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Ausgabe:

1898

Spalte:

385-388

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Bertholet, Alfred

Titel/Untertitel:

Das Buch Hesekiel erklärt 1898

Rezensent:

Kraetzschmar, Richard

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Theologische Literaturzeitung.

Herausgegeben von D. Ad. Harnack, Prof. zu Berlin, und D. E. Schürer, Prof. zu Göttingen.

Erfcheint Preis
alle 14 Tage. Leipzig. J. C. Hinrichs'fche Buchhandlung. jährlich 18 Mark.

N2: 14.

9. Juli 1898.

23. Jahrgang.

Bertholet, Das Buch Hefekiel erklärt [Kurzer
Hand-Commentar zum A. T. XII] (Kraetzfch-
mar).

Steinführer, Unterfuchung über den Namen
Jehovah (Beer).

R a h m e r, Die hebräifchen Traditionen in den Werken
des Hieronymus, 2. Thl., 2. Hft. (Siegfried).

Gregg, The Decian Persecution (Krüger).

Dreves, Gottfchalk, Mönch von Limburg an
der Hardt und Propft von Aachen [Hymno-
logifche Beiträge, l. Bd.] (E. Chr. Achelis).

F£ rotin, Recueil des chartes de l'abbaye de
Silos (Gerh. Ficker).

Ferotin, Histoire de l'abbaye de Silos (Gerh.
Ficker).

Scheibe, Calvin's Prädeftinationslehre (Ritfehl).
Barth, Die Philofophie der Gefchichte als

Sociologie, i. Teil (Tröltfch).
Stock, Lebenszweck und Lebensauffaflung
; (Tröltfch).

Bertholet, Priv.-Doc. Lic. Alfred, Das Buch Hesekiel er- ] Was die Textkritik anbetrifft, fo wandelt der Ver-

faffer den Weg, den jede künftige Bearbeitung diefes
Prophetenbuches zu wandeln haben wird. Er hält die

klärt. Mit 5 Abbildgn. (Kurzer Hand-Commentar zum
Alten Teftament, hrsg. von Prof. D. Karl Marti. XII.
Abtheilung.) Freiburg i. B., J. C. B. Mohr, 1897. (XXVI,
259 S. gr. 8.) M. 6.—; gebdn. M. 7.—

Ein neuer Commentar zu dem Buche Ezechiel war
mit der Zeit zu einer dringenden Nothwendigkeit geworden
. Denn fo inhaltreich und nach vielen Seiten hin
werthvoll der Smend'fche auch ift, fo bedeutete er doch,
wie von der Kritik gleich beim Erfcheinen diefes Werkes
hervorgehoben wurde, hinfichtlich der Textbehandlung

rechte Mitte zwifchen der übergrofsen Zurückhaltung
Smend's und der oft über das Ziel hinausfehiefsenden
Kühnheit Cornill's. Das reiche, von dem letztgenannten
Gelehrten zufammengetragene textkritifche Material ift
ausgiebig benutzt, und an zahlreichen Stellen, wo die
Textüberlieferung völlig im Stiche läfst, ift durch eigene
Verbefferungsvorfchläge nachgeholfen. Zu feinem Bedauern
mufs aber Recenfent bekennen, dafs ihm diefelben
nur in den feltenften Fällen als wirkliche „Verbefferungen"
""pAVfVTwt■ o-po-enüber I itzirT I erfcheinen, da fie faft durchgängig der Einfachheit und
emen Rück- und keme^n Fortfchrm congenialen Anempfindens an die Eigenart des

dem Verfaffer der i. Auflage des f z^elf°^e^ | Schriftftellers ermangeln" Als befonders glücklich find
iÄtÄ S^IS^'^^ ! hervorzuheben die nur durch Umftellung der Buchftaben

Danke verpflichtet fein wird, ift kein eigentlicher Commentar
, fondern eine kritifche Bearbeitung des zum Theil
in ganz troftlofem Zuftande befindlichen Textes, und
v. Orelli's Auslegung leidet an dem Grundfehler des
gefammten Strack-Zöckler'fchen Commentarunter-
nehmens, dafs darin die Schwierigkeiten und Probleme
nicht frei aufgedeckt und erörtert, fondern nach Möglichkeit
verfchleiert und hinweggedeutet werden. Die eng-
lifchen Commentare eines Skinner und Davidfon verfolgen
vorwiegend praktifche Zwecke und find zudem
bei uns fo gut wie ganz unbekannt. Sonach kann es
nur mit Freuden begrüfst werden, wenn ein neuer Eze-
chiel-Commentar zur Erfcheinung gelangt, der auf der
Höhe der gegenwärtigen wiffenfehaftlichen Forfchung
fteht und das Buch diefes früher viel verkannten und
gefchmähten, erft von der modernen Kritik ins rechte
Licht geftellten, beinahe könnte man fagen in Mode gebrachten
Propheten mit den Mitteln der ftreng exaeten,
philologifch-hiftorifchen Exegefe erklärt.

Dafs der Bertholet'fche Commentar auf diefer
Höhe flehen würde, war von vorn herein zu erwarten.
In der That leidet er in vortrefflicher Weife, was fich der
von Marti herausgegebene Kurze Handcommentar zum
A. T. als Aufgabe geftellt hat: er orientirt in Kürze und
dabei doch angenehm lesbarer Form über die fchweben-
den Fragen, unterzieht den Text einer eingehenden Re-
vifion und ftellt die eigenartige, religionsgefchichtliche
Bedeutung Ezechiel's überall gebührend in den Vordergrund
. Fafl gefchieht in letzterer Beziehung ein wenig zu
viel des Guten, denn auf die Dauer wirkt es doch etwas
ermüdend, wenn immer und immer wieder verfichert wird,
was der Verfaffer aufserdem fchon in feinem 1896 er-
fchienenen Schriftchen über den Verfaffungsentwurf des
Hesekiel ausführlich dargelegt hat, dafs bei diefem Propheten
das Intereffe am Heiligthum und Kultus alles

bewirkte Veränderung des imn 7 13 in wn* (,fie werden
jeder in feiner Schuld verzagen, nicht Muth faffen') fo-
wie die Correctur des nüTab 2T ie in Harra? (,und ich
gab's dem Mörder, es mit der Hand zu packen'). Sie
find von der Art, dafs fie blofs ausgefprochen zu werden
brauchen, um fofortiger allfeitiger Zuftimmung ficher
zu fein.

Im Folgenden feien zu einzelnen, beliebig herausgegriffenen
Punkten noch einige Bemerkungen und
Nachträge gegeben. 11 verfteht B. im Anfchluffe an
Duhm die räthfelhafte Zahl 30 von Exilsjahren und erklärt
ihre Entftehung aus dem Beftreben eines Redactors,
die Angabe Jeremias über die Dauer des Exils (25 11: 70
Jahre) mit der Ezechiel's, der 46 nur von 40 Jahren redet,
in Einklang zu bringen; als urfprünglichen Text vermuthet
er nach 1 2 ,im 5. Jahre nach der Wegführung Jojachins'.
Sehr künftlich! Ich meine vielmehr mit Kloftermann
und vielen Aelteren, dafs wegen des Fehlens jeder Näher-
beftimmung an eine Aera überhaupt nicht zu denken ift,
fondern dafs die 30 Jahre nur als Lebensjahre des Propheten
gefafst werden können. Dann ift freilich der
überlieferte Wortlaut befremdlich und hat auch an Gen.
813(Kloftermann) nur eine fehr unzureichende Parallele,
und fo möchte ich annehmen, dafs das 3 von a^CbUJa
verfehentlich aus abgekürzt gefchriebenen ]2) entltanden
und davor ein "»Hi^Ha oder (nach Vermuthung von
Guthe) ausgefallen ift (,und es gefchah, als ich 30 Jahre
alt war, .. .'). Im 30. Lebensjahre alfo, wo Ezechiel
unter anderen Verhältnifsen in die vollen Rechte des
priefterlichen Amtes eingefetzt worden wäre (Num. 4 s),
empfing er ftatt deffen am Kebar die Geiftestaufe zum
Propheten. — 1 s: Die Frage, was der Kebar fei, ift
feit dem Erfcheinen von B.'s Commentar durch keil-
infchriftliche Funde endgültig entfehieden. Auf den fo-
eben von Hilprecht, The Babylonian Expedition of

Andere überwuchert und befonders das fittliche Moment 1 the University öf Pennsilvania Vol. IX publicirten Texten
zu kurz kommen läfst. I aus dem neubabylonifchen Reiche, speciell der Zeit Ar-

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