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Ausgabe:

1898

Spalte:

335-339

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Braun, C.

Titel/Untertitel:

Geschichte und Heranbildung des Klerus in der Diöcese Wirzburg 1898

Rezensent:

Hegler, A.

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 12.

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Groot's felbft die erften, die den Verfolgungen der apo- | Stelle S. 119 o. ift das gerade umgekehrt angegeben!),
ftolifchen Ketzermeifter des Bisthums Utrecht ausgefetzt Doch verblieb die wiffenfchaftliche Ausbildung der
wurden'. Gegen Ende des Jahrhunderts wirkte überall j Alumnen denjefuiten, die nach wie vor die Leitung des
bifchöfliehe und päpftliche Inquifition einträchtig zu- j Gymnafiums, wie die theologifche und philofophifche
fammen. — Die Stellung der weltlichen Gewalten zur Facultät der Univerfität inne hatten. Allein das Inftitut,
Inquifition ift im ganzen 14. Jahrhundert diefelbe: von fchon bei feiner Einführung bekämpft, konnte fich nicht
irgend welchem Widerftand auch der Städte gegen fie lange halten. Im Klerus fchuf dafselbe eine fchwer er-
ift nirgends die Rede, und die Inquifitionshandbücher der j trägliche Scheidung zwifchen zwei Claffen von Klerikern;

Zeit, die Practica inq. des B. Guidonis und das Directo-
rium Eymerich's haben auch auf die weltliche Rechts-
wiffenfehaft und ihre Handbücher gewirkt.

Hoffentlich dürfen wir bald den dritten Theil des
Mittelalters erwarten: vom Corpus wird fchon der dritte
Band für die Jahre 1521—35 vorbereitet.

die höhere Geiftlichkeit dachte natürlich nicht entfernt
daran, beizutreten; die Verminderung der Pfarrfitze, ihre
theilweife Verlegung aus der Pfarrei hinaus — dies und
anderes führte zu Mifsftänden. Endlich wurde das Streben
der Bartholomiten nach corporativer Selbflftändigkeit,
fpeciell die Unterftellung unter den ausländifchen Uni-

Breslau K Müller ; verl"aiPräfes des gefammten Inftituts den Bifchöfen un-

" ' bequem. Daher hob der F. B. Peter Philipp (1675—

83) 1679 das Inftitut zunächft im Seminar, dann in der
Braun, Dr. C, Geschichte der Heranbildung des Klerus in Diöcefe auf, nachdem i. G. in 25 Jahren 187 Zöglinge

der Diöcese Wirzburg feit ihrer Gründung bis zur Gegenwart
. 2. Band. Mainz, F. Kirchheim, 1897. (VIII,
432 S. gr. 8.) M. 6.—

Im Mittelpunkt der vorliegenden Gefchichte, deren
erfler, bis 1632 reichender Band 1889 als Feftfchrift zur

unter Leitung der Bartholomiten zu Prieflern herangebildet
worden waren. Wer fich von den früheren Mitgliedern
nicht fügte, wurde feiner Stelle entfetzt. Nach
einer vorübergehenden Reftitution der Bartholomiten
unter Konrad Wilhelm (1683—84) wurde unter Johann
Gottfried II. (1684—98) das Seminar endgiltig der Lei'

3. Säcularfeier des Würzburger Klerikalfeminars erfchie- i tung von Diöcefanprieftern unterftellt, erft (1694—1703)
nen ift (Befprechungen von H. Weber im Katholik, N. j in Verbindung mit der Pfarrei St. Peter in einem Neubau

F. LXII, 524fr. und von B. Duhr in der Zeitfchr. f. kath.
Theol. XIV, Ilöff.), fteht das Würzburger Seminar. Es
verdient in der That eine gefchichtliche Darfteilung.
Der gröfsere Theil des Diöcefanklerus ift feit drei Jahrhunderten
durch dafselbe gegangen und eine Zeitlang

dann wieder im alten Gebäude, dem St. Kilianscolleg
unter Leitung befonders dazu beftellter Diöcefankleriker;
und fo blieb es.

Während das erfte Viertel des 18. Jhrh.'s eine ruhige
Entwickelung noch immer unter dem überwiegenden Einhat
es im 18. Jhrh. über die Diöcefe hinaus Bedeutung j flufs der jefuitifchen Pädagogik aufweift, wobei freilich
gewonnen. Eine Gründung des Bifchofs Julius und von j Reibereien zwifchen der Seminarleitung und den Jefuiten

ihm den Jefuiten übergeben, war es von diefen bis zur
Eroberung des Landes durch die Schweden geleitet. Mit
der Zeit der fchwedifch- weimaranifchen Occupation fetzt
der 2. Band ein: durch fie ift das Seminar aufgelöft wor-

im Einzelnen nicht ausgefchloffen waren, beginnt mit
dem F. B. Friedrich Karl von Schönborn (1729—46)
eine Zeit der Reformen, zuerft noch in gemäfsigtem
Tempo. Die Neuordnung des Studiums von 1731 und

den, die Jefuiten find geflohen. Ueber 20 Jahre hat es 1734, welche u. a. eine Betonung der Kirchengefchichte,
gedauert, bis wieder eine geordnete Ausbildung des : eine Phnfchränkung der Polemik, eine Verlängerung des
Klerus im Seminar in Gang kam. Johann Philipp von philofophifchen Kurfes, fowie eine Theilung des Unter-
Schönborn ift es gewefen, der dafselbe neu begründete, richts in einen elementaren für die gewöhnlichen Kle-
Damit beginnt eine intereffante und von B. ausführlich riker und einen höheren, befonders in der fpeculativen
und gut befchriebene Epifode: die Thätigkeit der Bartho- 1 Theologie, für die Beftbegabten enthält, giebt das Be-
lomiten am Seminar und in der Diöcefe. Der F. B. 1 ftreben kund, dem Fortfehritt der Wiffenfchaft gerecht
übertrug 1654 mit Uebergehung der Jefuiten, denen vor- 1 zu werden und die Studien praktifcher für das Leben
geworfen wird, fie flehen der pfarramtlichen Thätigkeit ' zu geftalten. Unter feinen Nachfolgern fetzt fich diefe

zu fremd gegenüber und ihre Disciplin fei zu ftreng und
äufserlich erzwungen gewefen, die Leitung dem von
Bartholomäus Holzhaufer gegründeten Inftitut der in
Gemeinfchaft lebenden Weltpriefter, den ,Bartholomiten'

Richtung fort, die Angriffe gegen die jefuitifchen Unterrichtsmethoden
werden fchärfer, die neuen Ideen dringen
unaufhaltfam im Seminar und im Klerus ein. War fchon
der einflufsreiche Kanonift Barthel, der felbft einige Zeit

oder .Communiften'. Ihre ftrenge Lebensweife, die er 1 lang Regens des Seminars gewefen ift, den Jefuiten ab-
auf einer Reife in Tittmoning 1652 kennen gelernt hatte, geneigt, fo hat noch ftärker unter Adam Friedrich (1755
gefiel ihm — er hielt fie für eine Wiederherftellung der —77) der langjährige Leiter des Seminars, Damian Gott-
urfprünglichen Lebensordnung des Klerus —, auch I fried Günther (1756—61 Subregens, 1761—76 Regens), ein
glaubte er von ihnen weniger Eigenwilligkeit als von den ausgefprochener Gegner der Jefuiten und des Klolter-

Jefuiten befürchten zu müffen. Es handelt fich dabei
um mehr, als nur um die Erziehung des Klerus. Der
ganze Weltklerus follte allmählich diefem Inftitut eingegliedert
, fein Leben alfo ordensähnlich geftaltet werden,
in der Weife, dafs die Zöglinge einen Eid ablegten, in
dem fie fich zum Gehorfam gegen die Oberen des Inftituts
und zur Beobachtung der Conftitution, vor allem
der Gemeinfchaftlichkeit des Lebens und des Befitzes
verpflichteten. Treten fie dann in die Seelforge hinaus,
fo leben diefe dem Inftitut angehörigen Priefter gemein-
fam, nicht jeder in feiner Pfarrei, fondern immer zwei
oder mehrere zufammen in einem Haushalt. Dazu
kommt Einberufung zu asketifchen Uebungen, ähnlich

wefens, den Einflufs derfelben im Seminar und im Klerus
zu brechen gebucht und unter den Zöglingen die Leetüre
der moderen franzöfifchen und deutfehen Litteratur eingebürgert
. Der geplanten Einfchränkung der Jefuiten im
Hochftift kam die Aufhebung des ganzen Ordens zuvor.
Sie wurde in Würzburg ohne gröfseren Kampf durchgeführt
: ein grofser Theil des Klerus wie der Bifchof
felbft war fchon vorher gegen die Jefuiten eingenommen,
ihre Unterrichtsmethoden bei dem Fortfehritt der Wiffenfchaft
veraltet und ungenügend — ein Moment, das B.
nicht genug betont hat —; die Aufnahme der Wolffifchen
Philofophie konnte ihnen kein neues Leben einflöfsen.
Indem das zweihundertjährige Unterrichtsmonopol der

wie fie bei den Jefuiten üblich waren. Die Leitung des Jefuiten fiel, hatten die Gedanken der Aufklärung freien
Inftituts innerhalb der Diöcefe wurde bald in der Weife I Raum. Sie kamen zum Sieg unter dem F. B. Franz
getheilt, dafs ein Präfes die Aufficht über die zum In- ! Ludwig von Erthal (1777—95), der als Vertreter einer
ftitut gehörigen Diöcefangeiftlichen führt, ein Regens j gemäfsigten Aufklärung, bei welcher doch die Grund-
die Aufficht über das Seminar (an der entfeheidenden | lagen des geiftlichen Staates und die Initiative und