Recherche – Detailansicht

Ausgabe:

1898 Nr. 11

Spalte:

296-304

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Eusèbe de Césarée, Histoire ecclésiastique

Titel/Untertitel:

éditée (en syriaque) pour la première fois P. Bedjan 1898

Rezensent:

Ryssel, Viktor

Ansicht Scan:

Seite 1, Seite 2, Seite 3, Seite 4, Seite 5

Download Scan:

PDF

295

Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. II.

296

Steigerung und Uebertreibung des Ausdrucks zeigt, aber
keineswegs, wie man nach einer Aeufserung Rufin's erwarten
follte, den Text aus dogmatifchen Gründen um-
geftaltet. Da ferner die griechifche Vorlage des ca. 380
überfetzenden Hieronymus ,allerhöchftens' .anderthalb
Jahrhunderte' jünger als das Original des Origenes ge-
wefen ift, fo hat die Ueberfetzung für die Textherftellung
grofsen Werth. Dies beweift der Verf. S. 28—31 an 14
Beifpielen, wo er den griechifchen Text dank diefes Hilfsmittels
auf leichte und fichere Art verbeffert.

Die indirecte Ueberlieferung der Griechen wird im
IV. Abfchnitt befprochen. Sie befteht erftens aus zwei
zufammengehörigen Fragmenten der 39. Homilie, die in
die Philokalia Cap. I. X (p. 33 sq. 55 sq. ed. Robinfon) aufgenommen
find, und zweitens aus zahlreichen mit Sicherheit
oder grofser Wahrfcheinlichkeit den erhaltenen und
verlorenen Jeremia-Homilien zuzuweifenden Fragmenten
aus den Katenen zum Jeremia. Der Verf. legt auf S. 32 ff.
die Refultate feiner eindringenden und forgfältigen Unter-
fuchungen befonders der betreffenden Parifer und Florentiner
Katenen HSS. (S. 39 f.) und der vorhandenen
Drucke vor; zu S. 34 (oben), 37 (unten) ift das kürzlich
erfchienene Buch von Lietzmann, Catenen, zu vergleichen.
Den Schlufs diefes Abfchnittes bildet (von S. 51 — 56)
der Nachweis, dafs Eufebius und Olympiodor (deffen
Jeremia-Commentar hs. im Cod. Barberin. V 45 vorliegt)
ficher, Chryfoftomus wahrfcheinlich die Jeremia-Homilien
gekannt und benutzt hat.

Der V. und letzte Abfchnitt ift der indirecten
Ueberlieferung der Lateiner gewidmet. Hier kommt
aufser Hieronymus faft nur Ambrofius in Betracht, deffen
ftarke Abhängigkeit von Origenes in der Exegefe auf
S. 57—62 dargelegt wird. Noch auffälliger tritt uns, wie
der Verf. an zahlreichen Parallelen S. 66—71 zeigt, die-
felbe Abhängigkeit bei Hieronymus in feinem Jeremia-
Commentar entgegen: Hieronymus hat den Origenes,
faft ohne ihn zu nennen, gründlich ausgebeutet, dabei
aber auch nicht unterlaffen, gegen gewiffe allegorifche
Erklärungen feiner Quelle zu polemifiren (vgl. S. 72—75).
Endlich weift der Verf. S. 77—83 auch in der Ep. XVIII
ad Damasum de Seraphim et ciilculo den Einflufs des Origenes
nach.

Im Anhang find zunächft 30bei Delarue-Lommatzfch
fehlende, z. T. recht anfehnliche Katenenfragmente mit
kritifchem Apparat abgedruckt, die uns ebenfo wie die
oben erwähnten vortrefflichen Verbefferungen des Textes
beurtheilen laffen, wie weit die künftige Ausgabe des
Verf. die früheren an Reichhaltigkeit und Genauigkeit
übertreffen wird. Auch hat der Verf. hier in einer Tabelle
alle dem Origenes zugefchriebenen Fragmente aus
der Jeremia-Katene überfichtlich zufammengeftellt. Es
find 151 Fragmente, drei davon gehören dem Origenes
nicht an, eines flammt nicht aus den Jeremia-Homilien;
von den übrig bleibenden 147 ift bei 77 (78) die Herkunft
aus den Jeremia-Homilien ficher und bei 70 (69) ,mit
Sicherheit zu erfchliefsen' (S. 108).

In den Nachträgen (S. 109—113) ift befonders der
Hinweis auf die vom Verf. in der Bibliotheca CJiisiana
entdeckte Katenen-HS. R VIII 54 intereffant; möchten
fich die an die HS. geknüpften Hoffnungen erfüllen!
Den Berichtigungen bittet der Verf. (durch Brief vom
5. 8. 97) folgende hinzuzufügen: S. 15 Z. 5 v. o. lies: Vat.
gr. 623, S. 69 Z. 11 v. o. ftreiche: [lies pannis) und füge
ftatt deffen ein: [Mal. 4,2], S. 108 2. 1 v. u. lies ftatt 69
(68) vielmehr: 70(69). Ich notire noch folgende Kleinigkeiten
: S. 63 Z. 12 v. u. 1. Tu, S. 66 Z. 5. v. u. 1. ^gtp,
S. 88 Z. 16 1. edTt, Z. 20 1. ßovg, S. 90 Z. 11 v. u. 1.
'it-oj&ev, S. 92 Z. 20 fehlt das Citat Ps. 140 (141), 2, Z. 21
1. ot, S. 93 Z. 3 1. otcog, Z. 24 1. jiqÖ6%ojii£V, S. 94 Z. 19
fetze Fragezeichen, S. 95 Z. 24 1. zoiovrov, S. 99 Z. 9
fehlt das Citat Ps. 7, 10, S. 103 Z. 7 v. u. 1. jtpoiro,
S. 109 Z. 5 v. o. 1. S. 3 A. 3 (ftatt 2).
Jena. Paul Koetfchau.

Eusebe de Cesaree, Histoire ecclesiastique, editee (en
syriaque) pour la premiere fois par P. Bedjan. Leipzig,
O. Harraffowitz in Komm., 1897. (VIII, 598 S. 8.)

M. 16.—

The Ecclesiastical History of Eusebius in Syriac. Edited from
the Manuscripts by the late Prof. William Wright,
LL. D., and Norman McLean, M. A. With a colla-
tion of the ancient Armenian Verfion by Prof. Dr.
Adalbert Merx. Cambridge, University Press, 1898.
(XVII, 418 S. Lex.-8.) sh. 25.—

Die untenflehende Anzeige der Ausgabe der fyri-
fchen Kirchengefchichte des Eufebius war bereits abgefetzt
, als mir der Auftrag wurde auch die mittlerweile
erfchienene Ausgabe defselben Textes, die durch den
unvergefslichen William Wright für den Druck vorbereitet
worden war und die nach feinem Abfcheiden jetzt
von Norman McLean veröffentlicht wurde, einer Be-
j fprechung zu unterziehen. Ich bringe deshalb meine
Anzeige der Ausgabe Bedjan's unverändert zum Abdruck
und füge in Anmerkungen bei, was fich auf Grund
der englifchen Ausgabe Weiteres hat eruiren laffen und
was fonft bei einer Vergleichung beider Ausgaben fich
ergeben hat. Ich bitte, diefe ungewöhnliche und wohl
an fich auch ungeeignete Eorm der Befprechung zweier Ausgaben
defselben Textes, von denen überdies die in den Anmerkungen
behandelte die bei weitem beffere ift, mit
den gegebenen Verhältniffen zu entfchuldigen. Immer-
[ hin fcheint es mir nicht unwichtig zu fein, dafs ich auf
diefe Weife völlig unbefangen, weil unbeeinflufst durch
die in der Einleitung zur englifchen Ausgabe mitgetheil-
ten Beobachtungen über das Verhältnifs der fyrifchen
Ueberfetzung zum Urtexte und feiner handfchriftlichen
Ueberlieferung, an die Beantwortung diefer Fragen, die
Bedjan überhaupt gar nicht ins Auge gefafst hat, herantreten
konnte. Denn da die in der Einleitung zur englifchen
Ausgabe mitgetheilten Angaben über den Charakter
der Ueberfetzung und ihr Verhältnifs zum Urtexte
, die nach der Bemerkung S. IX auf Mittheilungen
beruhen, die einfl W. Wright durch Field, den bekannten
Herausgeber der Hexapla des Origenes, zur Verfügung
geftellt worden waren, in allen wefentlichen Punkten mit
meinen Beobachtungen übereinftimmen, fo liegt darin
eine freilich nicht zu überfchätzende Gewähr für die
Richtigkeit der beiderfeitigen Forfchungsergebnifse. In
dem einen Punkte, wo dort ein beftimmtes Urtheil aus-
gefprochen wird, während ich auf ein folches verzichte
— es betrifft die Frage, ob die fyrifche Ueberfetzung
mit dem Texttypus einer der uns erhaltenen griechifchen
Handfchriften übereinftimme —, kann recht gut die
Durchforfchung des ganzen Materials ein Urtheil ermöglicht
haben, das ich auf Grund meiner partiellen Unter-
fuchungen nicht abzugeben vermochte, weshalb ich eben
mein Urtheil ausdrücklich als ein nur vorläufiges bezeichnet
habe. Ich bemerke nur noch, dafs überall, wo
ich keine Abweichung notire, der Text Bedjan's durch
die englifche Ausgabe als correct erwiefen worden ift,
und wende mich zunächft zu einer kurzen Befchreibung
der englifchen Ausgabe, insbefondere in ihrem Verhält-
nifse zu der Bedjan's, infoweit davon nicht in den Anmerkungen
zu meiner Anzeige von Bedjan's Ausgabe
die Rede ift.

Die durchaus ftreng wiffenfchaftlich gehaltene Textausgabe
, die auf Wright's im Januar 1867 vollendeter
Abfchrift des Petersburger Codex und der bald nachher
erfolgten Collation des Londoner Codex bahrt, indem
diefe auf Korten der Cambridger Univerfitätsdruck-
commiffion unter der Leitung von Norman McLean
feit 1895 zum Drucke befördert wurden, unterfcheidet
fich von Bedjan's Ausgabe vor allem durch das Fehlen
1 der unten näher gefchilderten Zuthaten Bedjan's zu dem
I thatfächlichen Beftande des Textes der Handfchriften