fchwerlich richtig find.
— Recht gewagt ift die Deutung von 817 f. auf einen
unzüchtigen Myfteriencult (mpET = männliches Glied),
mit Aenderung des DES in iBS. Der hier als Gipfel des
Götzendienftes hingeftellte Cult erfcheint dem Propheten
doch nach v. 17a nicht fowohl feiner Unfittlichkeit, als
feiner weiten Verbreitung wegen als der fchlimmfte und
gefährlichfte, denn er ward im Gegenfatze zu den vorher
aufgezählten in den Privathäufem und nicht blofs am
Heiligthume ausgeübt. — ©ton heifst weder 1011 noch
I Sam. 1317 h „eines," fondern fleht an der letzten Stelle
im Sinne von „Haufen, Heerestheil," an der erfteren in
feiner urfprünglichen Bedeutung. — 113 find gewifs nicht,
wie man fie zumeift gedeutet hat, Worte der Kriegspartei
, die um jeden Preis den Kampf mit den Baby-
loniern wollte, fondern, wie fie B. richtig fafst, wegen v. 8
Ausfpruch der Friedenspartei, die Furcht vor dem Schwert
hatte. — Die Vermuthung (zu 149), dafs diefe Stelle darum
vielleicht älter fei als 1 Kg. 22, weil an ihr von
keiner Vermittelung zwifchen Gott und Menfch durch
die rpn die Rede fei wie dort, ift mehr als kühn. — Der
Bund" Nebukadnezar's mit Zedekia c. 17 ift trotz des
Einfpruchs B.'s (S. 94 Anm.) in meinem Buche über die
Bundesvorftellung im A. T. mit Recht unter die .profanen
Bünde' gerechnet, da Jahwe bei demfelben nicht
als bundfchliefsende Partei (wie bei den ,religiöfen'
Bünden), fondern wie bei allen im erften Theile meiner
Arbeit behandelten Berithfchlüffen nur als der göttliche
Schirmherr und Rächer des zwifchen Menfchen gefchlof-
fenen Bundes in Betracht kommt. — Zu c. 19 wäre der
Auffatz von Oort in Theolog. Tijdschrift XXIII, S. 504 fr.
zum minderten zu erwähnen gewefen; derfelbe bietet in
textkritifcher wie fachlicher Beziehung recht beachtens-
werthe Vorfchläge. — Der Ausdruck (zu 234), dafs das
Chirek in Oholiba die ,alte Conftructusendung' fei, ift
zu beanftanden. Hat es je im Hebräifchen eine besondere
Conftructusendung gegeben? — Dafs fich der
Unterfchied zwifchen mnE und 0*330, affyr. pihätu

und saknu, ,nicht ermitteln' laffe (zu 237), ift zu viel
behauptet. Die affyrifchen Infchriften geben über die
Stellung und amtlichen Befugnifse diefer Würdenträger
genügend Auskunft. — Zu 2340ff. wäre Rüben, Critical
remarks on some passages of the 0. Test., heranzuziehen

I gewefen. — Bei der Erklärung von c. 27 lehnt fich B.

j mit Recht an Manchot (JfpTh. XIV, S. 423 ff.) an, der
vv. 3—9.* 25b—36 als ein zufammengehöriges Stück betrachtet
und das Handelsverzeichnifs vv. 9b—25a, als die
Allegorie von Tyrus dem Prachtfchiffe durchbrechend,
ausfchaltet. B. weift ferner daraufhin, dafs vv.3—9a. 25b—36
im reinen Kinametrum gehalten find, im Unterfchiede
von dem Mittelftücke vv. 9b—25a. Ich möchte dem noch
die weitere Beobachtung beifügen, dafs fich in dem fo
reconftruirten Klageliede über Tyrus auch fcharfe ftro-
phifche Gliederung zeigt, fofern das Ganze in 2 fachlich
und formell fich entfprechende Strophen zerfällt: Strophe I
(vv. 3—9a), die die Pracht des herrlichen Tyrusfchiffes
fchildert, aus i2Stichen, undStropheII(vv.25b—36), dieden
Untergang deffelben befchreibt, aus 24 Stichen beftehend.
Die Ausmalung derVernichtung des Schiffes, auf die es dem
Propheten in erfter Linie ankommt, nimmt alfo den doppelten
Raum ein wie die Schilderung von deffen gegenwärtiger
Pracht. — Wie bei dem Unterfchiede von pihätu und Saknu,
fo wirft B. auch bei der Deutung des D'HEa 2711 die Flinte
zu früh ins Korn und verzichtet refignirt auf eine Erklärung
. Die Textänderungen von deLagarde (D*TE3) und
Cornill (D*"1ES nach Gen. iois) find freilich nur Verzweiflungsauswege
, aber den richtigen Weg hatte bereits
W. Max Müller, Afien und Europa, gewiefen, indem
er S. 193 f. mit diefem DIES ägypt. kamadu (k im Aegypt.
oft für g flehend) zufammenftellte, das in einer Lifte
Setis' als Name eines von ihm eroberten Ortes in Phö-

I nikien vorkommt, unmittelbar mit Tyrus zufammen-
genannt. Es ift derfelbe Ort, der in den Tell-el-Amarna-
Briefen Kumidi genannt wird (k und g wechfeln oft in
den Amarna-Infchriften; fo wird z. B. Byblos-Gebal bald

I Gublu, bald Kublu gefchrieben!) und nach den dortigen
Angaben ein Fürftenfitz im füdlichen Phönikien war.
Ein phönikifcher Ort ift an der Ezechielftelle aber unbedingt
zu erwarten. — Ob fich nur der ,bare Unverftand'
gegen die Lesart der LXX IE©« 3410 ftatt des überlieferten
"TE©8: verfchliefsen kann, 'ift mir nicht fo ficher
wie B. — Recht gut ift die Auslegung von 40nf.; dafs
nicht die Barriere (bu?) der Nifchen felber eine Elle breit
gewefen fei, fondern dafs fie blofs um eine Elle in den
Thorweg hineingereicht habe, fo dafs die Breite des
Thorwegs zwifchen den Wachnifchen nur 11 Ellen (fonft 13)
betragen habe, ift mir fehr einleuchtend. — —

Noch vieles Andere liefse fich anführen, zumal auch
in der Behandlung von Einleitungsfragen, über die der
Verfaffer fehr leicht hinweggeht, in der Beobachtung
poetifcher Formen u. A., wozu Recenfent Bemerkungen
zu machen hätte, allein er will fich felbft nicht zu fehr
vorgreifen. Jedenfalls ift für einen Commentar, der nicht
blofs das bisher Erarbeitete für den Studirenden gut und
praktifch zufammenfafst, fondern in erfter Linie der Anregung
und Förderung wiffenfchaftlicher Probleme dienen
will, neben dem Bertholet'fchen noch Raum genug.

Druckfehler find wenige zu verzeichnen. S. 94 oben
lies Hes. ftatt Hi.; S. 99 Z. 21 v. o.: 24 ft. 21; S. 147
Z. 12: imEte ft. '©; S. 172 Z. 24 h: Formen von STTJ ft.
ffri; S. 206 Z. 6 v. u.: 22 ft. 23; S. 225 Z. 6 v. u.: 27
ft. 28.

Marburg. R. Kraetzfchmar.

Steinführer, Paftor B., mm. Untersuchung über den
Namen „Jehovah". Neuftrelitz, Barnewitz, 1898. (66 S.
gr. 8.) M. 1.20

Ueber Urfprung, Ausfprache und Sinn des Tetragramms
mm phantafirt der Herr Verf. Folgendes: ,Der
Name mm verdankt feine Entftehung dem Munde der