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Ausgabe:

1898 Nr. 9

Spalte:

260-262

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Autor/Hrsg.:

Rülf, J.

Titel/Untertitel:

Wissenschaft des Einheitsgedankens. System einer neuen metaphysik. 2. Abt. - 2. Buch 1898

Rezensent:

Elsenhans, Theodor

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 9.

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Worten nur um fo gröfseres Gewicht gegeben und mit
Recht hat fie H. unverändert gelaffen, auch da, wo fie
etwas hoffnungsvoller klangen, als es heute vielleicht
möglich wäre. Möge die neue A. dazu beitragen,
das Verftändnifs für diefe Geünnung und für die theologifche
Arbeit, die aus ihr entfpringt, in immer weiteren
Kreifen zu fördern!

Tübingen. A. Hegler.

Zimmermann, Athanasius S, J., Die Universitäten in den
Vereinigten Staaten Amerikas. Ein Beitrag zur Cultur-
gefchichte. (Stimmen aus Maria-Laach. 68. Ergän- |
zungsheft.) Freiburg i. B., Herder, 1896. (IX u. 116 j
S. 8.) M. 1.60

Diefe Schrift verleugnet, wie nicht anders zu erwarten
, den katholifchen Standpunkt ihres Verfs. nicht. I
Das Literaturverzeichnifs bietet eine befondere Bibliographie
,für die katholifchen Lehranftalten', im 5. Ab-
fchnitt werden diefe befonders befprochen, während |
weder den Anftalten einer andern Denomination noch den
interconfeffionellen privaten oder ftaatlichen die Ehre
solcher Sonderbefprechung zu Theil wird. Auch fonft
drängt fich das confeffionelle Intereffe fehr in den Vordergrund
. Unter den gefeierten Erziehern des 19. Jahr- 1
hunderts' wird mit am ausführlichften der Jefuit Dominic 1
Yenni behandelt, wiewohl derfelbe mit Univerfitäten ledig- J
lieh nichts zu thun hat, fondernLehrer ,an einer der unterften
Lateinklaffen' im katholifchen Spring Hill College war.
S. 32 will Verf. Beifpiele von College Gründungen aus der I
Zeit von 1775—1812 geben. Er fängt mit den katholifchen
Pennfylvaniens an, bringt ein Citat, in dem die |
gegenwärtigen Bemühungen der Katholiken rühmende
Anerkennung erfahren, um dann von einigen fraglichen
[,fcheint ... beftanden zu haben'] Pfarrfchulen zu berichten.
S. 63 f. fingt von Neuem den Ruhm der katholifchen
Orden in den fpanifchen, portugiefifchen und franzöfifchen
Kolonien; ,die höheren Schulen Amerikas wetteiferten
mit den Anftalten des Mutterlandes und hatten manche
Gelehrte und gelehrte Werke aufzuweiten, aufweiche die
europäifchen Akademien hätten ftolz fein können'. Die
Jahreszahlen, die auf diefen Satz folgen, weifen auf das
17. Jahrhundert. Gleich darauf aber erfährt der Lefer,
dafs das erfte katholifche College in den Vereinigten
Staaten 1791 eröffnet wurde, während frühere Verfuche
fcheiterten. Die Kehrfeite von dem Allen bildet die ab-
fchätzige Beurtheilung der Pilgerväter und vollends der 1
nachfolgenden falbungsvollen engherzigen tyrannischen
fanatifchen Theologen. Diefe Beurtheilung fällt um fo
mehr ins Gewicht, als der Verf. einerfeits weit über den I
im Titel gefleckten Rahmen hinaus das gefammte Er-
ziehungswefen der Unionsftaaten in feine Darfteilung
hineinzieht, andrerfeits aber jedes Verftändnifs für die
geiftige Atmofphäre vermiffen läfst, innerhalb deren diefe
ganze Gefchichte verläuft. Vgl. Döllinger, Akad. Vortr.
3,325. 335 und fpeciell für Harvard-University einen Bericht
der Chr. Welt 1892, S. 119—122.

Allein abgefehen von dem Standpunkt, den der Verf.
bei der Beurtheilung einnimmt, mufs ich geliehen, aus
der reichen Notizenfammlung deffelben kein durchfich-
tiges Bild weder von der gefchichtlichen Entwickelung
noch von dem gegenwärtigen Thatbeftand gewonnen zu
haben. Ich will nur eine Reihe von Fragen bezeichnen,
die mir vom Verf. garnicht oder nur ungenügend erwogen
zu fein fcheinen. Die älteften Colleges find Pre- [
digerfeminare mit dürftigem Gymnafialkurfus. Von 1700 1
an wird der Brenge Calvinismus an ihnen verdrängt. Die-
felben wurden zur Freude des Verfs. tolerant. Die |
Streitigkeiten zwifchen den religiöfen Körperfchaften und
den aus ihrer Mitte hervorgegangenen Schulgründungen
werden wohl gelegentlich berührt, aber namentlich für
die Gegenwart erfährt man nicht, wie fich die ,Secten'

zu diefen Univerfitäten verhalten. Nur für Harvard- Univer-
.ffrjgiebt Verf. gelegentlich einen fehr abfehätzigen Bericht
über theologifche Vorlefungen. Aber kein Wort über
das Verhältnifs zwifchen neuentftandenen wirklichen
Predigerfeminaren und jenen früheren Anftalten habe ich
bei ihm auffinden können. Das führt auf ein zweites
Defiderium. Verf. theilt mit amerikanifchen Autoritäten
die betreffenden Anftalten in confeffionelle, private, ftaat-
liche. Bezieht fich diefe Eintheilung nur auf den Ur-
fprung bez. die materielle Fundirung oder wie verhalten
fich diefe Gruppen rechtlich zu einander? Man hört von
Freibriefen, auch gelegentlich von irgend welcher ftaat-
licher Controlle. Aber greifbaren Inhalt erhalten diefe
Worte nicht. Für unfer Jahrhundert find es erft die franzöfifchen
Ideen, dann offenbar das Vordringen von
Naturwiffenfchaft und Technik, was die Entwickelung bedingt
. Wie jene fich in der andersartigen Umgebung
aeclimatifirt und wie fie doch erft unter mancherlei Wandlungen
wirkfam geworden find, erfährt man kaum. Bei
diefen aber fcheint es faft, als ob fie fich nur fehr mühfam
ihre Stelle neben den andern Disciplinen errungen hätten.
Sollte das in den Anftalten der Fall gewefen fein, die
bis gegen die Mitte des Jahrhunderts überhaupt noch
kaum den Namen wiffenfehaftlicher Hochfchulen bean-
fpruchen konnten, fo war es Aufgabe des Verfs., zu zeigen
, wie ein wirklich ernfter Betrieb der Geifteswiffen-
fchaften, namentlich der Gefchichte, erft zeitlich fpäter
eingetreten ift. Die Am. Soc. of Church History hat 1890
(Vol. III S. 217 ff. ihres Papers) eine vergleichende Zu-
fammenftellung des Unterrichts in Kirchen- (bez. Bibli-
fcher) Gefchichte in 150 Colleges veröffentlicht, die nicht
gerade fehr erfreuliche Daten bot. Führen nun Erwägungen
allgemeiner Art zu der Annahme, dafs fich in
diefen Daten das allgemeine Intereffe für Gefchichte überhaupt
reflectiren wird, fo ergiebt fich daraus, dafs hier
faft die Zukunftsfrage für diefe Univerfitäten geftellt ift.
Der Verf. hat diefelbe kaum berührt.

Rumpenheim. S. Eck.

Riilf, Dr. J., Wissenschaft des Einheits-Gedankens. Syftem
einer neuen Metaphyfik. 2. Abtheilung. — 2. Buch:
Wiffenfchaft der Geifteseinheit (Pneumato-Monismus).
4. Theil des Syftems einer neuen Metaphyfik. Leipzig,
H. Haacke, 1898. (XIX, 385 S. gr. 8.) ' M. 8.—

In dem vorliegenden Buche giebtder Verf., Rabbiner,
den vierten abfchliefsenden Band feines Syftems einer
,neuen Metaphyfik', feiner ,Wiffenfchaft des Einheitsgedankens
' an die Oeffentlichkeit. Er hat zuerft in den
beiden erften Bänden: ,Wiffenfchaft des Weltgedankens
und der Gedankenwelt' (Leipzig 1888) ,alle Gedanken-
beftände der inneren und äufseren Welt zu realifiren
verfucht'. Aber bei diefem Unternehmen blieben noch
auf der einen Seite das Denken, auf der anderen Seite
die Welt, und als Denkergebnifse beider Weltgedanke
und Gedankenwelt als für fich feiende Weltbeftände
einander gegenüber beliehen. Das auf Einheit ausgehende
Denken fei hiermit nicht zufrieden. Der Verf. wollte deshalb
einen alle disparaten Elemente zufammenfaffenden Einheitsgedanken
gewinnen und findet ihn im Begriffe der
Kraft. Sie foll dieSubftanzfein.welchebeftehenbleibt, wenn
alles entlieht und wieder vergeht, welche alles zum Entliehen
treibt und alles Vergehende wieder in ihren
Schofs zurücknimmt (S. 218). Ein dritter Theil behandelt
deshalb die .Wiffenfchaft der Krafteinheit' (1893) den
,Dynamomonismus'

In dem vorliegenden vierten Bande, in der .Wiffenfchaft
der Geifteseinheit (Pneumatomonismus') foll nun
nachgewiefen werden, ,wie nicht nur alle Kraft Geilt,
fondern auch aller Geift Kraft ift, und alle Aeufserung
des Geiftes, wie alle Aeufserung der Kraft Eins feien.'
(S. 7). Kraft und Stoff find Eins und dasfelbe und da-