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Ausgabe:

1898 Nr. 8

Spalte:

217-218

Kategorie:

(ohne Kategorisierung)

Titel/Untertitel:

Hayyûg, The weak and geminative verbs in Hebrew 1898

Rezensent:

Schwally, Friedrich

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Theologifche Literaturzeitung. 1898. Nr. 8.

218

wenige Buchftaben, an denen noch eine Spur von Tinte j
zu bemerken ift; blofs aus den zurückgebliebenen Eindrücken
find fie zu erkennen, und nur dann zu lefen,
wenn man das Blatt fchief gegen das Licht hält. Die
eine Seite jedes Blattes ift meiftens völlig abgerieben'.
Dennoch gelang es Tifchendorf (1843), heben Seiten ganz
oder doch zum gröfsten Theil und zwei etwa zur Hälfte
zu lefen, und gewifs hätte er noch mehr erreicht, wenn
er nicht bei der Arbeit von einem Augenübel überrafcht
worden wäre, welches ihn an der Fortfetzung derfelben
verhinderte (Wiener Jahrb. Bd. 120, Anz.-Bl. S. 36). Bels-
heim hatte zuerft (1884) den Eindruck, als ob es unmöglich
fein werde, über Tifchendorf hinauszukommen. Bei
einem zweiten Verfuch (1885) vermochte er aber noch
zehn weitere Seiten ganz, wenn auch nicht fehlerlos,
und drei zum Theil zu entziffern {Fragmenta Vindobo-
bensia. Christ. 1886). Auch White hielt beim erften Anlauf
die Sache für hoffnungslos. Aber bei längerer Be-
fchäftigung mit den refcribirten Blättern fand er zu seiner
Ueberrafchung ,that my eyes were beComing more accustomed
to tt, and tliat page after päge which at first seemed im-
possible, was gradually becoming legible1 (p. XI). So gelang
es ihm, in zwei Campagnen (Juli 1895 und Sept. 1896)
nicht nur das von feinen Vorgängern Dargebotene an
vielen Stellen zu berichtigen und zu ergänzen, fondern
aufserdem heben noch unveröffentlichte Seiten mehr oder
weniger vollftändig und einige andere theilweise zu lefen.
Die vorliegende Ausgabe umfafst mithin 24 ganz oder
gröfstentheils gelefene Seiten und dazu 6 gröfsere und
6 kleinere Bruchftücke; es bleiben nur 4 Seiten übrig,
auf welchen kein Wort entziffert werden konnte. Ueber
Tifchendorf's Leiftung äufsert W. hch fehr anerkennend:
,The pages published by Tischendorf were geven with
very great accuracy; Iiis practised eye and liand seldom
played hitn false, and thong/i I Jiavc gone ovcr most of
Iiis work two or three titnes, I have only been able to
detect very few and sliglit errors1". Mehr hat W. an
Belsheim's Arbeit auszufetzen gefunden. Aber im Hinblick
auf die hier besonders grofse Schwierigkeit der
erftmaligen Entzifferung fleht er nicht an, auch an ihm
,a considcrable amount of acntencss in deciphering the
hardcr leaves' zu rühmen.

Die Bereicherung unterer Kenntnifs der alten latei-
nifchen Verfionen des N. T. durch diefe überaus forg-
fältige Ausgabe ift um fo willkommener, je fpärlicher
bekanntlich gerade bei den in Betracht kommenden Bü- j
ehern die erhaltenen Refte find. Eine erhebliche Vermehrung
hat namentlich der Brief des Jakobus erfahren,
welcher jetzt bis auf 22 Verfe (2, n—15. 3, o—12. 4,9. 10.
5, 11—is) nahezu lückenlos vorliegt.

Leipzig. O. v. Gebhardt.

Abu Zakariyyä Yahyä ibn Däwud of Fez, known as
Hayyü'g, The weak and geminative verbs in Hebrew. The

arabic text now published for the firft time by Prof.
Dr. Morris Jastrow jr. Published trough the aid of
the ,Morgenländifche Gefellfchaft' and the ,Societe
des Etudes juives'. Leiden, Librairie et Imprimerie
ci-devant E. J. Brill, 1897. (LXXXV, 271 S. gr. 8.)

M. 10.—

Wenn Abu Zakarijja Jahjä ibn Däüd von Fez, d. i.
der unter dem Namen Hajjüg bekannte hebräifche j
Nationalgrammatiker aus der zweiten Hälfte des 10 Jahrhunderts
, auch kein perfönlicher Lehrer des Merwän
ibn Ganäh war, fo ift der letztere doch aufserordentlich
ftark von ihm abhängig. Das geht fo weit, dafs vielfach
Stellen aus Merwän's Werken erft verftändlich werden,
wenn man die betreffenden Abfchnitte aus den Abhandlungen
jenes marokkanifchen Juden heranzieht. Da die
grammatifchen Tractate ibn Ganäh's bereits vollftändig

in gedruckten Ausgaben vorliegen, hat fich Jaftrow durch
Edirung des arabifchen Originales zweier der wichtigften
Werke Hajjüg's ein grofses Verdienft erworben. Der
Werth diefer Literatur ift natürlich ein rein hiftorifcher.
Es ift jetzt die Zeit gekommen, eine Gefchichte der he-
bräifchen Grammatik zu fchreiben, bei der die Entftehung
der Terminologie ganz befonders zu berückfichtigen wäre.
Für die Plrkenntnifs der fprachlichen Erfcheinungen
können wir aus diefen Werken nichts mehr lernen.
Uebrigens macht man fich kaum eine Vorftellung davon,
wie tief das hebräifche Sprachgefühl unter den Gelehrten
des 10. Jahrhunderts gefunken war. ,Den meiften, die
ich fah' — fagt Hajjüg z. B. S. 37, war der Unter-
fchied zwifchen 15>-p und 15>~P völlig dunkel etc.' Mit
der grammatifchen''Nationalliteratur der Araber, auf der
die entfprechende hebräifche gegründet ift, kann fich die
letztere in keiner Weife meffen. Die arabifchen Grammatiker
befchrieben zwar auch infofern eine todte Sprache,
als fie die clafüfche Sprache im Auge hatten. Aber fie
ftanden derfelben fehr nahe, indem fie ihre Gelehrfamkeit
aus der lebendigen Kenntnifs der Dialekte auffrifchen
konnten. Und dann haben fie des Antiquarifchen und
Hiftorifchen fo viel Intereffantes in ihre Werke hineingewoben
, dafs diefelben auch in diefer Beziehung unerschöpfliche
Fundgruben find.

Was den Inhalt und die Anordnung der beiden
Werke Hayyüg's betrifft, fo befteht das erftere Kitab al
af al dhawät humf al Ihn (Buch der Verba mit fchwachen
Buchftaben) aus drei Teilen, entfprechend den drei Claffen
der Verba mit einem fchwachen erften, zweiten oder
dritten Radicale. Innerhalb jeder Abtheilung giebt er eine
ziemlich vollftändige Lifte, zählt die verfchiedenen Modi
auf und fügt hier und da kurze Erklärungen bei. Jedem
Abfchnitte geht eine orientirende principielle Erörterung
voraus. Das andere Werk ,Kitab al af'äl dhawät al
mithlain (Buch der Verba mit doppelten Radicalbuch-
ftaben) zeichnet fich ebenfalls durch grofse Vollftändig-
keit aus. Natürlich handelt es fich hier wie da aus-
fchliefslich um die Sprache des alten Teftamentes!

Der Ausgabe liegen vornehmlich zwei Manufcripte
der Bodleianifchen Bibliothek zu Grunde (Neubauer 1452.
HSS)« die, beide fehr alt, im Jahre 1210 bezw. 1316
unterer Zeitrechnung gefchrieben find; aufserdem ein
Berliner Fragment {Ms. Or. Oct. 242), ein Londoner
Fragment {British Museum Ms. Or. 2594), und die fehr
wichtigen Bruchftücke der Petersburger Bibliothek, die
der zweiten Firkowitfch'fchen Sammlung angehören.

Der Text ift von Jaftrow mit grofserSorgfalt hergeftellt,
und wir hoffen, dem gelehrten Herausgeber noch oft auf
diefem Gebiete, der hebräifch-arabifchen Literatur des
Mittelalters, zu begegnen.

Strafsburg Elf. Fr. Schwally.

Schäfer, Dr. Ernst, Luther als Kirchenhistoriker. Ein Beitrag
zur Gefchichte der Wiffenfchaft. Gütersloh,
C. Bertelsmann, 1897. (VIII, 515 S. gr. 8). M. 8.—

Eine zufammenhängende Darfteilung von Luther's
gefchichtlichen Studien und Kenntnifsen wird längft von
allen Lutherforfchern als ein Bedürfnifs empfunden. Denn
Luther's reformatorifche Thätigkeit wird zum guten Theil
durch feine gefchichtlichen Ueberzeugungen genützt, und
daher ift es nicht zufällig, dafs mit der rein dogmatifchen
Controverfe eine gefchichtliche von Anfang an eng verbunden
ift, die fchliefslich in Werke grofsartigften Stiles
ausläuft. Andrerfeits mufs eine Unterfuchung über
Luther's Gefchichtskenntnifs uns ein gut Stück weiterbringen
in der Erkenntnifs feiner Bildungsgefchichte und
damit der inneren Beziehung, die er zu den Bildungsmächten
feiner Zeit hatte. Dafs Luther's Gefchichtskennt-
nifse, auch nur auf kirchlichem Gebiet, bedeutend waren
und dafs Luther der evangelifchen Kirchengefchichts-

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