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Ausgabe:

1898

Spalte:

345-348

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Ernst, August

Titel/Untertitel:

Katechetische Geschichte des Elsasses bis zur Revolution 1898

Rezensent:

Cohrs, Ferdinand

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Theologifche Literaturzeitung'. 1898. Nr. 12.

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Anfchauungen, indem er fie bekämpft in Gedanken hat, j katechet. Schriften. Ulm 1830), Jul. Hartmann (Aeitelte
wie einen Stachel, dem fich entwindend er in die Stricke ■ katechet. Denkmale der ev. Kirche. Stuttg. 1844), G.
des Wahnfinns verfällt. Es ift ein feiner Gedanke, mit Theod. Dithmar (Beiträge z. Gefch. des kat. Unterrichts
dem Kaftan anhebt, indem er als Gegenftück zu diefer in Deutfchl. Marb. 1848), Joh. Geffcken (Der Bilder

,Herrenmoral' an Luther's Schrift ,Von der Freiheit eines
Chriftenmenfchen' erinnert. Hier ift die rechte Synthefe
der Herren- und Sklavenmoral ,im Glauben ein Herr,
in der Liebe ein Knecht'. ,Daher foll es bei der Sklavenmoral
fein Bewenden haben, die Jefus Chriftus in die
Gefchichte eingeführt und mit feinem Blute befiegelt hat,
nicht minder bei dem ,Bauernaufftand', in dem unfer
Vater Luther der Führer war, allem Renaiffance- und
allem Römerthum für immer zum Trotz'.

In etwas Reiferem Gewände erfcheint die Schrift
Otto Ritfchl's, die aus feinen Vorträgen im theologi-
fchen Ferienkurfus zu Bonn hervorgegangen ift. Der
Atheismus, meint er, fei der Einheitspunkt in den oft
fich wandelnden Anfchauungen des Philofophen. Mit
einer inneren Notwendigkeit, da er immer die Wege,
die zum Gottesglauben führen mufsten, vermeiden wolle,
werde er dadurch von einem Standpunkt zum andern geführt
, von dem Schopenhauer'fchen zum intellectualiftifchen
und zum inftinctiviftifchen, von der Leugnung Gottes
zur Skepfis an der Moral, ja an der Wahrheit felbft, fo
dafs auch die .Redlichkeit', deren er fich rühmt und die
er andauernd für die gröfste Tugend halte, zuletzt eigentlich
in der Luft fchwebt. Das aber ift auch für
O. Ritfehl ausgemacht, dafs die religiöfe Frage der Angelpunkt
der Speculationen Nietzfche's, dafs die Religion
ebenfo für die, die fie bekämpfen, wie für die, die für
fie leben und fterben, die wichtigfte Sache von der Welt ift.

katechism. des 15. Jahrb. Leipz. 1855) u. a., auch der
zahlreichen Einzelunterfuchungen über Luther's kl. Katechismus
(J. Chr. Wilh. Augufti, Verfuch e. hift. krit.
Einl. in d. beiden Hauptkatechismen d. ev. Kirche. El-
berf. 1824; K. F. Th. Schneider, D. Mart. Luthers kl.
Kat. Berlin 1853; Th. Harnack, der kl. Kat. Luthers in
fein. Urgeftalt. Stuttg. 1856 u. a. m.) gab G. von Zezfch-
witz 1862 fif. fein ,Syftem der chriftl.-kirchl. Katechetik'
heraus, das eine fyftematifche Darfteilung diefer Disciplin
und eine Gefchichte des Katechismus und der Katechese
mit einander verwebt. Ift es ein unverkennbarer Mangel
feines Buches, dafs in Folge diefer Verfchmelzung weder
Syftem noch Gefchichte zu ihrem Rechte kommen, fo hat
es doch Jer Katechismusgefchichte ihre fefte Stelle in den
Lehrbüchern der Katechetik erobert. Schon Theod. Plar-
nack (Katechetik, 1882), E. Chr. Achelis (Prakt. Theologie,
1890) u. a., namentlich aber E. Sachfse (Evangel. Katechetik
. Berlin 1897) widmen der Gefchichte des kirchlichen
Unterrichts eine gefonderte Darftellung, ja letzterer verwendet
auf sie 300 von den 426 Seiten feines Buches.
Sein Abrifs ift bisher das Befte, was für die Gefchichte
des Katechismus und der Katechefe geleiftet ift. Dennoch
ift er noch lückenhaft und nicht frei von Irrthümern. Bevor
eine Katechismusgefchichte gefchrieben werden kann, die
den gegenwärtigen Anforderungen ganz entfpricht, die
mit gtficherten kritifchen Ergebnifsen möglichfte Voll-
ftändigkeit verbindet, hat gerade auf diefem lange ver-

So ift fie es auch, der das innerfte Streben der nachläffigten Gebiete die Specialforfchung erft ihre Dienfte
Einzelnen gilt, umfomehr, je tiefer fie angelegt find, und zu thun.

fo ift der Vergleich, den Wilhelmi zwifchen Nietzfche Unfer Buch, auf Anregung der theologifchen Facultät

und Carlyle anftellt, gewifs von allgemeinem Intereffe. : der Univerfität Strafsburg gefchrieben, ift ein erfreulicher
Beide find aus einem chriftlichen Haufe hervorgegangen Beweis, dafs fie am Werke ift. Es behandelt die Kate-
und eine fromme Mutter hat den gröfsten Einflufs auf j chismusgefchichte eines beftimmten Gebietes. Das ift ein
fie gehabt. Beide haben dann die religiöfe Welt ihrer 1 Weg der Einzelforfchung, der gerade für die Gefchichte
Kindheit verloren und dann jenfeits ihrer Gedanken ihr ! des Katechismus von grofsem Nutzen ift. Er ift auch
Ideal in perfönlichfter Ausprägung gefunden. Hier aber früher fchon befchritten. Schon im vorigen Jahrhundert
welche Verfchiedenheit! Dem ,Heldenthum' Carlyle's, ' fchrieben Chr. Heinr. Zeibich eine weimarifche (1727t
voll fittlichen religiöfen Inhalts, weil er felbft eine fittlich 1
chriftliche Perfönlichkeit in vollem Sinne geworden war,
fteht Nietzfche's Uebermenfch wie ein Zerrbild gegenüber,
jenfeits des Guten und Böfen, den Gottesglauben als
längft überwundenen Standpunkt hinter fich.

Ein anderer Vergleich liegt nahe. Der Tod Jacob
Buikhardt's hat uns in der letzten Zeit an den Einflufs
erinnert, den er auf viele, auch auf Nietzfche während
feines Aufenthalts in Bafel, ausgeübt hat. Was ift
Nietzfche's .Uebermenfch' anders, als der von J. Burkhardt
fo unvergleichlich gefchilderte Menfch der Renaif-

C. Chrift. Hirfch eine nürnbergifche (1752), J. A. Robft
eine fchwarzburg-arnftädtifche Catechismus-Hiftorie (1755),
erfterer ausgefprochenermaafsen als einen ,Beytrag zu der
bifsher gewünfehten allgemeinen Catechismus-Hiftorie';
und in diefem Jahrhundert vcranlafsten die Beftrebungen
um einen neuen Katechismus Fr. Ehrenfeuchter, einen
Abrifs der hannoverfchen (Gött. 1857), H. Fr. Th. L.
Ernefti, einen folchen der braunfehweigilchen Katechismusgefchichte
(Braunfeh. 1859) zu fchreiben. In der Zeitfchr.
für praktifche Theologie 1892 S. IOI ff. und 339 fr. hat
neuerdings J. Hans Augsburger Katechismen zufammen-

fance, ins Moderne ühertragen? So fpiegelt fich alles faffend behandelt. Einen anderen Weg der Einzelunter-

Mächtige, zu dem Nietzfche in Berührung getreten ift,
in diefem reichen tiefen Geifte, aber leider nur verzerrt
und verzogen giebt uns der Spiegel die Züge wieder.

Leipzig. Härtung.

Eichung hat die Gefellfchaft für deutfehe Erziehungs- und
Schulgefchichte betreten. Sie beabfichtigt Gefammtdar-
ftellungen einzelner Perioden. Schon 1887 hat J. Müller
(die deutfehen Katechismen der böhmifchen Brüder'
,Mom/m. Germ. Pacdogogica IV) behandelt; eine Neuausgabe
und Würdigung ,der evangelifchen Katechismus-
, Adam, Pfarrer, Katechetische Geschichte I verfuche bis auf Luther's Enchiridion' fchon angebahnt
Ernst, Aug.,u. jon. huhiu, 1 - . M( durch G. Kawerau's wichtiges Buch: Zwei altefle Kate-

des Elsasses bis zur Revolution. Vondertheolog.I ahunar chjsmen der lutherifchen Reformation (Halle a. S. 1890),
Strafsburg gekrönte Preisfchrift. Strafsburg 1. E., t. jft in Vorbereitung. Hoffen wir, dafs aus allen diden
Bull 180- (XI 351 S. gr. 8.) M. 5.— Beftrebungen endlich als reife Frucht eine muftergültige

e •'. / Arheiten Greeorius Langemack's {Historie j Gefammtdarftellung der Gefchichte des kirchlichen Jugend-
Seit den Arbeiten uregorius B„, Unterrichts erwächft. —

Die beiden Verfaffer unferes Buches haben fich fo
in ihre Aufgabe getheilt, dafs Ernst einleitungsweife die
katechetifchen Zuftände im Elfafs vor der Reformation und
dann die katechetifche Gefchichte der Stadt Strafsburg
und ihrer Gebiete, Adam die katechetifche Gefchichte
der übrigen Theile des Elfafs behandelt. Es liegt in der
Natur der Sache, dafs erfterer mehr Zufammenhängendes,

iattckttica. Stralfund Ii I72c7; II: 1733; III: 1740, herausg.
v. Geismar) und Joh. Chr. Köcher's (Einl. in die catechet.
Theologie. Jena 1752) sind — abgefehen von Ph. Schu-
ler's Compendium (Halle 1802), das nichts Neues bringt
— über hundert Jahre lang Gefammtdarftellungen der
Katechismusgefchichte in der evangelifchen Kirche nicht
erfchienen. Auf Grund der Vorarbeiten von Georg
Veefenmeyer (Litt, bibliogr. Nachrichten v. einig, ev.